Lenin über den Rausch

April 29th, 2012

Fürs Poesiealbum, Abteilung “Zweierlei Elektrifizierung”:

>>Das Proletariat ist eine aufsteigende Klasse. Es braucht nicht den Rausch zur Betäubung oder als Stimulus. So wenig den Rausch sexueller Übersteigerung als den Rausch durch Alkohol. (…) Es braucht Klarheit, Klarheit und nochmals Klarheit. Deshalb, ich wiederhole es, keine Schwächung, Vergeudung, Verwüstung von Kräften.<<

(im Gespräch mit Clara Zetkin)

13 Responses to “Lenin über den Rausch”

  1. Benni Says:

    Ich hab im Urlaub auch ein bisschen im Lenin geblättert und festgestellt, dass der als Autor schon ziemlich überschätzt ist. War sicherlich ein brillianter Machtpolitiker, aber mehr auch nicht. Dazu passt das Zitat ja hier ganz trefflich.

  2. alö Says:

    Etwas ausführlicher wird dieses Ideal in Maxim Gorkis “Mutter” gewürdigt. Der bei Sinnen seiende Pawel und seine nüchternen, lesenden, organisierten Genossen und drum herum ein vom Alkohol depraviertes, dem Kampf entsagendes Proletariat.

  3. Qaumaneq der andere Says:

    Das Proletariat ist eine aufreibende Klasse, Klarheit ein Diktum des herrschenden Dispositivs. Wie Zetkin argumentiert, wird auch mittlerweile jenseits des Atlantiks der Diskurs gepflegt: http://www.facesofmeth.us/main.htm

  4. Victor Says:

    Jeder, der sein Hirn noch nicht ausreichend mit Kiffen, MDMA, Fliegenpilzen, Keta, Metaketa usw. geschädigt hat, weiss:
    Drogen sind schlecht.

  5. xleninx Says:

    So, Lenin war Straight Edge, wieder was gelernt. Eigentlich hat er recht: nur wer die Beschissenheit der Verhältnisse in ihrer Gänze, ohne rauschbedingte Schönfärberei erleidet, bringt möglicherweise die ausreichende Entschlossenheit für emanzipatorische Veränderungen mit…. und ja, Klarheit kann hilfreich sein. Muss aber nicht, wie NS-SXE sehr anschaulich zeigt. Mehr “Commitment for Communism” (MANLIFTINGBANNER) tut not.

  6. Qaumaneq Says:

    Hier unterliegt Lenin demselben Irrtum wie alle anderen naiven Erweckungsprediger, denn die Stärke welche daraus resultiert alles zu opfern was einen gegen eine Übermacht kämpfenden Menschen verletzlich machen kann beinhaltet auch die Schwäche dass sich ein derartiger Konsens vom Zweck seines Kampfes entfremdet eine Situation herzustellen in der es möglich ist verletzlich zu sein ohne mutwillig verletzt zu werden. Marx hat prophezeit dass die Skrupellosigkeit des Kapitalismus nicht einmal in dessen eigenen Wertvorstellungen Grenzen findet, was hier autoritär entstellt aus Lenin spricht ist nichts weiter als die experimentelle Bestätigung dieser Aussage.

  7. Cut up Says:

    Anhand des analphabetischen Gefasels von Qaumamaunqeqeqq sieht man, was der regelmäßige Rauschgiftkonsum so anrichten kann: das durch Drogen zerstörte Gehirn braucht dann weder Satzzeichen, noch Folgerichtigkeit, und hält sich trotzdem für schlau wie Oskar.

  8. classless Says:

    @ Cut up
    Und deine Alternative ist die vermeintlich nüchterne punktionskorrekte Trollerei mit Nazivokabular?

    @ xleninx
    Das würde schon so stimmen, wenn Lenins Klarheit keine Form von Rausch wäre und Rausch wiederum die Beschissenheit der Dinge wirklich nur zudeckte. Dennoch ist’s mit der Erkenntnis über die Beschissenheit ja noch nicht getan, und Handlungsfähigkeit kann zwar erzwungen werden, färbt dann aber das Handeln stark ein…

  9. marek Says:

    bevor hier wieder das lenin-gebashe losgeht,
    der spruch klingt natürlich aus heutiger sicht extrem scheisse,
    ist aber letztlich eine rationalisierung einer strategischen notwendigkeit, mit der sich die bolschewiki
    während der oktoberrevolution konfrontiert sahen.

    alkoholismus war ein eklatantes gesellschaftliches problem im spätzaristischen russland.
    die lebensbedingungen der bäuerlichen massen, aber auch des städtischen proletariates waren nur
    durch permanente betäubung ertragbar. eine alkoholbasierte desozialisierung und barbarisierung der
    gesellschaft, wie sie heute tatsächlich auch wieder im post-sowjetischen raum beobachtet werden kann
    war ein hindernis für jede konstruktive gesellschaftsveränderung.

    gleichzeitig spielte alkoholisierung eine herausragende rolle beim entstehen von pogromen, die sich gerade
    um die wende zum 20. jahrhundert als barbarische antwort auf die krise des zarismus häuften.
    nicht ohne grund lag einer der tätigkeitsschwerpunkte der bewaffneten organe der revolution im jahr 1917
    auf der vernichtung der beschlagnahmten weinvorräte der aristokratie (nein nicht im übertragenen sinne ;-) , sondern tatsächlich mit in den gulli kippen).

    aber sich mit sowas mal vertiefter zu beschäftigen ist natürlich etwas komplizierter als sich in berlin auf drogen
    ne sicher nette party zum kommunismus umzuhalluzinieren.

  10. classless Says:

    Es gibt in der Tat auch sehr lustige Anekdoten, wie einige Bolschewiki direkt nach dem Sturm aufs Winterpalais versuchten, auch ihre eigenen Leute vergeblich davon abzuhalten, den gigantischen Weinkeller zu plündern. (Figes: Tragödie eines Volkes, S. 523)

    Aber du setzt irgendwie schon wieder Rausch mit Betäubung gleich – du könntest dich auch mal mit Rausch und Drogen vertiefter beschäftigen, auch wenn das komplizierter sein mag, als dir mich oder das mutmaßliche Publikum dieses Blogs zu Leuten umzuhalluzinieren, die glauben, die Revolution käme aus den Drogen… ;-)

    (Fällt das hier eigentlich für dich auch unter Bashing?: http://www.classless.org/2008/09/02/1917-und-die-demokratie/)

  11. Cut up Says:

    @classless: Genau, Kulla. Vor allem auf das nicht vorhandene Nazivokabular lege ich großen Wert, du jüdisch-lolschewistischer Weltentschwörer!

  12. marek Says:

    nö setze ich nich. ich sage nur, dass betäubung ein wichtiger grund für den massiven alkoholkonsum
    in russland war. ich wollt hier keine diskussion zu drogen/rausch/betäubung vom zaun brechen, sondern das zitat kontextualisieren.

    dich muss ich mir nicht umhalluzinieren, ich hab dich n paar mal getroffen und würd dich niemals
    für so bekloppt halten, zu glauben, die revolution käme aus den drogen. allerdings gibt es ein ausreichend großes
    millieu, dass tatsächlich glaubt, der kommunismus wäre so etwas wie eine immerwährende fusion.
    auf das zielte meine bemerkung.

    bashing ist für mich hier eine enthistorisierende kritik,
    die die bedingungen unter der die von ihr kritisierten handelten ignoriert, um sich einfacher über diese erheben zu können.

  13. Qaumaneq Says:

    @classless – Was die Protokolle der Selbstmordattentäter von Gehlen wohl kosten?

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