Business as usual

May 31st, 2010

Eberhard Rondholz: Nützliche Aufwendungen. (konkret 6/10)

>>Auf Bestechungsbelege über 83 Millionen Euro stießen Münchner Strafverfolger dieser Tage allein bei der auf Schmiergeldplazierung spezialisierten Firma Ferrostaal, einer ehemaligen Mannesmann-Tochter, im Zusammenhang mit dem Verkauf von vier U-Booten des Typs 214 an die griechische Kriegsmarine (einem beinahe an technische Defekten des Prototyps gescheiterten Milliardengeschäft, für dessen Rettung Angela Merkel noch mitten in der schon voll ausgebrochenen Athener Kreditkrise sorgte – auf Betreiben des Schleswig-Holsteinischen Wirtschaftsministers Jost de Jager). Und aus den vier U-Booten sind im letzten Moment in verdächtiger Eile noch sechs geworden, bevor die Herren Kontrolleure vom IWF hätten Anstoß nehmen können an dem großen Deal.<<

Korruption ist keine bedauerliche Abweichung vom tollen Normalbetrieb, sie ist Teil des Normalbetriebs und nur eine Frage von Gelegenheit und Nutzenkalkulation. Staat und Kapital spielen sich eben die Bälle zu.

>>Gefordert wird übrigens auch weiterhin von Deutschland die Rückzahlung jenes Zwangskredits, den die Besatzungsmacht im Zweiten Weltkrieg deb Griechen abgepreßt hat und für dessen Rückzahlung sich das Nazireich einst verbürgt hatte. Um immerhin fünf Milliarden Euro in heutiger Kaufkraft geht es da nach jügsten Berechnungen, die der Historiker Hagen Fleischer auf Grundlage der im Politischen Archiv des Auswärtigen Amtes ruhenden Akten angestellt hat. Bei Anwendung einer konventionellen Zinseszinsrechnung und unter Zugrundelegung eines Zinssatzes von derzeit aktuellen fünf Prozent wären das nach 65 Jahren 21,6 Milliarden – in etwa also die Summe, für die Berlin jetzt im Rahmen des globalen Hilfspakets bürgt. Was für eine Gelegenheit, die leidige Schuldenfrage aus den vierziger Jahren elegant aus der Welt zu schaffen. Doch Deutschland zahlt seine gestundeten Uraltschulden nicht, schon gar nicht an ein Land, “das Krieg gegen uns geführt hat”, wie sich ein deutscher Botschafter in Athen noch unlängst erinnerte.<<

3 Responses to “Business as usual”

  1. julian Says:

    ein ziemlich dummer text, in dem es dann auch noch um die zu hohen abgeordnetengehälter und ähnliche lappalien geht. wird KONKRET immer dümmer, oder ist das selektive wahrnehmung?

  2. classless Says:

    Die Stellen, in denen Korruption skandalisiert wird, fand ich auch schlecht. Wie meistens geht es mir um den Teil, den ich zitiere. Und auch das mit Einschränkungen. (Muß ich das immer dazuschreiben?)

  3. Aktionskletterer Says:

    Die Frage sollte eher sein was “der Normalbetrieb” ist. Korruption ist die Kehrseite von Prohibition, je größer der Überhang an illegitimen Verboten, umso größer auch die Verschiebungsleistungen um sie zu umgehen. Wenn dieses Legitimitätsdefizit als natürlicher Bestandteil des Normalbetriebes aufgefaßt wird, dann sollte anstelle von einer sich institutionalisierenden Korruption womöglich treffender von einer sich dezentralisierenden Subventionswirtschaft gesprochen werden.

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