Die kommende Revolution

September 15th, 2011

Ohne Scheiß das Erstaunlichste und Wichtigste, was ich seit langem gesehen habe: die gleichen Hände, die das Revolutionsporno “Ein Heldenleben”, den Clip zu unserem Track “Spartacus” und das Werbevideo zum Buch “Wir sind ein Bild der Zukunft” zusammengeschnitten haben, unternahmen nun, so heißt es, “eine Rekomposition und dadurch eine gewisse Verdichtung der wesentlichen Gedanken Kropotkins” (wer ihn nicht kennt: Textsammlung), “mehr oder weniger gelungen mit Bildern der Kuturindustrie und youtube unterlegt”, also: mit Hitchcock, Chaplin, Riotclips und Schönberg wird charmant wie verstörend, mitreißend wie illusionslos für den anarchistischen Kommunismus, für die herrschaftsfreie Gesellschaft geworben.

Der Titel ist absichtlich an “Der kommende Aufstand” angelehnt, dessen Idee der Kommune mit kaum einer so eng verwandt ist wie derjenigen – und im Film entfalteten – bei Kropotkin. (Über diesen Zusammenhang sprach Andrea Trumann auf dem Antifa Sommercamp in Eberndorf.)

Unbedingt laut abspielen – Verstärker oder Kopfhörer!

Download-Link:
Kropotkin – Die kommende Revolution.
(avi, 775 MB)

Skript zum FilmRelease Notes

17 Responses to “Die kommende Revolution”

  1. wie grandios Says:

    vielen dank für den link. vor nicht allzu langer zeit hab ich “2 oder 3 dinge die ich von ihr weiß” von godard gesehen, der hier wohl auch z.b. mit den flüsterstellen zitiert wird. (den film nachts um zwei angefangen, vollkommen überfordert, unfähig abzuschalten und auf später zu verschieben)
    unglaublich gut gelungene collage. :-)

    tja und nun?

    grüße, laus

  2. Nicolai Says:

    Sehr schön. Danke für den Hinweis.
    Und den muss man wirklich mit ordentlichem Sound hören.

  3. Bob Says:

    @Der Titel ist absichtlich an “Der kommende Aufstand” angelehnt

    Ist das nicht eine Umkehrung?: Die kommende Revolution ist der Titel eines Artikels von Kropotkin vor über 100 Jahren. Denke eher, die heutigen Franzosen haben sich da an Kropotkin angelehnt und am Ende sogar absichtlich.

  4. Dirk Says:

    Was hätte Alleister Crowley dazu gesagt?

    Aus seinem “Book of lies” das Kapitel 81:

    LOUIS LINGG

    I am not an Anarchist in your sense of the word:
    your brain is too dense for any known explosive
    to affect it.
    I am not an Anarchist in your sense of the word:
    fancy a Policeman let loose on Society!
    While there exists the burgess, the hunting man, or
    any man with ideals less than Shelley’s and self-
    discipline less than Loyola’s-in short, any man
    who falls far short of MYSELF-I am against
    Anarchy, and for Feudalism.
    Every “emancipator” has enslaved the free.

  5. classless Says:

    @ Bob
    Der Titel des Films wurde doch aber schon gewählt, um diesen Zusammenhang herzustellen, oder?

    @ Dirk
    If it’s only a single emancipator he will only replace rule with his. Still, who would be the free he would enslave now?

  6. Dirk Says:

    @Classless

    Good point to ask for those who are free. I can only find some having the illusion of beeing it. But anyway there is some true wisdom in his provocation here. I guess the main point is that he claims much more preconditions for the anachist society. And I am sad to tell you that I currently feel with him because most minds have not changed that much since he wrote this. Internet and Smartphones don’t stop people from believing absurd myths. If a revolution will come to happen I would not welcome it because still too many strange people hanging around and “waiting” for real education.

  7. classless Says:

    @ Dirk
    “some having the illusion of beeing it”

    Das ist aber nicht dicht dran, sondern sehr weit weg von Freiheit, weil die Illusion ja dafür sorgt, daß keine weiteren Schritte zur Befreiung unternommen werden – oder wieder auch nur scheinbare.

    Die Vorbedingungen, von denen du schreibst, werden auch nicht einfach eintreten und dann gibt’s endlich die befreite Gesellschaft. Diese Vorbedingungen müssen hergestellt, herbeigeführt, erstritten werden – im Grunde ist dieser Vorgang ja die Revolution, wenn sie vorüber ist, hat sie die Bedingungen für die befreite Gesellschaft geschaffen. (Wenn das alles jemals passieren sollte…)

  8. sokol Says:

    Find ich eher langweilig und ziemlich bemüht. Stell mir einen einsamen studenten vor der zuhause sitzt und seinen romantischen revolutionsträumereien nachhängt während er im wirklichen leben nix hinbekommt.

  9. Dirk Says:

    Das mit der Illusion ist eh klar. Das wollte ich auch so gesagt haben.

    Weiterhin ist es schon logisch dass es einen Transformationsprozess geben muss – geschenkt. Der Punkt ist, dass eine Revolution ein erzwungener und damit gewaltsamer Übergang mit paranoiden Tendenzen ist (Erwartung der Konterrevolution). Jedenfalls löst der Begriff solche Assoziationen aus und das sollte einem nicht egal sein. Eine Revolution im herkömmlichen Sinn schafft aber gar nicht die nötigen Vorbedingungen sondern ignoriert sie und erzeugt erneut Enttäuschungen und Repressionen. Ganz ehrlich classless, glaubst Du dass sich mit dem derzeitigen durchschnittlichen Mindstate eine emanzipierte Gesellschaft booten lässt? Überforderst Du damit nicht Deine sogenannten lieben Mitmenschen?

  10. classless Says:

    @ Dirk

    “mit paranoiden Tendenzen ist (Erwartung der Konterrevolution)”

    Was ist daran schon groß paranoid, wenn die Konterrevolution ja auvh immer kommt und meistens gewinnt?

    “Eine Revolution im herkömmlichen Sinn”

    Es heißt ja auch: die kommende Revolution.

    “Überforderst Du damit nicht Deine sogenannten lieben Mitmenschen?”

    Keine Ahnung, diese Frage stellt sich mir so nicht (mehr). Mir bereitet es sehr viel Freude, Sachen zu machen, von denen ich glauben kann, daß sie was in dieser Richtung mit den Leuten anstellen. Überfordern sollten sie sich dann vielleicht am besten alle selber.

    @ sokol

    Du hast ja ‘ne originelle Phantasie!

  11. Bob Says:

    @Kulla und Titel: Stimmt schon, was du sagst. Der Orginaltitel von Kropotkin heißt: “La Prochaine Revolution”. Erschienen in Le Révolté vom 7. Februar, 1880. So daß die Anspielung eher von mir herbeikonstruiert war. Etwas bemüht könnte man sagen.

    @Sokol: Meine Phantasie bei Dir ist die folgende: Ein böhmischer Turner, zufrieden und an kurzweil gewöhnt. Handwerker, kein Stubengelerter. Viel Blut in den Adern und ohne Romantik und Träumereien. Auch ohne Revolutionswunsch, weil ja im “wirklichen” Leben stehend und dort allerlei hinbekommend. Selten zuhause und wenig einsam. Ein wenig neidisch bin ich mich redlich bemühender Versager bei dieser Phantasie dann schon. Hab ich ebenso gut ins Schwarze getroffen wie Du?

  12. Qaumaneq Says:

    https://linksunten.indymedia.org/de/node/47472

  13. schlomo der dorfnarr Says:

    übel,übel.direkt am anfang die massen als mordender vogelschwarm (und natürlich brennt und explodiert auch noch was)…ganz ehrlich,kulla,was ist denn in letzter zeit los mit dir?

  14. classless Says:

    Du siehst da lediglich “die Massen”? Hm, schade…

  15. Karl Klabautermann Says:

    Hab das Ding schon auf dem JL-Camp gesehen und fands auch da schon furchtbar. Witzig vor allem, wie das Ding als anarchistischer Agitationsfilm vorgestellt wurde. An dem Streifen ist nichts agitatorisch, da wird niemandem erklärt, warum er denn die kommende Revolution machen sollte, da wird keine Kritik der kapitalistischen Ökonomie verbeitet, sondern nur prophezeit, dass sie “unzweifelhaft” kommen muss und dann fabuliert, wie das von statten geht und was darauf folgt.
    Dazu Karl Marx:
    “Ist die Konstruktion der Zukunft und das Fertigwerden für alle Zeiten nicht unsere Sache, so ist desto gewisser, was wir gegenwärtig zu vollbringen haben, ich meine die rücksichtslose Kritik alles Bestehenden, rücksichtslos sowohl in dem Sinne, daß die Kritik sich nicht vor ihren Resultaten fürchtet und ebensowenig vor dem Konflikte mit den vorhandenen Mächten.”
    und ein anderer:
    “Ihr wollt ja lieber dichten!”

  16. classless Says:

    Das schließt sich ja auch alles aus, klar.

  17. Bob Says:

    Lieber Karl Klabautermann,

    habe gerade viel Muße und so nutze ich Kullas digitales Wohnzimmer für eine längere Antwort. Finde es schon mal schön, daß Du dem Film – du nennst ihn Ding – zusprichst Furcht auszulösen, und wenn ich auch deinen Humor nicht teile, so ist es gut, wenn du irgendwas an der Vorführung “besonders witzig” fandest. (Nebenbei haben die JLer keine Techniker und so lief der Film fast ohne Ton. Ist das schon rücksichtslose Kritik oder noch Verpeilung?) Verstehe schon, daß du das ein wenig verhöhnend meinst. So ein wenig: Haha der Depp. Keine Ahnung, ob der Film in irgendeiner Weise die Fähigkeit hat aufzuwiegeln, mir ging es erstmal darum, daß der aktuellen Generation die allgemeine Idee vorgestellt wird, von der heute ja kaum auch nur eine Spur übergeblieben zu sein scheint. Aber die Anarchisten haben das schon geschafft und das u.a. mit Texten, aus denen dann der Text dieses Film zusammengestellt wurde. Darauf habe ich bei der Veranstaltung eingangs hingeweisen: Daß der Anarchisten Stärke nicht das Analysieren, Theoretisieren, Philosophieren war – wenn sie darin auch besser sind, als es die üble Nachrede will. Will man Theorie, so solle man sich z.B. an Marx halten, das habe ich gesagt. Aber im Agitieren waren sie gut. Du magst Dir davon gemerkt haben, was du willst: Wie gesagt, wenn deine Erdichtungen immerhin für Dich witzig sind, so geht das in Ordnung. Ich hoffe aber auch, du schämst dich ein wenig dafür, daß du so einen “dichterichen” Zugang zu den Worten und Sätzen hast, denen du so einen ganz anderen Sinn beilegst, als sie haben. Du fandest es nicht furchterregend, hattest dabei keinen Spaß. Ich habe etwas anderes in der Einleitung gesagt, als du gehört hast… Und so werden Deine Worte zu Phrasen. Auch das mit der Erklärungssucht ist auf Deinem Mist gewachsen, das ist eben keine Agitation. Vielleicht hast du auch keinen “dichterichen” Zugang zu Worten, sondern überhaupt keinen. Also schäm dich doch ein wenig. –
    “Sie sehen mich lächelnd an und fragen: Was ist damit gewonnen? Aus Scham mach man keine Revolution, Ich antworte: Die Scham ist schon eine Revolution; Scham ist eine Art Zorn, der in sich gekehrte. Und wenn eine ganze Nation sich wirklich schämte, so wäre sie der Löwe, der sich zum Sprunge in sich zurückzieht.” Ich zitiere nur aus derselben Zeitung, die du zitierst, aber Sätze, die du wohl nicht zitieren darfst, weil sie wahrscheinlich schon wieder nicht der einzig von dir zugelassenen Ebene entsprechen: Der erklärenden Theorie. Vielleicht springt Dir auch das Wort “Nation” entgegen und du rufst innerlich laut: Fehler! Aber du hast damit angefangen, einen Text aus der Zeit der bürgerlichen Revolution zu zitieren, wo es doch wenigstens um die Zeit der (anarchistschen) Arbeiterbewegung geht. Ich denke aber schon, daß man verstehen kann, was damit gemeint ist. Aber lassen wir das.

    Es gibt ja auch eine inhaltliche Ebene, die aber sogleich wieder mit der Fähigkeit zu tun hat, Worte in ihrem Sinn aufzufassen. Du lachst darüber, das die Revolution “unzweifelhaft” kommen muß. Welche Zweifel hast du denn? Brauchst du noch weitere Gründe, Erklärungen? Genügt es z.B. nicht, daß du “Hand und Kopf an andere verkaufen mußt, um sie von diesen in beliebiger, planloser Weise ausnützen zu lassen”? Also wo ist da dein Zweifel? Wenn wir die Lohnarbeit ablehnen, so “muß” es eine Revolution geben, weil die gegenwärtigen Formen der Gesellschaft in ihrer Totalität abgeschafft werden müssen. Das ist alles. Du dagegen versteckst Dich hinter einem schönen Spruch von Marx aus einem inspirierenden, durchaus streitbaren Text. Ein Stück Dichtung will ich sagen, wenn ich nicht wüßte, daß du die Dichtung ablehnst und sich dadurch mein Lob in deinem Kopf in einen Tadel verdrehen würde. Sag: Was sind denn die ferneren Konsequenzen aus der von dir verfochtenen rücksichtslosen Kritik. Doch nicht etwa, daß man zu einem “einen Verein freier Menschen” kommen müsse, in dem alle “mit gemeinschaftlichen Produktionsmitteln arbeiten” und ihre Arbeitskraft unmittelbar “als eine gesellschaftliche Arbeitskraft verausgaben”, um die vielfältigen Bedürfnisse zu befriedigen, die man so hat und – mehr noch – haben wird. Soll unserer Gattung nicht “ihre Kenntnisse und Fähigkeiten zielbewußt der Produktion zuwenden im Rahmen eines Organismus, der dabei für die individuelle Initiative vollen Spielraum läßt.” Muß dabei nicht “das gesamte Material der ganzen Gesellschaft” neu geschaffen werden, da die Gesellschaft doch bislang die Natur in den falschen Formen und damit auf falsche Weise umgeformt und angegeignet hat. Fürchte dich doch nicht so vor den oftmals prosaischen “Resultaten der Kritik”, mögen sie einen auch in “Konflikt mit den den vorhandenen Mächten” führen. Denn, wenn es auch Zukunftsmusik sein mag: als Voraussetzung “dieser Riesenarbeit der Revision und Reformation” muß man wohl oder übel “den Staat zerstören”.
    Nimmt man eine Sekunde an, daß du nicht nur zitierst, sondern die Texte, aus denen du zitierst, auch liest, so willst du Kropotkin vorwerfen, er würde eine “dogmatische Fahne aufpflanzen”. Es gibt aber in seiner “Utopie” keine positiven Äußerungen, weder wird “der” Mensch auf seine “aktuellen” Bedürfnisse festgelegt, noch wird gesagt, was die “freie Assoziation freier Individuen” genau ist, was sie mit sich und ihrer Welt anfangen soll. Nur daß sie das Kapital und den Staat abschütteln und dabei anfangen soll, zu kollektiven Formen der Bedürfnisbefriedigung zu kommen. Kein Satz darüber, wie genau und welche Bedürfnisse. Keine Spur eines falschen Dogmatismus, es sei denn, man nennt es bereits dogmatisch, wenn jemand daran festhält, daß die Gesellschaft grundsätzlich umgewälzt werden muß, daß man zu einem “Verein freier Menchen” kommen muß. Verlängere doch nicht aufs lächerlichste den Streit zwischen Marxisten und Anarchisten, auch noch dann, wenn es um Schriften geht, die geschrieben wurden, nachdem viele der bekannteren Anarchisten das Marxsche Kapital gelesen hatten und so endlich dazu übergehen konnten, diesen Riss zu kitten. Für Philologen: In dieser Zeit gingen die Anarchisten endlich dazu über, den von Proudhons ererbten “richtigen Gebrauch des Geldes” oder “den richtigen Gebrauch des Staates” zu überwinden. Nimmt der Anarchismus eines Malatesta, eines Kropotkin et al. etwa nicht die Marxens Kritik an Proudhon auf, egal, ob sie dessen Schrift “Elend der Philosophie” nun gelesen haben oder nicht? Jedenfalls begannen sie damals eine Gesellschaft anzustreben, die ohne diese Formen: Staat, Kapital, Geld usf. auskommt.
    Welch schöner Traum! Wenn Marx in den von Dir zitierten Brief schreibt, daß “die Welt längst den Traum von einer Sache besitzt, von der sie nur das Bewußtsein besitzen muß, um sie wirklich zu besitzen”, so fällt das für Dich wahrscheinlich wieder in den Bereich der Dichtung. Hast du diesen Traum noch oder schon? Und warum wehrst du Gedanken ab, die diesen Traum bewußt machen wollen, auf daß er sich realisiere? Wie gesagt, du könntest mal die Scham für dich entdecken. So sehr das auch ganz physiologisch gesehen mit Erregung von Furcht zusammenfallen dürfte, so fände ich das doch verhältnismäßig witzig: JLer mit Emotion. Dann würde vielleicht auch der Nickname Klabautermann besser passen. (Aber wärst du dann noch unsichtbar?)

    Alles Gute,
    Dein stets dichtender Karl Rauschenbach.

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