Israel-Solidarität vorm Karl-Liebknecht-Haus

June 12th, 2010

Gastbeitrag von Scrupeda

Das Wetter war kalt und naß, die Teilnahme an der Kundgebung dafür schon wieder gar nicht schlecht (kotzboy schätzt 200 Menschen), und die üblichen Verdächtigen haben größtenteils das Übliche gesagt.


Foto: kotzboy

Hängengeblieben sind dabei folgende Schnipsel, völlig aus dem jeweiligen argumentativen Zusammenhang gerissen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, aber hoffentlich korrekt zugeschrieben:

Tjark Kunstreich prophezeite eine Säuberungswelle in der Linkspartei, die sich nun wohl der Kritiker aus den eigenen Reihen entledigen werde, und zitierte allerlei vielsagende Äußerungen von Norman Paech und Konsorten; es wurde eine Grußbotschaft von Thomas von der Osten-Sacken verlesen, die sich hauptsächlich darum drehte, wie Israel-freundlich die Kurden seien; vom Mideast Freedom Forum Berlin darauf hingewiesen, dass gerade im Iran in den letzten zwei Wochen keine große Anti-Israel Demonstration stattgefunden habe, weil sich das Regime ein solches Risiko gerade nicht leisten könne (also das Risiko, daß bei einem solchen Anlaß möglicherweise doch gegen die eigene Regierung statt gegen Israel demonstriert werden würde); die HUmmel-Antifa meinte, die Aufklärung gegen den Islam verteidigen zu müssen; die Georg-Weerth-Gesellschaft Köln berichtete, wie Die Linke in Köln sich einem Urteil anschloß, daß eine Karikatur eines fetten Kinderfressers mit Davidstern nicht volksverhetzend sei; No Tears for Krauts erklärte, die Linke sei für den Osten das, was die Hamas für Gaza sei, hielt Katja Kipping anscheinend für eine Verwandte von Rudyard Kipling, und schloss mit einem schmissigen Aufruf an etwaige Die Linke-Parteibuchbesitzer, diese zurückzugeben, was pro Parteibuch mit einer Flasche Wein aus den Golanhöhen belohnt werden werde, der allemal mehr wert sei als ein solches; Hedonistische Mitte – Brigade Mondän wies auf inhaltlich zu der Reise von Paech, Groth und Höger passende Höhepunkte in den Äußerungen von Judith Butler, Slavoj Žižek und Alain Badiou hin, die alle in den kommenden Wochen an Ort und Stelle in der Volksbühne auftreten werden, und damit üppige Gelegenheit für die Störung des kulturlinken antisemitischen Konsenses bieten.

Es waren weder in nennenswertem Umfang Schaulustige zu beobachten (Wetter!), noch gab es wie teilweise im Vorfeld befürchtet Besuch von der Krisen-Demo.

11 Responses to “Israel-Solidarität vorm Karl-Liebknecht-Haus”

  1. Nicolai Says:

    Irgendwie muss ich dich übersehen haben. Naja, nächstes Mal.

  2. classless Says:

    Meinst du Scrupeda? Ich war nicht da!

  3. » israelsoli I | kotzboy.com Says:

    [...] durchweg guten redebeiträgen und grußworten eigentlich nur 2 kalauer behalten (scrupeda hat da etwas mehr mitgeschrieben): der vorschlag von thomas von der osten-sacken, das “karl-liebknecht-haus” der [...]

  4. So hässlich | Lafontaines Linke Says:

    [...] Wer trotzdem noch mehr erfahren will, findet Näheres über Ablauf und Redebeiträge sowie Fotos hier und hier. Eines der in Sichtweite zum Karl-Liebknecht-Haus verteilten Flugblätter beginnt mit dem [...]

  5. jojo Says:

    Tja, wenn die Antideutschen DIE LINKE so schlimm finden, warum haben sie sich nicht schon lange in eine der reaktionären Parteien verabschiedet, in die sie viel besser passen.

  6. kroko Says:

    ich würd gern mehr über judith buttler und konsorten erfahren. kennt ihr da texte, berichte? freunde von mir wollen da am freitag hin. würd sie gern argumentativ umstimmen.

  7. Xenu's Pasta Says:

    komm ich mir alt vor.

    http://www.theory.org.uk/ctr-butl.htm

  8. Xenu's Pasta Says:

    Den Kommentar vor dem Link bitte ignorieren. Sorry.

  9. Scrupeda Says:

    Wenn du dem obigen Buttler-Link folgst kommst du zumindest zu einigen Zitaten und einem Video mit ihr, das koennte schonmal Ansatzpunkte bieten. Mehr habe ich aber gerade nicht – wuerde mich auch interessieren!

  10. Aktionskletterer Says:

    Es kann schon sein das die Kritisierten an Nordkorea nicht dieselben Maßstäbe anlegen wie an Israel, aber leider ist es auch so dass die Kritiker vor dem Karl-Liebknecht-Haus nicht demselben Standard folgen wie seinerzeit vor dem Thomas-Dehler-Haus. Dort kam man nicht auf die närrische Idee, Parteibücher gegen Werbegeschenke eintauschen zu wollen. Ein derartiges Politikgebaren macht den Kritikpunkt, mit einer willkürlichen Kritikabdeckung antiemanzipatorische Reflexe eines in Schadenfreude befangenen Publikums zu bedienen leider nicht gerade glaubwürdiger. Was an und für sich schade ist, da diese Meinungsverschiedenheit inhaltlich ebenso ernstzunehmen ist wie etwa der Konflikt zwischen Gelb- und Rothemden.

  11. Aktionskletterer Says:

    @so hässlich – Aus der verlinkten Polizeimeldung:

    Gegen 21 Uhr 30 erfolgte ab 22 Uhr über einen Internetaufruf ein Spontanaufzug zur Muskauer Straße.

    Was soll das heißen? Deep Packet Inspection? Ab 21:30 wurden entsprechende Demonstrationsaufrufe belauscht? Teheraner Verhältnisse?

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