Flattered by money?

June 3rd, 2010

Irgendwo zwischen den ökonomischen Überflüssigkeitsängsten der “Content-Produzenten” und Tim Pritloves “Kostenloskultur, my ass! Ich habe daran nie geglaubt” wächst gerade die Minizuwendungsplattform bzw. “Dankbarkeits-Ökonomie” (netzfeuilleton) namens Flattr heran. Was im Netz ohnehin viel gelesen wird, spielt für die Verfasser bereits etwa ihre Strom- und Internetrechnung ein.

Da ist sie mal wieder, die Idee vom guten kleinen Markt, der fair und einfach das Gute belohnt. Aber fühle ich mich geschmeichelt (“flattered”), wenn mir jemand Geld gibt? Normalerweise sieht er sich doch entweder gezwungen, mir eine Ware oder meine Arbeitskraft zu bezahlen, oder ich errege sein Mitleid, etwa indem ich wie letzten Herbst kurzerhand bettele oder irgendwie abgerissen wirke.

Flattr dürfte in bisher nur oberflächlich ökonomisierten Bereichen des Internets das Zusammenwachsen von Wertschätzung mit Wertschöpfung befördern, das meist eher sportliche Schielen auf den Traffic durchs Starren auf die Flattr-Clicks ersetzen, die Ausrichtung der Inhalte auf die Vorlieben der zahlungskräftigen Lesenden und weg von den weniger Zahlungsfähigen und -willigen begünstigen. (Im Herbst bekam ich ja auch fast nur von Leuten aus der IT Geld, während aus den Bereichen Kunst, Kultur und Aktivismus fast nur zu hören war, daß sie selbst vielleicht noch abgebrannter seien…)

Benni Bärmann kommentiert:

>>Verbindlichkeit ist nur da wo Geld ist. Haben wir ein Glück dass die Millionen von Peer-Produzenten, die das Internet am Laufen halten, davon nichts wissen. Als sei Anerkennung das Problem im Internet. An Anerkennung mangelt es doch nicht! Jede Verlinkung, jeder Kommentar, ja selbst das Facebook-Like ist tausend mal mehr Anerkennung als ein Flattr-Klick. Aber nein, das zählt ja nicht, weil es nicht “echt” ist, nicht mit “echtem Geld” verknüpft.<<

Die Chancen für eine schnelle Ausbreitung stehen entsprechend gut. Die Netzcommunity besteht zu guten Teilen aus enthusiastischen Marktradikalen, die den entsprechenden Bezahl-Button gern unter jedes Posting bauen, sich durch Geldzuwendungen tatsächlich geschmeichelt fühlen und anderen mit Geldzuwendung zu schmeicheln meinen.

Bei mir ist das anders.

Ich will Geld, weil ich mir davon Waren und Dienstleistungen kaufen kann, kurz: weil es in dieser bescheuerten Gesellschaft den einzigen halbwegs zuverlässigen Zugang zum gesellschaftlichen Reichtum darstellt. Wer möchte, daß ich weniger Zeit mit dem Gelderwerb und dem versuchten Gelderwerb und der Suche nach Gelderwerbsmöglichkeiten und dem Nachgrübeln über den Gelderwerb verbringe, damit ich z.B. mal wieder häufiger was Umfangreicheres schreibe, kann gern auf den entsprechenden Knopf klicken oder mir bei Gelegenheit einfach so was geben.



Wer mir – stattdessen oder zusätzlich – schmeicheln möchte, möge mir ein Kompliment machen.

Just my 15 cents…

5 Responses to “Flattered by money?”

  1. Flattr: Geschenkökonomie, Elendsklicks oder doch bloß einfache Abzocke? — keimform.de Says:

    [...] sich die Geschenkökonomie in einer Weise, dass sie die Miete bezahlt. Oder wenigstens ist es ein Weg ein paar Cents zusammen zu kratzen. Haben wir nicht alle genau darauf [...]

  2. Karl Käfer Says:

    Ich find dich doof, daher spende ich nicht.

  3. Gehirnschnecke Says:

    Ich find Dich toll und wenn Du mal nach Stuttgart kommst, drück ich Dir nen Zehner in die Hand. Versprochen.

  4. classless Says:

    @ Karl Käfer

    Stimmt, das ist eine weitere Möglichkeit!

    @ Gehirnschnecke

    Wenn ich nach Stuttgart komme, kriege ich vermutlich was dafür – da würd’s dann auch ‘ne Tüte tun ;-)

  5. Silvia Says:

    Ich finde dich gut und spendiere dir jetzt einen heißen Holunder.

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