Diskussion zu Identitätskritik & “neo-antideutscher Szene”

October 10th, 2010

Holger (“Diesseits von gut und böse”) verwies unter seinem Blogbeitrag zur Identitätskritik u.a. auf meinen Track mit Bam Bam Babylon Bajasch. In dem sich daraufhin entspinnenden Kommentardialog zielte Holger auf eine “verkommene neo-antideutsche Szene”, worauf ich erwiderte, “daß es erstmals fast überall größere Mengen junger Leute gibt, die eine proisraelische, antisexistische und kommunistische Position teilen und vertreten.” Seine Antwort:

>>Das Problem ist ja auch nicht das pro-israelisch, sondern das kommunistisch Antisexistische – der Drogen-Wahnsinn, das komplett abgedrehte Ideal der Geschlechtslosigkeit, das lockere Verhältnis zur Gewalt, die sog. Arbeitskritik, das bizarr-instrumentelle Verhältnis zum sog. Normalbürger (den man verachtet, den man umerziehen will und von dem man lebt) und die Chuzpe, angesichts von Millionen Gulag-Toten das Ganze einfach noch mal zu versuchen und mit einem Augenzwinkern zu versichern: „Nein, nein, das ist nicht der Kommunismus“.<<

Die weitere Diskussion.

19 Responses to “Diskussion zu Identitätskritik & “neo-antideutscher Szene””

  1. crm Says:

    Die indirekte Gleichsetzung von NS und DDR/UDSSR disqualifiziert für eine aufrechte Diskussion. Man kann und sollte mMn Gulag-Tote auch anders in die Diskussion einbringen.

  2. bigmouth Says:

    der blogautor hat sich wohl auch mal beinah im CEE IEH verewigt, ich finde leider gerade den eintrag (mit launigem kommentar der redaktion) gerade nicht mehr.

    Michael Heinrich und Leipziger katholisches Missionierungswerk in der gleichen linkliste ist schon wirklich hart…

  3. tee Says:

    mit antisexismus und antihomophobie ist es in dieser szene lange nicht so weit her, da hat sich in den letzten vier jahren nicht viel geändert.

    und über kommunistische positionen (die sich meist in “staat.nation.kapital.scheiße” erschöpfen und im zweimarkstück des (neo)antideutschen tennisballs praktisch gar nicht mehr zu hören sind) kann man da nun wahrlich streiten. die meisten (gerade in leipzig (nur so ein kleines bsp.)) sind ganz weit in der deutschen demokratie und ihrer politischen ökonomie angekommen.

  4. n Says:

    irgendwelche übertritte über die linke pc disqualifizieren hier überhaupt nichts, sondern wer mit so einem vollidioten wie holger diskutiert, beweist nur seine eigenes elend. früher den kommunismus fürs elysium und den kapitalismus für den beelzebub gehalten, dann gemerkt, dass das doch nicht so ist und konsequent zum spießbürgertum konvertiert, das man in seiner linken, “kritischen” variante immer schon vertreten hat.

  5. Hannes G. Says:

    Gleichsetzung von NS und SU vorwerfen, katholisches Missionierungswerk scheiße finden, irgendwie sexismus und homophobie unterstellen, dass man in Demokratie und PÖ angekommen sei, jmd. als Vollideoten abstempeln – ihr Bewegungsblogger werft routiniert mit Stichworten und Markenzeichen um euch u. merkt gar nicht mehr, wie hetzerisch und verflachend ihr in der Summe wirkt und Holgers Urteil bestätigt: “verkommene neo-antideutsche Szene”. Tschau

  6. classless Says:

    Naja, irgendwie keine Diskussion geworden. War’n Versuch.

  7. bigmouth Says:

    katholisches Missionierungswerk scheiße finden

    was ist denn bitte gut daran?

  8. kaputt Says:

    “…katholisches Missionierungswerk scheiße finden…ihr Bewegungsblogger werft routiniert mit Stichworten und Markenzeichen um euch u. merkt gar nicht mehr, wie hetzerisch und verflachend ihr in der Summe wirkt…”
    for teh lulz?

  9. bigmouth Says:

    wow, und jetzt noch homophobe kulturkritik: http://diesseitsvongutundboese.wordpress.com/2010/10/11/merkwuerdigkeiten-der-warengesellschaft-v/

  10. Xenu's Pasta Says:

    Whoaah, das flasht hier aber ganz gewaltig, und irgendwie habe ich in dieser Version der Diskussion nicht so richtig den Zugang. Vielleicht liegt das aber am Ausgangspunkt, bzw. in seinen Prämissen: “Wer die diskursive, herrschaftsfreie Aushandlung von allem und jedem predigt, öffnet den totalitären Ideologen der Umerziehung Tür und Tor [...] wenn er [der Mensch] kein Wesen hat” – sorry, nur weil ich mir das aus ner romantischen Verschwurbelung wünsche, heisst das noch lange nicht, dass der Mensch tatsächlich “ein Wesen” hat. Das müsste dazu erst gezeigt werden.

  11. tee Says:

    hehe, da hab ich mausebär wohl in weiser voraussicht verlinkt, bigmouth. und ja, hannes, tschau!

  12. tee Says:

    classless, ich kann n teilweise echt zustimmen. mit dem typen ist doch nicht zu diskutieren )bei solchen aussagen).

  13. Donauwelle Says:

    Wohin linksradikale Lebenswege führen habe ich mich auch schon gefragt als ich selber noch jung war. Hoffentlich nicht in Straßentod, Knast, Verfolgung oder auch autoaggressive Selbstverleugnung wie in diesem Fall. Der neue Friedensnobelpreisträger sagt, Dissident ist ein Beruf, so wie auch Kaufmann oder Lehrer. Allerdings kein vom System anerkannter und bezahlter. Deswegen die aktuellen Angriffe von Berufspolitikern gegen Langzeitarbeitslosigkeit und das selbstbestimmt-schöpferische Potential in dieser Lebensweise. Das Bürgertum ist geistig-moralisch marode, sein Gesellschaftsvertrag mit dem Gewaltmonopol hat sich als Mißbrauchsbeziehung herausgestellt, sein konsumgesellschaftlicher Lebensentwurf als suboptimale Hypothek und sein Demokratieidealismus als Etikettenschwindel. Den “sog. Normalbürger” gibt es nicht einmal mehr in der Phantasie von Christian Wulff, außer vielleicht als politischen Pflegefall der sich wundert wo seine Souveränität hingekommen ist, wie gerade in Stuttgart. Der Zweck der Identitätskritik ist allerdings kein destruktiver, sondern der vom Bürgertum ideologisch verdrängten Autonomie ihren zentralen Platz als höchstem Grundwert der Persönlichkeitsentfaltung wiederzugeben. Ohne diese erscheinen Antikapitalismus, Sexualemanzipation und Bewußtseinserweiterung in der Tat unzusammenhängend, und dass der Blogger sie dennoch zusammenbringt scheint nur der Tatsache zu verdanken dass er selbst einmal versucht hat in diese Richtung zu gehen. Gottseidank gibt es jedoch einen unüberbrückbaren Unterschied zwischen jemandem der seine Ideale abgetötet hat (dieser Blogger) und jemandem der nie welche hatte (der Bundesprätendent), welcher immer wieder neue Dissidenten inspiriert.

  14. dr0fn0thing Says:

    zu dem “Nein, Nein”:

    “Für den materialistischen Historiker ist es wichtig, die Konstruktion eines historischen Sachverhalts aufs strengste von dem zu unterscheiden, was man gewöhnlich seine »Rekonstruktion« nennt. Die »Rekonstruktion« in der Einfühlung ist einschichtig. Die »Konstruktion« setzt die »Destruktion« voraus.”

    Walter Benjamin: Das Passagen-Werk [N 7, 6]

  15. Tatze Says:

    Oh Benjamin – dass der so konkret zum Thema spricht – man glaubt es nicht.

  16. Holger Says:

    @bigmouth: Kulturkritik ja, Homophobie nein. s. bspw.: http://diesseitsvongutundboese.wordpress.com/2010/03/28/die-guten-aufgeklaerten/

    Vielmehr finde ich, dass “Queer” homophob ist – sie kennen keine schwulen Männer mehr, nur noch Menschen und auch die nur als Lustobjekt.
    Da es auch antisemitische Juden gibt, werfe ich die eigene Homosexualität mal nicht in die Wagschale.

    Danke für den Michael-Heinrich-Tipp. Der Link fliegt raus.

    Ansonsten läuft diese Diskussion wie erwartet. Mit allen übrigen Vorwürfen an mich, kann ich gut leben. Man hätte etwas falsch gemacht, würde man hier nicht für einen Vollidioten gehalten.

  17. Donauwelle Says:

    @Holger – Wie man in den Wald hineinruft… aber ich wollte kein Selbstmitleid auslösen. Danke für den Link. Das größte Problem ist die Aufklärung von Altfällen aus der Zeit des Nazi-Schwulenparagraphen.

  18. Pro.Fan Says:

    “Man hätte etwas falsch gemacht, würde man hier nicht für einen Vollidioten gehalten.”

    Wo er Recht hat, hat er Recht.

  19. Stephan Says:

    Kulla hält die Tradition des mit-Nazis-diskutieren hoch, warum auch nicht.

Leave a Reply

2MWW4N64EB9P