Ökonomischer Gottesdienst, Prophezeiung
Thursday, October 16th, 2008Kollege: “Bald hauen sich alle auf der Straße gegenseitig in die Fresse.”
Mit Feinden wie mir - wer braucht da noch Freunde!
Kollege: “Bald hauen sich alle auf der Straße gegenseitig in die Fresse.”
Bauhaustapete trägt seine Arbeitskraft nicht in den Einzelhandel, sondern auf den Bau. Dort ist alles etwas weniger subtil: >>Sätze aufm Bau machen übrigens nur Sinn, wenn sie mit “die Scheisse” aufhören, die Scheisse.
Am Mittwochabend wohnte ich einer kleinen Diskussionsrunde der Gruppe in Gründung bei. Martin Dornis stellte Thesen zu seinem Text “Der Wert und der Tod” vor und stellte sich Michael Reichs polemischer Erwiderung “Der Wert und der Wert“. Diskutiert wurde unter anderem, inwiefern der Tod seinen Schrecken aus dem ungelebten, unerfüllten Leben bezieht und inwiefern eine [...]
Die Hölle sind die Revisoren. Werden niemandem vorgestellt, kommen unangekündigt und fragen alle aus, als wäre nichts. Es ist aber was: Wer schon länger dabei ist oder mal “Office Space” gesehen hat, weiß, daß Kollegen mit den “falschen” Antworten oder dem “falschen” Verkaufsverhalten plötzlich nicht mehr kommen. Schwer einzuschätzen ist, inwiefern die Ankumpelei als besonders [...]
In meinem bisher einzigen Statement zur China-Tibet-Problematik versuchte ich, Äquidistanz zu wahren, wie das in offiziellen Texten genannt wird. Gestern schlug diese von beiden Lagern gleich weit entfernte Position unbeabsichtigt in ihr Gegenteil um. Als ich dabei war, im Tiergarten Songzeilen auszubrüten, fand ich mich nämlich überraschenderweise zu Anhängern beider Lager in größter Nähe wieder [...]
Richtige Mitarbeiter gibt es hier im Laden nur wenige, hauptsächlich, weil das niemand lange genug aushält. (In der mittleren Leitungsebene finden sich Mittzwanziger, die kaum mehr verdienen als ihre Kollegen, kaum weitere Aufstiegschancen haben und vor Zahlendruck ständig zu bersten drohen.) Meine Theorie ist, daß es genau so viele feste Mitarbeiter gibt, wie es ohne [...]
Der Kollege kann den Unterschied zur Planwirtschaft einfach nicht erkennen: Jemand aus der oberen Etage ermittelt morgens nach dem Aufstehen aus der Sternenkonstellation und seinem Mittelstrahlurin das “Ziel”, das ab diesem Zeitpunkt alle Mitarbeiter freiwillig zu erfüllen haben. Abhängig vom Erreichen dieses Ziels ist die obere Etage bei ihren Kontrollgängen sauer oder weniger sauer. Kommunikation [...]
Es ist niemals genug, nicht mal für einen Moment. Bei dem Versuch, aus dem Vielen noch mehr zu machen, steht einfach alles im Weg herum und muß weg. Was erst als Ausnahme erscheint: Die obere Etage (bzw. hier das Hinterzimmer) gönnt sich bei der Auswahl des Menschenmaterials einige außerwirtschaftliche Ausschlußkriterien (Ausländer, Schwule usw.). Auf den [...]
Mir ist aufgefallen, daß ich beim Versuch der Beschreibung des ganzen Egotronic-Wahnsinns meist satzweise abwechselnd Begeisterung und Befremden äußere und daß diese Pendelei meine jeweiligen Gesprächspartner mindestens genauso zu verwirren scheint wie mich. Das klingt dann ungefähr so: Festzustellen, wie zu diesem Nischenprogramm in knackevollen Läden bis in die letzten Reihen getanzt und viel weniger [...]
Ich gehe also zu den Vorratsdatenspeichlern und stelle mich mit vor den Reichstag, um mir nicht aus der Entfernung ein stereotypes Bild davon zu machen, wie sich die auf der Kundgebung redenden Politiker als besonders wählbar präsentieren, von “Greueltaten der Regierung” gesprochen wird und womöglich zum Schluß alle “Die Gedanken sind frei” singen. Und dann [...]
Kollege: “Der ist noch ein richtiger Propagandist.” Ich: “Genau, ein Drücker.” Anderer Kollege, der Pre-Paid-Karten schreibt: “Ein Schieber. Oder ein Abschieber. Das wäre ich gern. Wenn ich bei den Kojoten sehe, daß mit der Aufenthaltserlaubnis was nicht stimmt – einfach beim Amt anrufen und weg sind sie. Wenn ich dafür Prämie kriegen würde, würde ich [...]
“Verschwörungen sind überflüssig” beginnt ein Kapitel in Naomi Kleins neuestem Buch “Die Schock-Strategie“, welches sie heute abend im Berliner Kulturkaufhaus Dussmann vorstellte. Ein ständig wachsendes Wirtschaftssystem, heißt es in dem Kapitel, “schafft von sich aus eine ständige Abfolge von Katastrophen”. (S. 601) Nur ein paar Seiten später, nach dem Verweis auf Israels abgepolsterte Rezession durch [...]
Gestern abend beobachtete ich zunächst im stillgelegten Kindergarten am Bersarinplatz Rehearsals oder wie Rehearsals aussehende Aufführungen von französischem Antivergewaltigungsstraßentheater, bis lange nach 9 endlich die Vortragsveranstaltung mit Hannes, dem Fringeli und Alexis begann. Wie zuletzt auch erzählte Christoph von der möglichen Subversion einst und Hannes erklärte die Unmöglichkeit selbiger wegen kapitalistischer Totalität. Dazwischen berichtete Alexis [...]
Der Festsaal des Jüdischen Gemeindehauses war mit etwa 200 bis 300 Besuchenden nur reichlich zur Hälfte gefüllt, was die Veranstaltenden teilweise darauf zurückführten, daß die Presse die Podiumsdiskussion “Frieden mit den Mullahs?” trotz prominenter Besetzung nicht so gern angekündigt haben wollte. Nach der einleitenden Vorstellung der organisierenden Gruppen, darunter die Grüne Partei Irans, und der [...]
Abgesehen von wenigem wie der neu eingerichteten Kolumne zum Nachspüren einst für einflußreich gehaltener Bücher, die heute keiner mehr kennt, fällt die konkret diesen Monat vor allem durch eine ärgerliche Aneinanderreihung von Artikeln wie “Mit Adorno durch Second Life” (“Weil er Adorno nie gelesen hat, fällt ihm natürlich nicht auf…”), “Marx in Springfield” (“Wir stellen [...]
Neben dem sorglosen Transport, dem Belüften des Gedankengehäuses und der sozialen Vermittlung war ein wesentlicher Aspekt am Trampen für mich stets die Konfrontation mit anderen Auffassungen, Anschauungen, Erfahrungen. All diese Leute waren und sind davon überzeugt, Recht zu haben mit dem, was sie sagten und sagen. Während ich, der ich häufig nachfrage und zweifle, demnach [...]
Jürgen Roth bespricht in der konkret einige Titel zur Sprachkritik (“Affenschande”), läßt aber in meinen Augen in aller berechtigten Verteidigung von Sprachsouveränität und Aneignung einen wichtigen Aspekt außer acht, den der Sprache als sozialem Bindemittel. In der verwalteten Welt, ganz besonders am Arbeitsplatz ist Sprache ganz unabhängig von ihrem Inhalt eines der wenigen verbliebenen Mittel [...]
Hannes Gießler sucht während des Vortrags nach Worten, formuliert seine Sätze ständig um und tastet, faßt und wedelt mit seinen Fingern. Was anfangs einen faserigen und leicht wirren Eindruck vermittelte, stellte sich im Verlauf der Veranstaltung als sympathisch formverachtendes Bestreben nach größtmöglicher Redlichkeit heraus. Ohne den gesamten Vortrag wiedergeben zu wollen, der grob auf diesem [...]
Neukölln-Vokabel der Woche: “übertrieben”. Schweigsame Rudower nahmen mich von der Grünauer Auffahrt bis in die Stadt zur U7 mit, in der ich erst mitanhörte, wie eine junge Frau ihrer Freundin erzählte, daß ein Kerl sie “voll übertrieben geliebt” haben sollte. Danach berichtete die mir gegenübersitzende junge Tanzlehrerin ihren beiden Freundinnen von ihrem Tag als Startnummer [...]
In englischsprachigen Diskussionen, besonders offline, ist mir aufgefallen, daß “but” ein erheblich kraftvollerer und klügerer Ausdruck ist als “aber”.











Sammelsurium liest Bini Adamczaks Kommunismus: Teil 1, 2, 3, 4, 5, 6 und 7

