Stefan Frank im Zielona Gora

April 6th, 2009

Peter Nowak, wie immer vor dem Transparent mit der Aufschrift “Die Vereinzelung überwinden – Für den Kommunismus!” (warum schließt sich das denn aus?), freut sich über die vielen Besucher seines “Roten Abends”. Er nutzt die Gelegenheit, den “neuen Gesichtern” ausführlich seine “Internationalen Kommunisten” (manche nennen sie “Interproll”) und das Ziel der Selbstaufhebung der Klassen vorzu stellen, verteidigt für die Praxis die Intervention in soziale Bewegungen (Anti-Hartz-IV, Krisendemo). In Deutschland würden jetzt alle wie Attac reden, auf der Grundlage der sozialen Marktwirtschaft gegen Bankiers und Manager wettern. Wenn jedoch in der Jungle World geschrieben wird, daß beim Slogan “Wir zahlen nicht für eure Krise” das “Wir” für Deutschland und das “eure” für Amerika stünde, sei das falsch. (In der Diskussion wurden allerdings auch hier unter den versammelten Kommunisten Stimmen laut, die diese Frontstellung behaupteten.) Tatsächlich müsse die Frage gestellt werden, ob wir uns den Kapitalismus überhaupt noch leisten können.

Stefan Frank, der mit seinem Vortrag heute abend sein Buch “Die Weltvernichtungsmaschine” vorstellen will, beginnt mit dem Disclaimer, über produktionsbasierte Erklärungsmodelle und Überakkumulationskrise nicht reden zu wollen, weil das eben nicht sein Ansatz sei. In seine historische Zusammenschau der Finanzmarkt-Krisen der letzten reichlich 100 Jahre steigt er mit der Beobachtung ein, daß der Bau von Rekord-Wolkenkratzern oft unmittelbar vor großen Krisen stattfinden würde. Das sei beim Singer Tower 1907 so gewesen, beim Empire State Building und dem Chrysler Bulding unmittelbar vor der Weltwirtschaftskrise, beim WTC in den frühen 70ern, den Petronas Towers Mitte der Neunziger und jüngst beim Bau der Superhochhäuser von Moskau und Dubai. (siehe z.B.: Das dreht.)

“Einen Kilometer hoch wollten sie bauen – nun ja, das hat man nun davon”, kommentiert Frank, und in dieser kurzen Bemerkung macht er eine moralische Kategorie auf, die im weiteren Verlauf seines Vortrags, anders als ich es aus seinen Texten in der konkret erinnerte, immer häufiger auftauchen sollte: es sei ein Maß überschritten worden, eine Normalität außer Kraft gesetzt, “unsinnige Projekte” seien verfolgt worden. Mit Krediten sei der Bau von Wolkenkratzern ermöglicht worden, die dem gesunden Menschenverstand spotten würden.

Ausführlicher geht Frank nun auf die Abfolge der Finanzmarkt-Krisen seit der Japan-Krise der 80er Jahre ein: die japanische Notenbank senkte die Zinsen, stärkte den Yen, löste eine Aktieneuphorie aus. Es folgte eine Immobilienkrise, die wiederum von einer Bankenkrise gefolgt wurde. Das Kapital wanderte nach Südostasien ab, wo es die nächste Spekulationsblase erzeugte, die wiederum 1997 platzte und die Asienkrise auslöste. Es folgten die Krisen 1998 in Rußland, 1999 in Lateinamerika, 2000 die Y2K-Krise, schließlich 2001 das Platzen der Dotcom-Blase. Nicht nur wurden die Zinsen gesenkt, um der Krise entgegenzusteuern, es war nun die Refinanzierung trotz Schulden möglich, Autokonzerne boten Nullzinsfinanzierung an. Die Politik regte den Kreditkauf zusätzlich an, amerikanische Verbraucher galten weiter als unerschütterlich, Amerika als Konjunkturlokomotive.

In einer globalen Arbeitsteilung produzierten Europa und China und liehen Geld, während Amerika hauptsächlich konsumierte: “Der augenscheinliche Erfolg überdeckte die logischen Widersprüche.” Die Verschuldung der USA wuchs schneller als das BIP. In den letzten Jahren wurde die Verschuldung nicht nur von niedrigen Zinsen angetrieben, sondern auch von neuen Finanzinstrumenten wie den Credit Swaps, die es ermöglichten, das Risiko auszulagern und die Kredite dennoch zu behalten. (Was ich für das Grundprinzip jeder Corporation halten würde: Gewinn maximieren, Risiko auslagern). Es wurden mehr Kredite versichert als die Finanzkraft zuließ. “The Notorious AIG” (Daily Show) könnte als Versuch angesehen werden, die Krise auf vielen Schulden zu verteilen. Doch die Kreditversicherungen wurden absichtlich nicht staatlich kontrolliert wie andere Versicherungen. Ihr Volumen erreichte mehr als das Doppelte des kombinierten BIP von Japan, der EU und den USA (konnte aber zu keinem Zeitpunkt komplett ausgezahlt werden). Bei Banken- und Firmenpleiten werden die Credit Default Swaps fällig, was der Staat nun durch Zuschüsse und Hilfsaktionen zu verhindern versucht.

Weiter: Hedgefonds kauften die ersten Tranchen der Collateralized Debt Obligations (CDO) in einem Versuch des stufenweisen Abfangens des Kreditrisikos. Schon in den 70ern hatte der Staat die Kreditbewertung an private Rating-Agenturen verloren. Riskante Kredite wurden gebündelt und wurden so an der Börse handelbar. Junkpapiere wurden gebündelt, mit Tranchen versehen, ihnen wurde ein Rating beschafft, und so “aus Stroh Gold gemacht”. (Schon wieder so eine seltsame Metapher… Neben mir am Tresen wiederholt unterdessen ein Mann, er hätte das alles vorher schon gesagt, und er sei eben so gut informiert, weil er die “Ketzerbriefe” liest.)

Erstmal klappt das mit der Stroh-Gold-Alchimie, meint Frank, weil das Risiko weitergegeben wird. (Das ist, wie gesagt, das Grundprinzip der ganzen Veranstaltung und funktioniert jetzt schon seit 400 Jahren…) 2007 fiel aber schon auf, daß die CDOs nicht so solide waren. Sie wurden im Rating herabgesetzt, womit die eigentliche Krise einsetzte. Notenbanken versuchten wieder, den Kapitalismus krisenfrei zu halten, indem sie mittels Zinssenkungen das Sparen unattraktiv und das Verschulden immer attraktiver machten.

Geld drucken verhindert nun die Deflation. Die Krise wird durch immer größere Spekulationsblasen verhindert bzw. verschleppt: “Wenn es diesmal wieder klappt, dann nur noch durch reale Abwertung des Geldes.” Ein Rettungspaket jagt das nächste, die Banken sind sind Fässer ohne Boden. “Die Spekulation hat sich weit von der Realwirtschaft entfernt.” Hier wird mit reinen Fantasiezahlen operiert, weil es auf der ganzen Welt keine Waren und Dienstleistungen gibt, die ihnen entsprechen. (Aber besteht die Entsprechung nicht nur in vermittelbarer Nachfrage?)

Staaten setzen sich durch Bankenrettung selbst dem Bankrott aus. Das Problem sei, daß Spekulation kein Risiko mehr beinhalte (wie es dementsprechend also “normal” wäre). Und: “Tatsächlich zahlen wir für ihre Krise.”

In der Diskussion wird Frank noch moralischer: Wie bei einer Droge müßte die Dosis der Spekulation immer weiter erhöht werden. Es klingt jetzt, als würde er Wettbewerbsverzerrung anmahnen: in der Krise sinken die Schulden nicht, unrentable Unternehmen gehen nicht pleite. (Das war das Problem? Bzw. ist es jetzt?)

Marx hatte kein Theorie der Finanzkrise, sagt Frank. Kapital könne gegenwärtig produktiv verwertet werden, es gibt industrielle Anlagemöglichkeiten, also könne von einer Überakkumulationskrise keine Rede sein. Es sei auch unklar, ob die Profitrate überhaupt fällt. Monetäre Impulse (Inflation) würden verhindern, daß bei erhöhter Produktivität die Preise fallen. Für die Vertreter der Niedrigzinspolitik ist die Grenze sei erst ereicht, wenn die Krise beendet ist, was nicht passieren könne.

Aus dem Publikum kommt die Frage, ob die Finanzkrise nicht eine Enteignungskation der USA gegen die Europäer wäre, ob nicht europäische Kleinanleger US-Bankengewinne finanzieren würden. Nein, antwortet Frank, die Europäer haben profitiert wie alle Kreditgeber. Es gab reales Wirtschaftswachstum in den Geberländern.

Als danach der nächste Frager wieder meint, “wir” würden “Amerika finanzieren”, gehe ich raus (Themen dort: Hat es mehr realwirtschaftliches Wachstum als jetzt Krisneverluste gegeben oder nicht? Gesamtgesellschaftlich? Global? Liberale sagen: Wir jammern von Krise zu Krise auf höherem Niveau…), um einige Zeit später festzustellen, daß die Diskussion noch immer läuft und sich munter im Kreis dreht. Als Frank zum n-ten mal seufzt, er hätte genau die gestellte Frage schon dreimal beantwortet, fange ich einfach an zu klatschen und löse so den Schlußapplaus aus.

10 Responses to “Stefan Frank im Zielona Gora”

  1. doesn't mind Says:

    Danke für den Bericht, ich fühle mich gut informiert. Ich fand auch immer, dass die konkret-Artikel die Tendenz hatten, zirkulationsinterne Krisenursachen zu beschreiben, aber dass er sich so deutlich gegen die Analyse einer Überakkumulationskrise ausspricht, hat mich dann doch überrascht. War das Argument tatsächlich so unspezifisch, wie du es berichtest? Oder hat er die “industriellen Anlagemöglichkeiten”, die er sieht, genannt?

  2. classless Says:

    Möglicherweise ist er während der Diskussion noch mal darauf eingegangen, als ich draußen war – das war ja mehr als eine halbe Stunde. Er hob auf jeden Fall hervor, daß er zwei recht vollständig von einander getrennte Sphären am Werk sieht.

    Falls jemand den Rest der Diskussion verfolgt haben sollte, würde ich mich über Ergänzungen freuen!

  3. neuronal Says:

    Ist im Großen und Ganzen der Stand der Debatte, (das, was man dem kompetenteren Teil der amerikanischen Presse derzeit so entnehmen kann), nur zwei Nitpicks:

    1. Wofür ist der Bau (zumindest wirtschaftlich) unsinniger Megatürme auf Kredit denn sonst ein Symptom, wenn nicht für eine Überakkumulationskrise?

    Da zieht auch das Argument mit den vorhandenen Investitionsmöglichkeiten nicht. Natürlich gibt’s die immer, nur reichen sie halt nicht aus und werfen auch nicht genug Rendite ab, um das System am Laufen zu halten.

    2. Das mit dem “Risiko weitergeben” ist mir zu pauschal. Gerade die AIG-Problematik im Zentrum der Krise zeichnet sich dadurch aus, dass der Laden (bzw. eigentlich eine spezifische AIG-Abteilung) das Risiko erstmal komplett auf sich geladen hat, ohne über die nötige Kapitaldecke zu verfügen. Die haben eine Weile Superrenditen mit den verkauften Versicherungen erzielt, die ja nach den gängigen Modellen nie fällig werden konnten (jedenfalls nicht alle auf einmal). Der Bailout als Sozialisierung der Verluste kam dann erst später.

    Der Haken an der Geschichte ist eher, dass dem einzelnen Manager die Nachhaltigkeit seiner Geschäfte – einschließlich des langfristigen Überlebens des eigenen Ladens – total wurst sein kann, so lange er mit zeitweiligen Gewinnen und dadurch fetten Boni aus der Geschichte rauskommt.

  4. klaus Says:

    “…und so “aus Stroh Gold gemacht”. (Schon wieder so eine seltsame Metapher).”

    Müßte natürlich richtig heißen: aus nichts Gold gemacht. Und nein, daß gibt es nicht seit 400 Jahren in dieser Form wie du behauptest. Schon mal was von der Finanzialisierung des Kapitalismus gehört?

    “Sie (CDS) wurden im Rating herabgesetzt, womit die eigentliche Krise einsetzte.”

    War das eine deinem verkürzten Verständnis der Wirtschaft geschuldete Wiedergabe, oder hat er das wirklich so gesagt? Die Krise begann nicht damit, daß solche Papiere im Rating der Realität näher gebracht wurden. Die Krise begann schon damit, daß Rating-Agenturen extra gegründet wurden, um “Schrottpapiere” künstlich wertvoll zu machen mittels AAA-Ratings. Das Senken im Rating war nur Ausdruck der Krise. Und du wirst es nicht gerne hören, aber tatsächlich wurde diese Praxis in den USA entwickelt. Die Finanzkrise ging nicht von Indien, Venezuela, Nigeria, Griechenland, etc. aus, sondern von den Finanzplätzen in den USA (und schwächer Großbritannien). Einfache ökonomische Realitäten anzuerkennen ist wohl nicht drin, wenn man in verschwörungstheoretischer Manier krampfhaft hinter allem, was die Realität anerkennt, Antiamerikanismus vermuten muss und dann lieber den Raum verläßt, weil man es nicht aushält. Was du nicht aushältst sind die Widersprüche in deinem Kopf, die dir immer dann gegenwärtig werden, wenn Menschen es wagen, die Realität in deiner Gegenwart auszusprechen. Mit deinen Kumpels von Egotronic wär dir das nicht passiert!

    “In der Diskussion wird Frank noch moralischer: Wie bei einer Droge müßte die Dosis der Spekulation immer weiter erhöht werden. Es klingt jetzt, als würde er Wettbewerbsverzerrung anmahnen: in der Krise sinken die Schulden nicht, unrentable Unternehmen gehen nicht pleite. (Das war das Problem? Bzw. ist es jetzt?)”

    Was ist daran moralisch wenn man darauf hinweist, daß die üblichen Marktmechanismen, wir sie für jeden Kleinbetrieb gelten, außer Kraft gesetzt werden, wenn es darum geht, die Schulden von Banken auf Kosten der Allgemeinheit zu begleichen, damit eben diese Banken genauso weiter machen können, wie bisher?`Wenn beim G20 beschlossen wird, Osteuropa zig Milliarden bereit zu stellen, was denkst du warum? Damit es den Menschen dort besser geht? Das Geld (daß letztlich die Allgemeinheit, also wir, zahlen sollen, d.h. in Zukunft mehr Lebenszeit aufbringen müssen werden, um unseren Lebensstandard aufrecht erhalten zu können) soll verwendet werden, damit diese Länder in der Lage sind, ihre Schulden bei eben jenen Banken bezahlen zu können, die die ganze Scheiße durch ihre Spekulationen mitverursacht haben. Die werden dafür belohnt!

  5. classless Says:

    Hm, ich hab den Vortrag von Stefan Frank wiedergegeben und zu verstehen versucht, mit wem aber redest du? Wieso sollte ich denn leugnen, daß die Praxis der Rating-Agenturen in Amerika begonnen wurde? Und wieso sollte ich den Kapitalismus als reine Beglückungsmaschine ansehen? Und was hat die Popmusik damit zu tun?

    Was ich nicht verstehe, ist folgendes: Ich habe Marx’ Analyse der Ware so verstanden, daß sich der Tauschwert von ihrem Gebrauchswert ablöst, daß also eine abstrakte Wertvermittlung entsteht. Insofern ist es m.E. allenfalls eine besonders konsequente Form dieser Ablösung, wenn mit immer virtuelleren Größen gehandelt und operiert wird. Wenn hier nun ein Maß eingeführt wird, bis zu dem das also wegen “üblicher Marktmechanismen” noch normal ist und ab dem es dann unsinnig wird oder der Vernunft widerspricht, kann ich das nur als moralische Argumentation im Sinne von Maßhalten ansehen. Entweder der ganze Laden krankt an seinem Grundwiderspruch oder man läßt Marx fallen, dazwischen ein Maß einzuführen, leuchtet mir nicht ein.

    Oder was habe ich da nicht verstanden?

  6. neuronal Says:

    @klaus
    Die gesenkten Ratings haben dazu geführt, dass die betroffenen Institutionen mehr Sicherheiten für die entsprechenden Kredite hinterlegen mussten. Weil das dafür nötige Kapital sich dann als nichtexistent rausgestellt hat, war das praktisch der Selbstzerstörungsknopf für das – natürlich prinzipiell schon vorher marode – System.

    @classless
    Ich weiß ja nicht, wie Stefan Frank das genau formuliert hat, aber eine Argumentation, wie sie hier rüberkommt, muss nicht moralisch sein. Das kann ich doch ganz pragmatisch so sehen, dass a) so eine Krise niemandem, auch Kommunisten nicht, weiterhilft und b) diese spezifische Krise sich eben auch aus einer konsequenten staatlichen Förderung von “immer virtuelleren Größen” ergibt – obwohl letztere wiederum ein Versuch war, die klassischen Überakkumulationskrisen zu überwinden.

    “Es klingt jetzt, als würde er Wettbewerbsverzerrung anmahnen: in der Krise sinken die Schulden nicht, unrentable Unternehmen gehen nicht pleite.”

    Auch da geht’s nicht zwangsläufig um Moral, sondern schlicht darum, dass die Grundlagen für den nächsten Crash damit schon gelegt werden.
    An Marx festzuhalten geht trotzdem, bedeutet IMO aber konsequenterweise, einzusehen, dass es aus dem System im Moment keinen Ausgang gibt, schon gar nicht durch ein Noch-tiefer-reinreiten in die Krise.
    (Disclaimer: hab evtl. zuviel Shaviro gelesen)

  7. classless Says:

    Vielleicht gibt’s eine Verwirrung über den Begriff der Moral. Ich verwende ihn im Sinne einer Normanmahnung, des Abgleichens einer bestimmten Veränderung oder Entwicklung mit einer gewohnten oder postulierten Normalität, selbst wenn ich Frank in diesem Fall gar nicht unterstellen würde, den zugrundeliegenden moralischen Maßstab (“normales Wirtschaften”) bewußt zu teilen. Für mich klingt es nur, als hätte sich dieser Maßstab in seine Darstellung eingeschlichen, wenn er eben einen prinzipiellen Unterschied zwischen dem Abstrakten und dem sozusagen besonders Abstrakten aufmacht.

    In seinen Texten war mir diese Art der Argumentation bisher auch nicht aufgefallen, ich werde mir aber seinen Artikel über die Geschichte der Rating-Agenturen in der aktuellen konkret noch mal genauer anschauen.

  8. neuronal Says:

    Verstehe. Im Text oben läßt sich nicht immer klar unterscheiden, was Frank gesagt hat und was Dein Kommentar ist. Mit den letzten Erläuterungen ist’s klarer.

    Still: Es gibt einen Unterschied zwischem “normalem” Wirtschaften und der Hauskreditblase, und der lässt sich mit dem Begriff Leverage zusammenfassen. Das hat nicht so viel mit einer Gegenüberstellung von Finanzkapital und Realwirtschaft zu tun. (Wenn Frank also wirklich von verschiedenen Sphären spricht, würde ich das auch für Quatsch halten.)

    Das große Problem mit den Versicherungen für Kredite (CDS) durch AIG ist dadurch entstanden, dass AIG sie nicht nur einmal verkauft hat, sondern gleich zigmal (auf Basis des jeweils selben Kreditpapiers), ohne auch nur annähernd Sicherheiten dagegenzusetzen. Dadurch hat dann jeder Kreditausfall ein zigfach so großes Loch in die AIG-Bilanz gerissen. (Es wird eben gerade nicht nur Risiko verlagert, die Versicherungen wurden ja von Leuten gekauft, die gar nix verliehen hatten.) Und diese Abstraktionen 2. Ordnung, sozusagen, sind tatsächlich was Neues.

  9. Cannabis Kommando Says:

    Um nocheinmal auf das Motto der Demonstrationen zurückzukommen, mag sein dass die Amerikaner es noch weiter übertrieben haben, aber dafür haben sie jetzt auch Probleme die hier nicht so drängend sind, und sehen manchmal vor lauter zwangsversteigerten Einfamilienhäusern nicht mehr dass es gerade die großen Immobilien sind die suboptimal bewertet wurden. “Wir zahlen nicht für eure Krise” heißt wir halten eure Lösungsvorschläge für kontraproduktiv und verschwenderisch. Als die ersten “Rettungspakete” geschnürt wurden war in aller Munde diese Kosten müssten ebenso selbstverständlich aufgebracht werden wie Löschwasser, auch wenn eigentlich “kein Geld da” ist, weil sonst sind demnächst alle abgebrannt – was aber nicht gesagt wurde ist, dass das Löschwasser meistens größere Schäden anrichtet als der eigentliche Brand.

    Die Wolkenkratzer-Theorie von Stefan Frank möchte ich etwas relativieren, das trifft für Konsumwirtschaften zu. Exportwirtschaften investieren in der Krise in Autobahnen und Flughäfen, Pyramidenfamilienwirtschaften in den Wohnungsbau. Da hat sich der Referent ausgerechnet das Beispiel mit dem geringsten Flächenverbrauch ausgesucht.

  10. Ingo Stützle » Blog Archive » Aufgeblättert: Stefan Frank: Die Weltvernichtungs-maschine. Vom Kreditboom zur Wirtschaftskrise Says:

    [...] zu erkennen. Stefan Franks Abneigung gegenüber Marx geht so weit, dass er behauptet, Marx habe keine Theorie zu Finanzkrisen. Eine einheitliche und geschlossene Theorie hat er sicherlich nicht, aber er hat viel dazu [...]

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