Bitte noch mal, aber anders

November 6th, 2009

>>Die meisten Menschen, die in Osteuropa gegen das kommunistische Regime protestierten, wollten deswegen noch lange keinen Kapitalismus. Sie wollten Solidarität und ein Minimum an Rechtsstaatlichkeit; sie wollten die Freiheit, ihr Leben außerhalb der staatlichen Kontrolle zu führen, sich zusammenzufinden und frei zu reden; sie wollten einfach ein aufrichtiges Dasein führen, frei von der primitiven ideologischen Indoktrinierung und der herrschenden zynischen Heuchelei. Wie viele Beobachter bemerkten, waren die meisten Ideale, die sich die Demonstranten auf die Fahnen schrieben, direkt der herrschenden sozialistischen Ideologie selbst entlehnt. Die Menschen wollten etwas, das man vielleicht am besten als “menschlichen Sozialismus” beschreibt.<<

Slavoj Žižek: Die Mauer, 20 Jahre später

One Response to “Bitte noch mal, aber anders”

  1. Aktionskletterer Says:

    Diese Passage hier halte ich für Unsinn:

    Die Reaktion der Marktfundamentalisten auf die katastrophalen Auswirkungen ihrer Vorgehensweise ist typisch für “Utopie-Totalitaristen”: Sie beklagen sich darüber, dass ihre Vision nicht korrekt umgesetzt wurde (der Staat immer noch zu stark sei usw.) und verlangen eine noch radikalere Anwendung ihrer Doktrin.

    Damit wäre auch Kulla mit seinem “Das ist nicht der Kommunismus” ein “Utopie-Totalitarist.”

    Aber Kapitalismus… Kommunismus… Alltag. Der Standpunkt den Zizek hier zu konstruieren versucht für trügerisch, da der Preis der damit eingenommenen Diskurshoheit darin besteht nicht einmal mehr die Nachhaltigkeitslüge kritisieren zu können:

    Schulte betonte, dass das Thema Nachhaltigkeit für Fraport ein zentrales Zukunftsfeld sei. Es umfasse die Verantwortung des Unternehmens gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, gegenüber seinen Nachbarn und gegenüber der Umwelt. “Wir sind verantwortlich für die Welt, die wir unseren Kindern hinterlassen. Fraport hat schon einige Maßnahmen ergriffen, um seiner Verantwortung gegenüber Belegschaft und Airport-Nachbarn gerecht zu werden und ökologisch verträglich zu wirtschaften, aber wir wollen hier noch besser werden”, sagte der Fraport-Vorstandsvorsitzende.

    Dann wären ja die Ökoverbände, Bürgerinitativen und Umweltaktivisten die das einen Etikettenschwindel nennen auch alles “Utopie-Totalitaristen.” Genau genommen jeder außer dem Verfasser und seinem treuen Publikum.

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