“Freiheit statt Angst”

September 12th, 2010

In den vergangenen Jahren war ich nicht dazu gekommen, mir die große Anti-Überwachungs-Demo (Aufruf) anzuschauen. Bevor ich dieses Jahr hinging, überlegte ich eine Weile, was für ein Schild ich zur Abgrenzung, Provokation oder Verwirrung hochhalten könnte, fand dann aber gar kein Schild besser und zog stattdessen ein altes IDF-Shirt an.

Was es auf der Demo zu sehen gab, entsprach ungefähr meinen Erwartungen: vom Gros der knapp 10000 Teilnehmer lauter Klagen, nicht richtig, sondern “von Laien regiert” zu werden, über “unnötige” Überwachungsmaßnahmen und andere zum Thema gehörende Dinge, die nicht zum Bild vom Staat passen, wie es aus dem Sozialkundeunterricht mitgenommen wurde. (Über diese Formen von Demokratieidealismus in der Netz- und Anti-Überwachungs-Szene sprach ich im April auf der re:publica.) In alldem unterschieden sich die mitlaufenden Partei-Blöcke wenig, bei den Jusos lief immerhin “Raven gegen Deutschland” aus dem Lauti und waren die Parolen etwas schärfer, dafür waren sie aber insgesamt nur zu zehnt.

Trotz vereinzelter Anzeichen vorher war hingegen etwas überraschender, wieviele “9/11 Inside Job”-Leute über die ganze Demo verstreut mitliefen (siehe Bildergalerie bei gnurpsnewoel) und vor allem, daß sich kaum jemand daran zu stören schien.

Unter diesen Umständen war mir der “Antikapitalistische Block“, aus dem beständig lautstark Staat und Staatsgewalt beschimpft wurden und der wie eine große Demo in der Demo wirkte, grundsätzlich am sympathischsten. Weniger sympathisch, aber eben auch nicht überraschend, daß mich ein paar Typen aus dem Schwarzen Block, während zwei Meter neben ihnen jemand über die Medienlüge von der Klimakatastrophe ins Megaphon wetterte, wegen meines Shirts bedrohten. Ich hatte angenommen, damit auf der ganzen Demo mehr Ärger auszulösen, insofern erfüllten sie einfach die Quote.

Lustig allerdings, von ihnen dann hinterher als Anti-Antifa-Fotograf angeschmiert zu werden ["Artikel wurde aufgrund der Moderationskriterien versteckt"], wobei, wie es in einem Kommentar dortselbst so schön hieß: “Von ‘Diffamierung’ zu sprechen halte ich für übertrieben, schliesslich steht es nur auf Indymedia, nicht auf Krautchan.”

So blieb der Abschnitt um den CCC-Wagen der angenehmste Teil der Demo, in dem die beste Musik lief und sich die Leute am wenigsten wichtig zu nehmen schienen.

Deutsche Polizisten Meine Freundin ist wichtiger als Deutschland
Die beiden besten Schilder auf der Demo

Die Veranstaltung könnte sich allmählich totlaufen, zum einen weil sie von oben politisch umarmt wird, wie Monty Cantsin in seiner Rede mit Blick auf euphemistische Bezeichnungen für Überwachungsmaßnahmen und auf bisher leere Ankündigungen wie die Kennzeichnungspflicht für Cops ausführte; zum anderen, weil sie nicht anlaßbezogen funktioniert. (Außer diesmal für die Truther.) Und die Anlässe fehlen letztlich, weil in Deutschland jeder “kriminelle Ausländer” und jede “Heuschrecke” mehr Empörung hervorrufen als die zahlreichen Überwachungsmaßnahmen des Staates zusammen.

35 Responses to ““Freiheit statt Angst””

  1. Zu der Diffamierung Says:

    Ich war zufällig – glaube über netzpolitik-kommentar – auf einen blogspot.com blog geraten von dem der Indy-Artikel offensichtlich kopiert war. Irgend sonen (verschwörungs-)Typ der nix weiter Mit “der szene” zu tun hatte wie es mir scheint. So btw.

  2. classless Says:

    Stimmt, meine Formulierung klang so, als wären das die gleichen Leute gewesen. Das weiß ich ja nicht und ist mir auch egal. Hab ich mal korrigiert.

  3. t Says:

    nur der provo wegen mit idf-shirt hingehen ist schon arm. ein “distinktions/provokationsschild” hätte imerhin etwas inhalt gehabt. aber scheinbar geht’s dir drum als person im gespräch zu bleiben. geschafft.

  4. Anti-Anti-Antifa Says:

    “So blieb der Abschnitt um den CCC-Wagen der angenehmste Teil der Demo, in dem die beste Musik lief und sich die Leute am wenigsten wichtig zu nehmen schienen.”

    Ja, Hauptsache die Mucke ist gut und keiner macht dem Kulla Konkurrenz beim sich-selbst-wichtig-nehmen. Bei Leuten wie dir frage ich mich nur, ob sie wirklich von sich selbst glauben, irgendwie links und antifaschistisch zu sein. Wenn ja, spricht das gegen deinen Geisteszustand…Du bist ein Faschist, so etwas macht sich an Inhalten fest, die du vertrittst und mit wem du für diese streitest, und nicht an einem bescheuerten linke Szene-Lifestyle. Steh doch einfach dazu, dass du ein Faschist bist, ist in Deutschland doch keine Schande…

  5. jorokide Says:

    130 organisationen, 7500 teilnehmer…noch mehr lächerlichkeiten zu bieten?

    für 2011 bitte absagen, damit ich das gelästere am (überwiegend schwarz-konservativen) stammtisch nicht mehr über mich ergehen lassen muss.

  6. lasterfahrer Says:

    dann hat die provo doch zumindestens geklappt, oder hattest du mehr erhofft?

  7. classless Says:

    @ t

    Wenn ich “Abgrenzung, Provokation oder Verwirrung” schreibe, ist’s bei dir “nur der provo wegen”. Das Problem ist überhaupt nicht, in irgendeinem Gespräch zu bleiben, das Problem ist, dabei nicht nur als Projektionsfläche zu funktionieren.

    @ Antifaschist

    “ist in Deutschland doch keine Schande…”

    Und das ist ein Argument dafür? Du kennst mich wohl wirklich besser als ich mich selbst.

    @ lasterfahrer

    Es haben wenige wahrgenommen; wer mich kannte, fand’s zumeist korrekt oder zumindest passend; außer den Antifa-Dudes hat sich niemand merklich dran gestoßen. Aber wie gesagt, um Provokation ging’s mir nicht allein, eigentlich nicht mal vorrangig.

  8. Salonanarchist Says:

    Demo war irgendwie gruselig, von 9/11 Truther Spackos, anscheinend Straßen aus Zucker hassenden ARAB Mackern über diverse Parteien waren genug Gründe anwesend nächstes Jahr auf ne Teilnahme zu verzichten.
    Bin dann vor dem antikap Block gelaufen bei den netten Ärzten

  9. t Says:

    Wenn ich “Abgrenzung, Provokation oder Verwirrung” schreibe, ist’s bei dir “nur der provo wegen”.

    nein, schliesslich hast du dich gegen das schild und “stattdessen” für die reine provokation entschieden.

    Das Problem ist überhaupt nicht, in irgendeinem Gespräch zu bleiben, das Problem ist, dabei nicht nur als Projektionsfläche zu funktionieren.

    ersteres ist kein problem, deswegen machst du’s. letzteres ist ein problem, deswegen lässt du’s. klingt logisch.

  10. classless Says:

    @ t

    Und noch mal: das Shirt war nicht nur und nicht mal vorrangig als Provokation gedacht, hat auch nicht so funktioniert, und vielleicht denkst du mal drüber nach, warum es für dich nur so vorstellbar zu sein scheint.

    Du möchtest mich gern als den hirnlosen Selbstdarsteller sehen, der immer die Publicity über die Inhalte stellt, und damit bist du ja auch überhaupt nicht allein.

    Also werde ich weiterhin diese unglaublich massenkompatible Musik machen und allen immer nur nach dem Mund reden, mich überall mit allen Mitteln beliebt machen und die Ernte in Form von haufenweise Kohle einfahren – nur für dich! (Und all die anderen, die das so sehen wollen…)

  11. posiputt Says:

    also ich weisz nicht. die vorstellung, classless koennte ein rechtmacher sein, will sich mir nicht so recht erschlieszen. es finden sich doch genug leute, die immer wieder auf seine politische untragbarkeit, seinen schlechten charakter und geschmack hinweisen. ist das wieder so eine “man wird ja wohl noch sagen duerfen”-halluzination? mehrheitsmeinung als randposition umdeuten und sich damit zum helden machen? spannend :)

  12. nonono Says:

    @ posiputt

    Hm, “t” als Sarrazin der schweigenden linken Mehrheit bzw. Minderheit? Interessanter Gedanke…

  13. posiputt Says:

    @nonono naja sarrazin ist dafuer halt grad ein prominentes beispiel, aber so funktionieren doch ganz viele menschen und zusammenhaenge.

  14. Antif Erkner Says:

    Sag mal hast du wirklich dieses “1 Shoot. 2 Kills” T-Shirt getragen oder ist das mal wieder die übliche Diffamierung der Antiimps und du hattest nur ein IDF-Shirt an?

    Das erste wäre für mich schon klar (ne arg peinliche) Provo und inhaltlich ebenso “crazy” wie diese ganze Truther-Scheisse. Hätte dich eigentlich nämlich für etwas – ähh – postpubertärer gehalten…

  15. t Says:

    Und noch mal: das Shirt war nicht nur und nicht mal vorrangig als Provokation gedacht, hat auch nicht so funktioniert, und vielleicht denkst du mal drüber nach, warum es für dich nur so vorstellbar zu sein scheint.

    nochmal? wofür war das shirt (vorrangig) gedacht? hab ich das wohl böse missinterpretiert:

    Ich hatte angenommen, damit auf der ganzen Demo mehr Ärger auszulösen [...]

    hab drüber nachgedacht und es scheint für mich genau dieses zitates und deswegen so denkbar, weil du selbst erst “Abgrenzung, Provokation oder Verwirrung” schreibst, dich aber “stattdessen” für das shirt entschieden hast. ich halte dich schon für so erfahren, dass du weisst mit diesem shirt nicht zu verwirren, wohl aber zu provozieren (“ärger auslösen”). (die abgrenzung ist geschenkt)

    deinen letzten absatz verstehe ich nicht. du bist musikalisch? schön für dich.

    ebenso @posiputt:

    natürlich ist er kein rechtmacher, im gegenteil. behauptet ja auch niemand.

    ps: ach classless, und wie ich dich sehen will weisst du nochmal woher? ich sehe hier nur dein eben zitiertes und die aktion mit dem shirt und schliesse daraus auf reine provo. das hat doch mit sehen wollen nix zu tun. das ist wie hakenkreuze bei punkern, das will ich auch nicht als provo sehen, es drängt sich mir nur einfach auf.

  16. ARAB Macker Says:

    Jo, Salonanarchisten wie dich wollen wir auf solch einer Demo auch nicht sehen, schließlich sind wir angetreten um jeder emanzipatorischen Bestrebung in Berlin den Gar aus zu machen. Kann ja nicht sein, das Menschen mit Brille zu entscheiden haben, was hier läuft und was nicht.
    Wir ha$$en Stra$$en aus Zucker, mit kolumbianischen Koks können wir mehr anfangen, bitte abgeben an unsere Schwarze Risse Adresse.

  17. » 9/11 und so | kotzboy.com Says:

    [...] (massenmedien reden ergreifend naiv von einer demo pro “datenschutz“ kulla war mit idf-shirt dabei), zumal an diesem datum, ein schaulaufen der verschwörungstheoretiker, die hinter allem übel der [...]

  18. classless Says:

    @ Antifa Erkner

    Ich hatte nicht das Shirt an, das bei Indymedia zu sehen ist, sondern das, was ich im Posting verlinkt habe.

    @ t

    Oh Mann.

  19. Hannes G. Says:

    Diejenigen, die das T-Shirt als Provokation auffassen, sind die Provokation. Keine für die Mehrheit, aber eine für die Vernunft.

  20. tim Says:

    Als wirkliche Provokation empfinde ich es eine solche Demo am 11. September zu veranstalten. Erstens hätten vielleicht ein paar brauchbare Überwachungsmaßnahmen 3000 Menschenleben damals retten können. Zweitens ist es doch wirklich nicht verwunderlich, dass ein solcher Anlass und ein solches Datum auch Verschwörungstheoretiker anzieht.

  21. fussballvonlinks Says:

    ich war ja lieber beim fussball ;)

    http://fussballvonlinks.blogsport.de/2010/09/13/nevermind-freiheit-statt-angst-this-is-03-vs-hro/

  22. verschwörungsblabla am 11.september « im*moment*vorbei Says:

    [...] ich hab mir diese freiheit-statt-angst-demo in diesem jahr nicht gegeben. aber gnurpsnewoel hat ein paar schöne fotos von den vögeln online, die sich da immer so rumtreiben… via classless.org [...]

  23. Tocoegotronix Says:

    Hannes G.

    Pure Leipziger Allerleivernunft darf jedoch niemals siegen!

  24. Donauwelle Says:

    @classless – Hättest Du’s rechtzeitig gesagt, hätte ich Dir ein soziallibertäres “Mehr Anarchie wagen” malen können, ein neodiskordisches “Freiheit statt Demokratieidealismus” oder auch ein ökokommunistisches “Datenschutz ist Umweltschutz.” Die Fragestellung was wäre wenn gute Leute im System drankommen würden ist ohnehin hypothetisch. Wären diese Leute tatsächlich integer dann würden sie sofort merken dass das System derart missbrauchsanfällig ist dass Sie es von Grund auf umbauen müssen. So kann nur fragen wer sich mit dem Themenfeld (Macht-)Missbrauch noch nicht persönlich auseinanderzusetzen brauchte.

    @tim – Der Zweck von Überwachungsmaßnahmen ist allein die Persönlichkeitszerstörung, zur Wahrheitsfindung sind sie immer unbrauchbar. Auch wenn Usama bin Laden davor ebenso “psychologically mistreated” (wiki) worden wäre wie später Sharam Amiri hätte das am Bewußtseinsstand der Durbankonferenz überhaupt nichts geändert. Außerdem gibt es eine Theorie die besagt dass genau dies geschehen ist.

  25. mhm Says:

    wahrscheinlich wollten die andren demoteilnehmer ähnlich provozieren wie du mit deinem IDF shirt. nur du hast es natürlich verstanden während die anderen verschwörungstheoretiker sind.

  26. classless Says:

    Wenn sie provozieren wollten, hat das noch schlechter geklappt als bei mir.

    Was ist dieses “es”, das ich verstanden habe? Und wie oft muß ich eigentlich sagen, daß ich “Verschwörungstheoretiker” für ein kontraproduktives Pauschallabel halte?

  27. classless Says:

    @ Donauwelle

    Ich kann keine Mails an dich schicken. Ansonsten korrigier doch bitte selbst und stell neu ein!

  28. Donauwelle Says:

    @classless – Kann ich auch mit leben, allerdings nicht rückwirkend. Erst fertig aufräumen, dann neue Regeln, sonst komm ich nicht drauf klar!

  29. classless Says:

    @ Donauwelle

    Kann dir nach wie vor keine Mails schicken – die werden alle gebounct…

  30. @myrenewal Says:

    Danke für die Verlinkung meines folgenden Tweets:

    “Heute vor neun Jahren wurde mit großem Spektakel der Grundstein für die Weltregierung gelegt, deren Symptome wir auf der #FsA10 bekämpfen.”

    Allerdings hätte mich eine vorherige Rückmeldung gefreut, bevor Du meinen Tweet als vermeintliches Paradebeispiel für eine Deiner Schubladen der Lächerlichkeit preisgibst:

    “Trotz vereinzelter Anzeichen vorher war hingegen etwas überraschender, wieviele “9/11 Inside Job”-Leute über die ganze Demo verstreut mitliefen[...]”

    1) Ich bin in der Tat der Meinung, dass auf dem Fundament 9/11 die Pläne einer Weltregierung zumindest besser gedeihen können und unsere Freiheiten stark gelitten haben. Die Bemühungen, nationale Souveränität abzuschaffen, sind vielerorts evident.
    2) Dass es mit großem Spektakel geschah, wissen wir ebenfalls.
    3) Ich habe aber nichts von einem “Inside Job” geschrieben und übrigens in einem sich anschließenden Dialog auf Twitter betont, dass ich ja schlecht wissen kann, wer für die Anschläge verantwortlich war. Diesen Dialog hast Du offenbar nicht gelesen.

    Bevor man einzelne Tweets in bestimmtem Kontext zitiert bzw. verlinkt, fände ich es richtig, mal abzuklopfen, ob sie richtig interpretiert sind oder dem Autor wenigstens ein ping zu geben im Sinne “Ich habe Dich hier oder dort zitiert – gib Deinen Senf im Kommentarbereich dazu, wenn Du möchtest”. Eine kurze Reply oder DM ist doch nicht zuviel verlangt.

    Thx
    @myrenewal

  31. classless Says:

    “Diesen Dialog hast Du offenbar nicht gelesen.”

    OMG!

    “gib Deinen Senf im Kommentarbereich dazu, wenn Du möchtest”

    Genau, machste doch.

  32. Donauwelle Says:

    @classless – Merkwürdig, hast Du das auch bei anderen GMX-Kunden oder nur bei mir? Fehlausfilterungen kommen mit dem dortigen Spamschutz fast nicht vor, wenn Fehldurchlässe ebenso selten wären wäre schön.

  33. classless Says:

    Meine Mails bouncen nur von dir. Meldung: “Sorry, your envelope sender has been denied: The recipient does not want to receive mail from your address.”

  34. Donauwelle Says:

    Hoppla, da war tatsächlich was gewesen, aber jetzt sollte es wieder gehen. Keine Ahnung woher, womöglich habe ich mal eine Mail von Dir versehentlich in den Spamverdacht geklickt und beim Wiederrausholen ist der Blacklisteintrag geblieben?

  35. xxx Says:

    kulla ist wirklich der größte dummschwätzer.
    hab leider keine argumente die sinn machen in deinem buch gefunden.

    du fascho!

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