Der persönliche Marktwert

July 30th, 2008

Seitentitel: “Datenschutz: Regierung vebessert Bürgerrechte beim Scoring”

Im Teaser heißt es dann schon: “Das Bundeskabinett will den Datenschutz beim Scoring verbessern. Doch der beschlossene Gesetzentwurf stärkt vor allem die Rechtssicherheit für Kreditfirmen.”

Und im Text findet sich dann eher solches:

>>Katrin Schmidt hieß bis vor einiger Zeit wirklich so und das war schon ihr ganzes Problem. Es gab eine Frau gleichen Namens und gleichen Geburtsdatums, die irgendetwas getan haben muss, das zu einer “Einmeldung Kreditkarte” bei der Schufa führte – zu dem Hinweis also, dass dieser Person in Gelddingen nicht zu trauen ist.

In den Datenbanken des Kreditbüros wurden die beiden Schmidts wie auch immer zu einer und konnten erst nach vielen Briefen und Telefonaten wieder getrennt werden. Über Jahre hinweg besaß unsere Katrin Schmidt das miese “Scoring” einer anderen. Ihr Name war nichts wert.<<

Netzpolitik kommentiert:

>>Das “berüchtigte Geo-Scoring” würde damit legalisiert. Dabei geht es darum, dass man schlechtere Scoring-Daten erhält, wenn man in der falschen Wohngegend wohnt.<<

Inwiefern in diesen Fragen Risikominimierung soziale Mobilität systematisch aussticht, wird allerdings nicht diskutiert. Vom Staat wird erhofft, den "guten" Markt herzustellen, und dazu muß er dann bei aller Kritik auch gelobt werden. Bei Zeit Online heißt es:

>>Es ist gut, dass die Bundesregierung überhaupt versucht, die rüden Methoden des Scorings zu regulieren. Die zwei grundlegenden Mängel des Verfahrens aber – die Qualität der Daten und die Plausibilität der Analyse – wurden nicht beseitigt.<<

Umsichtigere Gesetzgebung würde also nach dieser Auffassung zu besseren Statistiken führen, die dann präzise auf den Einzelfall zugeschnitten zeigen könnten, ob jemand etwas wert ist. Wäre das nicht schön?

15 Responses to “Der persönliche Marktwert”

  1. Gehirnschnecke Says:

    Ach, auch ohne “Geo-Scoring” wird aus Europa schon noch eine Kastengesellschaft. Das wird schon! Mein persönlicher Liebling ist zur Zeit “Rotten Neighbor”:

    http://www.rottenneighbor.com/

    Das ist auch richtig eklig.

  2. goncourt Says:

    Hübscher Placebo-Effekt: “Transparenz” erhalte ich darüber, dass ich für die Firmen “transparent” bin. Es ist alles so klar wie Wasser.

  3. nonono Says:

    @goncourt

    Genau, du kannst dir jederzeit Auskunft darüber verschaffen, wie wenig du wert bist! Immerhin, so habe ich irgendwo gelesen, soll es die Bonität nicht mehr negativ beeinflussen, wenn man eine Selbstauskunft einholt. Nett, oder?

  4. naja Says:

    http://www.youtube.com/watch?v=R6jB65023Qg&feature=related

  5. Arschkrebs (2.0/compatible) Says:

    Oh, zum Thema Gelddinge habe ich auch noch was:
    http://youtube.com/watch?v=NbyxdKKEhQk

    @naja
    Stereo Total sind auch nicht mehr das, was sie mal waren!

  6. Gehirnschnecke Says:

    Ich will den Kapitalismus lieben: http://www.youtube.com/watch?v=kyzaSCcfWfw

  7. Arschkrebs (2.0/compatible) Says:

    So ein schönes Lied, und so eine schlechte Aufnahme, das hör ich mir dann doch lieber auf CD an.

  8. Gehirnschnecke Says:

    Huch! Ist das nicht zu “szenig” oder gar “unnormal”? Sollte hinter all dem billigen Zynismus der harten Arschkrebsschale doch noch sowas wie ein Herz schlagen?

    Schön, dass es noch Momente gibt, die einen optimistisch stimmen.

  9. Arschkrebs Says:

    Funny van Dannen “szenig”? Ich glaube, da hast du Funny nicht begriffen. ;) Wie kommst du eigentlich darauf, dass ich in Begriffen wie “unnormal” denke? Weil ich mich nicht an eure “unnormale Szene” anpasse?

  10. Gehirnschnecke Says:

    @Arschkrebs (was wurde aus v2.0???)

    Natürlich begreife ich Funny nicht – ich bin ja zu blöd zum scheissen. Und natürlich bin ich der Blokwart der moralinsauren “Antideutschen”. Und nichts verlange ich mehr als gefälligst Unterwerfung unter mir eigentlich auch fremde “Szenediktate”.

    Wenigstens bist Du ja klug und solch ein Original.

    Darf ich bitte wie Du werden?

  11. Arschkrebs (2.0/compatible) Says:

    Das war dann wohl ein anderer Arschkrebs und nein, du darst nicht wie ich werden und quassel mich nicht mit deinem sinnlosen Szeneslang voll.

  12. classless Says:

    “Das war dann wohl ein anderer Arschkrebs”

    Hm, war aber dieselbe IP-Adresse…

  13. Arschkrebs (2.0/compatible) Says:

    Ja, und? Wir wohnen hier mindestens zu zweit in unserer Höhle.

  14. lahmacun aka Laura Says:

    basel II fürs internet und die kleinen leute. und?

  15. godforgivesbigots Says:

    Kann man da auch selber reinschreiben was man zum Thema Geld denkt?

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