Nicht das Problem, sondern das Problem

December 21st, 2007

Innenpolitik:

>>Im Auftrag des Schäuble-Ministeriums erstellten die Hamburger Forscher Katrin Brettfeld und Peter Wetzels die Studie “Muslime in Deutschland”, bei welcher in vier großstädtischen Regionen rund 1000 Muslime befragt wurden. Insgesamt sehen die Ergebnisse wie zu erwarten aus. Nur eine Minderheit der Muslime (5,5%) hält Gewalt zur Ausbreitung des Islams für gerechtfertigt. 90% der befragten Muslime halten Selbstmordanschläge für feige und eine ebenso große Anzahl an befragten Personen lehnt das Töten von Menschen im Namen der Religion ab. Jedoch fühlen sich 50% der Muslime von der Gesellschaft ausgegrenzt und 20% erlebten selbst in den vergangenen zwölf Monaten Ausländerfeindlichkeit.

Die Anzahl der Muslime, die antisemitische Vorurteile mit sich tragen und demokratiefeindlich eingestellt sind, sind, so die Forscher, etwa mit den Zahlen aus der deutschen Bevölkerung zu vergleichen.

[…]

So stellte Belkir Alboga selbst fest, dass der Islam Demokratiefeindlichkeit nicht fördere und sich die Einstellung zu Demokratie und Rechtsstaat zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen kaum unterscheidet.<<

Entartetes Engagement. (via Lysis)

Außenpolitik:

>>„Amerikas Lügen” titelte im Dezember 2007 die „Zeit” als Reaktion auf die Veröffentlichung der jüngsten National Intelligence Estimate, der Einschätzung der US-Geheimdienste zum Stand des iranischen Atomprogramms. Stoßen normalerweise alle Aktivitäten der amerikanischen Nachrichtendienste auf vollkommenes Misstrauen, kam dieser Bericht der deutschen Öffentlichkeit gerade recht. Was in den USA Gegenstand einer erbitterten politischen Auseinandersetzung um die richtige Strategie im Umgang mit dem Regime der Mullahs ist, ist in Deutschland schon weitgehend entschieden: Nicht der Iran ist die zurzeit weltweit größte Bedrohung, sondern die „unberechenbare” und unilaterale US-Politik. Dabei sagt der Bericht der Geheimdienste lediglich aus, dass – „mit mäßiger Gewissheit” – davon auszugehen sei, dass derzeit im Iran keine Atomwaffen gebaut werden würden. Der gleiche Bericht bestreitet keineswegs, dass das iranische Regime zurzeit fieberhaft an den technischen Voraussetzungen für ein Atomwaffenprogramm arbeitet: an der Urananreicherung und der Entwicklung geeigneter Interkontinentalraketen.<<

Es geht um Israel.

9 Responses to “Nicht das Problem, sondern das Problem”

  1. zapperlott Says:

    die genannten zeit-artikel haben meiner lesart nach genau das dargestellt: dass das thema »in den usa gegenstand einer erbitterten politischen auseinandersetzung« ist. und weil es diesen konflikt gibt, ist der kurs auch umstritten. wo diese innenpolitische situation als »zurzeit weltweit größte bedrohung« gehandelt werden soll, vor allem im vergleich mit dem iran, würd mich schon interessieren, in den zeit-artikeln ist mir das jedenfalls nicht aufgefallen. es ist doch der text des »bündnis gegen appeasement«, der die inneramerikanische diskussion infolge des geheimdienstberichtes schilt, weil daraus möglicher wankelmut entstehen könnte – deutsche wissen halt besser, was für die usa gut ist.

  2. Boris Says:

    Lieber Classless Kulla!

    Ich habe eine – ernsthafte – Frage:

    Wie schätzt Du das ein: Wird die Atmosphäre auf der Konferenz wie üblich sein? Heißt: Wenn man den Grundkonsens, Israel = gut und Dtl/Iran = böse, nicht teilt und sich quasi komplett gg. ein paar Referenten und einen Teil des Publikums stellt – wird man dann rausgeworfen, ausgebuht oder angeschrien (wie früher) oder kann man da durchaus Kritik leisten ohne derartiges über sich ergehen zu lassen?

    In den letzten Jahren hatten diese Veranstaltungen letztlich immer nur den Charakter der Mitgliederpflege…daher meine Frage.

    Danke für deine Antwort,
    Boris

  3. godforgivesbigots Says:

    Eine militante Minderheit eingebettet in eine ideologisierte Mehrheit in den islamischen Gemeinden, das ist von der Gemengelage her schon vergleichbar mit den Deutschen die im Beitrittsgebiet die sog. “national befreiten Zonen” betreiben. Natürlich haben Statistiken die bekannten methodologischen Schwächen einen dschihadistischen oder anderweitig rassistischen Konsens (be-)greifbar zu machen, selbst dann wenn er nicht in Taquiyya eingekleidet daherkommt. Und die Tendenz zum islamischen Gewaltmonopol findet sich eher in den Metropolen, die zum nazistischen im ländlichen Raum, doch beide treten primär in Bevölkerungsschrumpfungsregionen auf.

    Ja und die Rebellion der Geheimdienste gegen das Weiße Haus dauert ja jetzt auch schon eine Weile an, hat aber hiermit eine neue Qualität erreicht. Hat es den amerikanischen Spionen bis vor kurzem noch gereicht nützliche Idioten wie Seymour Hersh heimlich mit Material zu füttern das die Medien gegen das Weiße Haus schäumen läßt, so versuchen die Geheimdienste jetzt auch mittels ihrer zurückverfolgbaren Öffentlichkeitsarbeit die ihnen übergeordnete Regierung zu stürzen oder wenigstens vom eingeschlagenen Kurs abzubringen. Was sollen sie auch sonst tun, eine Lösung der persischen Frage würde sie schließlich offensichtlich überflüssig machen.

  4. classless Says:

    @Boris

    Kann ich dir nicht sagen. Das mit der Selbstvergewisserung ist ein Problem, das hat aber m.E. auch häufig mit der Art der Kritik zu tun gehabt. Nach dem hundertsten Anwurf werden die Reaktionen leider automatischer. Nach der letzten Antideutschen Konferenz hatte ich mir auf jeden Fall Sorgen gemacht, “ob das automatische Belegen der “Bahamas” mit Rassismusvorwürfen mittlerweile dazu geführt hat, daß wirkliche diesbezügliche Warnsignale nicht mehr bemerkt werden.”

    Nu ja.

  5. Boris Says:

    @ Classless:

    Ich verstehe nicht, was die Art der Kritik mit dem Inhalt zu tun hat und mit der Reaktion darauf. Soll man einen Rassismus der Antideutschen bzw. die Kritik daran auf eine ganz bestimmte Art und Weise vortragen und dann würde die Reaktion anders ausfallen?

    Immerhin siehst du ja ein, dass ein Rassismus offenbar gegeben ist bei diesen Personen…wie trägst du das denn vor?

  6. classless Says:

    Ich habe überhaupt nicht gesagt, daß da “ein Rassismus gegeben ist”. Was ich an diesbezüglichen Anwürfen mitbekommen habe, bezog sich bis auf wenige Ausnahmen darauf, daß in der Bahamas Antirassismus ideologiekritisch behandelt wird und linke Gemeinplätze bezüglich Multikulturalismus nicht geteilt werden. Wenn es jemand für rassistisch hält, wenn sich zugunsten von Israel und von nicht-ethnisierten Migranten ausgesprochen wird, weiß ich auch nicht, warum ich mit ihm unbedingt diskutieren muß.

    Das Problem habe ich ausdrücklich nur in der Zuspitzung der Banlieue Emeutes zu einer Art islamfaschistischen Aufstand verortet und würde nicht behaupten, daß diese Position unter Antideutschen irgendwie mehrheitsfähig wäre.

  7. Boris Says:

    Okay, also halten wir fest: Rassismus lag zumindest bei der Abhandlung von den Aufständen in den franz. Vororten vor?

    Und inwiefern die “ideologiekritische Behandlung von Antirassismus” nicht auch ein Rassismus sein kann, würde mich ja auch interessieren. Das kommt dann eben auf die Begründung der Diskutanten an.

  8. Boris Says:

    “Zugunsten von nicht-ethnisierten Migranten” hat man sich gerade bei denen nur ausgesprochen, wenn sie Opfer “islamischer” Gewalt waren und sonst gar nicht. Sobald ein Migrant nicht die Maßstäbe “Israel” und “Islamkritik” teilte, war der bei denen auch schnell unten durch, egal ob Migrant oder nicht…das war denen ziemlich wurscht.

  9. Stefans Home Says:

    Blogs “live” vom 24C3…

    Eine Reihe von Bloggern sind auf dem Chaos Communication Congress vor Ort und berichten regelmäßig vom Ort des Geschehens – und damit bedeutend ausführlicher, als ich es kann. Allen voran zu nennen sind hier die Blogs futur:plom und Mitternachtshack…

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