Kundgebung “Free Gaza from Hamas”

June 13th, 2010

Keine Demo, nur eine Kundgebung, und nur etwa 200 Leute, darunter etwa zwei Dutzend Antideutsche, die immerhin die größten Transparente dabei hatten, beim Flyern aber auch vereinzelt auf feindselige Reaktionen trafen.

Außerdem: Schönebecker Christen, ein Typ mit einer Art Satireplakat (Deutschland möge seine Pforten für Gaza-Flüchtlinge öffnen) und ein weiterer Typ mit rosa Basecap, der ein Transparent mit einem Aufruf zum Boykott türkischer Waren entrollte – er wurde sogleich von einem der Veranstalter aufgefordert, es wieder einzupacken, was er schließlich nach längeren Diskussionen auch tat, obwohl die Polizei mehrfach darauf bestand, daß er es zeigen dürfte.

Eine kleine Gegenkundgebung der “Israelis und Juden gegen die Besatzung” und der “Jüdischen Stimme für einen gerechten Frieden”, die u.a. die “Aufhebung der Sanktionen gegen Hamas” forderten, stand in einiger Entfernung wenig beachtet herum.

Die anderen

Bei den Israel-Supportern erzeugte das Mikrofon ständig Rückkopplungen; die Redebeiträge bestanden größtenteils aus wenig überraschenden Allgemeinplätzen und Aufforderungen an die Politik, dies oder jenes zu tun oder zu lassen.

Der letzte Redebeitrag – ein Grußwort der EAG und der ANA, das mir vorliegt – wurde eigenmächtig von einem der Veranstalter gecancelt. Dafür gab es keine richtige Begründung, nur Andeutungen, daß der letzte Abschnitt der Rede, unnötig provozieren würde. Dort heißt es, daß “Gegner_innen von Antisemitismus und Antizionismus” nicht “per se als Bündnispartner_innen angesehen” werden können, und: “Wir distanzieren uns daher ausdrücklich von rassistischen Organisation wie PI-News, Pax Europa oder der so genannten ‘PRO-Bewegung’. Ihre Solidarität mit Israel ist nichts anderes als eine Legitimation und Plattform für pauschalisierende, kulturalistische Ressentiments gegen Menschen mit muslimischem Hintergrund.”

Von den Genannten, die ja angekündigt hatten zu kommen, war allerdings auch nichts zu sehen; sie hielten sich also entweder bedeckt oder waren gar nicht da.

5 Responses to “Kundgebung “Free Gaza from Hamas””

  1. Name Says:

    Zu den als “wenig überaschend” und als “Allgemeinplätze” kritisierten Redebeiträgen:

    Ich sehe eine Demo oder Kundgebung als etwas, dass Aussenstehende informieren soll und ein klares Statement zeigt, und nicht als eine Veranstaltung, die die ohnhin auf der eigenen Seite stehenden mit steilen Thesen oder Kopfschmerzen vor lauter Theorie versorgen soll, wie es z.B. auf der am Vortag stattgefundenen Kundgebung vor dem Karl-Liebknecht-Haus zum Teil der Fall war – das soll jetzt aber keine allgemeine Kritik an der insgesamt gelungenen gestrigen Veranstaltung sein.

    Der Anlass der Kundgebungen war eine selbsternannte “Friedensflotille”, die mit antisemitische Lieder grölenden islamistischen Djihadisten, welche zum Teil vor der Abreise ihre Bereitschaft als Märtyrer zu sterben bekannt gaben, zwei Bundestagabgeordnete der Linken, sowie einem MdB a.d. selbiger Partei und sonstigem Gesocks an Bord gezielt die Konfrontion suchte, trotz von israelischer Seite angebotener Löschung der Ladung auf dem Hafen von Ashdod mit anschließender Verfrachtung der Ladung auf dem Landweg in den Gazastreifen. Bei dieser Konfrontation wurden die zunächst ohne Schießbefehl ausgestatteten israelischen Soldaten von der Brutalität der Friedensaktivisten überascht und beinahe gelyncht. Bei der Notwehr kam es zur Tötung neun der äußerst gewalttätigen Passagiere und zahlreichen Verletzten auch auf israelischer Seite. Weiterhin lohnt sich eine nähere Betrachtung der Veranstalter der Flotille, insbesondere der IHH İnsani Yardım Vakfı.

    Natürlich gebe ich jetzt bekanntes wieder, aber man kann es nicht oft genug wiederholen. Schau dir die Zeitungen an, sieh die Nachrichten. Es kann keine Rede sein von Allgemeinplätzen und bei einem Großteil der Bevölkerung bekannten Fakten. Manchmal kommt einem das Bekannte wie das allgemein Bekannte vor.

    Zu den verwehrten Redebeiträgen kann ich leider nichts sagen. Vielleicht kann man die Statements mal irgendwo nachlesen, um sich ein Bild zu machen. Ich glaube aber kaum, dass es gelegen hat an dem genannten Satz bezüglich der Distanzierung zu PI, Pax Europa, der Pro-Bewegung. Die Veranstalter hatten sich zuvor auf dem Aufruf ebenfalls von derlei Gruppierungen distanziert.

  2. » israelsoli II | kotzboy.com Says:

    [...] nachdem ich stunden zuvor den wecker weggedrückt hatte, viel zu spät, um noch aufzubrechen. aber laut classless habe ich auch nich viel verpasst. die “abendschau” (rbb) berichtete ganze 25 sekunden [...]

  3. classless Says:

    @ Name

    Den letzten Redebeitrag wegen erwähnter Passage zu canceln steht im Widerspruch zum Aufruf, das ist ja gerade der Punkt.

  4. Böller, Kotzen und Besetzungen « Analyse, Kritik & Aktion Says:

    [...] Foto von classless [...]

  5. Aktionskletterer Says:

    Diesen Leuten gegenüber klare Kante zu zeigen ist nicht nur deswegen wichtig weil es dazu beitragen kann etwas daran zu ändern dass sich die Israelis ihre Freunde nicht selber aussuchen können. Je geringer der Anteil von Israelfreunden welche ihre eigenen militärischen Pannen aktiv vertuschen möchten, um so höher die Wahrscheinlichkeit dass ein derartiger Fehlgriff keine Wiederholung erfährt, sei es in Israel oder bei politischen Trittbrettfahrern. Ein Ausschluß der Freunde der geschlossenen Gesellschaft und der autoritären Staatlichkeit vermittelt auch der Öffentlichkeit dass man sich nach wie vor daran erinnert warum man Hamas ablehnt.

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