1. Tag der Schreibwochen

June 15th, 2009

Mit all den Büchern im Gepäck zog ich es vor, mal wieder mit der Bahn zu fahren und durfte einem betrunkenen älteren Mann in Humboldt-Uni-T-Shirt beiwohnen, der sehr laut Dinge rief wie: “Ich kann jedes Sozialsystem innerhalb von 14 Tagen fertigmachen. Schickt mich nach Afghanistan und in 14 Tagen ist da alles fertig! Aber mich will ja keiner…” Nach einer Weile setzte sich ein Geisteswissenschaftler zu ihm, der mit Einlassungen zu Goebbels und dem Zweiten Weltkrieg, zur DDR und Überwachungstechnik weitere lautstarke Ausbrüche hervorrief.

In Thale ging, als ich ankam, gerade der Sachsen-Anhalt-Tag zu Ende, und zwar damit, daß 350 im Laufe des Abends zusammengerufene Hexen und Teufel sich im Kurpark zwischen Sleipnir und dem Mahnmal für die Opfer des Faschismus sammelten und die Hexen ihre Besen in die Luft reckten.

Entsprechend sahen auch die Plakate aus, mit denen die Kirche ihre Aktivitäten während der Festlichkeiten bewarb:

Kirche in der Minderheit

Elsässer beglückwünscht Ahmadinedschad mit folgenden Worten:

>>Hat jemand die Girlies gesehen, die da in bestem Englisch in die Mikrofone von CNN und BBC heulen? Das sollen die Repräsentanten des iranischen Volkes sein, oder auch nur der iranischen Opposition? Da lachen die Hühner im Capitol! Hier wollen Discomiezen, Teheraner Drogenjunkies und die Strichjungen des Finanzkapitals eine Party feiern. Gut, dass Ahmidenedschads Leute ein bisschen aufpassen und den einen oder anderen in einen Darkroom befördert haben.<<

Mir hingegen wird ungefragt kommunistische Seelsorge zuteil:

>>leg dich doch selbst auf die couch und frag dich warum du mit deinem ddr-schul-englisch über musik nuschelst, die zur provinziellen elendsverwaltung dazugehört, wie squats, tafeln und alg2-beratungsstellen. weil du nichts anderes kannst?<<

Ich war heute schon solange draußen, wie es das Wetter zuließ, und hab am 5. Dialog weitergebastelt, in dem Ef mit dem Roma Tchen unterwegs nach Ancona ist.

Tchen: Why are you going back to Ephesos?

Ef: There is so much history that hasn’t been told while there is even more that’s been and being invented – I have to sort it all out for myself, as far as I can do. I am sure you can tell me much.

Tchen: Yes, we used to entertain all the country from the North Sea to Africa, from the Hellespont to Portugal. Now that they drive us out of more and more towns, it seems as if not only the joy leaves with us and these plenty of stories we carry leave with us, we fear that our own story will soon vanish as we have hardly anyone to tell it to who could write it down. They won’t listen.

Ef: The good folks don’t want to be disturbed.

12 Responses to “1. Tag der Schreibwochen”

  1. eisprinzessin Says:

    aber, haha, “die zur provinziellen elendsverwaltung dazugehört, wie squats, tafeln und alg2-beratungsstellen” stimmt in bezug auf dein “diskussionsverhalten” schon insoweit als das du in dortiger diskussion die position des überzeugten antihedonisten einnimmst. der hedonist müsse nämlich wissen, dass der kampf gegen die angst ein zentrales anliegen des hedonistischen strebens nach lust durch vermeidung der unlust ist. diese argumentation gegen die angst gipfelt im bekannten diktum: “Das Schauererregenste aller Übel, der Tod, betrifft uns überhaupt nicht; wenn ‘wir’ sind, ist der Tod nicht da; wenn der Tod da ist, sind ‘wir’ nicht.” (Epikur: Brief an Menoikeus, 125)

    insoweit ist das anliegen diese angst kritisch auf ihre ursachen und vorallem auswirkungen ab zu klopfen nicht völlig abwegig. wenngleich die form wie sie dort angeblich stattfindet komisch ist.

    richtig amüsiert hat mich ja die allgemeine verwirrung über das datum bzw. seine schreibweise.

  2. Difficult is Easy Says:

    nach “In welchem Provinzkaff muß man denn wohnen und wie empathiefrei mit der Welt muß man denn sein, um sich davor nicht zu fürchten?”, “Schon klar, ein echter Kommunist kennt keine Furcht.” und “Im Netz wirkst du z.B. auch nur wie jemand, der zwanghaft versucht, sich von früheren politischen Verfehlungen reinzuwaschen. Und das stimmt doch gar nicht, oder?” war dein besuch auf der couch echt angebracht. ich bekomm noch augenmuskelkater vom ganzen verdrehen. mit kommunismus hat der spruch übrigens nichts zu tun, eher mit, äh, ideologiekritik oder wie das jetzt heisst.

  3. classless Says:

    @ eisprinzessin

    Mh, aber beim Kampf gegen die Angst geht es doch darum, die Gründe zum Fürchten zu beseitigen und nicht, sich einfach nicht mehr zu fürchten, oder verstehe ich das falsch?

    @ diffi

    Armer Junge, ich wußte nicht, daß du wegen meiner Blödheit so leiden mußt! Aber ich befürchte, das ist etwas, womit du lernen mußt zu leben. Ich werde einfach niemals so schlau werden wie du.

  4. Difficult is Easy Says:

    1. für dumm halte ich dich nicht. ich finde es sogar ziemlich falsch, seinem diskussionspartner eine angenommene dummheit als grund für die nichteinsicht in die eigenen argumente zu unterstellen. das liegt doch viel mehr an deinem festen willen, die nicht verstehen zu wollen.

    2. hast du wenigstens verstanden, wie es zu dem humoristischen gegenschlag antideutscher prägung kam? du hast mit dem empathiemangelmist und ballungsraumchauvinismus angefangen. ergo: eigene nase.

  5. eisprinzessin Says:

    würde ich, gerade weil die argumentation zur frage des sterbens hinführt, nicht absolut so sehen. also soll man schon bevor (oder besser: damit) man gründe abschaffen kann keine angst mehr vor ihnen haben.

  6. classless Says:

    “humoristischer Gegenschlag”

    Da muß mir wohl wirklich was entgangen sein.

  7. Cannabis Kommando Says:

    Bei dem Stück zum 11. September muss man beachten dass der Sänger von dem Wetter in New York singt nicht von dem in Deutschland. Die Pointe findet sich vielleicht ein wenn man weiß dass es von derselben Band auch ein anderes Stück gibt wo sich Erich Honecker zurückgewünscht wird weil damals in Westdeutschland alles besser war.

  8. Cannabis Kommando Says:

    Und weiß Else tatsächlich nicht dass Persien seit Jahren Heroinweltmeister ist, und zwar nicht nur beim Pro-Kopf-Konsum sondern auch bei der amtlichen Verbrennungsmenge? So ein Land wird natürlich von Junkies repräsentiert, und nur die Saubermänner sind noch schlimmer. Diese intravenöse Elendsverwaltung gehört geradeso elementar zur Islamischen Republik wie das Bierzelt zur politischen Kultur des Freistaats Bayern.

  9. anton Says:

    Oh je, Kulla, deine Elsässer-Obsession nimmt ja schon neurotische
    Züge an. Irgendwie mußt du ihn ja immer reinbringen.

    @ canabiscommando

    “dass Persien seit Jahren Heroinweltmeister ist, und zwar nicht nur beim Pro-Kopf-Konsum sondern auch bei der amtlichen Verbrennungsmenge”

    Falsch, es sei denn du meinst Afghanistan mit Persien. Dort gibt es den höchsten Pro-Kopf-Konsum. Eine zeitlang hatte Afghanistan auch die höchste Verbrennungsmenge, als nämlich die Taliban im Rahmen eines UNO-Programms anfingen, die Opium-Felder abzubrennen.
    Weil dadurch Milliardenprofite westlicher Geheimdienste/Mafiosi bedroht waren, beschloss man sich, in Afghanistan einzumarschieren, um (u.a.) die Opiumvernichtung zu beenden. Das war alles lange vor dem 11.September. Heute produziert Afghanistan mehr Opium als je zuvor und hat Welt-Monopol.
    Und das im Iran soviel davon verbrannt wird, liegt eben daran, daß Opium aus Afghanistan über Iran geschmuggelt wird. Und daß im Iran so viele Heroin konsumieren, liegt eben auch daran, daß Heroin dort spottbillig ist, seitdem die NATO damit die Welt überschwemmt.

    Übrigens begibst du dich auf gefährliches Eis, wenn du hier Drogenkonsum und Elend in einen Zusammenhang bringst. Weil dann schreibt der Kulla Blog-Einträge über dich und beschimpft dich als Antisemiten (oder irgendwas, was grad passend erscheint).

  10. Cannabis Kommando Says:

    @anton – Korrigier mich nur, aber bitte ohne pathische Projektionen und mit Quellenangaben. “Der Kulla” darf mich übrigens gerne Chemiemüllverächter nennen. Pflanzenbestandteile sind grundsätzlich besser als Pülverchen. Beziehen sich etwa Deine Zahlen auf ersteres und meine auf letzteres und ich habe doch recht?

  11. classless Says:

    Wer ist denn dieser Kulla überhaupt?

  12. posiputt Says:

    und ich hab immer gedacht, verschwoerungsideologen traeten nicht gar so offen zu tage.

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