Lesenswertes in der Jungle World

August 9th, 2008

Während die Jungle-World-Blogs mit der niedrigen Postingfrequenz und ohne taugliches RSS bisher nicht so recht überzeugen, lohnt sich diese Woche der Blick ins Gedruckte.

Stephan Grigat über Kritik der antideutschen Kritik (ist erst ab Dienstag online zu lesen):

>>An den Rändern der antideutschen Kritik mag sich mittlerweile ein Milieu herausgebildet haben, in dem Kritik tatsächlich ersetzt wird durch Begegnungsprogramme mit israelischen Jugendlichen, Import von israelischem Hip Hop oder die Unterstützung von “israelischen Wochen” in den Lebensmittelabteilungen deutscher Kaufhausketten.<<

Stefan Ripplinger über die DDR:

>>Keine ungelesenen Bewerbungsmappen, kein verzweifeltes Ringen um Aufmerksamkeit, sondern eines darum, möglichst nicht bemerkt zu werden, schließlich auch kein Verkaufsgeschick, sondern allenthalben ein Geschick zur Verkaufsverhinderung, so war die DDR. Ging man in einen Buchladen und nahm ein Buch aus dem Regal, freute sich der Händler nicht darüber, sondern fühlte sich belästigt. So viel Geld du ihm auch auf die Theke zähltest, es bedeutete ihm gar nichts. Im Grunde schenkte er dir das Buch. »Kann ich Ihnen behilflich sein?«, »Was darf’s sein?«, so etwas hörte man nie, es ging in den Läden oder Kneipen der DDR immer so zu wie hierzulande nur im Mediamarkt oder in der Mensa.

Kurz, wer in die DDR fuhr, konnte etwas über die BRD lernen. Um dieses Wissen zu erwerben, müsste man heute sehr weit reisen, sehr viel nachdenken.<<

Gerhard Hanloser über Hans Langerhans’ Position zum Zweiten Weltkrieg:

>>Während sich viele Links- und Rätekommunisten am Defätismus zur Zeit des Ersten Weltkriegs orientierten und einen Krieg prinzipiell ablehnten, setzte Langerhans auf die Entfesselung eines totalen Krieges und hoffte auf ein Scheitern der »Friedensoffensiven Hitlers«. Er begründete dies jedoch nicht mit der besonderen Gefährlichkeit Hitlers, sondern damit, dass ein totaler Krieg die bürgerliche Ordnung der Welt umstürzen würde, denn er rechnete damit, dass »die Ordnung der Arbeit unmittelbar die einzig mögliche Ordnung der Welt« sei. Statt des planetarischen faschistischen Rates als dem möglichen Resultat eines umfassenden, aber monopolistischen Krieges würden die Stoßtruppformen »mobilisierter Arbeitervölker« den planetarischen Rätekongress konstituieren.<<

Und der letzte linke Student:

>>Allerdings: Wenn die Theorie stimmt, muss auch der Mensch dazu passen. Heißt: der Mensch muss werden wie die Theorie.<<

18 Responses to “Lesenswertes in der Jungle World”

  1. Benni Bärmann Says:

    Hm, bei mir funktionieren die Feeds vom Jungle-World-Blog schon. Allerdings ist es nervig, dass es drei verscheidene sind und natürlich dass man nur die ersten zwei Zeilen zu sehen kriegt. Aber sie wollen halt unsere Aufmerksamkeit besser durch Werbung verwerten können, deswegen wohl…

  2. lahmacun aka Laura Says:

    jetzt haste brav werbung für die zeitung gemacht, die wiederum brav werbung für dich macht. :p

  3. classless Says:

    Bin ich heute wieder warenförmig…

  4. Loona Says:

    > Stephan Grigat über Kritik der antideutschen Kritik

    Von wegen in der “Junge World”! Das ist im “dschungel”! Und ich such’ mir ein’ ab… ;-)

    Loona.

  5. e.r. Says:

    bei mir funzt der feed auch, die sollten mal lieber alle artikel für comments freischalten, die druckpresser die …

  6. saltzi Says:

    in dem grigat artikel (kurz ueberflogen) gehts doch um etwas anderes, naemlich um den den vorwurf des philosemitismus. der hinweis ueber das randmillieu ist tatsaechlich nur eine notiz, keine ahnung, warum du das als zentrale aussage verlinkst. wenn ich mich recht entsinne, ging es damals auch nicht um das ‘abfeiern’ israelischer wochen im kaufhof, sondern um den boykottaufruf israelischer proordukt einiger selbsternannter voelkerfreunde ganz allgemein.
    ganz spannend waere uebrigens auch mal, das umfeld der linken szene ganz allgemein zu betrachten. dresscodes und identitaeres gehabe sind dort vermutlich weiter verbreitet als unter mutmasslichen antideutschen und auch keine erscheinung erst in den letzten jahre. der die zerrissenste hose anhat ist immer noch der schuerfste rebell. :-)

  7. classless Says:

    Ich hab das gar nicht “als zentrale Aussage” verlinkt.

  8. saltzi Says:

    ok. dann eben nur so verlinkt. sorry.

  9. Arschkrebs (2.0/compatible) Says:

    Ich meine für mich ist der Fall klar, ihr seid alle Szene. Wenn ich euch aber ernst nehmen würde, gäbe es garkeine Szene, weil alle sich immer nur von einer ominösen “linken Szene” distanzieren, und angeblich ganz anders sind. Wer soll das denn jetzt eurer Meinung nach sein, die linke Szene?

  10. ZwischenDrin Says:

    Hey Arschkrebs!

    Du hast da was falsch verstanden. Es geht hier denke ich niemandem darum sich von der (gesamten) linken Szene zu distanzieren. Es geht darum sich von bestimmten als Mainstream der linken Szene empfundenen Einstellungen/ Diskursen/ Sichtweisen/ Politiken zu distanzieren, bzw. diese zu kritisieren. Und um die Reaktion des genannten “linken Mainstreams” auf diese Kritik.

    LG, Loona.

  11. saltzi Says:

    von mir aus, dann bin ich eben linke szene.
    mir gings aber um was anderes. diese staendige aufregung ueber identitaere antideutsche mit israelwimpeln und panzerkursen ist doch nicht die tastatur wert, auf der sie getippt wird. identitaeres gehabe gibts in der linken szene schon seit je her, darueber regt sich ja auch niemand mehr auf. ob der stern nun rot oder hellblau ist, ist sekundaer.
    ausserhalb des web 2.0 interessiert dieser alberne konflikt sowieso niemanden ernsthaft.

  12. classless Says:

    Was haben denn die Feeds für Adressen?

  13. saltzi Says:

    http://jungle-world.com/feeds/gesternblog.xml

    z.b.

  14. classless Says:

    Danke. Ich hatte nur nach /rss und /atom gesucht, Bloglines hat auch nichts gefunden, dann habe ich in einem Blog per Kommentar gefragt und keine Antwort bekommen. Naja, vorher ist man immer dümmer…

  15. lasterfahrerei Says:

    lustig ist der artikel mit dem bioethiker der behauptet das keine andere species auf der erde das essen von fleisch aus ethischen gründen ablehnt. klingt so als hätte er sich zb. mit koala bären unterhalten warum sie nur eukalyptus essen. LOL

  16. godforgivesbigots Says:

    Ja das haben die Antideutschen mit den Realsozialisten gemeinsam, und übrigens auch mit den Hackern, daß sie zum größten Teil von ihren Gegnern erfunden werden. Das Gerücht über die Antideutschen, welches der Verfasser hier abzuwägen versucht, füllt den weitaus größeren Anteil der Wahrnehmung aus als die Aktivitäten und Äußerungen der Antideutschen selbst. Deswegen auch das andauernde Gewurschtel um die warenförmige Identität die nie wirklich paßt. Vielleicht sollten bestimmte Leute einfach mal aufhören in die Antideutschen zuviel hineinzugeheimnissen.

    @lasterfahrerei – Ja die JW hätte auch “Kreationismus” oder “Intelligent Design” in die Überschrift schreiben können. wiki: Discovery Institute

  17. ZwischenDrin Says:

    > Deswegen auch das andauernde Gewurschtel um die warenförmige Identität die nie wirklich paßt.

    Aeh. Den Satz verstehe ich nicht. – Mangels Hintergrundwissen? – Kannst Du mal eben elaborieren?

  18. godforgivesbigots Says:

    @Zwischendrin – Lebensmittel, Tonträger, Winkelemente, Ansteckbuttons, Wimpel, Mützchen u. dgl. sind Waren, die der Darstellung einer Identität dienen. Gewurschtel ist meine Charakterisierung des Diskurses um diese Waren, welchen Stefan Grigat dokumentiert. Und daß dieser Identitätsdiskurs seinem Gegenstand nicht gerecht wird, eben nie wirklich paßt, ist die Grundthese seines Artikels.

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