Torsun und Kulla: Raven wegen Deutschland


Torsun und Kulla
Raven wegen Deutschland
Ein Doku-Roman

Broschur, 280 Seiten
VÖ 29. Oktober 2011
Ventil Verlag Mainz
12,90 € (D)
ISBN 978-3-931555-42-9

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Introclip für die Lesung

Inhaltsverzeichnis

"Raven wegen Deutschland" Inhaltsverzeichnis

Umschlagtext

Sollte ich irgendwann einmal den Drang verspüren, in die Welt der Wissenschaft einzusteigen, würde ich zuerst den kausalen Zusammenhang zwischen dem Konsum von stimmungsaufhellenden Drogen und friedlichem Mitteinander sonst verfeindeter Gruppierungen am Beispiel des Goa-Floors erforschen. Ein weiteres Fallbeispiel wäre ein Bekannter aus Teenagertagen, der – ursprünglich Nazi – nach exzessivem LSD-Konsum keinerlei Feindschaft mehr gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund zu verspüren schien, wobei allerdings hinzuzufügen wäre, dass auch unklar blieb, was er sonst überhaupt so spürte, da er nach einem seiner unzähligen Acid-Trips irgendwann das Reden insgesamt einstellte und stattdessen nur noch merkwürdige Bewegungen mit seinen Händen vollführte, was er in diesem über mehrere Jahre anhaltenden Zustand wohl für die bessere Kommunikationsform hielt.

Lesereise

24.01.2012 Leipzig Neues Schauspiel
25.01.2012 Magdeburg Cafe Central
26.01.2012 Hannover Cafe Glocksee
27.01.2012 Essen Hotel Shanghai
28.01.2012 Münster Club Nova
31.01.2012 Jena JG Stadtmitte
01.02.2012 Wiesbaden Kulturpark am Schlachthof
02.02.2012 Nürnberg Stereo
03.02.2012 München Feierwerk
04.02.2012 Stuttgart Club Zwölfzehn
08.02.2012: Schwerin, Komplex
09.02.2012: Rostock, Zwischenbau
10.02.2012: Flensburg, Volxbad
11.02.2012: Kiel, Luna Club
12.02.2012: Hamburg, Uebel&Gefährlich
13.02.2012: Braunschweig, Nexus
14.02.2012: Bielefeld, JZ Kamp
15.02.2012: Frankfurt, Ivi
16.02.2012: Mannheim, Café Nelson
17.02.2012: Tübingen, Epplehaus
18.02.2012: Trier, Exhaus
19.02.2012: Landau, Fatal
20.02.2012: Kassel, Karoshi
21.02.2012: Dresden, Chemiefabrik
23.02.2012: Chemnitz, AJZ Talschock
24.02.2012: Wels (A), Schlachthof
25.02.2012: Wien (A), Pratersauna
26.02.2012: Salzburg (A), Denkmal
27.02.2012: Zürich (CH), Boschbar
28.02.2012: Freiburg, White Rabbit
29.02.2012: Mainz, Capitol
01.03.2012: Köln, King Georg
(wird fortgesetzt)

Booking über Audiolith.

Besprechungen

  • Die Bücher der Woche in 1LIVE: Tanzen ist die wärmste Jacke Von Jan Drees
  • >>“Jobs, das war nicht so mein Ding”, bekennt Egotronic-Frontmann Torsun in der aktuellen Banddoku “Schlägerei zum Thema”, die zeitgleich mit Album (“Macht keinen Lärm”) und Doku-Roman (“Raven wegen Deutschland”) erscheint. Das extrem unterhaltsame Buch hat, Überraschung, eine Art Handlung und steigt ein mit der verpeilten Entstehungsgeschichte von Egotronic. Der Legende nach hat Torsun das Electropunk-Projekt in Berlin gegründet, um keinen 1-Euro-Job annehmen zu müssen. Am tiefsten Punkt, Freundin weg, Geld weg, Perspektiven weg, Drogen kostspielig, startet also dieses inzwischen zehn Jahre ravende Szenephänomen.

    Torsun erinnert sich an durchgefeierte Clubnächte, an Drogenparties, Antifa-Demos, Sommer-Chill-Outs und ganz viel Klickerklacker-Techno beim Sonnenaufgang. Mit diesem Buch kann jeder des Lesen Mächtige mitsaufen, mitfeiern, mit Torsun und seinem Co-Autor Kulla rauf- und runterfeiern, vier Tage wach, vier Nächte Alarm. Oder wie singt es Torsun auf dem neuen Album: “Mein Planet ist eine Disco, die wohl beste, die es gibt. Wünsch’ Dir ein Lied!”

  • Unclesally’s: Egotronic – Jenseits des Lustprinzips. Von Franziska Schuh
  • >>Der Sänger selbst und sein langjähriger Freund Daniel Kulla schildern mit ’Raven Wegen Deutschland’ den Werdegang der stilprägenden ’Audiolith’-Band. Im Roman-Teil erzählt Torsun die Geschichte Egotronics, ausgehend vom Durchbruchsjahr 2007, in dem ’Lustprinzip’ erschien. Während Kulla die Ausführungen im Reportage-Teil anhand von Interviews bestätigt oder widerlegt. „Denn auf diese Zeit trifft zu: Wer sich noch genau erinnern kann, ist nicht dabei gewesen“. Es ist nicht auszuschließen, dass die Egotronic-Frontsau als bekennender Freud-Leser und Popliteratur-Fan nun zum Romancier wird – das nächste Buch ist bereits in Planung. Dessen ungeachtet scheint das Ziel für kommendes Jahr klar definiert: Entspannung. „Jetzt spielen wir diese Tour, dann werde ich auf Lesereise gehen und danach verschwinde ich für ein paar Monate ins Ausland.“ Wer stets von Donnerstag bis Montag den Clubs, Raves oder Afterhours der lasterhaften Hauptstadt nicht entsagen konnte, dem sei eine kurze Pause gegönnt. Allerdings nur bis zum nächsten Release.<<

  • Airen: Raven wegen Deutschland, im Musikexpress-Redaktionsblog
  • Es kommt öfter mal vor, dass sich ein Musiker zum Autor berufen fühlt. Meist kann man dann die rührselig anbereitete Geschichte vom Weg von ganz unten aus dem Ghetto nach ganz oben in die Scheinwerfer der Welt mitbegleiten. Hier in Deutschland haben uns Bushido und Fler gezeigt, wie man mit derart billigen Aufstiegsmythen aus Albummillionen auch Buchmillionen machen kann. DerBerliner Torsun von den Elektropunkern von Egotronic macht vor, wie es besser geht: Ein knalldirektes, rockendes und zugleich politisch-polarisierendes Album zu veröffentlichen , und ein Buch rauszubringen, das man auch mit Genuß lesen kann, ohne jemals einen Song von seiner Band gehört zu haben.
    Denn Torsun und Daniel Kulla haben mit „Raven wegen Deutschland“ eben keine schnell zum ersten Platinalbum zusammen geschnipselte „Autobiographie“ vermurkst, sondern ein lebendiges Zeitdokument geschaffen, eine literarische Reise in den Summer der Afterhours of 2007.

    Den vertreibt sich Torsun mit ziemlich professionell hingelegten Abstürzen, und bringt es dabei irgendwie fertig, ein Album zu produzieren. Zu Beginn des Buches stehen Egotronic kurz vor der Auflösung: der Bandkollege ist ausgestiegen, Torsun ist arbeitslos, die Freundin weg. Auf wahnsinnig schnelle Art – manchmal werden ganze Wochenenden in Absätzen abgehandelt erzählt das Buch, wie er sich dann Kopf voran in einen wochenlangen Exzess stürzt, an dessen Ende die Veröffentlichung des Albums „Lustprinzip“ steht. Das Album, mit dem Egotronic seinen Durchbruch feiert. Man riecht den Schlamm auf den Festivals, sieht die tausenden in die Luft geworfenen Hände, und merkt dann, wenn man das Buch beiseite legt, dass da eine große Zeit an uns gerade vorüber gegangen ist.

    Literarisch ist „Raven wegen Deutschland“ eine Klasse für sich. Die schnellen Erzählsequenzen Torsuns werden abgewechselt von Co-Autor Kulla. Der Fotograf und Blogger aus dem Egotronic-Umfeld hat die Protagonisten dieses Sommers befragt und lässt sie in kleinen Interviews zwischen den Kapiteln zu Wort kommen. Nebenbei umreisst er die Bandgeschichte, während Torsun eine Nase nach der anderen zieht.

    So wie Sherlock Holmes nebenbei Pfeife raucht, so werden hier en passant Näschen und Pillen genommen. Für einen Aussenstehenden kann das nervig wirken, wer dabei gewesen ist weiss: Bei Torsun ist das keine Effekthascherei , sondern ein ganz einfaches Nebenbei, etwas, das eben so passiert, wenn man im Sommer 2007 in der Bar25 rumlungerte und Leute kennenlernte, die das eigene Leben dramatisch verändern würden. Vielleicht wird man Bücher wie dieses erst in ein paar Jahrzehnten zu schätzen lernen, wenn dann der ganze Berliner Technohype der Nullerjahre Vergangenheit ist und sich die nachfolgenden Generationen fragen, wie das denn eigentlich wirklich war damals, dieses Drei-Tage-wach, diese überbelichtete Zeit, als Berlin für ein paar Jahre der Nabel der internationalen Feierwelt war, und von der Opi immer redet, wenn er von den langen Spaziergängen mit dem Hund zurück kommt… Dann wird man „Raven wegen Deutschland“ hervorkramen und es nachlesen können, Seite für Seite, Tag für Tag. Das tolle an Torsun als Künstler ist, dass da mal wieder einer für uns das extreme Leben lebt, und man sich das anhören kann auf dem Weg zur Arbeit, oder sich das durchlesen kann auf seiner Hollywoodschaukel, und sich dann gleich ein Stück lebendiger und jünger fühlt und merkt:

    Ich liege da ganz breit / Und brauche Flüssigkeit/ Die Beine sind recht schwer, das macht den Weg zur Bar so weit/ Na dann mal aufrappeln/ und sofort weiterzappeln / Ich beug mich vor, nah an dein Ohr, und bin am Scheiße sabbeln. Ich bin verspult.“<<

  • taz, 12.11.2011: Feinkost für Käfer, JULIAN WEBER
  • >>HEDONISTISCHE LINKE Torsun, Sänger des Berliner Elektropunkduos Egotronic, hat mit “Raven wegen Deutschland” einen kurzweiligen Roman über seine Drogenexperimente geschrieben

    Wer viele Drogen nimmt, braucht immer noch mehr. Getreu dieser Maxime, über deren Praxis Außenstehende nur staunen können, ist “Raven wegen Deutschland” das durchgeknallteste Bekenntnis zum Hedonismus seit Langem. Ein besinnungsloser Aufsatz darüber, was alles mit der Psyche passiert, wenn sie auf Endlospartys in den Wahnsinn getrieben wird. Geschrieben in einer Sprache, die auch Leser von “Bussi-Bär”-Comics nachvollziehen können. Protagonist der Geschichte ist Torsun alias Thorsten Burkhardt, arbeitslos, unglücklich verliebt, mit dem Duo Egotronic macht er schrottigen Electropunk.

    Im Underground ist der 37-Jährige ein nicht ganz unumstrittener Held, der qua antideutsche Gesinnung links wie rechts aneckt, auf der Bühne durch seine Abgehhaltung viele Sympathien unpolitischer Popfans einheimst. Egotronic sind eine linksradikale Version von The Prodigy: Zu den Agitproptexten ihrer Chiptunes lässt sich auch pogen. Tatsächlich leidet Torsuns Musikprojekt nach dem Ausstieg des anderen Bandmitglieds unter Ladehemmung, weshalb er beschloss, seinen Drogenkonsum zu erhöhen. Vielleicht führt das ja zu neuer Kreativität, wie er schreibt.

    Er berichtet, wie er sich in das Berliner Bermuda-Dreieck zwischen Berghain, Bar 25 und den Freiluftclubs entlang der Revaler Straße im Stadtteil Friedrichshain schmeißt. Dort schluckt er Ecstasy, zieht Speed, nimmt Ketamin, bis er nur noch wie ein Käfer auf dem Rücken liegend verharrte, als “Verbimmelter unter Verbimmelten”.

    Es wundert, wie sich sein Erinnerungsvermögen erhalten hat und dass er zusammen mit dem Blogger Daniel Kulla dieses Machwerk verfassen konnte. Anders, als der Bandname Egotronic suggeriert, ist die Erzählebene nicht im Autoparlando gehalten, sondern gebrochen: Torsun lässt viele Begebenheiten aus der Sicht seiner Freunde in eingestreuten Interviews kommentieren.

    Burkhardt stammt aus kleinbürgerlichen Verhältnissen. Mit Dancefloor sozialisiert wurde er in den neunziger Jahren in der Mannheimer Disco “Milk”. “Doku-Roman” heißt sein Buch im Untertitel. Als Nachklapp zur Plagiatsdiskussion um die Guttenbergs oder Hegemanns wirkt “Raven wegen Deutschland” erfrischend: Hier experimentiert der Kleinbürger noch selbst und lässt, wenn er es denn hinter die Türsteher schafft, die Klassenzugehörigkeiten hinter sich, um mit Gleichgesinnten auszuschweifen. Zu Risiken und Nebenwirkungen streut Torsun übrigens nützliche Ratschläge ein.

  • In der sonntaz vom 27.11. ist für Ulrich Gutmair ‘Raven wegen Deutschland’ der ‘Roman des Jahres’:
  • >>Ein Loblied auf Verschwendung und Exzess: In seinem genial verpeilten ‘Doku-Roman’ erinnert sich Egotronic-Sänger Torsun an die vergangene Dekade.<<

  • Die ersten Rezensionen
  • Leseprobe in der Jungle World
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