Saturn kennt keine Krise [Update]

March 24th, 2009

Bei South Park senkt “Wall-Mart” die Preise, als es brenzlig wird. In Berlin werden die Läden einfach immer größer und dichter nebeneinander gebaut. Nur wenige Meter neben dem Einkaufszentrum Alexa mit dem größten aller Media Märkte, bei dessen Eröffnung (“Die größte Öffnung seit dem Mauerfall”) es vor gerade mal anderthalb Jahren Tumulte mit Verletzten gab, macht nun ein noch größerer “Saturn” auf, Eigenwerbung: “Größenwahnsinn”.


Media-Markt-Eröffnung: “Bloß raus hier!”

Der “Media Markt” platzt längst nicht mehr aus allen Nähten, und die wirtschaftliche Gesamtlage hat sich in der Zwischenzeit nicht eben günstiger entwickelt. Doch die Elektronikmärkte “trotzen der Krise“. Zeit für ein neues Spektakel: “Mit eigenen Ordnungskräften in ‘dreistelliger Personalstärke’ und starker Polizeipräsenz will die Saturn-Geschäftsleitung in der Nacht zum Mittwoch ein Eröffnungschaos verhindern.” (Berliner Morgenpost)

Shirin van der Hofft von der “Sektion der unherschweifenden Hedonistinnen” der Hedonistische Internationale, die bei der Media-Markt-Eröffnung nach eigenen Angaben “für Chaos und Verwirrung gesorgt” hatte, erklärt:

>>Wir werden definitiv nicht mit 300-400 Leuten zu dieser Veranstaltung kommen. Wir werden auch keine mobilen Soundsysteme mitbringen und werden diese Eröffnung in keiner – ich wiederhole – in keiner Weise stören. (…) Wir planen weder eine Blockade noch sonstige Störaktionen innerhalb des Einkaufscenters. Niemand hat die Absicht den Kapitalismus in seinem Lauf zu beeinträchtigen. (…) Von uns ist nichts zu befürchten – wir wünschen den Leuten viel Spaß in der Schlange und beim Prügeln um Sonderangebote.”<<

Na denn, gut Holz! Es ist ja für die Sache! (Z.B. ein eimerbilliges Notebook ohne Grafikkarte! Und die Terabyte-Platte für zehn Euro weniger als nebenan!)

Saturn am Alex vor der Eröffnung
Der “Saturn” Stunden vor der Eröffnung

Update: Die Eröffnung verlief laut Tagesspiegel friedlich mit nicht mal halb so vielen Kunden wie im September 2007 gegenüber. Einem Augenzeugen wurde dennoch auch so “klar, dass es für die Erkenntnis, dass eine solche Gesellschaft tatsächlich keine Kriege und Faschisten braucht um die Widerwärtigkeit der Konkurrenz begreifbar zu machen.”

23 Responses to “Saturn kennt keine Krise [Update]”

  1. A Says:

    Die Hedonistische Internationale platzt aber auch nicht mehr aus allen Nähten.

  2. travis Says:

    Na Logen, auf Zeiten det Malochen komm Zeiten det Verbrochen…
    http://en.wikipedia.org/wiki/Cobweb_model

  3. Organisiert den Kaufhausklau! « Gratis Mittagsbueffet & Happy Hour-Angebote Says:

    [...] Nacht wurde der neue riesige Saturn aufm Alexanderplatz eröffnet und wie vor anderthalb Jahren beim [...]

  4. vr Says:

    Gibt’s da eigentlich auch jetzt noch die Angebote mit 0% Zinsen ohne Anzahlung?

  5. classless Says:

    Keine Ahnung, vielleicht gibt’s auch noch Bargeld in Markenwährungen dazu…

  6. Oompa Loompa Says:

    wieso “dennoch”?

  7. schallstrom Says:

    Wieso Konkurrenz? Dir ist schon klar, dass sowohl Mediamarkt als auch Saturn zur Metro AG gehören?

  8. classless Says:

    @ schallstrom

    a) Habe ich die zitierte Äußerung falsch verstanden? Da geht’s doch um die Konkurrenz allgemein am augenfälligen Beispiel der “Schnäppchenjäger”, oder nicht?

    b) Zum gleichen Konzern zu gehören, heißt nicht unbedingt, daß der Wettbewerb aufhört. Auch die einzelnen Läden der jeweiligen Kette konkurrieren untereinander. (Und die verschiedenen Konzernabteilungen, Produktbereiche und die Mitarbeiter…)

    @ Oompa

    (geändert)

  9. Cannabis Kommando Says:

    Der wichtigste Kunde von Hypo Real Estate kennt auch keine Krise:

    Die Entscheidung sei eben: Weltweit mit dem Flugverkehr mitwachsen oder weichen. Die aktuelle Wirtschaftskrise? Die gehe vorüber, so wie die Krise im Flugverkehr nach Tschernobyl oder dem 11. September. Und wenn nicht? “Dann reden wir sowieso von einer ganz anderen ökonomischen Welt.”

    Ordnungskräfte! Polizei!

  10. schallstrom Says:

    a) Ach so, ja, hm, hab den Link nicht angeklickt gehabt, deswegen…

    b) Stimmt schon, aber das ist doch dann wohl kein Wettbewerb im marktwirtschaftlichen Sinne. Die Entscheidung, ob ein Konkurrent aus dem Wettbewerb ausscheidet liegt nämlich nicht mehr bei den anonymen Kräften des Marktes (wer produziert bzw. verkauft am effizientesten) sondern beim Aufsichtsrat.

  11. lasterfahrerei Says:

    zu b) dafon hab ich auch schon gehört. abteilungen ein und des selben konzerns arbeiten gegen die andere. der bericht wusste nicht so recht ob das jetzt gut oder schlecht für den freien markt ist. snafu laesst gruessen. surviving of the …

  12. classless Says:

    @ schallstrom

    Und wonach entscheidet der Aufsichtsrat? Und womitund worum konkurrieren die Abteilungen und Mitarbeiter?

  13. lasterfahrerei Says:

    der aufsichtsrat entscheidet danach, wovon er denkt, das es sich am besten verkauft. wenn der aufsichtsrat überhaupt entscheidet.

  14. schallstrom Says:

    Die Konkurrenz zweier Mitarbeiter innerhalb eines Betriebes hat einen anderen Charakter als die Konkurrenz zweier Marktteilnehmer. Auf dem Markt treten die Arbeiter als formal Freie auf. Das Konkurrenzverhältnis zweier Arbeiter ist vermittelt durch den Markt. Jeden morgen hängen die Arbeiter ihre Freiheit zusammen mit ihrer Privatkleidung in den Spind um sich ihr Mediamarktsaturn-Poloshirt überzustreifen. Der Arbeitgeber hat dann die Verfügungsgewalt über die Zeit des Arbeiters. Nun wird sowohl das Herrschaftsverhältnis zwischen Arbeiter und Kapitalist, innerhalb des im Vertrag vorgegebenen zeitlichen und sonstigen Rahmens, unmittelbar und auch das Konkurrenzverhältnis zwischen zwei Arbeitern eines Betriebs.

  15. classless Says:

    Äh, ja.

    Still: Der Saturn am Alex und der Media Markt am Alex stehen in Konkurrenz zueinander, sie versuchen, ihre Umsatzzahlen zu steigern, was offensichtlich nur auf Kosten des jeweils anderen Marktes und im Wettbewerb mit ihm geht.

  16. schallstrom Says:

    In dem Sinne wie es auf die Kosten Bedienung A geht wenn ich mich in meinem Lieblingscafé lieber von Bedienung B bedienen lasse, ja.

  17. classless Says:

    Nee, auch in dem Sinn, daß Preise, Einkaufsmengen, Werbeprospekte, Sprachregelungen und Aktionen darauf abgestimmt werden, dem anderen Laden Kunden abzujagen. Und zum Schluß eigentlich nur die Umsatzzahlen entscheiden bzw. anhand der Umsatzzahlen entschieden wird.

    (Bedienung A fliegt vielleicht auch raus, wenn sie insgesamt viel weniger Umsatz macht als Bedienung B.)

  18. Cannabis Kommando Says:

    Alt, aber hierzu passend: The terrible secret of space

  19. schallstrom Says:

    Genau darin offenbart sich doch der entscheidende Unterschied: Entweder “Umsatzzahlen entscheiden”, was sie natürlich nicht können, sie sind nur Erscheinung der anonymen, unbewussten Kräfte des Marktes. Oder “es wird anhand der Umsatzzahlen entschieden”, nämlich von einem bewussten und persönlich handelnden Subjekt, das, gerade wenn es ein Monopol innehat, nicht immer und unter allen Umständen sich profitorientiert verhalten muss.

  20. classless Says:

    Kann ich nicht entscheiden, deshalb hab ich ja beides hingeschrieben. Inwiefern an der Stelle bewußte Entscheidungen vorliegen bzw. in welchem Maß sie bewußt sind, scheint mir schwer zu sagen. Ebenso, nach welchen anderen Kriterien von einer Monopolstellung aus entschieden wird.

  21. schallstrom Says:

    In unserem konkreten Beispiel werden sich die jeweiligen Entscheidungsträger bei Mediamarkt und Saturn wahrscheinlich nicht sehr viel anders verhalten, als wenn beide Unternehmen nicht zum gleichen Konzern gehören würden. Mir ging es ja auch nur darum, darauf hinzuweisen, dass das aber nicht zwangsläufig so ist, sondern z.B. in einem anderen politischen Kontext auch anders sein kann, und ich es deswegen für wichtige halte, das analytisch zu unterscheiden.

  22. classless Says:

    Okido.

  23. lasterfahrerei Says:

    hm. wird sich schon irgendwie lohnen auch wenn der laden schlecht laufen sollte kann man sich sicher irgendwelche hilfpackete abgreifen.

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