Ökonomischer Gottesdienst, Staat und Volk
Friday, November 28th, 2008Verkäufer (halb im Scherz): “Kaufen Sie, das ist gut gegen die Krise und für die Konjunktur!” Kunde (lakonisch): “Ich bin Pole.”
Mit Feinden wie mir - wer braucht da noch Freunde!
Verkäufer (halb im Scherz): “Kaufen Sie, das ist gut gegen die Krise und für die Konjunktur!” Kunde (lakonisch): “Ich bin Pole.”
In einem anderen Markt. Sicherheitsmann über einen Kollegen: “Dem Türken darfste nichts glauben, der kommt aus den Bergen. Das is’n Bergtürke. Da haben sie Ziegen.” Danach folgen Fragen, ob ich jetzt öfter käme, und auch der obligatorische Abwerbeversuch vom Abteilungsleiter – sie wollen den Ausländer loswerden und den Deutschen haben. (Nicht zum ersten Mal.) Mindestens [...]
Kundin: “Es muß doch ein Büro geben, wo ich zu meiner Rechnung beraten werde.” Kollege: “Nee, da gibt’s bloß ‘ne Hotline.” Kundin (erbost): “Alice ist wie die Banker!”
Mal sehen, wer von den Kollegen heute morgen beim Eintreffen im Laden noch wie bisher “Drei Tage wach” und wer schon alles wie manche seit kurzem “Arbeit nervt” singt.
Kollege: “Bald hauen sich alle auf der Straße gegenseitig in die Fresse.”
Es wird umgebaut, Abteilungen werden verschoben, die Mitarbeiter halten das meiste davon für kontraproduktiv. In einem Gespräch mit zwei Kollegen fällt der Begriff “bedarfsorientierte Planwirtschaft” und wird sofort wieder in Zweifel gezogen: “Naja, orientiert… eher grob angepeilt…?” Die Überlegungen gehen weiter und die beiden Kollegen einigen sich schließlich darauf, daß alle versuchen, “eine schöne Zahl” [...]
Die mehr oder weniger Gläubigen tappen umher auf der Suche nach Hinweisen auf Gebrauchswert. Überall stehen Zahlen und Buchstabenkürzel, pro Gerätegruppe im Schnitt drei bis vier. Die mehr oder weniger Gläubigen scheinen ihre Wünsche aber auch kaum anders artikulieren zu können, äußern am häufigsten, das eine oder andere Buchstabenkürzel (HDTV, “Ein Gigabyte – oder waren’s [...]
Wenn ich mich den ganzen Tag anstrenge, aber einfach wenig los ist und die Zeit sich zäh dahinschleppt, verdiene ich wenig. Habe ich besonders schwerwiegende Anfragen zu klären, was zeit- und nervenaufreibend ist, die Zeit aber nicht schneller rumbringt, kriege ich dafür gar nichts. Wenn der Tag verfliegt, verdiene ich viel Geld. Wenn der Tag [...]
Bauhaustapete trägt seine Arbeitskraft nicht in den Einzelhandel, sondern auf den Bau. Dort ist alles etwas weniger subtil: >>Sätze aufm Bau machen übrigens nur Sinn, wenn sie mit “die Scheisse” aufhören, die Scheisse.
Die Hölle sind die Revisoren. Werden niemandem vorgestellt, kommen unangekündigt und fragen alle aus, als wäre nichts. Es ist aber was: Wer schon länger dabei ist oder mal “Office Space” gesehen hat, weiß, daß Kollegen mit den “falschen” Antworten oder dem “falschen” Verkaufsverhalten plötzlich nicht mehr kommen. Schwer einzuschätzen ist, inwiefern die Ankumpelei als besonders [...]
Vor die Billigangebots-Tische in der Software-Abteilung wird heute eine Schutzwand aufgebaut, damit die Verpackungen in der Sonne keinen Schaden nehmen. Die Wand hört unmittelbar vor dem Buchungscounter auf, an dem die jeweiligen Mitarbeitenden bei über 30 Grad Raumtemperatur und fehlender Belüftungsanlage täglich bis zu vier Stunden beschienen werden.
Ich (zum Kollegen): “Das große Karthago machte drei Tage Promotion. Es war noch fit nach dem ersten, noch zurechnungsfähig nach dem zweiten. Es war nicht mehr auffindbar nach dem dritten.” Bereichsleiter (im Vorbeilaufen): “Dann in der zweiten Wochenhälfte noch mal richtig Gas geben!”
Warenpräsentation für Kunden, die sagen möchten: “Wir nennen es nicht nur so, es soll wirklich auch so aussehen, als wäre es Arbeit!” Die Kunden, denen sich der Sinn erschließt, beziehen es aber ganz bestimmt nur auf den Laden, nicht zuletzt weil die wenigsten von ihnen aus Friedrichshain hier rauskommen.
Der Gläubige hält verwirrt inne. Welcher Ware soll er folgen? Oder sind sie – der Markt bewahre – gar keine wetteifernden Waren, spielen sie sich gegenseitig die Gläubigen zu? Gibt es eine geheime Absprache, hinter dem Rücken der Gläubigen wie der sich flammend und fromm wechselseitig verleumdenden Prediger?
Anleitung für die auch noch so bezeichnete “Mission”: >>Schrecken Sie daher nicht vor proaktiver Kundenansprache zurück, der interessierte Kunde wird es Ihnen danken und jedes “Nein” ist für Sie ein weiterer Meilenstein auf Ihrem Weg zum Topverkäufer!
Richtige Mitarbeiter gibt es hier im Laden nur wenige, hauptsächlich, weil das niemand lange genug aushält. (In der mittleren Leitungsebene finden sich Mittzwanziger, die kaum mehr verdienen als ihre Kollegen, kaum weitere Aufstiegschancen haben und vor Zahlendruck ständig zu bersten drohen.) Meine Theorie ist, daß es genau so viele feste Mitarbeiter gibt, wie es ohne [...]
Ein Kunde ruft an, weil er einen Vertrag abschließen möchte. Ich sage ihm, er müsse nur herkommen. Er darauf: “Den Tag war ich schon da gewesen, da war nur ein Vietnamese da.”
Der Kollege kann den Unterschied zur Planwirtschaft einfach nicht erkennen: Jemand aus der oberen Etage ermittelt morgens nach dem Aufstehen aus der Sternenkonstellation und seinem Mittelstrahlurin das “Ziel”, das ab diesem Zeitpunkt alle Mitarbeiter freiwillig zu erfüllen haben. Abhängig vom Erreichen dieses Ziels ist die obere Etage bei ihren Kontrollgängen sauer oder weniger sauer. Kommunikation [...]
Zur Abwechslung mal aus einem anderen Laden: Die Lidl-Protokolle. (via Zeitrafferin)
Es ist niemals genug, nicht mal für einen Moment. Bei dem Versuch, aus dem Vielen noch mehr zu machen, steht einfach alles im Weg herum und muß weg. Was erst als Ausnahme erscheint: Die obere Etage (bzw. hier das Hinterzimmer) gönnt sich bei der Auswahl des Menschenmaterials einige außerwirtschaftliche Ausschlußkriterien (Ausländer, Schwule usw.). Auf den [...]











Sammelsurium liest Bini Adamczaks Kommunismus: Teil 1, 2, 3, 4, 5, 6 und 7

