Zwei Veranstaltungen zu China

December 3rd, 2009

Vergangene Woche gab es zwei Veranstaltungen in Berlin, die sich mit China beschäftigten. Am Dienstag im Mehringhof stellten für “Schwarze Risse” Christian Frings und Peter Strotmann unter der Überschrift “Weltgeschichtliche Wende durch Chinas Aufstieg – Die verschlungenen Pfade des Kapitals” Giovanni Arrighis „Adam Smith in Beijing“ vor, am Donnerstag präsentierte der Gegenstandpunkt Renate Dillmann und ihr Buch “China. Ein Lehrstück“.

Sprach Frings erst noch netterweise von der “knapp bemessenen Zeit”, kam im Laufe des Dienstagabends die Vermutung auf, daß er damit wohl eher Strotmann und seinen Hang zum Schwafeln gemeint hatte. Nach einem kurzen Überblick von Frings über Arrighis Hauptwerke “The long 20th century” und “Chaos and Governance in the Modern World System” sowie dem Verweis auf den Einfluß Beverly Silvers (“Forces of Labor”), hob Attac-Mitglied Strotmann zu zwanglosem und ausdauerndem Geplauder an, das im wesentlichen seiner Buchbesprechung bei “Sand im Getriebe” folgte.

Er hätte wie Arrighi in Zimbabwe gearbeitet und ihm hätte sich ebenfalls die Frage nach dem Zustandekommen des “Hauptwiderspruchs” zwischen Erster und Dritter Welt gestellt. Kapitalismus “müßte laut Theorie” ausgleichend wirken, das tut er aber nicht. Wie könne also “ausgeglichen werden”? Und ist Chinas Aufstieg ein Anzeichen für die Verringerung dieser Ungleichheit?

Es sei die Frage nach der Dynamik der globalen Krise zu stellen. Für Arrighi hätte sich der Kapitalismus ständig von einer Krise zur nächsten bewegt. Arrighi habe Politik und Ökonomie verbunden. Er hätte eine neue Imperialismustheorie entwickelt, in der es nicht mehr nur um Akkumulation, sondern auch um Hegemonie ging, um die hegemonialen politischen Zyklen. Anders als angeblich bei Marx sei der Kapitalismus für ihn nicht erst in England losgegangen, sondern schon in Genua und Norditalien, im nächsten Zyklus habe er sich dann auf Spanien und Portugal verlagert, dann auf Holland (zentrale Ressource bis hier Holz), dann auf England (Kohle), schließlich auf die USA (Öl). Jeder dieser Zyklen habe aus einer Phase realer materieller und einer Phase finanzieller Expansion bestanden, dann sei es zur Signalkrise und zur Finalkrise gekommen, auf die der nächste Zyklus folgte. Wie bei Wallerstein sei jeder dieser Zyklen global gedacht. Zentral sei die Frage der Finanzen, der Ersparnisse, der Mehreinnahmen.

Arrighi habe den Begriff des “Finanzmarktkapitalismus” (Joachim Bischoff) nicht geteilt, für ihn sei das lediglich eine Phase des jeweiligen Zyklus gewesen. Die Gegenposition dazu sei die von Brenner in “Boom & Bubble”. Brenner sei für Arrighi zu sehr auf Industrie und Erste Welt konzentriert. Man müsse Brenner und Arrighi zusammendenken.

Das Ende des US-Zyklus sei durch die Kämpfe der Völker und Klassen herbeigeführt worden. (9/11 fehlt hier irgendwie völlig.) Es gäbe nun in Gestalt von China, aber auch von Venezuela ein neues Bandung, im Unterschied zum ersten jedoch mit eigener ökonomischer Macht.

Ban-Dung am Treptower Hafen
Auch hier braucht es wohl ein neues Bandung

Nun hatte Frings wieder das Wort und sprach von den zwei Hauptbezugspunkten für Arrighi: der Dekolonialisierung Afrikas vor allem ab 1960 und der Bewegung von Turin in den 70er Jahren. Arrighi habe durch diese Bezugspunkte zusammengebracht, was sich sonst feindselig gegenüberstand, die Emanzipation der Arbeiterklasse und die Emanzipation der Dritten Welt. Sozialrevolutionäre Gruppen kritisierten Antiimperialisten für ihre Duldung und Unterstützung von Nationalismus, Antiimperialisten kritiserten sozialrevolutionäre Gruppen für ihr Engagement unter den Privilgierten und Gekauften.

Der Kapitalbegriff sei nicht mehr adäquat gewesen. Arrighi habe selbst als Fabrikleiter festestellen müssen, daß ihm die Neoklassik nichts nützte (!), daß Modelltheorien nichts über die Wirklichkeit aussagten. Unterschiedliche Arbeitserfahrungen hätten ihn gelehrt, daß es “die Fabrik” nicht gebe. In Rhodesien habe zum Beispiel die nicht vollständige Proletarisierung, die bei Marx angeblich eine notwendige Voraussetzung für Kapitalismus sei, die Löhne neidrig gehalten, weshalb die meisten Arbeiter nur semiproletarisiert wurden, nicht also ihre gesamten Produktionsmittel einbüßten. (Das ändert natürlich alles.)

In Turin sei Arrighi mit den Arbeitern so verfahren: Sie wissen, wie’s bei ihnen aussieht, er sagt ihnen, wie der große Rahmen aussieht. Während Negri und die Operaisten behaupteten, die Arbeiter erzeugten die Krisen, seien für Arrighi Krisen keine Folge der Arbeitermilitanz und auch nicht von schlechtem Management gewesen. Mit Beverly Silver habe er gesagt, daß die Macht der Arbeiter in der Produktion wachsen würde, da sie nun riesige Investitionen blockieren könnten. Es sei daher nicht mehr so einfach, die Krisenfolgen auf die Arbeiter abzuwälzen. (Echt?)

Im dritten Abschnitt plauderte Strotmann wieder munter und endlos drauflos. Jetzt ging es aber wenigstens endlich um China. Die Kulturrevolution charakterisierte er als Versuch der Demokratisierung, ein Aufbäumen des Egalitarismus, der dennoch nicht verhindert habe, daß China kapitalistisch wurde. (Solange Leute darüber so reden können und die Toten nicht mal erwähnen, könnt ihr euch alles Gepolter, Bini Adamczak würde einen Opferkult pflegen, echt sparen.) Dennoch sei der Kapitalismus in China unter Kontrolle, es würde kein Neoliberalismus herrschen (das wiederholte er dreimal), es gäbe einen ständigen Dialog mit den fortschrittlichen Traditionen der Mao-Ära. Es sei kein sozialistisches Projekt in China, “aber Marx sei’s geklagt, es ist erfolgreich”. Der (globale) Norden produziere seine notwendigen Güter nicht mehr selbst, was China als den wichtigsten Produzenten wie in Hegels Herr-Knecht-Dialektik mächtiger mache.

Schließlich las Strotmann tatsächlich noch aus dem Programm der KP Chinas von 2007 vor, um zu beweisen, daß sie immer noch auf dem Weg zum Kommunismus sei, was aus dem Publikum teilweise mit Gelächter beantwortet wurde. (Mir kam Strotmann hier wie ein alter Maoist vor, der sich den Laden unbedingt weiter schönquatschen will.) Als letztes verwies er auf Domenico Losurdos “Flucht aus der Geschichte” und interpretierte es bezüglich des chinesischen Kommunismus als eine Art “Scheitern als Chance”.

Endlich sagte Frings nun, er sehe sich bei aller Freundschaft genötigt, Arrighi gegen Strotmann zu verteidigen. Nationale Befreiungsbewegungen seien ungeachtet aller sozialistischen Rhetorik in erster Linie das: nationale Befreiungsbewegungen. Arrighi habe sich absichtlich von Negri unterscheiden wollen: keine Poesie, kein Hegel, keine revolutionäre Metaphorik.

Hegemonie entstünde nach Arrighi durch “gemachtes Geld” (fiat money). In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sei es darum gegangen, ob Deutschland oder die USA die neue Hegemonialmacht werden würden. Hegemonie wiederum sei eine Herrschaft, von der die Beherrschten glauben, daß es die beste sei. Auch als “Imperium” träten die USA als Verbreiter von “welfare” auf.

China sei ein barbarisches System zur Unterdrückung von Klassenkonflikten. In den Klassenkämpfen in China würde sich auf Mao und die Revolution berufen. (Ist das dann Revolutionsidealismus? Oder Kommunismusidealismus?) Die Kämpfe haben sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht in Europa entschieden. (Vielleicht ja doch, aber eben mit einer Niederlage?)

Die Diskussion habe ich dann nicht mehr verfolgt, nicht zuletzt, weil ich Strotmann einfach nicht mehr zuhören konnte.

Gegenstanpunkt: Mao und seine Erben

Gegen die Strotmannschen Girlanden erschien mir die mit fast 100 Leuten gutbesuchte GSP-Veranstaltung am Donnerstag in der Humboldt Uni in ihrer Nüchternheit zunächst als eine Wohltat, schon bald gab es hier aber das umgekehrte Problem: Renate Dillmann leierte leise, langsam und langweilig vor sich hin. Es dauerte deshalb allerdings nicht weniger lang als am Dienstag.

Von fleißigen Chinesen sei überall zu lesen, die – wie die Ostdeutschen – nur im Kommunismus gebremst worden seien. Und von schlauen Chinesen, die unsere Fachleute einladen und ihre Ideen klauen. China sei so spannend, weil es in der Weltmarktkonkurrenz so erfolgrich sei, “so banal wird darüber nachgedacht”. (Es ist, wie wir es immer sehen – so vorsehbar sind sie.) China würde als “Herausforderung”, also als Konkurrent angesehen, sowohl fürs Kapital als auch für die einheimischen Arbeiter.

Dann kam Rhetorik: “Wo China nun erfolgreich ist…” (Pause) “…was ist da los?” (Pause) “Freude? Harmonie?” (Pause) “Mitnichten.” (Kirchgänger sind da sicher abgebrühter als ich, aber das war schon eine der lebhaften Stellen des Vortrags, der sonst allenfalls durch bemühte halbcoole Wendungen wie “auf der Pfanne haben” oder “angesagt” aufgelockert wirken sollte und dadurch eher noch furchtbarer wurde.)

Dillmann fuhr mit dem Double Standard für China fort: in den Augen des Westens beutet es aus, kopiert, fälscht und vergiftet Waren, stellt dem Westen gegenüber frecherweise Bedingungen, die ihm selbst nützen. China würde deshalb als “brutalkapitalistisch”, “frühkapitalistisch”, “manchesterkapitalistisch” bezeichnet. (Wie vom GSP gewohnt wird der Vorwurf, daß China brutale Gewalt ausübt, nur als einseitig beschrieben – was er ja auch ist -, nicht aber als schlicht zutreffend.) Daß in China keine Presse- und Meinungsfreiheit herrscht, beantwortete Dillmann mit dem Verweis auf hiesige angebliche Freiheit der Auffassungen, die sich doch in der Abwicklung der DDR-Wissenschaftler nach 1990, gerade an der HU, gut gezeigt habe.

An China würde gelobt werden, was sie, Dillmann, störe: die Hinwendung zum Kapitalismus nämlich. Was an China kritisiert wird, sei hingegen Notwendiges: gerade die Parteiherrschaft.

In der linksalternativen Öffentlichkeit herrsche entweder ein romantisches von Ex-Maoisten gezeichnetes Bild vor (wobei ich an Strotmann denken mußte, obwohl ich nichts über seine Vergangenheit weiß) oder China würde als Ausbund rohester kapitalistischer Ausbeutung dargestellt werden. (Hier würde ich wieder gern wissen, inwiefern es das nicht ist.) Manche Ex-DDRler und DKPler glauben (wie Strotmann) der KP Chinas, sie sei noch auf dem Weg zum Sozialismus, dieser Weg sei nur länger und verschlungener als erwartet; außenpolitisch sei China für diese Leute der Hoffnungsträger gegen die USA.

Statt diese ganzen Verzerrungen und die “üble Mischung von Begeisterung, Feindschaft und Ignoranz” weiter zu betrachten, seien vielmehr drei Fragen zu stellen, um China analysieren zu können: Was wollten die chinesischen Kommunisten eigentlich? Warum haben sie 1978 ihren Sozialismus grundsätzlich kritisiert? Was steht in China politisch und ökonomisch auf der Tagesordnung?

Diesen drei Fragen ging Dillmann nun einzeln nach, wobei anhand eines ausgehändigten Zitate-Zettels mitzuverfolgen war, wie (wenig) weit sie schon gekommen war. Außerdem fing sie nun an, in ihre aufgestützte Hand zu sprechen. (Den alten Witz, daß die GSPler es lange Zeit für unmöglich hielten, daß sich unter ihnen ein V-Mann befindet, da er ja unweigerlich zum Kommunisten geworden sein müßte, würde ich dahingehend abwandeln wollen, daß wir das nur rausfinden werden, wenn der Verfassungsschützer vorher nicht einschläft.)

Zum ersten Punkt, den Ausgangsbedingungen und Absichten am Anfang des kommunistischen Projekts in China schilderte Dillmann das chinesische Volk vor 1949 als unterwürfig, abergläubisch und fatalistisch, die Ökonomie befand sich in der Hand von Ausländern.

In der Revolution sei es wichtig, die richtige Kritik zu üben und dann einen positiven Gegenentwurf umzusetzen. Herrschaft kommt nur zustande, wenn sie es schafft, sich ein loyales Volk zu schaffen. (Man beachte den Unterschied zu Arrighis Hegemonie-Begriff.) Die KPCh hätte bereits mit den falschen Kategorien hantiert (Lohn, Preis, Kredit), die zu einer Gesellschaft gehören, in der um Zugriff auf den Reichtum konkurriert wird. Der Begriff “Volkseigentum” sei ein Oxymoron. Tautologien hätten die innere Unlogik überdeckt: Volksrepublik, Volksdemokratie, Staat des ganzen Volkes.

Das Programm der KP sei halbherzig und staatsidealistisch gewesen, doch dieses “volksfreundliche” Programm wurde in die Tat umgesetzt und nicht etwa “verraten”. Es hätte einen enormen Fortschritt in der medizinischen Versorgung gegeben, auch bei der Befreiung der Frauen, der Herausbildung eines allgemeinen politischen Bewußtseins, der Bekämpfung des Hungers, der “Alphabetisierung”, wie auch immer sie korrekt heißen müßte – all dies sei in der Geschichte ohne Parallele gewesen und geblieben. Es wurde auf Simone de Beauvoirs Reisebericht von 1958 verwiesen, in dem Peking als sauber und wohlriechend geschildert wurde, als ordentlich und frei von Verbrechen, die Kinder seien sorgfältig gekleidet gewesen und jeder Pickel sei versorgt worden. Für Beauvoir zeigte Peking, daß es Armut ohne Seuchen und Unsauberkeit geben könne.

Die KP sei für ihr Volk dagewesen und hätte sein Leben enorm verbessert. Warum aber habe sie sich nicht der Sowjetunion angeschlossen? Das führte Dillmann auf den Nationalismus zurück.

Es folgte eine Gegenüberstellung von Nation und kommunistischer Gemeinschaft, mit der Dillmann zeigen wollte, warum sich Nationalismus und Kommunismus so grundlegend widersprechen. Die Zugehörigkeit zur Nation sei Angelegenheit des Staats, ihr Zweck sei sie selbst. Unterschiede der Mitglieder seien belanglos. Der nationale Zweck würde von der Herrschaft gestiftet und vom Volk getragen, z.B. “die Verteidigung der Nation am Hindukusch”. (War der Zweck nicht eben noch die Nation selbst?)

Dagegen sei die “kommunistische Gemeinschaft” – nicht im Sinne der historischen Realität der sozialistischen Staaten, sondern kategorial wie von Marx dem Kapitalismus entgegengesetzt – eine zweckrationale Gemeinschaft gegen kapitalistische Konkurrenz. (So, die GSP-Frau hat’s selber gesagt: Nein, nein, das ist nicht der Kommunismus. Okay, everyone?) Die Mitglieder würden aus freien Stücken dazugehören, nach einer Übergangsphase. (Das klingt wie ein Unterpunkt, ist aber das Ganze: auch in einer solchen Übergangsphase müßte ja jeder seine eigenen Interessen erkennen können, sich entsprechend äußern können und dafür nicht bedroht werden.)

Der Zweck sei es, eine möglichst rational geplante Wirtschaft zu organisieren. Es würde eine sachliche Auseinandersetzung der Mitglieder über ihre Bedürfnisse und die notwendige Arbeit geben – also eben keine Harmonie, sondern permanente Auseinandersetzung. (Auch wenn sie’s selbst nicht wissen: Die Gegenstandpunktler sind Diskordier! Aber ihre Version von sachlicher Auseinandersetzung will ich vielleicht lieber nicht miterleben – den bisherigen Erfahrungen nach entweder sterbenslangweilig oder ein Cholerikertreffen…) Es gäbe lediglich keine systematischen Interessenkonflikte wie den zwischen Kapital und Lohnarbeit. Jenseits des Wohlergehens der Mitglieder hätte die Gemeinschaft keinen höheren Zweck.

Nation und Kommunismus befänden sich also in einem brutalen Widerspruch zueinander.

Jetzt machte sich Dillmann weiter daran, ihren Zettel abzuarbeiten, auf dem noch einiges stand – nach fast anderthalb Stunden schien sie das meiste noch vor sich zu haben.

Ich hörte, wie sie über den “Großen Sprung nach vorn” meinte, man hätte “den Leuten so sehr eingeheizt”, daß sie dann unsinnig gehandelt hätten (irgendwie war doch das Pferd schuld) und das sei passiert, weil man sich eben sinnloserweise mit anderen Staaten durch Identifizierung mit ihnen verglichen habe. Dann brach ich zur Brunnenstraßen-Demo nach Kreuzberg auf. Vielleicht war jemand länger da und kann ergänzen, was zur “kapitalistischen Volksrepublik” gesagt wurde.

14 Responses to “Zwei Veranstaltungen zu China”

  1. Kulla will Böller und bunte Raketen « Gratis Mittagsbueffet & Happy Hour-Angebote Says:

    [...] China-Vortrag findet sich nun ein Bericht bei Classless-Kulla. Inhaltlich scheint er alles zu teilen, denn seine Kritik beschränkt sich auf das Festhalten eines [...]

  2. Neoprene Says:

    http://neoprene.blogsport.de/2009/10/25/271109-veranstaltung-mit-renate-dillmann-auch-in-berlin/#comment-44200

  3. Kritik der "Kritik" Says:

    Die KP sei für ihr Volk dagewesen und hätte sein Leben enorm verbessert. Warum aber habe sie sich nicht der Sowjetunion angeschlossen?

    Ich habe mir das Buch bestellt und heute erhalten. Bin mal gespannt. Ist meiner Meinung nach nicht haltbar. Wir werden sehen …

    Dagegen sei die “kommunistische Gemeinschaft” – nicht im Sinne der historischen Realität der sozialistischen Staaten, sondern kategorial wie von Marx dem Kapitalismus entgegengesetzt – eine zweckrationale Gemeinschaft gegen kapitalistische Konkurrenz. (So, die GSP-Frau hat’s selber gesagt: Nein, nein, das ist nicht der Kommunismus. Okay, everyone?)

    Und das ist eben genauso kritikabel wie wenn du das machst. Es ist vollkommen absurd, an einen sozialistischen ÜbergangsSTAAT (wo noch Klassen bestehen, es ist schließlich die DIKTATUR DES PROLETARIATS) heranzutreten und festzustellen, dass das nicht der KOmmunismus sei. Ja wie denn auch, wenn der Kommunismus doch die staatenlose klassenlosen Gesellschaft ist! Also sowieso nur WELTWEIT funktioniert!

    Damit ist überhaupt nicht gesagt, dass Chinas Kommunisten was drauf gehabt hätten oder haben. Oder dass ihr Programm hätte in den Kommunismus münden. Die haben durchaus MASSIVE Fehler gemacht in der Kapitalismuskritik und allem anderen auch.
    Aber diese Art der “Kritik” ist einfach saudämlich! Das ist doch nur der dämliche Abgleich mit einem Kommunismusideal. Womit selbstverständlich auch unterstellt ist, KOMMUNISMUS IN EINEM LANDE oder in einem “Staatenverbund” (SU & China) wäre möglich – WTF?!

    Natürlich war und ist das kein Kommunismus – das wäre ja eine klassenlose Weltgesellschaft! HERRGOTT, nehmt das doch mal zur Kenntnis!

    Die Mitglieder würden aus freien Stücken dazugehören, nach einer Übergangsphase.

    HAHA. Die wenigen Gegner können dann auf den Mond auswandern, wenn ihnen die weltweite klassenlose Gesellschaft nicht passt!

    Hier wird doch immer wieder deutlich, dass Dillmann und der GSP davon ausgehen, dass es den KOMMUNISMUS IN EINEM LANDE geben könne. Sonst machen solche Aussagen keinen Sinn!
    Es kann aber nur SOZIALISMUS IN EINEM LANDE geben und damit sind Übergangsgesellschaften MIT KLASSENCHARAKTER (DIKTATUR DES PROL.) benannt!!

    Das klingt wie ein Unterpunkt, ist aber das Ganze: auch in einer solchen Übergangsphase müßte ja jeder seine eigenen Interessen erkennen können, sich entsprechend äußern können und dafür nicht bedroht werden.

    Ja, und es zu hoffen, dass sich das im Laufe des Übergangs vollkommen einlässt. ABER es ist doch eine naive Illusion zu glauben, hartnäckige Kapitalisten, die durch eine Revolution ihres Kapitals beraubt werden, wäre fortan sofort Freunde des Sozialismus. Absurderweise pflegt wohl auch der GSP diesen Idealismus. Du stellst zurecht fest, dass auch Dillmann “Das ist nicht der KOmmunismus” blökt.

    Es gäbe lediglich keine systematischen Interessenkonflikte wie den zwischen Kapital und Lohnarbeit.

    im KOmmunismus! Aber das THEMA IST SOZIALISTISCHER STAAT UND ÜBERGANG!!!!
    Es gibt genügend Fehler der Realsozialisten zu thematisieren (!!!!!!), da muss man doch nicht so Pseudokritik leisten, die lediglich daraus besteht, dass man feststellt: Nein, nein, das ist nicht der Kommunismus! ECHT?!?!

    Zum Nationalismus und solchen Behauptungen:

    und das sei passiert, weil man sich eben sinnloserweise mit anderen Staaten durch Identifizierung mit ihnen verglichen habe

    Melde ich mich in ein paar Tagen wieder.

    Bis dann.

  4. Kritik der "Kritik" Says:

    Auf die andere Veranstaltung gehe ich nicht ein, weil das sowieso jenseits von Gut und Böse ist:

    Es sei kein sozialistisches Projekt in China, “aber Marx sei’s geklagt, es ist erfolgreich”.

  5. classless Says:

    “Natürlich war und ist das kein Kommunismus”

    Mehr sag ich ja auch nicht. Wenn dir das klar ist, ist doch schön. Unglaublich vielen Leuten ist das nicht klar. Die Gleichsetzung von Kommunismus und Realsozialismus diskreditiert üblicherweise – absichtlich oder nicht – das kommunistische Projekt und hält ganz praktisch beständig Leute davon ab, dieses Vorhaben in Angriff zu nehmen. Um es überhaupt denkbar zu machen, den Verweis darauf zu ermöglichen und dazu anstiften zu können, finde ich das “Nein, nein” weiterhin sehr wirkungsvoll. Als Kritik am Realsozialismus ist es selbstredend zu kurz und simpel.

  6. Kritik der "Kritik" Says:

    Da es kein Kommunismus gewesen sein KANN da dieser die staatenlose und klassenlose WELTGESELLSCHAFT bezeichnet ist der Ruf “Nein, das ist nicht der Kommunismus!” unfassbar dämlich und zeugt davon, daß sich der Rufer einen NATIONALkommunismus vorstellen kann, und das ist ein Blick in den geistigen Abgrund!
    Das gilt auch für Dillmanns “NEIN, NEIN!”

  7. classless Says:

    (Großbuchstaben gehen eigentlich gar nicht, aber nun ja…)

    Der Ruf richtet sich aber nicht an den Rufenden.

    Sondern an diejenige überwältigende Mehrzahl von Menschen, die unter Kommunismus das verstehen, was es bis zur “Wende” gab, als die “Roten” das Sagen hatten. Diese Gleichsetzung bzw. Verwechslung ist chronisch und allgemein. (Im englischen Sprachraum vielleicht sogar noch ausnahmsloser.)

    Also, noch mal ganz langsam: ich weiß, daß das kein Kommunismus war und auch kein Kommunismus gewesen sein kann; du weißt das und eine mir unbekannte Zahl von anderen wissen das auch. An die richte ich mich mit diesem Slogan/Titel nicht.

    Ich richte mich damit an die, die es nicht wissen. Bzw. richten sich eine ganze Menge Leute, z.B. mit meinem Aufkleber, an sie, weil es oft ihre Eltern, Kollegen oder Bekannten sind, bei denen man sonst zu dem Thema gar nicht unbedingt zu Wort kommen würde.

    (Ich bereite gerade noch mal ein Posting zu diesem ewigen Mißverständnis vor.)

  8. Aktionskletterer Says:

    Muss zur Metakritik des Etikettenschwindels denn wirklich der liebe Gott angerufen werden, schafft es die Menschheit denn nicht alleine damit klarzukommen?

    Der Sprechort von dem aus erklärt wird dass etwa Pyönyang nicht der Kommunismus ist, ist doch selbst eine Kultur welche schon lange die Diskurshoheit über den Begriff der Revolution verloren hat – an ihre Emigranten. Aus dieser Position heraus zielt eine derartige Erklärung darauf ab, dass eine planetare Revolution, um erfolgreich zustandekommen zu können, sich alle zurückliegenden territorial begrenzten Revolutionen aneignen muss anstelle sie anzugreifen. In Pyönyang wird tatsächlich die Marx´sche Wertung der amerikanischen Revolution nicht anerkannt. Und für Bejing ist dieser Satellit ganz kapitalistisch gesehen eine suboptimale Hypothek auf den eigenen politischen Bewegungsspielraum.

  9. Stein Says:

    http://neoprene.blogsport.de/2009/10/25/271109-veranstaltung-mit-renate-dillmann-auch-in-berlin/#comment-44241

    Du hast einen Stein im Brett beim GSP. Seit dieser auch diese Parole bedient!

  10. Neoprene Says:

    Ich bin mir da nicht ganz so sicher, ob culla und der GSP zukünftig Arm in Arm ins Arbeiterparadies marschieren. Zudem sich *der* GSP ja eh nicht zu den hier diskutierten Sachen äußert.

  11. classless Says:

    Ähm, von meiner Seite aus hat sich gegenüber dem GSP nichts geändert. Ich sehe das weiterhin nicht so, daß Staaten und Herrschaftspersonal austauschbar sind, daß die Bedingungen für kommunistische Betätigung von Staat zu Staat kaum verschieden sind und daß sämtliche Betätigung, die nicht direkt zum Kommunismus führt, wahlweise Selbstdarstellung, Dummheit oder eine der beliebten Formen des Idealismus ist.

    Hat das eigentlich irgendeinen Grund, daß mich jetzt manche “culla” schreiben?

  12. Neoprene Says:

    Kulla, wenigstens ich bitte die unbewußte Alliteration zu entschuldigen.

    Jetzt aber noch eine ernstgemeinte Frage:
    Was ist denn eine “Betätigung”, die “direkt zum Kommunismus führt”? Ich bin da eher der Vertreter von “per aspera ad astra”.

  13. Neoprene Says:

    Entschuldigung, habe dein “nicht” überlesen. Somit erübrigt sich meine Frage.

  14. classless Says:

    Naja, die Frage erübrigt sich nicht unbedingt – ich würde das ja auch gern wissen ;-)

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