Ökonomischer Gottesdienst, Beobachtung und Belästigung

May 30th, 2008

Die Hölle sind die Revisoren. Werden niemandem vorgestellt, kommen unangekündigt und fragen alle aus, als wäre nichts. Es ist aber was: Wer schon länger dabei ist oder mal “Office Space” gesehen hat, weiß, daß Kollegen mit den “falschen” Antworten oder dem “falschen” Verkaufsverhalten plötzlich nicht mehr kommen.

Schwer einzuschätzen ist, inwiefern die Ankumpelei als besonders perfide Masche eingesetzt wird – als die sie auf jeden Fall funktioniert – oder die Revisoren, die hier Verkaufsanalysten oder Optimizer heißen, selbst glauben, sie würden ganz locker mit den Mitarbeitern ins Gespräch kommen und etwas Substantielleres rausbekommen als snafu-zerbombte Kriterien für eine willkürliche Auslese des Personals.

Ohne Frage scheint ihnen der Zusammenhang zwischen ihrer Beobachterei und dem sofort total verkrampften und nervösen Verhalten der Beobachteten nicht klar zu sein: daß sie hier eine vollkommen absurde Situation erzeugen, in der alle verzweifelt versuchen, das zu tun, was ihnen am häufigsten vom Management eingebläut wird: proaktive Kundenansprache. Dabei läuft der Laden nur, weil das sonst meist unterbleibt. Nach einer Stunde Revisor-Präsenz gehen die ersten Kunden entnervt weg, weil sie in dichter Folge von vier Kollegen proaktiv belästigt wurden.

2 Responses to “Ökonomischer Gottesdienst, Beobachtung und Belästigung”

  1. godforgivesbigots Says:

    Gefechtsbereitschaft!

    Wie funktioniert das für die Gegenseite? Die fahren spazieren und tippen nach Vorurteil potentielle Dienstnachvorschrifttuer, um diese dann überrumpelungsartig unter Streß zu setzen, auf dass sie straucheln und den Mut verlieren? Wenn sie schon verdeckt in der Rolle des Kunden auftreten, wieso legen sie es darauf an sich zu erkennnen zu geben bevor sie wieder gegangen sind?

  2. classless Says:

    Nee, das sind keine Testkäufer – das ist ja noch mal was anderes. Die sind zwar genauso leicht erkennbar, obwohl sie undercover sein sollen, haben aber nicht so viel Entscheidungsbefugnisse wie die letztlich offen agierenden Revisoren.

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