Oder habt ihr schon mal ein linkes Produkt gesehen?

November 20th, 2007

Torsun bei fluter tv.

(via Zeitrafferin)

17 Responses to “Oder habt ihr schon mal ein linkes Produkt gesehen?”

  1. ghost Says:

    danke

  2. egomane Says:

    Gemeinschaftsgefühl ist faschistisch? Die Kritik an Formen der Massenkultur mag ja diskutabel sein, aber in der Verkürzung ist das einfach nur doof. Welche Formen von Organisation gibt es denn dann überhaupt noch?

  3. julia seeliger Says:

    @egomane

    Nun ja, du bist also auch so ein Fan des rhytmischen Mitklatschens?

    Herzlichen Glückwunsch!

    P.S. Natürlich sollte man alles kollektivistische kritisch hinterfragen, in der von Torsun praktizierten Verkürzung (insbesondere: “Musik könnte man sogar als faschistisch bezeichnen”) natürlich eventuell wirklich verkürzt, weil man Musik ja auch allein zu Hause hören kann und mit anderen – wie auch immer, ob per Telefon oder Chat oder wasweissichwie – diskutieren kann.

  4. ghost Says:

    “Gemeinschaftsgefühl ist faschistisch?” das hat er so nicht gesagt. so fände ich das sicher auch falsch. gesagt hat er: “gemeinschaftsgefühl, in dem der einzelne nichts ist”
    zuhören.

  5. egomane Says:

    @ julia seeger

    > Nun ja, du bist also auch so ein Fan des rhytmischen Mitklatschens?

    Nein, wie kommst du darauf? Hatte ich das geschrieben?

    Zuhören:
    Torsun: “… könnte man fast behaupten, das Musik rechts ist.” Fast? Behauptet er das nun, oder nicht? “Fast behaupten” kann man so einiges.

    “Musik ist immer in der Lage, ein Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen…” Jede Musik? Immer?

    Was genau ist der Vorwurf? Das Gemeinschaftsgefühl schlecht ist, oder das jedes unreflektierte Gemeinschaftsgefühl mit Gefahren verbunden ist?

    Ich finde das ja nicht mal sehr abwegig, nur halt sehr schwammig.

  6. godforgivesbigots Says:

    Also ich hab gerade ein linkes Produkt an meinem linken Fuß. Und ein rechtes an meinem rechten.

  7. goncourt Says:

    Hm. Es ist doch eigentlich klar, dass solche mündlich improvisierten Minutentexte anders reflektiert werden müssen als die Phänomenologie des Geistes. In der Pointe kurzzuschließen ist in diesem Medium also legitim. Deswegen stören mich auch Fast-Deklarationen nicht so sehr.

    Allerdings finde ich, dass auch der Faschismus-Begriff sehr kurz und vage ist; nicht, dass er hier bis auf den Grund analysiert werden müsste – aber den Einwand von egomane, ob denn jede Musik auf Gemeinschaftsgefühl aus sei, kann ich auch dann nachvollziehen, wenn ich davon ausgehe, dass Torsun zunächst nicht jede Musik, sondern das Potenzial von Musik meint.

    Es gibt z.B. im experimentellen Bereich Musik, die ich als faschistisch empfinde, die aber nicht auf Gemeinschaftsgefühl aus ist als vielmehr auf “SM-Lustgefühle”. Hier hätte Faschismus weniger was mit Gemeinschaftsgefühl, als mit einem bestimmten Gewaltbegriff zu tun – das wäre ja auch die Crux bei den Onkels. Das Vernichtungsgefühl als solches – sei es in der Einordnung in einen Massenkörper (repräsentiert z.B. auch durch Riefenstahls Muskelpüppchen, die ja auch eine Fetischisierung des Unpersönlich-Animalischen darstellen, also der Auslöschung des eigenen Ichs darin) – sei es in der Gewaltempfindung gegen sich oder andere.

    Das ist sicher auch nur eine Facette. Man denke nur an den Massenmensch von Ernst Jünger, gerade im Gegensatz zu Kommunistischen Massenbegriffen z.B. bei Brecht (der in den 20er Jahren noch mit Jünger befreundet gewesen sein soll) – habe ich wirklich immer als Gegensatz empfunden: auf der einen Seite die bedingungslose Einordnung bei Jünger, auf der anderen Seite die Solidarität, die ja auch Respekt gegenüber dem Individuum bedeuten kann. Was davon historisch realisiert wurde, ist eine andere Frage.

    Für mich ist der Begriff “Massenkultur” übrigens nicht negativ besetzt, im Gegenteil.

  8. istari Says:

    @goncourt:
    torsun sagt ja nicht das “jede Musik auf Gemeinschaftsgefühl aus sei” sondern wie oben schon gesagt das es “ein gemeinschaftsgefühl” herstellen kann. Musik kann ja nichts wollen, Musik ist.

    @egomane:
    das problem ist laut, soweit ich torsuns statement verstehe, nicht das musik ein gemeinschaftsgefühl herstellt, sondern eben das ein gemeinschaftsgefühl immer dahergeht mit einer absetzung zu einem äusseren. ob das jetzt unbedingt an sich faschistisch ist waere zu diskutieren.

    “gemeinschaftsgefühl, in dem der einzelne nichts ist”, dann auch fussballgruppen, demonstrationen und lesezirkel?

    ein linkes produkt ist eines das als links vermarktet wird. ich stimme aber zu das der künstler links sein kann und nicht die musik an sich. texte, songtitel und das drumherum mal aussen vor..

  9. scheckkartenpunk Says:

    hm, wenn ihr schon immer so fragmente rausschneidet: vergesst doch mal bitte die schlüsselwörter nicht. “zynischer weise könnte man fast behaupten, dass musik rechts ist, weil musik immer in der lage ist ein gemeinschaftsgefühl zu produzieren, in dem der einzelne nichts ist, in dem der einzelne untergeht” – in der Diskussion um “linke Musik” kann zynischerweise behauptet werden, dass sie dieses (links) gerade nicht sein kann sondern genau das gegenteil. in der generierung des gemeinschaftsgefühls ist die abgrenzung von einem aussen immanent und wenn die musik identitär wirkt, so kann aus diesem gemeinschaftsgefühl heraus etwas anderes gegen das aussen gerichtet werden. aus diesem potential heraus ist es unmöglich “linke musik” zu machen, da das generierte gemeinschaftsgefühl nicht automatisch links sein muss – schön illustriert an dem beispiel onkelz und ärzte. das in dieser diskussion zynisch so zu überspitzen, und fast das gegenteil zu behaupten empfinde ich als legitimes mittel, um die unsinnigkeit einer idee “linke musik” zu verdeutlichen.

    auch experimentelle musik kann übrigens gemeinschaftsgefühl generieren, schliesslich hat die auch eine “fanbase”.

    ich gehe da auch mit torsun konform. der künstler kann links sein, die musik nicht.

    nebenbei gefragt: ist das eigentlich immer soziologisch geprägter analysedrang?

  10. istari Says:

    ja, lustigerweise, soziologisch geprägter analysedrang, der ein gemeinschaftsgefühl produziert, in dem der einzelne nicht untergeht!

    also es gibt linkes gemeinschaftsgefühl und rechtes gemeinschaftsgefühl, ist der einzelne in beidem nichts? geht es an den kern des gemeinschaftsgefühls?

  11. classless Says:

    Auch die Dialektik von Individuum und Kollektiv erführe erst nach der Aufhebung des Widerspruchsganzen eine Möglichkeit der Überwindung. (Es ist früh am morgen und schreibe schon wieder solche Sätze.)

  12. scheckkartenpunk Says:

    nun, ich denke es geht eher um das potential ein gemeinschaftsgefühl generieren zu können, in dem der einzelne untergeht. wie in dem video auch angeführt: die konzertsituation ist eine, bei der es nicht mehr um den einzelnen geht, auch wenn sie jeder für sich individuell erleben kann. ob das für ein gemeinschaftsgefühl gut ist, dessen gemeinschaft sich eher links verorten soll hängt wohl davon ab, was für ein verständnis von “links” vorhanden ist. für mich lehne ich das ab, das heißt die entscheidenden faktoren kommen nicht aus der musik, sondern müssen woanders generiert werden. so wie in eurer soziologischen analysegemeinschaft ;) – dann geht der einzelne nicht unter und musik kann auch gehört werden.

    “ja, lustigerweise, soziologisch geprägter analysedrang, der ein gemeinschaftsgefühl produziert, in dem der einzelne nicht untergeht!”

    wollte ich nur wissen, weil in vielen blogs auffällig auf eine bestimmte art kritisiert wird. ;)

  13. istari Says:

    ja das verorten ist das ding, also “links, linker, am linkischtesten”. oder so. jedenfalls, wodurch? ich mag nun behaupten das musik »an und für sich« eben kein gemeinschaftsgefühl hervorruft, sonder den menschen auf sich und sein selbst fallen laesst, sich mit sich und seinen emotionen alleine laesst. das »grosse drumherum« oder nenne ich es mal »der überbau« (!) ist es der das gemeinschaftsgefühl erzeugt, der verhaltenscodes entfalltet.

    die überwindung liegt in der abhängigkeit des einen von dem anderen.

    “wollte ich nur wissen, weil in vielen blogs auffällig auf eine bestimmte art kritisiert wird.”

    ok und jetzt: 1,2,3… welche!?

  14. scheckkartenpunk Says:

    hm – sobald musik nicht in totaler isolation erfolgt, ist der “überbau” ja da – und selbst wenn sie alleine konsumiert wird, so bietet die nachhaltig anschlusskommunikation. also fällt musik nie wirklich nur auf das selbst sondern generiert ein gemeinschaftsgefühl. welches nicht mit “gemeinschaft” verwechselt oder gleichgesetzt werden sollte. eine überwindung ist, wie kulla schon sagte, nur durch eine überwindung des widerspruchsganzen möglich. diese projektionen können zwar als blödsinn enttarnt werden, dennoch sind sie da.

    1,2,3, – z.b. die humorlosigkeit, mit der alles in einzelteile zerlegt wird und penetrantes darauf beharren, wenn eigentlich schon klar ist, in welchem kontext oder mit welcher absicht aussagen in den raum gestellt wurden.

  15. istari Says:

    diskurse sind ausgelegt das ein beharen auf den jeweiligen standpunkt vorliegt. das andere ist konservation. also die kunst des gesprächs, das wurde auch mal versucht als mutualität zu benennen.

    musik: stimmt schon es ist praktisch schwer zu trennen, doch um handlungsmöglichkeiten bzw. problemlösungen zu finden sollte diese trennung erkannt werden. darauf folgt: warum wollen menschen ein gemeinschaftsgefühl! hier wird es interresant, weil der einzelne eben sich nicht vorstellen kann alleine etwas zu sein. jetzt so als idee. ich denke ohne diese erkentniss gibt es da keine emazipation. wie also laesst sich das ei knacken und das gelbe trennen um das weisse aufzuschlagen?

    hm. “gemeinschaft” und gemeinschaftsgefühl, sagt ja das das gefühlt einer gemeinschaft eine falsche gemeinschaft vorgaukelt, aber eine gemeinschaft ist doch auch immer gefühlt, damit meine ich das eine gemeinschaft ja aus teilen der individuen besteht und sich dort die parameter für gemeinschaft verschieben, die zusammensetzung ändert.

    es gibt auch schrecklich langweilige konzerte, wo alle zuschauer gelangweilt zusehen oder sich unterhalten, ich wuerde behaupten das dies auch ein gemeinschaftsgefühl ist.

  16. godforgivesbigots Says:

    goncourt – Also in endlichen Räumen ist der Übergang zwischen Gemeinschaftsgefühl und Körperlichkeit fließend, nach den Konzertfotos die hier gepostet wurden sind Egotronic zumindest in diesem spezifischen Sinne dem deutschpunk zuzurechnen. Was jeder einzelne im Pogo empfindet ist natürlich unterschiedlich.

    Dennoch würde ich den Marquis nicht als faschistisch einordnen. Der Sadomasochismus verwirklicht sich in der umkehrbaren aus der Geschichte herausgelösten Gewalt, der Faschismus ist unumkehrbare Gewalt und erzeugt gerade dadurch ein Bedürfnis nach Geschichtsrevisionismus. Der Nationalsozialismus bediente sich der Archetypen der Romantik, des Kommunismus und des Sadomasochismus (bzw. Mussolini des Römischen Reiches) weil er von Anfang an eine Strategie des Mimikry verfolgte, siehe Mein Kampf II/7. Daher hat er auch auf dem Gebiet der Musik nichts von bleibendem Wert hinterlassen.

  17. “Linke Musik” « shigekuni. Says:

    [...] classless kulla (schon wieder. so langsam reicht’s auch. *lach*) Leave a Comment Leave a Comment so far [...]

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