Die letzten Rätsel und Geheimnisse

August 5th, 2010

Im Tagesspiegel wird wild spekuliert:

>>Warum ein gutes Einkommen ein längeres Leben verspricht, können die Forscher aber nur mutmaßen. Eine Erklärung könnte sein, dass sich Gutverdienerinnen mehr und bessere medizinische Behandlung leisten können. Auch leben sie meist nicht in Gegenden mit hoher Kriminalität und Umweltverschmutzung, wo Menschen einen frühen Tod riskieren. Möglich ist auch, dass besser Ausgebildete mehr verdienen und zugleich besser über gesunde Lebensweise Bescheid wissen. Und ihre Jobs gefährden gemeinhin die Gesundheit weniger als bei schlechter ausgebildeten Menschen.<<

Das ist dem bürgerlichen Alltagsverstand aber alles nicht wirklich einleuchtend, er dreht's lieber um:

>>Allerdings ist der Studie zufolge auch ein anderer Wirkungszusammenhang denkbar: Wer oft krank ist, verdient auch weniger und macht vermutlich kaum Karriere. Womöglich ist dann auch das Risiko größer, den Job zu verlieren und eine Zeitlang arbeitslos zu sein – mit entsprechenden Folgen für das Einkommen. Reiche Männer sind gegenüber reichen Frauen dennoch im Vorteil: Bei ihnen verlängert sich das Leben doppelt so stark, wenn sie mehr verdienen, schreiben Breyer und Marcus. Warum das so ist, gelte es noch zu erforschen.<<

Kein Forschungsbedarf besteht offenbar bei der Frage, warum manchen Menschen bessere Medizin, besserer Wohraum, bessere Bildung und bessere Arbeitsbedingungen zustehen als anderen, oder bei der Frage, warum das alles Menschen, die häufig krank sind, nicht so sehr zusteht.

35 Responses to “Die letzten Rätsel und Geheimnisse”

  1. Ingo Says:

    Männer mit einem Bruttoeinkommen von 1.500 Euro werden im Durchschnitt 72 Jahre alt, mit 4.500 Euro hingegen etwa acht Jahre älter. Und: Nur 79 Prozent der Geringverdiener erreichen überhaupt das Rentenalter, während es bei den einkommensstarken Männern über 90 Prozent sind. Das sagt nicht nur etwas über den Klassencharakter der Lebenserwartung aus. Das bedeutet auch, dass Geringverdiener ihr Leben lang in die Rentenkasse einzahlen, aber im Verhältnis zu Reichen kaum etwas ausbezahlt bekommen!

  2. Xenu's Pasta Says:

    haha. Rentenkasse. Ätsch, als Selbstständiger kannst Du Geringverdiener sein, ohne in die Rentenkasse einzuzahlen.

  3. lasterfahrerei Says:

    dann kriegt das geld das eingezahlt ist eben jemand anderes. solidarität eben.

  4. Neinnein Says:

    Deswegen muss Kommunismus auch Aufhebung des Todes bedeuten: alles soziale Verhältnisse.

  5. Christian Says:

    Ein Grund dafür, dass reiche Männer deutlich mehr profitieren als reiche Frauen ist vielleicht einfach auch, dass arme Männer in gesundheitsgefährdenderen und körperlicheren Berufen arbeiten als arme Frauen. Ein Beschäftigter im Straßenbau hat halt irgendwann den Rücken kaputt.

  6. classless Says:

    “Alles Evolution” ist ja mal echt subtil.

  7. Christian Says:

    Mein Blogname? Oder der Inhalt des Blogs? Warum sollte ich da auch subtil sein?

  8. classless Says:

    Na, wenn du darüber rumwunderst, daß die Feministinnen nicht mit dir reden wollen…

  9. Christian Says:

    Wundern ist das falsche Wort. Außerdem wollen ja durchaus einige. Ich finde es eher erstaunlich mit wie wenig Unterbau die dortigen Theorien versehen sind und wie konsequent biologisches ausgeblendet wird.
    Frau Sigrid Schmitz zB scheint ja noch nicht einmal die muskelaufbauende Wirkung von Testosteron zu akzeptieren und die ist durch die Sportmedizin, insbesondere im Dopingbereich ja gut nachgewiesen.
    Die Queer Theorie und Judith Butler stehen meiner Auffassung nach auch eher auf wackeligen Beinen, da die Evolution des Menschen aus dem Affen bei einem rein dekonstruktiven Ansatz der Geschlechter schwer in der vorliegenden Form zu erklären ist. Wie soll da zB das Werkzeug der sexuellen Selektion greifen, das ein heißer Kandidat für die Entwicklung unseres Gehirns ist (vlg zB Miller, The Mating mind)?
    Wenn dazu biologische Erörterungen wie bei Heinz Voss oder Roughgarden kommen, dann wird meist einfach davon ausgegangen, dass es sexuelle Selektion in dieser Form nicht gibt. Dafür haben sie ja auch den entsprechenden Widerstand in der Biologie erhalten.
    Meine “Verwunderung” in meinem Beitrag war insofern eher ironisch gemeint. Wer Texte nur aus dem Feminismus liest, der hat keine Grundlage für eine Diskussion, weil die biologische Forschung dort ignoriert wird.

  10. classless Says:

    Mann, das ist alles Politik! Deine verdammte Wissenschaft ist Politik, deine Vorannahmen, dein albernes Erstaunen darüber, daß die feministische Diskussion keine Eier unten dran hat, dein – soweit ich das bisher mitbekommen habe – kontinuierliches Ausblenden deiner eigenen Position der Nicht- Kaumbetroffenheit, das ist alles Politik!

    Wer als Kriterium nur Wissenschaft kennt, hat keine Grundlage für eine Diskussion, die sich um politische Fragen dreht!

  11. Christian Says:

    Um ein Bild zu verwenden: Auch ein politisches Gedankengebäude sollte meiner Meinung nach eine solide Statik haben und nicht nur ein Luftschloss sein.

    Meiner Meinung nach muss man auch bei politischen Fragen die Fakten beachten und kann dann auf deren Basis eine Politik entwickeln.
    Natürlich bin ich von politischen Fragen betroffen. Ich meine nur, dass man den Menschen im Schnitt nicht beliebig ändern kann.

  12. classless Says:

    *stirnaufdietischplatteschlag*

    Was Fakt ist, bestimmt die Theorie, und die scheint in deinem Fall ausgerechnet aus einem Haufen Biologie zu bestehen, wohl einer der am stärksten kapitalistisch durchideologisierten Wissenschaftsdisziplinen.

    “Ich meine nur, dass man den Menschen im Schnitt nicht beliebig ändern kann.”

    Und was soll das heißen? Daß alle zum lebenslangen Arbeiten verbogen werden können, sich aber nicht dazu erheben können, sich nicht ständig gegenseitig weh zu tun?

  13. paule Says:

    … und auch ganz ohne Ideologiekritik produzieren die “bürgerliche Wissenschaften” sogar in ihrem Selbstverständis keine Fakten, sondern Modelle mit eindeutig limitierten Gültigkeitsbereichen. Auch wenn das im akademischen Betrieb leider meist als genervter Nachsatz formuliert wird, liegt in dieser Einschränkung die Voraussetzung für jede wissenschaftliche Erkenntnis – das gerade dann vollends zu vergessen, wenn über die unmittelbaren Fragen des eigenen Faches hinaus geschwätzt wird, macht einfach nur müde.

  14. Christian Says:

    Richtig, wir sollten die Evolutionstheorie ignorieren, die kommt ja nur von Leuten, die Profit machen wollen. Hingegen ist der Feminismus keineswegs von Ideologie durchsetzt oder was?
    Einen gesamten Wissenschaftsbereich mit dieser Begründung abzulehnen ist relativ armselig. Was kommt als nächstes, die Physik ist auch zu stark kapitalistisch durchsetzt, deswegen können wir die Schwerkraft ignorieren und von fliegenden Menschen ausgehen? Man sollte seine Ablehnung schon eine Begründung innerhalb der Wissenschaft entgegensetzen.
    http://www.classless.org/2003/07/
    Das man Leute im Schnitt nicht gegen ihre Natur ändern kann bedeutet zB das eine Politik, die auf der Konstruktion der Geschlechter und ihrer jeweiligen sexuellen Vorlieben aufbauend Homosexualität “wegerziehen” wollte sinnlos wäre. Es wird immer Homosexualität geben.
    Genauso werden Männer im Schnitt immer ein anderes Verhältnis zu Sex haben als Frauen, was an der libidoerhöhenden Wirkung von Testosteron und dem Aufbau der Gehirne liegt. Frauen werden weil Östrogene empfänglicher für das Kindchenschema machen Kinder im Schnitt niedlicher finden als Männer etc
    Zum Arbeiten: Ich denke, dass Männer immer versuchen werden Status in der Gesellschaft zu erlangen und Status bei Männern immer ein höheres Attraktivitätsmerkmal sein wird als bei Frauen. Man kann allerdings umdefinieren, was in der Gesellschaft Status bringt. Allerdings neigt unser Gehirn dazu das Handicap-Prinzip anzuwenden und solche Sachen als Wertvoll anzusehen, die nur mit hohem Aufwand zu erlangen sind. Dieses Prinzip ist auf Reichtum leicht anzuwenden.

  15. classless Says:

    “Richtig, wir sollten die Evolutionstheorie ignorieren, die kommt ja nur von Leuten, die Profit machen wollen.”

    Quatsch – dein Zeug zu kritisieren, heißt ja eben nicht, es zu ignorieren. Und im Kapitalismus versuchen fast alle, ihren eigenen Anteil vom Kuchen zu vergrößern – das ist aber eben ein Spezifikum des Kapitalismus, daß das so ist, und er erzeugt entsprechend eine Vorstellungswelt, die nahelegt, daß es auch “schon immer” so gewesen wäre – wie es auch “schon immer” zwei klar voneinander getrennte menschliche Geschlechter mit deutlich verschiedenen Ansprüchen und Eigenschaften gegeben haben soll, wie auch “schon immer” Hierarchien und in der gesamten Menschheitsgeschichte Herrschaft das Zusammenleben geprägt haben soll usw. usf.

    “Man sollte seine Ablehnung schon eine Begründung innerhalb der Wissenschaft entgegensetzen.”

    Nein, das ist genau der Punkt: mal über die Voraussetzungen und Vorannahmen nachdenken, mal den eigenen Standpunkt und die eigene Stellung im Klassenkampf, in der Geschlechterauseinandersetzung, im politischen Prozeß bestimmen und sich überlegen, was das damit zu tun haben könnte, daß einem Positionen, die anderen so wichtig sind, dermaßen egal sein können.

    [Was soll der Link?]

    “Ich denke, dass Männer immer versuchen werden Status in der Gesellschaft zu erlangen und Status bei Männern immer ein höheres Attraktivitätsmerkmal sein wird als bei Frauen.”

    Weil du in die Zukunft schauen kannst? Weil es immer zwei deutlich voneinander geschiedene menschliche Geschlchter geben wird? Weil deine Theorien und Modelle beliebig in die Zukunft verlängerbar sind? Und was hat das dann noch mit Wissenschaft zu tun?

  16. Gehirnschnecke Says:

    @ Christian

    „Wenn im mathematischen Verfahren das Unbekannte zum Unbekannten einer Gleichung wird, ist es damit zum Altbekannten gestempelt, ehe noch ein Wert eingesetzt ist. Natur ist, vor und nach der Quantentheorie, das mathematisch zu Erfassende; selbst was nicht eingeht, Unauflöslichkeit und Irrationalität, wird von mathematischen Theoremen umstellt.“

    - Dialektik der Aufklärung

    „Der Versuch, den Menschen als feste oder werdende Einheit zu begreifen ist eitel.“

    - Bemerkungen zur philosophischen Anthropologie

    Natürlich darfst Du mit deinem Biologismus gerne weiterhin die bürgerliche Ideologie stützen (“Der Kommunsimus ist gut, aber der Mensch ja leider nicht, blabla…”), wunder Dich doch aber bitte nicht darüber, dass Menschen, die 5 mm weiterdenken als Du, Dir dann eben sagen, warum Du auf dem Holzweg bist. Denn das bist Du.

    Hoffentlich entlohnt man Dich wenigstens entsprechend…

  17. Auszeit Says:

    Tolles Blog, Junge!

    “Männer sehen Sprache eher sachlich und akzeptieren einen Oberbegriff als sprachliches Werkzeug zum Reden. Einen weiteren Oberbegriff mit einem Zusatz einzuführen erscheint da eher blödsinnig.
    Einige Frauen hingegen laden den Begriff über seine abstrakte Begrifflichkeit hinaus anscheinend mit Gefühlen auf und sind daher glücklicher mit einem Begriff wie „AlleFrauen“ statt „Frauen“”

    “Vielleicht muss man tatsächlich eine Frau sein (oder ein weibliches Gehirn haben) um die Begeisterung im Feminismus, mit dem die Sprache für die Zustände in der Gesellschaft und deren Fixierung verantwortlich gemacht wird, zu verstehen.”

    “Sprache ist ein lebendiger Prozess. Änderungen kann man nicht verordnen. Solange sie nicht praktisch ist wird sie sich nicht durchsetzen. Und der Feminismus scheint mir die Sprache eher komplizierter machen zu wollen. Um so mehr sie es ausschlüsseln um so mehr werden sie das Gefühl haben, dass auch dieser Begriff noch nicht allen gerecht wird.
    Und sich immer mehr von dem entfernen, was die Gesellschaft noch mitzumachen bereit ist.”

    http://allesevolution.wordpress.com/2010/08/03/feministische-sprache/

    Diese Zumutungen, die “die Gesellschaft” da zu ertragen hat! Diese weiblichen Gehirne, von denen du glücklicherweise keins hast, weil du sonst Gefühle haben müßtest, die deine wissenschaftlich gesicherte Praxis sabotieren würden! Du kannst doch nichts dafür, es ist ja alles einfach so!

  18. Christian Says:

    @classless
    “Quatsch – dein Zeug zu kritisieren, heißt ja eben nicht, es zu ignorieren.”

    Mit kritisieren bin ich auch vollauf einverstanden. Ich lade sie sogar ein. Aber das setzt Argumente in der Sache voraus. Ein schlichtes “Du doof” ist keine Auseinandersetzung in der Sache.

    “Und im Kapitalismus versuchen fast alle, ihren eigenen Anteil vom Kuchen zu vergrößern – das ist aber eben ein Spezifikum des Kapitalismus, daß das so ist, und er erzeugt entsprechend eine Vorstellungswelt, die nahelegt, daß es auch “schon immer” so gewesen wäre – wie es auch “schon immer” zwei klar voneinander getrennte menschliche Geschlechter mit deutlich verschiedenen Ansprüchen und Eigenschaften gegeben haben soll, wie auch “schon immer” Hierarchien und in der gesamten Menschheitsgeschichte Herrschaft das Zusammenleben geprägt haben soll usw. usf.”

    Vielleicht erzeugt es eine Vorstellungswelt, vielleicht findet es eine bestehende vor und nutzt sie aus. Was sind deine Belege dafür, dass sie erzeugt werden? Dein Argument kann man auch dafür bringen, dass wir heutige Speisen und keinen Sand essen. Uns wurde ja immer eingeredet, dass uns Sand nicht schmeckt und das normale Lebensmittel gut für uns sind. Oder wir mögen keinen Sand, weil er unsere biologischen Geschmacksnerven nicht anspricht, weil er keinerlei Nährstoffe enthält.

    Die meisten Gesellschaftsformen großer Menschengruppen haben in ihrem System jemanden ausgebeutet. Die Systeme, die das abschaffen wollten sind genau aus diesen Gründen zusammengebrochen oder sind nur noch dem Namen nach der Gleichheit verpflichtet (zB China).

    “Man sollte seine Ablehnung schon eine Begründung innerhalb der Wissenschaft entgegensetzen.”
    Nein, das ist genau der Punkt: mal über die Voraussetzungen und Vorannahmen nachdenken”

    Ein Prozess des Nachdenkens setzt für mich voraus, dass man sich seine Position anschaut, dann die Argumente der Gegenseite, und dann schaut welche einen mehr überzeugen. Eine Selbstbetrachtung als Rückschluss für die Menschheit zu nehmen ist herzlich naiv. Schließlich ist das Einzelwesen auch nach biologischen Thesen nicht repräsentativ für den Rest der Menschheit.

    [Was soll der Link?]
    Ich habe absolut keine Ahnung wie der da rein gekommen ist. Als mein Kommentar freigeschaltet wurde wollte ich dich das gleich fragen.

    “Ich denke, dass Männer immer versuchen werden Status in der Gesellschaft zu erlangen und Status bei Männern immer ein höheres Attraktivitätsmerkmal sein wird als bei Frauen.”

    “Weil du in die Zukunft schauen kannst?”

    Nein, weil wir von Affen abstammen und es ein biologisch sehr sinnvolles Attraktivitätsmerkmal ist, dessen Wirksamkeit durch Tests belegt ist und solche Merkmale, sofern sie biologisch sinnvoll bleiben nur sehr schwer zu beseitigen sind. Aber schon aufgrund der Dauer der Vorgänge in der Evolution wäre mit einer Dauer von einigen tausend Jahren zu rechnen, selbst wenn wir es versuchen. Insofern ist immer sicherlich falsch, für den Zeitraum, der in unserer Diskussion interessant ist kommt es aber auf das selbe heraus.

    “Weil es immer zwei deutlich voneinander geschiedene menschliche Geschlchter geben wird?”

    Es ist davon auszugehen, dass es bei zwei Geschlechtern bleiben wird. Der biologische Wert eine sexuellen Fortpflanzung ist theoretisch nachzuweisen (Red queen Theorie) und ein drittes Geschlecht hinzuzuziehen erhöht nur die Kosten der Fortpflanzung ohne einen Zusatznutzen zu bieten (vgl zB Matt Ridley, The Red Queen). Möglicherweise nähren sich die Geschlechter auch in Zukunft an, weil in modernen Gesellschaften sicherlich andere evolutionäre Drücke entstehen oder gerade nicht entstehen (wir haben ja nur noch eine sehr eingeschränkte natürliche Auslese), vielleicht entfernen sie sich auch noch mehr voneinander. Aber die nächsten 1000 Jahre wird man davon nicht viel merken.

    @Gehirnschnecke
    Ach, und diese Angaben Zitate ersparen die Auseinandersetzung mit Argumenten und insbesondere die Frage, was Unauflöslich und irrational ist? Das ist in der Tat wirklich weiter gedacht. Ich sehe ein, ich habe alles falsch gemacht.

    Schon die Wirkung der Hormone ist ganz verschieden, von Gehirnstrukturen ganz zu schweigen. Schau dir nur einmal im Wikipediaeintrag an, welche Wirkungen Testosteron hat und wie viel hiervon ein Mann bzw eine Frau im Blut hat. Ebenso bei Östrogen. Wir haben hier zwei Menschen, die an einem vollkommen verschiedenen Medikamententropf mit auch stark psychopharmer Wirkung hängen, aber wir erwarten, dass sie sich gleich verhalten.
    Viele Mechanismen sind uns heute bekannt. Natürlich verstehen wir den Menschen als ganzes noch nicht. Aber das bedeutet nicht, dass wir alle weiteren medizinischen und biologischen Kenntnisse ignorieren können.

  19. Christian Says:

    @Auszeit

    Danke, ich freue mich immer über Lob. ;-)

    Es ist keineswegs so, dass ich Frauen für alles verantwortlich mache, was auf dieser Welt geschieht. Das männliche Gehirn hat auch so seine Tücken. Es geht eben darum, dass Mann und Frau verschieden sind. Der Vorteil von “AlleFrauen” erschließt sich mir in der Tat nicht. Über den von dir zitierten Blogbeitrag hatte ich allerdings auch ausdrücklich geschrieben: “Und geben Anlass für ein paar unwissenschaftliche und nicht abgesicherte Überlegungen hierzu.”

    Ich könnte mir vorstellen, dass ein anderes Sprachgefühl und Verständnis auch zu einer anderen Sprache führt. Das Männer und Frauen anders reden ist ja recht unstreitig, nur ob es Natur oder Gesellschaft ist ist der eigentliche Streit.

  20. classless Says:

    “Ein schlichtes “Du doof” ist keine Auseinandersetzung in der Sache.”

    Wenn das alles ist, was bei dir ankommt, dann ist es vielleicht doch genau hinreichend.

  21. Christian Says:

    Wenn jemand seinen Kopf auf die Tischplatte haut ist das meist die gewünschte Aussage oder?
    Aber Kritik in der Sache, also Argumente über biologische Grundlagen habe ich noch nicht gelesen.

  22. posiputt Says:

    zur evolution:

    ja, dieses prinzip ist zu beobachten. ja, es hat den menschen hervorgebracht. ja, auch gesellschaftliche entwicklungen koennen evolutionaer sein.

    den menschlichen handlungsspielraum nun ueber eine biologistische argumentation einzugrenzen finde ich zunaechst mal nachvollziehbar. dass aber der anpassungsautomat evolution einfach als definitionsgrundlage fuer das menschenmoegliche dienen kann, seh ich nicht ein.

    und ich bin der meinung, dass, statt nach den grenzen des menschlichen spielraums zu tasten, es sinnvoller waere, danach zu streben, sich von diesen grenzen, zum beispiel (vor allem der gesellschaftlichen) evolution zu emanzipieren. kurz: grenzen als probleme erkennen und ueberwinden.

    “Denn das ist unsere Geschichte — und die machen wir jetzt selbst.”

    :)

  23. Xenu's Pasta Says:

    Hallooo allerseits, bitte kurz mal den Gegenstand anschauen und sich fragen, wieso hier so heftig um einen Strohmann gerungen wird.

    Je nach Ergebnis sind meine folgenden Gedanken zwar vielleicht Öl ins Strohfeuer, aber da ich nunmal die Fresse nicht halten kann:

    – Wissenschaft ist das nächstbeste, was wir haben, um zu kucken, was ist
    – Wissenschaft ist ziemlich ungeeignet zu sagen, was _sein_ _soll_
    – Evolutionstheorie und Judith Butler’s Gender-Performance widersprechen sich doch überhaupt nicht

    Evolution hat uns bis hierher gebracht, und das populärwissenschaftliche Modell dazu ist, dass biologische Zweigeschlechtlichkeit da nen zentralen Part hat. Wenn wir das als Arbeitsthese also vorerst hinnehmen, bleiben dann immer noch folgendes:

    Menschen unterliegen, spätestens seit sie Kulturschaffende sind, dem Evolutionsdruck möglicherweise nicht in demselben Masse wie z.B. Bakterien. Menschen haben sich in die Lage versetzt (wie oben bereits gesagt), in einer Art und Weise zu leben, für die sie rein evolutionär überhaupt nicht angepasst sind. Das schließt “Arbeit” mit ein. Wenn nun Menschen auf die Idee kommen, dass es vorteilhaft wäre, die angenommene Zweigeschlechtlichkeit zu überwinden, warum sollten sie dazu nicht prinzipiell in der Lage sein?

    Wenn jedoch die “Entdeckung” der Zweigeschlechtlichkeit als biologisches Essential möglicherweise beeinflusst wurde von einem Kulturzustand, in dem die gesellschaftlichen Unterschiede zwischen zwei Kasten (oder auch Klassen) durch eben diese Brille betrachtet wurde, so dass die Erklärung der Faktenlage (genauso wie die Ausfilterung nicht passender Fakten, wie z.B. nicht an biologischer Fortpflanzung teilnehmende Individuen, ausserhalb der zwei Kategorien XX/XY liegende Individuen, Relevanz anderer Mechanismen zur Kombination genetischen Materials) _möglicherweise_ von diesem Bias erzeugt wurde. Dann wäre es _möglicherweise_ auch drin, die Beobachtung anders zu modellieren, was vielleicht für unsere männlich/weiblich trainierten Gehirne und Kultur etwas befremdlich ist, aber trotzdem geht. Dann wäre der männlich/weiblich-Unterschied ein hartnäckiges Epistem, wie das geozentrische Weltbild eines war, oder die Idee von einem Gott immer noch ist, historisch/kulturell erzeugt, und verdammt schwierig abzuschaffen. Evolution jedenfalls funktioniert auch ohne Zweigeschlechtlichkeit.

  24. Christian Says:

    @posiputt

    Wenn man sich von den Grenzen freimachen möchte, dann sollte man sich vorher zumindest folgendes bewußt machen:

    1. welche Grenzen gibt es?
    2. Welche Kosten verursacht es auch für den Einzelnen sich von diesen Grenzen freizumachen?

    Eine biologische Grenze ist zB meiner Meinung nach die sexuelle Orientierung. Man wird schwul, hetero oder bisexuell geboren.
    Natürlich kann auch ein heterosexueller Mensch sich hiervon freimachen und Sex mit einem Menschen haben, der nicht seiner Orientierung entspricht. Aber es wird ihm wesentlich schwieriger fallen. Und warum sollte er es auch versuchen?

    Jetzt könnte man überlegen ob es andere Grenzen gibt, bei denen das ähnlich ist. Nehmen wir zB mal an, dass Frauen auf Männer mit Status stehen. Für sie wäre dann ein Mann ohne Status sexuell ungefähr so interessant wie eine Frau für einen Schwulen. Könnte man das dann ändern?
    (Status ist im übrigen relativ zu den Werten der Frau, insofern kann man meiner Meinung nach dort durchaus ansetzen. Auch in einer absolut linken, anarchistischen Gruppe gibt es Status, er definiert sich nur nicht an Geld. In jeder Männergruppe, die groß genug ist gibt es Anführer und sie sind üblicherweise diejenigen, mit denen die meisten Frauen schlafen wollen).
    Das kann man jetzt weiterspielen: Wenn Frauen auf Männer mit Status stehen, dann macht es biologisch Sinn wenn Männer einen Wunsch nach Status haben etc.

    Natürlich können wir frei entscheiden, wir sind ja keine Roboter. Das Problem ist, dass die Biologie unsere Wünsche teilweise recht fest im Griff hat. Wir können uns entscheiden zB zu verdursten, aber davor wird uns unsere Biologie bewusst machen, dass unser Körper Wassermangel hat in dem das Durstgefühl immer stärker wird. Die meisten Menschen entscheiden sich dann wenn sie es können für eine Bedürfnisbefriedigung auch wenn ihnen die andere Option offen steht. Es erscheint eben in diesem Moment sinnvoll. Wir können uns nicht aussuchen, was uns erregt, hungrig, durstig etc. macht. Eifersucht, Liebe, Sicherheit, soziale Akzeptanz verlaufen nach gewissen Schemen, die biologische Ursachen haben. Der einzelne Mensch kann zwar frei entscheiden, in der Masse der Menschen fällt die Entscheidung aber häufiger für eine Bedürfnisbefriedigung aus, so dass Menschenmassen sich anhand dieser biologischen Vorgaben bewegen und insoweit ihre Geschichte häufig um diesen roten Faden herumwabert.

  25. classless Says:

    @ Xenu’s Pasta

    Schöne Zusammenfassung

    @ Christian

    Ich habe eigentlich keine Lust mehr, deiner reflexionsfreien Biologie-Propaganda hier weiter solchen Raum zu geben. Wenn du nicht vorhast, auf die Kritik oder auf das Posting einzugehen, würde ich darum bitten, daß du einfach in deinem Blog weitermachst.

  26. Christian Says:

    @Classless

    Gut, dann mache ich auf meinem Blog weiter. Ich erlaube mir nur noch ein Schlusswort zu zu Xenu´s Pastas Kommentar:

    Nachlassender Evolutionsdruck beseitigt nicht bestehende Zustände, sondern lässt sie bestehen.Wenn wir keinen Evolutionsdruck mehr haben, dann bleibt alles wie auf der zuletzt erreichten Stufe stehen. Wir brauchen einen Evolutionsdruck in eine gegenteilige Richtung zur Überwindung bestehender biologischer Regelungen.

  27. classless Says:

    Ja, klar, ohne Evolutionsdruck passiert gar nichts mehr…

    Kann niemand behaupten, dein Blogname wäre nicht ehrlich: Du hast nicht wirklich irgendwas anderes als Evolutionsbiologie auf dem Schirm.

    “Gut, dann mache ich auf meinem Blog weiter.”

    Mach mal.

  28. Gehirnschnecke Says:

    Vielleicht sollte ihm mal jemand etwas “Evolutionsdruck” besorgen, damit es bei ihm weitergeht…

  29. posiputt Says:

    das mit dem evolutionsdruck erinnert mich an die behauptung “ohne arbeitszwang wuerde ja garkeiner mehr was tun”

    und: wir koennen tatsaechlich nicht entscheiden was uns erregt, durstig macht und bla, aber wie der sprung zum der biologie unterworfenen gesellschaftlichen passiert, kann ich nicht nachvollziehen. vielleicht sollte christian mal nach dem “missing link” suchen.

  30. Xenu's Pasta Says:

    Nur noch mal zum besseren Verständnis von Evolution: Evolution bzw. Evolutionsdruck ist nicht für Veränderung zuständig, sondern regelt lediglich die Todesrate bei Kompatibilitätsproblemen zur Umwelt. Veränderungen passieren so oder so. D.h. bei geringerem Evolutionsdruck sollte die (genetische) Diversität steigen.

    Ausserdem hatte wir uns ja drauf geeinigt, dass Menschen als special case aktiv Einfluss auf ihre Veränderungen ausüben könn(t)en. Rein technologisch sollte das in ein paar Jahren sogar für Individuen drin sein.

  31. posiputt Says:

    @xenu: quaaaatsch is doch nur science fiction, du nuss!

    das ist ja, wie zu sagen, menschen koennten fliegen. mit technischen hilfsmitteln! ausgerechnet…

  32. Wolfgang Says:

    “Erkenntnis macht frei, Bildung fesselt, Halbbildung stürzt in Sklaverei.” (Wilhelm Raabe)
    @Gehirnschnecke I love quotes. Von wem stammt das?: “Der Versuch, den Menschen als feste oder werdende Einheit zu begreifen ist eitel.”

    “Es hat noch niemals auf der Erde ein Mensch von anderen “was gewusst”.” (Wilhelm Raabe)
    “Es gibt keine größere Illusion als die Meinung, Sprache sei ein Mittel der Kommunikation zwischen den Menschen.” (Elias Canetti)
    …Musik(nicht Mucke) schon eher.
    suggested listening: “PEOPLE AIN’T NO GOOD” by The Cramps

  33. Ramses Says:

    Das fällt für Geringverdiener schon mal aus.

  34. Gehirnschnecke Says:

    @ Wolfgang

    Das ist von Horkheimer.

  35. Donauwelle Says:

    Beim Statusfetisch ist bemerkenswert dass gesellschaftlicher Status eine Variable ist deren Vorzeichen sich sprunghaft ändern kann. Ihr Wert wird nicht von der Evolution bestimmt sondern von der Geschichte und ihren manchmal unwägbaren Wendungen. Siehe etwa die hohen Tiere aus dem Repressionsapparat der DDR welche sich nach der Wende als lebenslaufmäßige Parias wiedergefunden haben. Und welchen gesellschaftlichen Status wird ein Verfassungsschmutz-Agent in Zukunft genießen?

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