Zurück in die Zukunft

December 17th, 2006

Jan Gerber hat Richtiges und Wichtiges zur Geschichte gelesen:

>>Jede Erzählung von Geschichte erfolgt aus dem Kontext der gegenwärtigen Gesellschaft. Ihre Rekonstruktion und insbesondere die Rekonstruktion ihres »logischen Fortgangs« setzt daher die Erkenntnis der Gegenwart voraus…

»Nur wenn man einen Ursprung und ein Ziel schon voraussetzt«, so Wolfgang Pohrt, »stellt sich Geschichte überhaupt als ein Prozess mit unterscheidbaren, nämlich in Relation zum Ursprung und zum Ende verschiedenen Entwicklungsstufen dar, und die Unterscheidung verschiedener Entwicklungsstufen ist die erste Voraussetzung, deren zeitliche Abfolge in einen logisch zwingenden Zusammenhang zu bringen.« Erst mit der bürgerlichen Gesellschaft und dem von ihr produzierten Glauben, der Himmel könne auch auf Erden errichtet werden, entsteht Geschichte.

Während mittelalterliche Chronisten reine Genealogie betreiben und die Zeugungs- und Gebärakte der jeweiligen Herrscherhäuser aneinanderreihen mussten, waren bürgerliche und kommunistische Historiker in der Lage, Abläufe zu analysieren, Prozesse zu benennen und von Epochen zu sprechen. Vor dem Hintergrund eines vorweggenommenen besseren Zustands fanden plötzlich Geschichte, Fortschritt, Logik und Vernunft zusammen.<<

Ruhig mal kurz darüber meditieren, was das über die vorbürgerliche Geschichtsschreibung und ihren Einfluß auf die spätere Geschichtswissenschaft aussagt. Pohrts “Vernunft und Geschichte bei Marx” darf überhaupt gern häufiger gelesen werden.

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