“Schwarzafrikaner stellen sich leicht tot”

December 12th, 2008

Dessau Richter

>>Zwei Tote. Zwei Tote schwarzer Hautfarbe. Zwei Tote schwarzer Hautfarbe in zwei deutschen Polizeizellen. Der eine, Laya Condé, starb im Januar 2005 in Bremen, als ihm gewaltsam Brechmittel eingetrichtert wurden. Der andere, Oury Jalloh, verbrannte im Januar 2005 während der Ausnüchterung in Dessau.

Beide Männer gerieten vermutlich ins Visier der Polizei, weil sie Schwarze waren. Beide wurden erniedrigt, lächerlich gemacht, gequält und getötet. Auf beiden Polizeiwachen wurden rassistische Kommentare und Klischees geäußert (»Schwarz­afrikaner stellen sich leicht tot«), die sicher auch das Verhalten der beteiligten Ärzte beeinflussten.

Dieser Tage sprachen zwei deutsche Richter ihre Urteile: Freispruch in Bremen, Freispruch in Dessau. In Deutschland sterben zwei Männer im Polizeigewahrsam, niemand ist strafrechtlich dafür verantwortlich, und das war’s dann. Das damit ausgesendete fatale Signal – es ist egal, was mit schwarzen Verdächtigen in deutschen Polizeizellen passiert – entsetzt nicht nur die Black Community hier und in vielen anderen Ländern. Es ist prinzipiell äußerst beunruhigend.<<(Jungle World)

Bei Spiegel Online endet der Videobericht mit der Darstellung Oury Jallohs als Triebtäter im Drogenrausch. Damit wir alle wissen, daß er’s verdient hat.

26 Responses to ““Schwarzafrikaner stellen sich leicht tot””

  1. gurk Says:

    Gibts da Quellen zu dem “… stellen sich leicht tot”? Google findet nur dein Blog, nichtmal die Jungle.

  2. NUB Says:

    Obwohl in diesen Fällen ein Fehlverhalten, auch ein strafbares Fehlverhalten weiterhin vermutet werden kann, muss man trotzdem darauf hinweisen, dass es eigentlich nicht die Aufgabe der Justiz in einem Rechtsstaat ist, politische Signale auszusenden. Gleich welcher Art. Da dies in der Praxis oft anders ist, muss man aber zustimmen, was die Signalwirkung angeht. Eine unabhängige Justiz könnte aber auch zum Urteil “unschuldig” kommen, wenn dies die Beweislage einfach so hergibt. Auch wenn es politisch noch so verheerend ist.

  3. knecht Says:

    das foto ist erschütternd, sagt eigentlich mehr als worte !

  4. set fire! Says:

    Written signed off in the obituary
    what happened to us?!
    where’s your anger?!
    where’s your fuckin’ rage?!
    where’s your anger?!
    where’s your fuckin’ rage?!

  5. classless Says:

    @gurk

    Ich hab’s aus der Jungle zitiert und den Artikel verlinkt.

    @NUB

    Wer oder was ist denn eine “unabhängige Justiz”?

    @ knecht & set fire

    Word.

  6. NUB Says:

    @classless

    Theoretisch eine Justiz, deren Arbeit nicht von den kurzfristigen Interessen und Anliegen einzelner Politiker, von Beamten oder der ganzen Regierung beeinflusst wird, um deren persönliche oder ideologische Vorhaben zu unterstützen. Natürlich ist keine Justiz im wortwörtlichen Sinne unabhängig, da sie ja einen Gesetzgeber braucht. Das ist aber selbstredend nicht dasselbe wie eine Justiz, die ein Urteil spricht, damit sich Minister XY und Partei YX freut. In der DDR etwa arbeitete die Justiz z.T. daran mit, die Macht der SED zu unterstreichen und den Bestand des herrschenden Regimes zu sichern. Eine stark an politischen Vorgaben ausgerichtete Justiz findet man z.B. auch in der VR China.

  7. huehnerei Says:

    »stellen sich gerne brennend« wäre ja wohl angebrachter gewesen. kotz.

  8. Malte Says:

    @ NUB

    Das heißt, du stellst dir eine Justiz vor, die keine Werturteile fällt außer ihre eigenen?

  9. Pfundi Says:

    Mh, habe kürzlich in der Süddeutschen gelesen, dass der Richter eigentlich gar nicht der eigentliche Bösewicht sei. Er musste mit einem Freispruch urteilen, weil die Polizei derart blockiert habe; eine Polizistin mit belastenden Aussagen sei psychisch fertig gemacht worden, sie befinde sich nun in Behandlung, die Anderen seien auf Linie gebracht worden. Deswegen seien nun staatsanwaltich Ermittlungen wegen Falschaussagen und so gegen die Polizisten aufgenonmmen worden. Die Indymedia-Artikel erwähnen das nirgends.
    Verwechsele ich etwas?

  10. Gehirnschnecke Says:

    Der linke Robocop sieht wirklich so aus, als wolle er nur die Würde des Menschen schützen wollen.

  11. NUB Says:

    Malte

    Im Ideal eher eine Justiz, die sich an nachweisbaren Tatsachen orientiert, nicht an deren politischer Aufladung oder an Interessen von Einzelpersonen. Wie gesagt ist das Ideal ohnehin nicht realisiert, daher ist es auch möglich, sofort parteiisch zu sein. Und Rassismus gibt es ja wirklich, keine Frage.

  12. Malte Says:

    @ NUB

    Hm, ich nahm immer an, das die Justiz auf der Grundlage der vorgebrachten und geprüften Fakten dann auch noch Urteile fällt.

  13. NUB Says:

    Malte

    Und? Wo ist jetzt der Widerspruch? Die Urteile orientieren sich an den zu ermittelnden und geprüften Fakten. Und an zur Verfügung stehenden Zeugen. Kann man einem Beschuldigten die Tat nicht nachweisen, wird er freigesprochen. Oder welches Urteilskonzept schwebt Dir vor?

  14. Malte Says:

    Vielleicht liege ich damit ja auch falsch, aber es wird doch Belastendes und Entlastendes vorgetragen und dann im Urteil gegeneinander abgewogen. Und das ist doch der Punkt: die Entscheidung, das Urteil. Das ist doch keine wissenschaftliche Beweisführung, oder?

  15. NUB Says:

    Malte, richtig, es gibt Entlastendes und Belastendes. Natürlich kann es auch sein, dass ein Urteil in dem Sinne politisch beeinflusst wird, dass der Richter die Beschuldigten gerne freisprechen würde. Weil ihm selber daran liegt. Oder weil er dazu angehalten ist. Genauso kann es aber das Belastende einfach nicht ausreichen, um juristisch sauber die Schuld festzustellen. Und wenn man das nicht genau weiß, ich vermute Du weißt auch nicht so genau, was hier der Fall ist, dann sollte man vielleicht nicht zu voreingenommen sein. Zumindest aber meine ich, dass man die eigene Voreingenommenheit oder Befangenheit wenigstens erkennen sollte. Und die ist für eine gerechte Urteilsfindung immer schädlich, in die eine wie in die andere Richtung.

    Ich finde es absolut mies, sollte bei Afrikanern eine Art Untermenschenmodus aktiviert werden, der dazu führt, dass die Afrikaner immer die Schuldigen sind bzw. die anderen die Unschuldigen. Es wäre aber m.E. genauso verkehrt, die Polizei schon von vornherein für die Schuldigen zu halten, weil es halt die Polizei ist und der Fall mit Afrikanern zu tun hat. Davon abgesehen ist jede politische Empörung angemessen und verständlich. Ich will nur darauf hinweisen, dass Wahrheitsfindung dann doch nicht so leicht ist. Und dass politisches Einfärben nicht objektiver macht.

  16. cooper Says:

    Wer viel Zeit hat, dem kann ich nur empfehlen, die Prozesstagebücher zu lesen. Dann muss man hier nicht auch wild rumspekulieren:

    http://ouryjalloh.wordpress.com/die-chronologie-der-ereignisse/

  17. gurk Says:

    @classless

    Jo, das war mir schon klar. Ich habs nur komischerweise sonst nirgends gefunden. Auch grad nen kurzes site:http://ouryjalloh…chronologie etc hat nichts geholfen.

  18. classless Says:

    @gurk

    Müßte man mal bei der Jungle nachfragen.

    @ cooper

    Danke!

    @ NUB/Malte

    Kann es sein, daß Malte versucht, den Zusammenhang von Wert und Recht ins Spiel zu bringen, ohne das so zu bringen, daß es NUB verprellt?

  19. teddy scharlau Says:

    den abscheulichsten kommentar dazu hab ich in der süddeutschen gelesen. unter anderem wird darin dargelegt, dass der eine polizist kein rassist ist, da schonmal ein weißer in der selben wache beim selben polizisten umgekommen ist. und der einfach nur faul sei. und das asylbewerber eigentlich ja doch ganz schon häufig ganz schön schlimm seien.
    http://www.sueddeutsche.de/panorama/75/450792/text/

  20. classless Says:

    @ teddy scharlau

    Meine Lieblingsstelle: “Dunkelhäutige Asylbewerber, gerade auch in Dessau, fühlen sich von der Polizei schikaniert und drangsaliert, und bestimmt nicht in allen Fällen zu Unrecht.” Ach so, die bilden sich das gar nicht in jedem einzelnen Fall ein!

  21. shoogazer Says:

    was ist das für ein foto?

  22. khamp Says:

    Wie ist es denn nun mit der Würde eines jeden Menschen? Spielt die Hautfarbe, Nationalität oder Schuhgröße denn da eine Rolle? Ist die Würde unantastbar, weil es der religionfreie Ausdruck für Seele ist?
    Wer klar sieht unterscheidet nicht zwischen immigrierten oder einheimischen Straftätern oder Gesetzestreuen; wer noch klarer blickt unterscheidet nicht einmal zwischen Gut-Mensch und Böse-Mensch. Wer nicht wertet, kommt in keinen Konflikt. Wer sich hingegen, in welcher Art und Form auch immer, auf nur eine Seite stellt, diskriminiert automatisch das Pendant.

    Was sagt amnesty international zu der Debatte?:

    oury-jalloh-ein-einzelfall – ai -www.amnesty.de

  23. Cannabis Kommando Says:

    @Gehirnschnecke –

    Der linke Robocop sieht wirklich so aus, als wolle er nur die Würde des Menschen schützen wollen.

    Guck ihm doch in den Kopf:

    Das man von der linken Seite oder Migranten als Rechter,Nazi oder Rassist beschimpft wurde, das kennt man ja.

    Aber von Rechten als linkes Bullenschwein beschimpft zu werden, hat eine neue Qualität.

    Tja, Kameradschaftsnazis stellen sich leicht tödlich.

  24. Gehirnschnecke Says:

    @ Cannabis Kommando

    Tja, bald ists wohl wieder soweit, dass man den bürgerlichen Staat zusammen mit den denkenden Konservativen verteidigen muss. Ging ja schonmal schief in diesem lustigen Land.

  25. schnuupi Says:

    http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/1642027_Wenn-Polizisten-zu-Taetern-werden.html

  26. Cannabis Kommando Says:

    @ Gehirnschnecke

    Wo findet man heutzutage denn denkende Konservative?

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