Konferenz zum Spezialfall Deutschland

September 25th, 2010

>>Denn die ‚Krise der antideutschen Bewegung’ spiegelt, so vermuten wir, in gewisser Weise diese Veränderung, weil in der Kritik nicht eingeholt, wider. Dies zeigt sich an einem Auseinanderklaffen von Positionen: Dem gebetsmühlenartigen Alarmismus in Teilen der Antideutschen, durch den teilweise der Eindruck entsteht, als ginge vom Urteil der weitgehenden Identität von Nationalsozialismus und postnazistischem Deutschland bzw. Islamismus eine beruhigende, nahezu befriedigende Wirkung aus. Diesem steht der Antinationalismus wie z.B. dem des „Ums-Ganze“-Bündnisses gegenüber. Verfolgt wird eine post-autonome Bewegungspolitik, in der Staat, Nation und Kapital im Allgemeinen „scheiße“ gefunden werden, hingegen Deutschland als Spezialfall der allgemeinen kapitalistischen Schweinerei zur Nebensächlichkeit und Israelsolidarität für passé erklärt wird. Beides verstehen wir als Reaktionen, die sich selbst als solche nicht bewusst sind, auf ein – gar nicht neues, mithin in der allgemeinen Logik des Kapitals angelegtes – Verschwinden der Bedeutung von Geschichte, einer zunehmenden Irrealisierung der Bedeutung von Auschwitz als handhabbarem Faktum sei es in der Kulturindustrie oder der Realpolitik.<<

Konferenz zum Stand der Kritik (via waity)

12 Responses to “Konferenz zum Spezialfall Deutschland”

  1. nizzer Says:

    9/10

  2. Subprole Says:

    Diese Konferenz dürfte einer der letzten verzweifelten Wiederbelebungsversuche einer zerfallenden Strömung sein.

  3. classless Says:

    @ Subprole

    Daß die Antideutschen zerfallen, habe ich schon gehört, als ich sie noch gar nicht kannte.

  4. Scrupeda Says:

    I think I actually prefer fragmented movements, if at all.

  5. posiputt Says:

    ich stell mir ja vor, dass, was ich mir unter “antideutsch” vorstelle, mit weniger stroemung sowieso besser funktioniert als mit mehr.

  6. classless Says:

    Das außerdem – ein wesentlicher Teil des Appeals war für mich immer, daß sie im Zweifel für Spaltung waren. Bzw. wenn das so war.

  7. bigmouth Says:

    ich erwarte da vorrangig marxistisch-mystizistische gedichte. klare argumentation ohne rückgriff auf fragwürdige, nicht hinterfragte prämissen in der tradition der Kritischen Theorie scheint mir keineR der eingeladenen zu beherrschen

  8. paule Says:

    Redest du jetzt wirklich von »nicht hinterfragte[n] prämissen in der tradition der Kritischen Theorie«, oder soll dieses angeblich nicht beherrschte Argumentieren im Sinn der Krititschen Theorie sein? Oder war das jetzt auch Mystizismus und ich hab ihn kaputt gemacht? ;)

  9. bigmouth Says:

    ich finde tatsächlich, dass die KT häufig genug fragwürdige prämissen gesetzt hat (Verschwinden des Wettbewerbs, die Anthropologie der DdA, Gültigkeit der Psychoanalyse usw usf). Klarer argumentiert als Scheit ham sie in der Regel schon – ist ja auch nicht so schwer.

    Problemtatisch finde ich insbesondere das gespannte Verhältnis der KT zwischen Logik, Dialektik, Ethik usw. Ich fand das Dahms Buch über den Positivismusstreit sehr erhellend – da wird schön ausgebreitet, wie unklar einige kernkonzepte der KT eigentlich sind, was sich schön an den Auseinandersetzungen der 1930er (also der vorlauf des positivismusstreit der 60er) zeigen lässt

  10. paule Says:

    Da macht mir der Satzbau schon wieder Schwierigkeiten – diesmal sogar ernst gemeinte. Wessen Verhältnis zwischen wem oder was findest du problematisch? Ich habe Dahms nicht gelesen und müsste mir jetzt noch erklären lassen, was sich damit zeigen lässt.

    Aber stattdessen vielleicht lieber wieder zu dieser Veranstaltung: Der Mystizismus-Vorwurf gegen Bruhn ist wohl ausführlich genug diskutiert und dokumentiert, aber dass diese konkrete Veranstaltung auf dem Weg abzuqualifizieren wäre, sehe ich nicht. Ich finde den “Jargon der KT (-nachfolge)” auch nicht völlig unproblematisch, aber was sollte denn das nun für eine Klarheit sein, der Lars Quadfasel oder Sonja Witte nicht fähig wären?

  11. Donauwelle Says:

    Zum Thema deutsche Sonderwege ist bemerkenswert dass im Laufe des Jahres alle drei Schlüsselfiguren im näheren Wirkungsumfeld von KT zurückgetreten sind: Mixa (zuständiger Militärbischof), Köhler (politischer Schirmherr), McChrystal (allierter Militärboss). Um Graf Schweineleber ist es auffällig einsam geworden, und er scheint sich vor der Rache der Weltgeschichte retten zu wollen indem er versucht die offenbar für unvermeidlich gehaltene Entmilitarisierung Deutschlands so zu gestalten dass diese möglichst unvollständig bleibt, auch wenn außerhalb seiner von der Wucht der Entwicklung überrumpelten Partei niemand ihm das leibhaftige Gespenst der Abrüstung abkauft. Wenn jetzt in Bremen der neue Bundesprätendent und sein Gegenkandidat auftreten dürfte wohl nur einer der beiden erahnen wie nahe ihm das so inflationär als Teil der Vergangenheit beschworene Menschheitsübel politische Geheimpolizei tatsächlich ist.

  12. bigmouth Says:

    die ankündigungstexte sind übrigens jetzt online – uA halluziniert sich Clemens Nachtmann ein antideutsches Feuillition herbei. sehr amüsant

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