Ökonomischer Gottesdienst, Leistungsprinzip

Wednesday, July 30th, 2008

Wenn ich mich den ganzen Tag anstrenge, aber einfach wenig los ist und die Zeit sich zäh dahinschleppt, verdiene ich wenig. Habe ich besonders schwerwiegende Anfragen zu klären, was zeit- und nervenaufreibend ist, die Zeit aber nicht schneller rumbringt, kriege ich dafür gar nichts. Wenn der Tag verfliegt, verdiene ich viel Geld. Wenn der Tag [...]

Ökonomischer Gottesdienst anderswo

Thursday, June 26th, 2008

Bauhaustapete trägt seine Arbeitskraft nicht in den Einzelhandel, sondern auf den Bau. Dort ist alles etwas weniger subtil:
>>Sätze aufm Bau machen übrigens nur Sinn, wenn sie mit “die Scheisse” aufhören, die Scheisse.

Ökonomischer Gottesdienst, Beobachtung und Belästigung

Friday, May 30th, 2008

Die Hölle sind die Revisoren. Werden niemandem vorgestellt, kommen unangekündigt und fragen alle aus, als wäre nichts. Es ist aber was: Wer schon länger dabei ist oder mal “Office Space” gesehen hat, weiß, daß Kollegen mit den “falschen” Antworten oder dem “falschen” Verkaufsverhalten plötzlich nicht mehr kommen.
Schwer einzuschätzen ist, inwiefern die Ankumpelei als besonders perfide [...]

Ökonomischer Gottesdienst, Prioritäten

Wednesday, May 28th, 2008

Vor die Billigangebots-Tische in der Software-Abteilung wird heute eine Schutzwand aufgebaut, damit die Verpackungen in der Sonne keinen Schaden nehmen. Die Wand hört unmittelbar vor dem Buchungscounter auf, an dem die jeweiligen Mitarbeitenden bei über 30 Grad Raumtemperatur und fehlender Belüftungsanlage täglich bis zu vier Stunden beschienen werden.

Ökonomischer Gottesdienst, Motivation

Thursday, May 8th, 2008

Ich (zum Kollegen): “Das große Karthago machte drei Tage Promotion. Es war noch fit nach dem ersten, noch zurechnungsfähig nach dem zweiten. Es war nicht mehr auffindbar nach dem dritten.”
Bereichsleiter (im Vorbeilaufen): “Dann in der zweiten Wochenhälfte noch mal richtig Gas geben!”

Ökonomischer Gottesdienst, Motto

Saturday, April 26th, 2008

Warenpräsentation für Kunden, die sagen möchten: “Wir nennen es nicht nur so, es soll wirklich auch so aussehen, als wäre es Arbeit!” Die Kunden, denen sich der Sinn erschließt, beziehen es aber ganz bestimmt nur auf den Laden, nicht zuletzt weil die wenigsten von ihnen aus Friedrichshain hier rauskommen.

Ökonomischer Gottesdienst, Synkretismus

Monday, April 21st, 2008

Der Gläubige hält verwirrt inne. Welcher Ware soll er folgen? Oder sind sie - der Markt bewahre - gar keine wetteifernden Waren, spielen sie sich gegenseitig die Gläubigen zu? Gibt es eine geheime Absprache, hinter dem Rücken der Gläubigen wie der sich flammend und fromm wechselseitig verleumdenden Prediger?

Ökonomischer Gottesdienst, Missionierung

Friday, April 18th, 2008

Anleitung für die auch noch so bezeichnete “Mission”:
>>Schrecken Sie daher nicht vor proaktiver Kundenansprache zurück, der interessierte Kunde wird es Ihnen danken und jedes “Nein” ist für Sie ein weiterer Meilenstein auf Ihrem Weg zum Topverkäufer!

Ökonomischer Gottesdienst, Lage der arbeitenden Klasse

Thursday, April 17th, 2008

Richtige Mitarbeiter gibt es hier im Laden nur wenige, hauptsächlich, weil das niemand lange genug aushält. (In der mittleren Leitungsebene finden sich Mittzwanziger, die kaum mehr verdienen als ihre Kollegen, kaum weitere Aufstiegschancen haben und vor Zahlendruck ständig zu bersten drohen.)
Meine Theorie ist, daß es genau so viele feste Mitarbeiter gibt, wie es ohne Betriebsrat [...]

Ökonomischer Gottesdienst, Priesterwahl

Thursday, April 3rd, 2008

Ein Kunde ruft an, weil er einen Vertrag abschließen möchte. Ich sage ihm, er müsse nur herkommen. Er darauf: “Den Tag war ich schon da gewesen, da war nur ein Vietnamese da.”

Ökonomischer Gottesdienst, Klassen-Snafu

Friday, March 28th, 2008

Der Kollege kann den Unterschied zur Planwirtschaft einfach nicht erkennen: Jemand aus der oberen Etage ermittelt morgens nach dem Aufstehen aus der Sternenkonstellation und seinem Mittelstrahlurin das “Ziel”, das ab diesem Zeitpunkt alle Mitarbeiter freiwillig zu erfüllen haben.
Abhängig vom Erreichen dieses Ziels ist die obere Etage bei ihren Kontrollgängen sauer oder weniger sauer. Kommunikation zwischen [...]

Ökonomischer Gottesdienst, Überwachung

Wednesday, March 26th, 2008

Zur Abwechslung mal aus einem anderen Laden:

Die Lidl-Protokolle.
(via Zeitrafferin)

Ökonomischer Gottesdienst, Herde

Thursday, March 13th, 2008

Es ist niemals genug, nicht mal für einen Moment. Bei dem Versuch, aus dem Vielen noch mehr zu machen, steht einfach alles im Weg herum und muß weg.
Was erst als Ausnahme erscheint: Die obere Etage (bzw. hier das Hinterzimmer) gönnt sich bei der Auswahl des Menschenmaterials einige außerwirtschaftliche Ausschlußkriterien (Ausländer, Schwule usw.). Auf den [...]

Ökonomischer Gottesdienst, Licht und Scheffel

Monday, December 3rd, 2007

Das Namensschild dranlassen und bei den gastronomischen Einrichtungen in der nähreren Umgebung begünstigt werden oder das Namensschild lieber abnehmen, um nicht in der Pause von unzufriedenen Kunden mit der Firma identifiziert und angemacht zu werden?

Ökonomischer Gottesdienst, Protestantin

Saturday, December 1st, 2007

Kundin aus dem Prenzlauer Berg erkundigt sich nach der internationalen Telefonflatrate. Ich zähle einige der enthaltenen Ländernetze auf, darunter, weil regelmäßig nachgefragtes Alleinstellungsmerkmal dieses Angebots, Israel.
Sie: “Ist ja klar, Israel ist drin, die arabischen Länder sind draußen.”
Ich: “Das hat wohl mit den Verbindungspreisen zu tun.”
Sie, aufgeregt: “Das ist die Achse des Bösen. Ich hätte gern [...]

Ökonomischer Gottesdienst, Zusatzverdienst

Sunday, November 4th, 2007

Kollege: “Der ist noch ein richtiger Propagandist.”
Ich: “Genau, ein Drücker.”
Anderer Kollege, der Pre-Paid-Karten schreibt: “Ein Schieber. Oder ein Abschieber. Das wäre ich gern. Wenn ich bei den Kojoten sehe, daß mit der Aufenthaltserlaubnis was nicht stimmt - einfach beim Amt anrufen und weg sind sie. Wenn ich dafür Prämie kriegen würde, würde ich das machen.”

Aber Glauben!

Wednesday, February 28th, 2007

>>Götzendienst ist Religion, die Unterscheidung von religiösem und ökonomischem Götzendienst etwa so wie von einem runden und einem großen Kreis.

Ökonomischer Gottesdienst, Pausengestaltung

Tuesday, November 14th, 2006

Mal wieder im Westteil der Stadt und siehe da: im Pausenraum geht es nicht um Ausländer oder Politiker. Stattdessen läuft ein Fernseher, auf den alle schauen, um sich an Dicken, Häßlichen, Schwachen zu delektieren und sich darüber aufzuregen, sowas sehen zu müssen. Zu allem haben die Mitarbeiter eine Meinung: Kinderschänder - “Schwanz ab!”; die sind [...]

Ökonomischer Gottesdienst, After Hour

Saturday, November 11th, 2006

Hm, hätte man denken können, da steht endlich mal ein Promoter neben dem Aufbau von Guitar Hero, der hat Version 2 mit anderen Songs dabei, das könnte auf die Art weniger anstrengend werden als zuletzt.
Doch es kam alles ganz anders. Einerseits war ich gestern zu lange unterwegs, vermutlich weil ich mich nach einsetzender Vergegenwärtigung des [...]

Ökonomischer Gottesdienst, Jugendmesse

Thursday, November 2nd, 2006

Im Werbeaufbau der Playstation 2 lagern ganztägig Teenies mit meist langen Haaren, meist männlich, und spielen auf einer Plastegitarre mit farbigen Knöpfen die recht stereotyp animierten Song-Vorgaben von “Guitar Hero” nach, in 90% der Fälle “Smoke on the water” oder “I wanna be sedated”.