Kapitalismus propagieren führt zu Gedächtnisverlust

August 22nd, 2009

Das ist im buchstäblichen Sinn das Ende der Geschichte: sie hat einfach nicht stattgefunden.

>>Der Kapitalismus ist ganz von selbst entstanden, ohne intellektuelle Blaupause. Es ist die Wirtschaftsweise, die sich ergibt, wenn man die Menschen einfach machen lässt.<<

Michael Miersch: Warum der Kapitalismus beibehalten werden muss (“Welt” vom 31.7.09)

(via)

Tja, der Kapitalismus ist einfach vom Himmel gefallen. Irgendwann haben “die Menschen” eben beschlossen, Lohnarbeiter und Eigentümer zu werden, der Feudalismus verschwand einfach, niemand mußte in die Verwertbarkeit gezwungen werden und bis heute gibt es an keiner Universität Wirtschaftswissenschaftler, die den Kapitalismus begründen, erklären oder optimieren.

So ist das also.

18 Responses to “Kapitalismus propagieren führt zu Gedächtnisverlust”

  1. lölli Says:

    soll ja auch menschen geben die glauben,
    der kommunismus wird irgendwann vom himmel fallen…

  2. Cannabis Kommando Says:

    Manche versuchen es sogar noch als Vorteil hinzustellen dass der Kapitalismus kein intelligentes Design ist. Besonders dumm daran ist beispielsweise die Abhängigkeit von Arbeitsplätzen welche er hervorruft egal ob man soetwas haben will oder nicht.

  3. ausgeheuschreckt Says:

    Tja, diese Erkenntnis muss wohl erst einmal ein riesiger Schock für dich sein. :D

  4. e.r. Says:

    blöd ist, das zitat ist nicht ganz falsch, als biologismusforscher muss ich sagen, es gibt halt so “starke charaktere”, die ihr gesellschaftsbild als normal und für durchsetzungsfähig erklären, da alle “normal” denkenden die für spinner halten, klappt deren strategie meistens…. – just my 2 cents – oder zu viel chemo grad, erm

  5. lasterfahrerei Says:

    ja und? vielleicht ist das grad das problem das »ganz von selbst entstanden«. ohne plan wirst du plan von anderen!

  6. posiputt Says:

    bloed, dass die kommentare von facebook hier nicht rueberwandern. das wuerde bestimmt spannend.

  7. Cannabis Kommando Says:

    @ausgeheuschreckt – Freud´sche Projektion? Wenn das dumme Ding vom jetzt Himmel gefallen ist statt Panik schieben vielleicht lieber mal die Absturzstelle finden.

  8. crashintoahouse Says:

    “das zitat ist nicht ganz falsch, als biologismusforscher muss ich sagen, es gibt halt so “starke charaktere”, die ihr gesellschaftsbild als normal und für durchsetzungsfähig erklären”

    ich bin keine systemtheoretikerin, aber wenn man dieser annahme folgt, ergibt sich noch lange keine begründung, warum der feudalismus abgeschafft wurde.

    immerhin war der feudalismus doch sowohl vor dem kapitalismus da, als auch nach ihm (kapitalismusähnliche systeme gabs ja schon bei den alten griechen) und war vermutlich wesentlich weniger/nicht reguliert durch elemente, wie staatlich-demokratische regeln, kirchen (die fanden den feudalismus ja gut), philosophische ideen, die erst in einem pluralistischen klima möglich sind, etc.

    das heißt, der feudalismus konnte walten, wie er wollte, ohne dass die menschen mit ihren unnatürlichen zivilisatorischen ideen wieder pfuschend eingreifen konnten. was doch bedeuten müsste, dass der feudalismus das “natürlichere” system ist.

  9. travis Says:

    >Irgendwann haben “die Menschen” eben beschlossen, Lohnarbeiter und Eigentümer zu werden<

    Siehste das auch so, oder denkste die wurden von jemanden so eingeteilt ?

  10. classless Says:

    Entweder ich verstehe deine Frage nicht oder du hast nicht mitbekommen, daß der ganze Absatz ironisch gemeint war.

  11. lasterfahrerei Says:

    travis: nee kulla wollte sagen das das eben so passiert ist, ironisch, eben weil der artikel das »wodurch« nicht behandelt und daher auch nicht in frage stellt. es stellt sich eben so dar das es niemand von »sich aus beschlossen« hat aber eben auch eben nicht »von jemand so eingeteilt« worden ist, aber eben auch nicht das »es einfach so passiert ist« d.h. »Der Kapitalismus ist ganz von selbst entstanden«.
    also ist der kapitalismus entstanden weil die menschen »von sich beschlossen haben« und sie »von jemand eingeteilt wurden« und »weil er von ganz selbst entstanden ist«.
    tja vermutlich schwer zu verstehen meine erläuterung, aber alle genannten möglichkeiten sind eben wahr oder falsch oder bedeutungsloss oder wahr und bedeutungsloss oder falsch und beduetungsloss oder wahr und falsch oder wahr und falsch und bedeutungsloss oder keines von allem.

  12. classless Says:

    Discordianisme pour le Discordianisme!

  13. travis Says:

    lasterfahrer: Derb verwirrend. Also ist Kapitalismus das unbeabsichtigte Ergebnis einzelner Entscheidungen sehr vieler Menschen, oder so…

  14. classless Says:

    Naja, einiges am Kapitalismus scheint ja von vornherein von denen, die in die Richtung seiner Durchsetzung wirkten, beabsichtigt gewesen zu sein. Und im Zuge der Durchsetzung sind immer wieder äußerst brutale Maßnahmen gegen vorbürgerlich-feudale Strukturen wie auch gegen etwaig verwertungsunwillige Arbeitskraftbehälter ergriffen worden.

    Und das scheint mir genau der Punkt: Wäre der Kapitalismus einfach das, was von selbst ohne Theorie passiert, wären kaum all die Revolutionen und Kriege, die Aufstandsbekämpfung, die Geheimdienste und Spezialkommandos, die Zurichtung in den Schulen, die unterstützenden Theorien, kurz: die Herrschaft zu seiner Durchsetzung und Aufrechterhaltung nötig. “Man muß die Menschen zu ihrem Glück zwingen” und “Der Zweck heiligt die Mittel” sind der Idee nach bürgerlich-kapitalistische Motti (wenn auch nicht exklusiv)…

  15. Gehirnschnecke Says:

    Bleibt die Frage, ob bürgerliche Ideologie ohne Kapitalismus denkbar wär – zwingend angelegt finde ich den Kapitalismus (in seiner neoliberalen Form) eigentlich kaum bei den Vordenkern – oder führt Hobbes Homo Homini Lupis auch schon zwingend zum Kapitalismus?

  16. lasterfahrerei Says:

    »der zwerg reinigt die kittel« das problem ist das die menschen versuchen etwas sinnvolles zu tun, ohne darüber nachzudenken, was, eventuell, sie glauben laesst, das was sie glauben, sinnvoll ist und dabei das wesentliche bzw notwendige zu erkennenen.

    der satz schwurbelt von begriffen die den direkten austausch von menschen nicht ersetzen kann.

  17. bla Says:

    Das ist ja ein lustiger Artikel.

    Selbst wenn man alle Thesen negiert kann man diese (jede einzige) ebenso “stichhaltig” begründen.

    Es ist auch lustig wie selektiv der doch sehr gedämpfte europäische Kapitalismus zitiert wird, wo die Antwort bei der Amerikanischen Variante eher unschön aussehen würde und Umgekehrt.

  18. Cannabis Kommando Says:

    Wieso selektiv? Eine genealogische Argumentation muss doch auf die Ursprünge zielen und nicht auf die Auswüchse. Und die zitierte These gibt Europa tatsächlich eine eher mangelhafte Antwort auf die Sinnfrage

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