Ökonomischer Gottesdienst, Synkretismus

Monday, April 21st, 2008

Der Gläubige hält verwirrt inne. Welcher Ware soll er folgen? Oder sind sie - der Markt bewahre - gar keine wetteifernden Waren, spielen sie sich gegenseitig die Gläubigen zu? Gibt es eine geheime Absprache, hinter dem Rücken der Gläubigen wie der sich flammend und fromm wechselseitig verleumdenden Prediger?

Ökonomischer Gottesdienst, Missionierung

Friday, April 18th, 2008

Anleitung für die auch noch so bezeichnete “Mission”:
>>Schrecken Sie daher nicht vor proaktiver Kundenansprache zurück, der interessierte Kunde wird es Ihnen danken und jedes “Nein” ist für Sie ein weiterer Meilenstein auf Ihrem Weg zum Topverkäufer!

Ökonomischer Gottesdienst, Lage der arbeitenden Klasse

Thursday, April 17th, 2008

Richtige Mitarbeiter gibt es hier im Laden nur wenige, hauptsächlich, weil das niemand lange genug aushält. (In der mittleren Leitungsebene finden sich Mittzwanziger, die kaum mehr verdienen als ihre Kollegen, kaum weitere Aufstiegschancen haben und vor Zahlendruck ständig zu bersten drohen.)
Meine Theorie ist, daß es genau so viele feste Mitarbeiter gibt, wie es ohne Betriebsrat [...]

Ökonomischer Gottesdienst, Priesterwahl

Thursday, April 3rd, 2008

Ein Kunde ruft an, weil er einen Vertrag abschließen möchte. Ich sage ihm, er müsse nur herkommen. Er darauf: “Den Tag war ich schon da gewesen, da war nur ein Vietnamese da.”

Ökonomischer Gottesdienst, Klassen-Snafu

Friday, March 28th, 2008

Der Kollege kann den Unterschied zur Planwirtschaft einfach nicht erkennen: Jemand aus der oberen Etage ermittelt morgens nach dem Aufstehen aus der Sternenkonstellation und seinem Mittelstrahlurin das “Ziel”, das ab diesem Zeitpunkt alle Mitarbeiter freiwillig zu erfüllen haben.
Abhängig vom Erreichen dieses Ziels ist die obere Etage bei ihren Kontrollgängen sauer oder weniger sauer. Kommunikation zwischen [...]

Ökonomischer Gottesdienst, Überwachung

Wednesday, March 26th, 2008

Zur Abwechslung mal aus einem anderen Laden:

Die Lidl-Protokolle.
(via Zeitrafferin)

Ökonomischer Gottesdienst, Herde

Thursday, March 13th, 2008

Es ist niemals genug, nicht mal für einen Moment. Bei dem Versuch, aus dem Vielen noch mehr zu machen, steht einfach alles im Weg herum und muß weg.
Was erst als Ausnahme erscheint: Die obere Etage (bzw. hier das Hinterzimmer) gönnt sich bei der Auswahl des Menschenmaterials einige außerwirtschaftliche Ausschlußkriterien (Ausländer, Schwule usw.). Auf den [...]

Ökonomischer Gottesdienst, Licht und Scheffel

Monday, December 3rd, 2007

Das Namensschild dranlassen und bei den gastronomischen Einrichtungen in der nähreren Umgebung begünstigt werden oder das Namensschild lieber abnehmen, um nicht in der Pause von unzufriedenen Kunden mit der Firma identifiziert und angemacht zu werden?

Ökonomischer Gottesdienst, Protestantin

Saturday, December 1st, 2007

Kundin aus dem Prenzlauer Berg erkundigt sich nach der internationalen Telefonflatrate. Ich zähle einige der enthaltenen Ländernetze auf, darunter, weil regelmäßig nachgefragtes Alleinstellungsmerkmal dieses Angebots, Israel.
Sie: “Ist ja klar, Israel ist drin, die arabischen Länder sind draußen.”
Ich: “Das hat wohl mit den Verbindungspreisen zu tun.”
Sie, aufgeregt: “Das ist die Achse des Bösen. Ich hätte gern [...]

Ökonomischer Gottesdienst, Zusatzverdienst

Sunday, November 4th, 2007

Kollege: “Der ist noch ein richtiger Propagandist.”
Ich: “Genau, ein Drücker.”
Anderer Kollege, der Pre-Paid-Karten schreibt: “Ein Schieber. Oder ein Abschieber. Das wäre ich gern. Wenn ich bei den Kojoten sehe, daß mit der Aufenthaltserlaubnis was nicht stimmt - einfach beim Amt anrufen und weg sind sie. Wenn ich dafür Prämie kriegen würde, würde ich das machen.”

Aber Glauben!

Wednesday, February 28th, 2007

>>Götzendienst ist Religion, die Unterscheidung von religiösem und ökonomischem Götzendienst etwa so wie von einem runden und einem großen Kreis.

Ökonomischer Gottesdienst, Pausengestaltung

Tuesday, November 14th, 2006

Mal wieder im Westteil der Stadt und siehe da: im Pausenraum geht es nicht um Ausländer oder Politiker. Stattdessen läuft ein Fernseher, auf den alle schauen, um sich an Dicken, Häßlichen, Schwachen zu delektieren und sich darüber aufzuregen, sowas sehen zu müssen. Zu allem haben die Mitarbeiter eine Meinung: Kinderschänder - “Schwanz ab!”; die sind [...]

Ökonomischer Gottesdienst, After Hour

Saturday, November 11th, 2006

Hm, hätte man denken können, da steht endlich mal ein Promoter neben dem Aufbau von Guitar Hero, der hat Version 2 mit anderen Songs dabei, das könnte auf die Art weniger anstrengend werden als zuletzt.
Doch es kam alles ganz anders. Einerseits war ich gestern zu lange unterwegs, vermutlich weil ich mich nach einsetzender Vergegenwärtigung des [...]

Ich nehme Ausländern die Arbeitsplätze weg

Saturday, November 4th, 2006

Die bittere Erkenntnis der Woche ist, daß ich offenbar immer wieder in Läden eingesetzt wurde, weil dort jemand rausgeworfen worden war, der nicht deutsch genug wirkte (manchmal auch nicht heterosexuell genug). Nach dem erfolgreichen Finden oder Konstruieren eines Vorwandes ließ dann der Laden dem Geschaßten etwa ausrichten, daß er “nicht zur Potsdamer Kultur passen” würde.
Schon [...]

Ökonomischer Gottesdienst, Jugendmesse

Thursday, November 2nd, 2006

Im Werbeaufbau der Playstation 2 lagern ganztägig Teenies mit meist langen Haaren, meist männlich, und spielen auf einer Plastegitarre mit farbigen Knöpfen die recht stereotyp animierten Song-Vorgaben von “Guitar Hero” nach, in 90% der Fälle “Smoke on the water” oder “I wanna be sedated”.

Ökonomischer Gottesdienst, Nebenwiderspruch

Saturday, October 28th, 2006

Heute mehrfach darüber sinniert, wie sich sexuelle Belästigung in einem Arbeitsumfeld bestimmen läßt, in dem Belästigung die Hauptbeschäftigung ist.

Heimweg

Friday, October 13th, 2006

In der S-Bahn streitet sich eine jugendliche Besuchergruppe aus der Provinz darüber, ob der Reichstag oder der Bundestag wichtiger wäre. Nach mauligem Hin und Her setzt sich die Auffassung durch, der Reichstag sei wichtiger, weil ja auch Geschichte wichtiger als Sozialkunde sei.

Ökonomischer Gottesdienst, Dilemma

Saturday, September 30th, 2006

Zuviel Teilnahme für die Beobachtung. Es müßte mir wirklich gelingen, das Verhalten nicht auf mich zu beziehen, um es zu verstehen. Dann laufe ich aber Gefahr, es nicht mehr ernstzunehmen und unangemessen darauf zu reagieren. Ungelöstes Rätsel: Ware mit wachen Augen sein.

Ökonomischer Gottesdienst, Bildschirmtest

Thursday, September 28th, 2006

Auf fast allen der zwanzig Geräte im Notebook-Regal: der Trailer zu Oliver Stones “World Trade Center”, all day long.
Ich kann dabei nicht in Ruhe arbeiten, da mir wieder noch bewußter wird, daß das Ereignis selbst in seiner Besonderheit nicht von diesem oder jenem ideologischen Blickwinkel verdrängt wurde, sondern auch durch die Außenansicht, durch das inflationäre [...]

Ökonomischer Gottesdienst, Kulturprogramm

Thursday, September 28th, 2006

Aus der Tonträgerabteilung ist “Konsum” von den Fantastischen Vier zu hören.