konkret (2): Nein, nein, das war nicht der Kommunismus

April 27th, 2008

>>Es ist dies eine günstige Gelegenheit für uns Kommunisten aller Länder, die wir unsere grauen Zellen so schmerzhaft bemüht haben, den real existierenden Sozialismus trotz alledem und alledem in ein positives Verhältnis zum Kommunistischen Manifest zu setzen, uns nicht länger zum Narren zu machen und uns zuzugeben, daß mit dem, was wir von der Welt wollen, beide Staaten [China und die Sowjetunion] nichts im Sinn hatten und haben, was nicht heißt, ihre ganz anderen Verdienste zu verachten – wie das unsterbliche der UdSSR: den Sieg über Deutschland sowie die Vertreibung der Schlesier und Sudetendeutschen aus Polen und der Tschechoslowakei.<<

Hermann L. Gremliza: Der Tibet-Wahn (konkret 05/2008)

19 Responses to “konkret (2): Nein, nein, das war nicht der Kommunismus”

  1. mané Says:

    schön wenn das so einfach ginge, dann wäre auch die auseinandersetzung mit den politischen gegner_innen leichter. doch egal wie viel kritik wir als kommunisten und kommunistinnen an der su und china formulieren werden, bei jeder diskussion wird gegen uns wohl vorgebracht, dass der kommunismus siehe die su, doch gescheitert sei.

  2. classless Says:

    Ist ja auch nicht so einfach. Dennoch ist es schön, daß zumindest der Gedanke häufiger zu hören ist, daß die Unattraktivität des Kommunismus nicht nur auf Verblendung und Reaktion zurückgeht, sondern – in welchem Maße auch immer – damit zusammenhängt, wie sich Kommunisten zum nominalen Kommunismus des vergangenen Jahrhunderts positionieren und positionierten.

  3. godforgivesbigots Says:

    Nein, das waren Durchhalteideologien im Machtvakuum der Kriege die die Alte Weltordnung zerstörten.

  4. posiputt Says:

    neben dem ganzen personenkultquatsch im realsozialismus wird wohl auch das eine rolle spielen: “kommunismus, ist das nicht, wenn alles allen gehoert und keiner was fuer sich behalten darf?”

    apropos, wie definiert ihr eigentlich kommunismus? :)

  5. Says:

    das ist doch bei classless gut nachzulesen, etwa hier http://www.classless.org/2008/03/17/durch-die-geschichte-gegen-die-geschichte/

  6. saltzundessick Says:

    ‘personenkult’ ist uebrigens gar kein unbedingter bestandteil des realsozialismus. chruschtschow rechnete 1956 mit dem personenkult ab, in der ddr wurde personenkult mindestens ab den 70er eher als schaedlich und ueberholt betrachtet.

  7. classless Says:

    Ich kann mich noch halbwegs daran erinnern, welche Überraschung ich bei meinen Kindergarten-Erzieherinnen auslöste, als ich den Geburtstag von Honecker herausfand, von dem sie nichts wußten.

  8. posiputt Says:

    gut, dann streich ich den personenkult mal, war eigentlich vor allem auf die personenbezogene namensgebung realsozialistischer stroemungen bezogen. maoismus, leninismus… bla. honeckerismus hab ich allerdings auch noch nie gehoert. oder gysismus :)

  9. saltzundessick Says:

    nun entgleitet es ein bisschen. nunja, blogcomments…

  10. neo-bolschewik Says:

    Naja, ich würde schon sagen, dass es in der SU einen Bruch mit Stalin gab, der als Stellvertreter einer entarteten Parteibürokratie in einer Art präventiven Bürgerkrieg ein großen Teil der Revolutionären des Roten Oktobers eliminierte. Es darf auch nicht vergessen werden, dass auch viele Kommunisten (ich denke bekanntestes Bsp. hier für ist Trotzki) sich gegen diese Entwicklung wandten und damit oft mit ihrem Leben bezahlten. Sicherlich hat Lenins Parteikonzept, welches für die Arbeit in der Illegalität notwendig, aber für den Aufbau des Sozialismus schädlich war, dem Stalinismus in gewisser Weise vorbereitet. Doch darf auch nicht vergessen werden, dass Lenin noch zu Lebzeiten Stalin als “großrussischen Chauvinisten” erkannt und versucht hat, wenn auch erfolglos, dessen Aufstieg zur Macht zur verhindern.

    Auch der Personenkult ist eigentlich ursprünglich ein Kind des Stalinismus, so hat auch Lenin, soweit ich zumindest weiß, selbst nie den Begriff “Leninismus” verwendet (wie Marx ja sich auch niemals als “Marxisten” bezeichnet hat). Wobei die Bezeichnung “Leninismus” auch für Antistalinisten nicht ausschließlich negativ besetzt ist, schließlich haben sich auch damals oppositionelle Kommunisten in und außerhalb der SU selbst als “Bolschewiki-Leninisten” bezeichnet.

    Natürlich waren die Bolschewiki alles andere als unfehlbar, tatsächlich gibt es im Detail, sowie auch im Allgemeinen viel zu kritisieren. Dennoch darf man aber auch nicht ihre Leistungen vergessen. Die Oktoberrevolution war die erste (zu Anfang) erfolgreiche sozialistische Revolution und es waren auch die Bolschewiki denen es als einzige in Europa gelang den imperialistischen Krieg in einen revolutionären “Bürgerkrieg” zu verwandeln. Zudem waren die Bedingungen in Russland denkbar ungünstig, bevor man wirklich zum Aufbau einer sozialistischen Gsellschaft übergehen konnte, stand man vor den Aufgaben die in den entwickelteren kapitalistischen Ländern von dem bürgerlichen Staat erdlidigt worden sind. Außerdem hatten sich die Bolschewiki auch bei der Prognose für die politischen Entwicklung im Rest Europas geirrt, so hatten sie gehofft, dass die Revolution die sie in Russland begonnen hatten in Westeuropa fortgesetzt würde und die westeuropäischen Räterepubliken die SU unterstützen würden.

    Ohne Frage, die Oktoberrevolution ist gescheitert, wie auch die Pariser Kommune und die Frazösische Revolution gescheitert sind. Aber gerade bei zuletzt genanntem Besipiel sieht man, dass dies nicht gleichbedeutend mit einem Scheitern der revolutionären Ziele ist. Obwohl spätestens mit dem Bonapartismus die Frz. Revolution ihr tragisches Ende fand, hat sich deren Ziel, die Errichtung einer bürgerlichen Republik, weltweit durchgesetzt.

    Lenin in einer Reihe mit Stalin und Mao zu nennen, wäre nicht nur töricht, sondern entspräche auch dem Niveau auf welchen auch noch heute viele Altstalinisten argumentieren, wenn sie den “Realsozialismus” verklären wollen. Dies bedeutet natürlich nicht, dass es keine kritische Auseinandersetzung mit den Bolschewiki und Lenin geben darf, bloß sollte diese möglichst differenziert vorgenommen werden.

    Übrigens, auch losgelöst von der historischen Bedeutung der Russischen Revolution sind viele von Lenins Konzepten und Ideen, wie z.B. den April Thesen und dem Revolutionären Defätismus, auch noch heute von aktueller Bedeutung und Interesse. Gerade in der Auseinandersetzung mit dem stalinismus wie es ihn in der SU gab und heuteb noch in der Vr China gibt, könnte es interessant sein die Schriften Trotzkis, eines anderen Bolschewiken zu lesen, welcher die von der Parteibürokratie betriebene kapitalistische Restauration und die damit in letzter Konsequenz einhergehende Auflösung der SU bereits 1936 vorraussagte.

  11. Benni Says:

    “1921 kam es zu einer weiteren Rebellion der Kronstädter Matrosen gegen die bolschewistische Herrschaft; die Kronstädter Rebellion wurde nach Ablauf eines Ultimatums von der Roten Armee unter Leitung des Volkskommissars für Militär- und Marinewesen, Leo Dawidowitsch Trotzki, gewaltsam erstickt.” aus http://de.wikipedia.org/wiki/Kronstadt_(Russland)

    spätestens damit haben sich Lenin und Trotzki unmöglich gemacht. Warum ist letzterer eigentlich nicht auch noch auf dem Sticker?

  12. classless Says:

    Sollte es dazu kommen, daß wir die Platte auch so nennen, gibt es dann vielleicht noch eine ganze Galerie mit Fressen.

  13. mary Says:

    lol, wie ekelhaft mal wieder.
    ihr hab doch alle nen *konkreten* dachschaden! der nennt sich: antikommunismus von links. auch bekannt als idealismus.

    wer nämlich den frühsozialismus negiert, der kann auch keinen kommunismus wollen, da jener notwendige bedingung für diesen ist.

    keiner der oben genannten, weder stalin, noch lenin, geschweige denn ulbricht oder honecker, betitelten jemals den von ihnen gegen allerlei imperialistische contra-bestrebungen und nicht zuletzt gegen romantische linksblogger-canaillen wie euch mühsam erkämpften realsozialismus als “kommunismus”, wie es von kulla und den anderen juwo-spastis aber seit jahren aus purer unbildung, wenn nicht sogar wider besseren wissens, behauptet wird. nein, das war kein kommunismus. es war historische notwendigkeit. so what. man nannte das frühsozialismus, von kommunismus war weder in der kpdsu noch in der sed jemals die rede.

    warum nur müssen immer die hirnlosesten und faulsten, regressivsten spinner sich auslassen über die verwirklichung von vernünftigen gesellschaftlichen konzepten? während sie doch selber meistens schon mit dem managen eines legasthenischen internetblogs ihre schwierigkeiten haben.

    ihr seid elende lügner, heuchler.
    ihr wollt das schlechte und wisst es nicht mal.

    nur noch mitleid.
    hass und mitleid mit der dämlichsten form von unbildung: dem antistalinismus.

  14. nonono Says:

    Stalin, Lenin, Ulbricht und Honecker mussten ihren Realsozialismus gegen Blogger erkämpfen?

  15. Hagbard Jesus Celine Says:

    Aber sie haben es trotzdem geschafft! (Fanfare!)

  16. nonono Says:

    Klar, aber nur, weil die Blogger faul waren! Und die Blogs selbst an Lese-Rechtschreib-Schwäche leiden!

  17. classless Says:

    @mary
    Frühsozialismus war, so hab ich es in der realsozialistischen Schule gelernt, sowas wie Fourier und Owen. Das galt als lange überholt, weil man ja nun den wissenschaftlichen Sozialismus hatte, die Lehre, die allmächtig ist, weil sie wahr ist, wie Lenin das in den Drei Quellen ausdrückte und wie es uns mit schöner Regelmäßigkeit um die Ohren gehauen wurde.

    Und wieso war es jetzt, abgesehen von der verkehrten Terminologie, noch mal “historisch notwendig”, aus dem Ersten Weltkrieg einseitig auszusteigen, einen Bürgerkrieg gegen Sozialisten zu führen und schließlich eine immer stärker militarisierte Gesellschaft einzurichten, um dann im Angesicht der direkten Bedrohung durch die Nazis die eigene Armeeführung zu beseitigen und einen Pakt mit Hitler zu schließen?

  18. mary Says:

    “Die Webbloggerey [von der Goethe hier schreibt], meint ein Laster, das neben dem Passivrauchen, dem Zeitschriften abonnieren und dem Kindermachen zu den vier Hauptursachen der Vernichtung der postindustriellen Hochkulturen Europas und Amerikas zählte, an die sich die meisten nur mehr vage erinnern. Kaum war nämlich das Internet erfunden, durften Leute, die nicht denken, lesen oder schreiben konnten und keinerlei Persönlichkeit besaßen, einander ihre Nichtgedanken mitteilen und die dabei entstehenden Stummeltexte und Schnappquerschüsse wechselweise verlinken. Die absolute Uniformität und die hemmungslose Beliebigkeit, also das schlechte Allgemeine und das noch schlechtere Besondere, wurden auf diese Weise zu einem tödlichen Kampfstoff synthetsiert, vor dem es dem Provider des Teufels graute, seit die Hölle eine Website war. Sehnsucht nach Stalin.”

  19. nonono Says:

    @mary

    Arme mary, beschützt dich kein Papa Stalin vor den bösen Verfallserscheinungen der postmodernen Welt, indem er dich und deine Freunde morgens um drei abholen lässt?

    “Kaum war nämlich das Internet erfunden, durften Leute, die nicht denken, lesen oder schreiben konnten und keinerlei Persönlichkeit besaßen, einander ihre Nichtgedanken mitteilen.”

    Das scheint viel eher noch auf die Kommentiererey zuzutreffen. Und das sage ich als einer, der dieses Laster teilt.

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