Verunsicherung statt Überzeugung

July 20th, 2008

Eine ganze Reihe guter Gedanken finden sich in Oliver Jelinskis leider online nicht verfügbarem Text “Helden in glänzenden Rüstungen und die Wirklichkeit. Warum Ideologiekritik nicht heißt, das Nicht-Wissen der Massen durch Wissen zu ersetzen” in der aktuellen Phase Zwei. Schwierig, eine repräsentative Stelle zu zitieren, aber vielleicht nehmen wir diese:

>>Wer Krisenhoffnungen hegt, muss entweder meinen, dass das emanzipatorische Bewusstsein nicht so wichtig für die Umwälzung der Verhältnisse ist, sondern dass es darauf ankommt, dass viele wütende und enttäuschte Menschen einfach irgendwann genug haben und nicht mehr mitmachen; oder aber er oder sie muss meinen, sich in der Krisensituation das Bewusstsein von alleine bildet… Die erste, die Umwälzung durch den Mob, will ich nicht miterleben… Die zweite Hoffnung dagegen, dass ganz viele Menschen durch eine Krise Interesse an linker Theorie bekommen… Die Linke braucht keinen Gott, sie hat die Krise.<<

In ähnlich unbefangener Weise nimmt sich Jelinski weitere Kernelemente von heutiger Ideologiekritik vor, etwa die Fetischkritik, um dann im letzten Absatz den klassischen Überzeugungs- und Agitationsmodus zu verwerfen:

>>Eine lange Jahre gereifte und verfestigte ideologische Konstruktion der Welt verändert man kaum, indem man ihr eine andere, möglicherweise bessere oder gar richtige, äußerlich entgegenhält. Stattdessen muss alles Reden darauf ausgelegt sein, dass das Gegenüber in seiner ideologischen Konstruktion unsicher wird, dass es Widersprüche entdeckt, die es nicht zu kitten vermag.<<

30 Responses to “Verunsicherung statt Überzeugung”

  1. paule Says:

    [...] leider online nicht verfügbarem Text [...]

    Kommt noch. Wenn die Phase 2 genug Zeit zum Verkaufen hatte, soll der Text im [pærɪs]-Blog veröffentlicht werden.

  2. godforgivesbigots Says:

    Der Kapitalismus braucht keinen Gott, er hat die Atomenergie.

  3. Arschkrebs (2.0/compatible) Says:

    Hast du Aushilfsdagmar jetzt auch noch was gegen Atomenergie?

  4. Gehirnschnecke Says:

    @ Arschkrebs

    Ich hab nichts gegen Gott und/oder Atomenergie. Gegen den ersten hab ich nichts, weil es ihn nicht gibt und gegen Atomenergie hab ich eigentlich auch nichts, wenn doch nur mehr Menschen einsehen würden, dass sie zur Lösung der momentane Probleme ungeeignet ist.

    Natürlich kann man den Planeten weiter veseuchen, den Schwachsinn regieren lassen und einen imaginären Freund dann für alles verantwortlich machen. Muss man aber nicht.

  5. Arschkrebs (2.0/compatible) Says:

    Ich wusste gar nicht, dass du hier mit 2 verschiedenen Identitäten unterwegs bist. Seis drum. Wenn dann regiert der Schwachsinn jetzt. Obwohl Sonne- und Windenergie überhaupt keine reale dauerhafte Stromleistung vorhalten können, werden die Dinger überall aufgestellt, subventioniert ohne Ende, und der Strom am Ende sinnlos teurer. Kohle will man auch nicht mehr, stattdessen wird dann Gas verheizt, was ja viel besser ist. Demnächst werden wir dann unseren Strom aus dem Ausland beziehen, der aus Kohle, und Kernkraft (Frankreich 90%) erzeugt wurde. Super Sache das, hauptsache die grünen Ideologen haben ihr “atomfreies” Deutschland und können sich als die beste Nation der Welt vorkommen.

    Mittelfrisitg ist Kernkraft durchaus eine Lösung, bis man mit der Fusionsenergie soweit ist, und/oder Wege gefunden hat, durch Wind- und Sonnenenergie erzeugten Strom effektiv speichern zu können.

  6. sashque Says:

    “Obwohl Sonne- und Windenergie überhaupt keine reale dauerhafte Stromleistung vorhalten können,”

    Doch. Ist nur eine Frage des Wirkunsgrades.

  7. Arschkrebs (2.0/compatible) Says:

    Kannst du das bitte weiter ausführen? Das Problem ist doch man bei Wind- und Sonnenenergie nicht voraussetzen kann, dass sie da ist, wenn man sie braucht. Deswegen müssen konventionelle Kraftwerke die voraussichtlich benötigte Strommenge immer vorhalten.

  8. knecht Says:

    @Arschkrebs
    zieh dir mal einen pullover an und mach endlich deinen computer aus.
    übrigens, nachtwächter wäre ein job für dich!?

  9. sashque Says:

    @arschkrabbe: “Kannst du das bitte weiter ausführen? Das Problem ist doch man bei Wind- und Sonnenenergie nicht voraussetzen kann, dass sie da ist, wenn man sie braucht.”

    Ich bezog mich dabei z.B. auf reversible Brennstoffzellen… Nur so als Beispiel.

  10. Arschkrebs (2.0/compatible) Says:

    @knecht
    Die Unterschicht hat die Klappe zu halten, wenn gebildete Menschen Konversation pflegen. Nimm dir lieber ne Schaufel und mach dich irgendwo nützlich!

    @sashque
    Kannst du mir trotzdem nochmal etwas ausführlicher erklären was du meinst, anstatt nur ein Beispiel hinzuwerfen.

    Ich nehme mal an die gings um Speicherung von Energie, wenn ich das Beispiel jetzt richtig interpretiert habe. Ich finde solche Sachen auch spannend, aber im Moment ist das technisch noch nicht ausgereift. Sonst würde es mit Sicherheit auch schon in großem Stil Anwendung finden.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Reversible_Brennstoffzelle

  11. classless Says:

    Arschkrebs, knecht, könnt ihr euch vielleicht ein bißchen zusammenreißen? Ist ja schon wieder wie auf’m Pausenhof.

  12. Gehirnschnecke Says:

    @ Arschkrebs

    Du unterstellst mir eine Persönlichkeitsspaltung? Was hab ich getan?

    Natürlich regiert der Schwachsinn jetzt, Du musst mich nicht wiederholen – er nennt sich auch “Profit” und er tut das auch noch, wenn ganz Deutschland ein AKW sein wird (oder ein Windrad). Was ich jetzt garnicht so schlimm finden würde, wie Du wohl denkst. Natürlich kann (und muss man wohl) den Planeten auch nur mittelfristig verseuchen, schön auch, wenn gewisse Papageien der Atomlobby sich dann besser fühlen können als “die Grünen”. Ich würde Dir diesen “Triumph” auf keinen Fall nehmen wollen. Unter Fortschritt allerdings würde ich weder Deine noch Claudia Roths “Ideen” einordnen.

    Die ganze Fixierung auf den Energieqaurk hier ist zudem kaum bezeichnend für “die Linke” und ihre ideologischen, blinden Flecken. Und um die gings ja immerhin ursprünglich mal. Wenn Du Atomfans brauchst, surf doch einfach zur “Achse des Guten”.

  13. sashque Says:

    @arschkrebs: naja. der Wirkungsgrad konnte ja sowohl bei Brennstoffzellen wie bei Solaranlagen in den vergangenen Jahren ziemlich gesteigert werden. Noch vor zehn Jahren wurde Solarenergie ziemlich belächelt, weil die Herstellung zu energieaufwendig war um sich zu lohnen. Der Fortschritt kommt nicht von irgendwoher. Weil das ausgiebige Testen und Vergleichen von Werkstoffen kostenintensiv ist, machen die Subventionen eben doch Sinn.

    Die Möglichkeit Energie z.B. in Form von H2 zu speichern macht das Ganze noch interessanter. Natürlich unter der Voraussetzung, dass der Wirkungsgrad so hoch ist, dass es Sinn macht Energie “auf Vorrat” umzuwandeln. Immerhin gab es ja schon Prototypen von “Kellerkraftwerken” auf Basis von Brennstoffzellen.

  14. Arschkrebs (2.0/compatible) Says:

    @Gehirnschnecke
    Du hast so selbstverständlich für godforgives… geantwortet, dass der Eindruck entstand, als wenn du diese Person bist.

    Ich verstehe immer nicht was du mit Verseuchen hast. Wo hat denn dei Kernkraft hier irgendwas verseucht?

    @sashque
    Ich habe nichts gegen die Erforschung der Solarenergie, da kann man auch ruhig Geld reinstecken, und auch Testanlagen bauen, aber es als fertiges Konzept zu verkaufen, ist ziemlich sinnlos. Die Aufstellung dieser Dinger bringen nur einem was, dem der sie aufstellt, der die Subventionen einstreicht, und demjenigen der sie herstellt, niemandem sonst. Mit den Windrädern verhält es sich ganz genauso und da findet es auch in viel größerem Stil statt. Da gehts inzwischen um Milliardensummen. Hier wird einfach nicht effektiv gewirtschaftet. Strom könnte viel billiger produziert werden, das ist für eine “kommunistische Gesellschaft” genauso relevant.

    Bei Solarenergie wird aber der Rohstoff eine große Rolle spielen. Reiner Quarzsand, der für die Herstellung des Siliziums benötigt wird, braucht auch die Glas- und Halbleiterindustrie. Die verstärkte Nachfrage durch die Solarindustrie haben jetzt schon zu enormen Engpässen geführt, zusätzlich wird die Nachfrage in Ländern wie China und Indien allgemein größer. Das heißt der Weltmarktpreis wird noch ganz schön anziehen und damit auch Solaranlagen in der Herstellung teurer.

    Achja, was haben jetzt eigentlich diese Kellerkraftwerke mit Solarenegie zu tun, die beruhen doch auf der Gewinnung von Wasserstoff aus Erdgas. Bisher sind die aber zu teuer, die kosten mehrere 10.000, das kann sich “Ottonormalverbraucher” kaum leisten von HartzIV-Empfänger ganz zu schweigen. Bei den Energiekonzernen (die übrigens auch sehr an dieser Technik interessiert sind) rechnet man mit einem Durchbruch in den nächsten 10 Jahren und wird auf jedenfall auf Erdgas basieren, das klingt mir doch alles ziemlich vage um darauf jetzt die Energiewirtschaft umzustellen.

  15. Gehirnschnecke Says:

    @ Arschkrebs

    Das ist mir ja noch garnicht aufgefallen. Aber darf ich Dich in Zukunft “Dr. Benny Peiser” nennen? Ich entdecke da nämlich auch diverse Übereinstimmungen…

    Natürlich “verseucht” Atomenegrie in Germanien bisher wenig (von diversen Gedanken bei Befürwortern wie Gegnern mal abgesehen) – und Tschernobyl liegt ja bekanntlich auf einem anderen Planeten.

    Dürfen wir die ausgebrannten Brennstäbe eigentlich in deinem Keller lagern? Würde mich einfach mal interessieren.

  16. Arschkrebs (2.0/compatible) Says:

    @Gehirnschnecke
    Ich gehe davon aus, dass die Kraftwerke so konstruiert sind, dass so etwas nicht passieren kann. Das ist wohl auch der Grund, warum hier noch keine 3-äugigen Fische in den Seen rumschwimmen.

    Die Brennstäbe werden fast komplett recycelt. und die 5% die übrig bleiben, werden eingeschmolzen und in ein entsprechendes “End”lager gebracht. In spätestens Hundert Jahren wird das Zeug wieder rausgeholt, weil die Technik dann soweit ist, dass auch der Rest wieder verwertet werden kann. Die Technik ist heute schon wesentlich weiter als in den 70ern, und sie wird es auch in Hundert Jahren sein.

    In Haifa bin ich übrigens nicht geboren.

  17. Gehirnschnecke Says:

    @ Arschkrebs

    Das taten die Betreiber von Tschernobyl vermutlich auch. Aber am deutschen Wesen wird vermutlich auch wenn es um Atomenergie geht mal wieder die Welt genesen – stimmts?

    Aber man könnte die Brennstäbe ja auch in Deinem Keller lagern – wenns doch alles so harmlos ist.

    Ich wehre mich schlicht dagegen, sämtliche Kritik an dieser Technik als “Ideologie” abzutun. Natürlich wehre ich mich ebenso dagegen sämtliche Fürsprache als solche anzusehen. Um nochmal auf das eigentlich Thema zurückzukommen.

    Dabei ist Haifa so schön.

  18. Arschkrebs (2.0/compatible) Says:

    Wenn du schon von deutschem Wesen redest, eben genau das ist tatsächlich der Grund, warum ich mir hier am wenigsten Sorgen mache, wenn es um Kernkraft geht. Hier gibt es so viele bürkratische Vorschriften, Grenzwerte die eingehalten werden müssen und Kontrollen die durchgeführt werden, dass sich da kaum noch Fehler einschleichen können. Zumal den Betreibern noch eine Meute von Skandalreportern im Nacken sitzt, die sich auf den kleinsten Störfall stürzen, damit die Ökos sich wieder ein bißchen gruseln können.

    Man kann die Brennstäbe nicht in meinem Keller lagern. Als gestandener Kellerinf wohne ich natürlich selbst im Keller. Ich habe auch nie behauptet, dass die Rückstände ungefährlich sind, deswegen werden sie auch gesondert gelagert und nicht einfach in den See geschmissen wie es in Russland jahrelang üblich war.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Karatschai-See Dass es dann natürlich zu Verseuchung kommt, ist nicht verwunderlich, tritt aber bei sachgerechter Lagerung nicht auf.

    Ich hätte auch nichts dagegen gehabt, dort geboren zu werden. Dort haben sie auch ein wesentlich pragmatischeres Verhältnis zur Kernenergie.

  19. Gehirnschnecke Says:

    @ Arschkrebs

    Wie pragmatisch der Umgang mit der harmlosen Kernenergie wohl in Prypjat sein mag? Vielleicht solltest Du ja dorthin ziehen?

  20. Arschkrebs (2.0/compatible) Says:

    Herrjeh, das ist nun doch etwas zu billig, nicht wahr.

  21. Gehirnschnecke Says:

    @ Arschkrebs

    Billig dürfte es in Prypjat durchaus sein.

  22. Arschkrebs (2.0/compatible) Says:

    Das mag ja sein, aber was ist dort mit den Friseuren?

  23. Gehirnschnecke Says:

    Die hören sich dort sicher Deinen Scheiss an, schließlich müsstest Du sie ja dafür bezahlen – ich widme mich jetzt wieder lohnenderen Beschäftigungen. Ein schönes Leben noch.

  24. Arschkrebs (2.0/compatible) Says:

    Es hat den Reiz des apokalyptischen, aber ohne Internet wirds mir da sicher schnell zu einsam. In Wirklichkeit gibts dort gar keine Friseure.

  25. godforgivesbigots Says:

    @Aushilfsdagmar – Da sitze ich zur Abwechselung mal wieder an einem anderen Rechner, und schon ist mein Name schwarz statt blau und man kann meine Schwerpunktsendungen zu energie- und sicherheitspolitischen Themen nicht mehr klicken. Nuja.

    Konkret zu Deiner Frage meine ich, die Staatengemeinschaft sollte alle Haftungsobergrenzen für Atomunfälle ersatzlos streichen, denn das sind verdeckte Subventionen in Form von unlauteren Entbindungen von der Versicherungspflicht, welche gegenwärtig die Atomkonzerne der Regulation durch den Markt entziehen. Bis es dazu kommt unterscheidet sich nämlich die kapitalistischen Atomanlagen in ihrer zivilisatorischen Risikobilanz lediglich graduell von der (schurken-)staatlichen. Dass ein solcher Schritt zur Abschaltung des Internet führen würde ist weitaus weniger wahrscheinlich als deren Herbeiführung infolge eines waffenmäßigen Einsatzes von Atommaterial aus einer (schurken-)staatlichen Atomanlage unter dem Vorwand der zivilen Energieversorgung.

  26. Arschkrebs (2.0/compatible) Says:

    Mit wem diskutierst du da? Ich kann den roten Faden zur Diskussion hier nicht finden.

  27. godforgivesbigots Says:

    Volltextsuche?

  28. Arschkrebs (2.0/compatible) Says:

    Sprung in der Schüssel?

  29. godforgivesbigots Says:

    Selbstdiagnose?

  30. alkohol Says:

    @ Ak (2/c)

    In spätestens Hundert Jahren wird das Zeug wieder rausgeholt, weil die Technik dann soweit ist, dass auch der Rest wieder verwertet werden kann. Die Technik ist heute schon wesentlich weiter als in den 70ern, und sie wird es auch in Hundert Jahren sein.

    Ach, warum wird hier der ganze Fortschrittsoptimismus nur auf die fragwürdige Atomenergie gewandt? Dass es mit der sachgerechten Lagerung auch in diesem unserem bürokratischen Land nicht so einfach ist, sieht man ja an Asse II.

    @ CK
    In ähnlich unbefangener Weise nimmt sich Jelinski weitere Kernelemente von heutiger Ideologiekritik vor, etwa die Fetischkritik, um dann im letzten Absatz den klassischen Überzeugungs- und Agitationsmodus zu verwerfen:

    >>Eine lange Jahre gereifte und verfestigte ideologische Konstruktion der Welt verändert man kaum, indem man ihr eine andere, möglicherweise bessere oder gar richtige, äußerlich entgegenhält. Stattdessen muss alles Reden darauf ausgelegt sein, dass das Gegenüber in seiner ideologischen Konstruktion unsicher wird, dass es Widersprüche entdeckt, die es nicht zu kitten vermag.<<

    Und ganz zum Schluss wird dann selber schon wieder fast parolenhaft gefordert, doch endlich mal die Parolen sein zu lassen.
    Jaja, Parolen nerven meist und sind selbst noch kein Argument. Andrerseits muss man ab und zu auch einfach mal sagen, wo man steht und was man will. Sonst versackt man nachher noch auf dem langen Marsch durch die über Jahre gereifte und verfestigte ideologische Konstruktion der Welt.

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