Die Dresden-Situation

February 9th, 2011

Nachdem es jahrelang fast allein an der Dresdner Antifa gehangen hatte, gegen den größten Naziaufmarsch Europas zu mobilisieren, nahm sich vor zwei Jahren ein bundesweites Bündnis der Sache an und schaffte es im vergangenen Jahr, die versammelten Nazis zumindest größtenteils zu blockieren. Dabei geriet aber zusammen mit vielen grundsätzlichen Positionen die in den Vorjahren stets thematisierte Frage aus dem Blick, warum die Nazis sich in Dresden eigentlich so willkommen fühlen.

Ihnen wurde nämlich von der Stadt immer wieder förmlich der Teppich ausgerollt, und selbst wenn es nun unbestritten auch von offizieller Seite in Dresden ernstgemeinte Bestrebungen zu geben scheint, die Nazis loszuwerden, bleibt der öffentlich zelebrierte Opferkult, die wichtigste Einladung an die Nazis, weitgehend unangetastet:

>>Im Sommer 2010 wurde auf dem Dresdener Heidefriedhof ein Denkmal mit dem Titel »Tränenmeer« eingeweiht. Die Skulptur zeigt ein zierliches, weinendes Mädchens, das vor einem Wasserbecken steht. Der Mythos von der unschuldigen Stadt wurde in Bronze gegossen. Die Öffentlichkeit hatte sogar Gold gefordert.<<

Im Vorfeld der diesjährigen Auseinandersetzungen hat das Verwaltungsgericht Dresden über letztes Jahr geurteilt, die Polizei habe „rechtswidrig unterlassen, durch geeignete polizeiliche Mittel den Aufzug der Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland (JLO) zu gewährleisten”. Für diesmal werden die Nazis auf die Altstädter Elbseite sortiert, auf der “mit Ausnahme einer Mahnwache vor der Synagoge alle Gegenveranstaltungen” von der Stadt untersagt wurden. Der AK Antifa Dresden gibt sich aber gelassen und macht alles davon abhängig, ob dem “Einschüchterungsversuch” widerstanden wird.

Zum ersten Mal verteilt sich das Geschehen nicht nur auf verschiedene Tage, sondern verschiedene Wochenenden. Am 13. Februar selbst finden der Kranzabwurf auf dem Heidefriedhof, das stadtoffizielle Opfergebimmel in der Altstadt und ein “kleinerer” Naziaufmarsch voraussichtlich vom Hauptbahnhof statt. Gegen all dies wird – “in offener Feindschaft zu deutscher Ideologie und kapitalistischen Normalvollzug” – unter dem Motto “Licht aus! Destroy the Spirit of Dresden!” mobilisiert.

Am Samstag, dem 19. Februar, treffen dann die große Nazidemo und die bundesweite Mobilisierung von “Dresden Nazifrei” aufeinander.

Schon diesen Freitag gibt es eine Soliparty in der Chemiefabrik (“Beats & Bombs”) und ein Solifestival in der Scheune mit Frittenbude unter der Überschrift “Bombe drauf”:

Egotronic-TV hat eine Spezialausgabe zu Dresden produziert, deren Anfang aus dem uglydresden-Video zu unserem Track “Dresden Calling” besteht:

6 Responses to “Die Dresden-Situation”

  1. steinkauz Says:

    vgl:

    http://afg.blogsport.de/2011/01/24/die-linke-formierung/

  2. cooper Says:

    Woher ist denn das Sample “Dresdens schönster Platz”? Hätte das gerne einzeln ;)

  3. classless Says:

    @ cooper

    Folge mal dem uglydresden-Link und frag vielleicht dort einfach nach…

  4. torsun Says:

    wie gestern angekündigt, kommt hier die neue version:
    http://www.youtube.com/watch?v=3I3xfFYynbQ

  5. istari papkarton Says:

    warum wurde die egotronic tv folge den nachbearbeitet?

  6. torsun Says:

    mein anwalt meinte, es hätte es bilder-rechtlich ärger geben können und ich war der meinung: wenn anzeige, dann wegen der rede und nicht über die hintertür bilder.

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