Einreichung zum 26C3: Die Neuroevolution geht weiter

October 9th, 2009

Auf dem diesjährigen Chaos-Kongreß würde ich gern über Folgendes sprechen:

_Event title_
Die Neuroevolution geht weiter

_Subtitle of the event_
Timothy Learys Modell des Nervensystems

_Abstract_
Eine Psychologie, die ohne Neurosen auskommt? Eine Evolutionslehre, in der das Nervensystem das Beste noch vor sich hat? Timothy Leary ist zu Unrecht nur als der “LSD-Papst” in Erinnerung geblieben. Der Vortrag wird seine wissenschaftliche Arbeit und einige seiner philosophischen Modelle vorstellen.

_Full Description_
Timothy Leary predigte LSD, führte ein heroisches Leben und richtete entsprechend viel Schaden an. Zu seinen bleibenden Hinterlassenschaften zählen aber nicht nur die Popularisierung psychedelischer Drogen und einige der wichtigsten Beiträge zu deren richtigem Gebrauch. Learys Fachgebiet war die Psychologie, die er schon vor seiner Bekanntschaft mit Psilocybin und Acid grundlegend zu revolutionieren gedachte. Er wollte die Trennung zwischen Patient und Therapeut aufheben, Menschen statt unter klinischen Bedingungen in ihrem Alltag untersuchen, ihr Verhalten verstehen statt es zu pathologisieren. Leary setzte Reichs Diktum in die Tat um, nach dem die Psychologie nicht fragen dürfe, warum ein Hungriger stiehlt, sondern warum er es nicht tut.

Auf diesem der “Transaktionsanalyse” verwandten Ansatz, den Leary in The Interpersonal Diagnosis of Personality entwickelte, baute er später mit dem Konzept der “Nervenschaltkreise” auf, welches das Nervensystem als Zusammenwirken autonomer Teilsysteme beschreibt, die sich im Laufe der Evolution und auch im Laufe des Heranwachsens jedes Individuums herausbilden. Diese Entwicklung ist nach Leary allerdings keineswegs abgeschlossen: neue Nervenschaltkreise mit neuen Funktionen und Möglichkeiten scheinen sich erst noch auszubilden. Ihnen versuchte Leary nicht zuletzt mit LSD auf die Sprünge zu helfen.

8 Responses to “Einreichung zum 26C3: Die Neuroevolution geht weiter”

  1. posiputt Says:

    mein plan, den kommenden congress also nur konkret anlassorientiert zu besuchen, nimmt damit erkennbare formen an. das thema sollte doch auch gute chancen haben, ins programm aufgenommen zu werden. das wirkt irgendwie so… nerdswollendaswissen. und ich.

  2. jojoo Says:

    …da bin ich aber mal gespannt.

    besonders, was die Transaktionsanalyse und Learys beitrag dazu angeht

  3. lasterfahrerei Says:

    spitzfindich könnte man leary auch als psychiater sehen, da er ja seine behandlungsmethoden auf chemische behandlung stützte. anyway, was laesst dich annehmen das seine theorie ohne den begriff der neurosen auskommt (kommt er dann auch ohne psychosen aus?).
    irgendwie hat leary ja einen konstruktivistischen ansatz, der ist aber leider durch seine esotherik verspielt und führt auch glatt in die sackgasse, da hier mal meditiren oder tantrieren oder ne chemische substanz nehmen zwar möglicherweise die konstruktmaschine kopf einen “vor-die-augen” bringen kann, die erhebung in “höere bewustseinsebenen” aber schon wieder konstruktion ist.

  4. classless Says:

    Das Konzept der Neurose wollte Leary explizit loswerden, weil er darin vor allem eine Pathologisierung von Verhalten sah, das er durchaus als Anpassung(sversuch) an bestimmte Umgebungen begreifbar fand. Psychosen sind ein ganz anderes Thema.

    Und mit Kritik werde ich nicht sparen, aber erstmal will ich die Ansätze vorstellen.

  5. classless Kulla » Blog Archive » Auftritte einrühren Says:

    [...] “Das Snafu-Prinzip – Wie Hierarchien Kommunikation verhindern” und “Die Neuroevolution geht weiter – Timothy Learys Modell des Nervensystems“.Wer was in Berlin einrühren möchte, das ginge auch schon vor Januar. This entry was [...]

  6. classless Kulla » Blog Archive » The Future @ c-base, Dec 29, 2009 Says:

    [...] works mainly for Hollywood, some of them are French and Russian.20:15 Neuro evolution will go on!classless Kulla on Timothy Leary’s model of the nervous system and its past and future development.A [...]

  7. Podopolog » Blog Archive » 26c3 (part 2): parallel futures aren’t what they used to be Says:

    [...] classless Kulla on Timothy Leary’s model of the nervous system and its past and future development. [...]

  8. Wolfgang Says:

    Ach ja, vielleicht krieg ich auch irgendwann dieses jahr meinen text hin mit dem titel:
    Outlines on neuro-communism and the futility of telling about.

    Aber der titel deutet es schon an…

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