Proseccosozialisten zu den Stuttgarter Bahnhofsprotesten

October 30th, 2010

>>So ist man mit einer möglichen Egal21-Haltung oder gar mit Kritik an diesem Protest sehr schnell ein „Befürworter“, denn wer nicht für uns ist, ist gegen uns. (…)

…entgegen aller Hoffnungen wurde bei diesen Protesten Themen wie Sozialabbau oder Rassismus nicht einfach vergessen; ihre Thematisierung liegt konträr zu den Interessen derer, die sowohl die Masse als auch die Klasse bei diesem Protest stellen.<<

Einschätzung des ZK der Proseccosozialisten zur Anti-S21-Bewegung: Alle Feind.
(modulator 018 – Programmheft Freies Radio für Stuttgart, via onlyaabutxxx)

31 Responses to “Proseccosozialisten zu den Stuttgarter Bahnhofsprotesten”

  1. bigmouth Says:

    wieso meinen eigentlich alle, es wäre wichtig, dass der architekt nazi war? ich würde auch einen persönlich von hitler designten bahnhof in hakenkreuzform jedem projekt vorziehen, wo aus 17 8 gleise werden sollen, und 1m inütige sbahnverspätungen den gesamten fahrplan durcheinanderwerfen können

  2. Benni Says:

    Sinnloses Bewegungsbashing. Wen bringt denn das weiter? Diese Masche immer die drei Plakate rauszufriemeln die man in irgendeine Ecke stellen kann, geht mir gehörig auf den Senkel.

  3. SollbruchPhantasien Says:

    twimc

    http://www.gegenstandpunkt.de/jourfixe/prt/2010/jf101011.html
    http://vonmarxlernen.de/index.php/demokratie-a-oeffentlichkeit/259-der-streit-um-stuttgart-21.html

  4. eisprinzessin Says:

    der benni dagegen, der benni der ist einfach bei jeder scheiße dabei. hauptsache es bewegt sich was.

  5. benni Says:

    @prinzessin: ich hab nix dagegen sich wirklich mit den Inhalten von Bewegungen auch kritisch auseinander zu setzen, aber das ist nur scheissepickerei.

  6. Welsh Says:

    Niemand ist natürlich gegen eine “kritische Auseinandersetzung”, aber dann auch bitte “konstruktiv” und so, und bloß keine “scheissepickerei” – bewegungslinker Jargon at it’s best.
    Es fehlen noch die Evergreens “keine Pauschalisierung” & “mehr Differenzierung”.

    Dass die Zitate im Blogeintrag dennoch Recht behalten und gar nicht hart genug “bashen” können (Bashen habe ich oben in der Aufzählung noch vergessen), zeigt sich darin, daß der Protest einer des Mittelstandes ist, der gar nichts weiter will, als seine Pfründe zu retten und die unten auch unten zu lassen – die da oben dürfen auch da oben bleiben; man selbst will nur – so Gott es will – ein zwei Stufen höher klimmen. Aber natürlich nicht “abgehoben” sein.

  7. Arkora Says:

    Welsh, bitteschön, deshalb werdet ihr immer eine Gruppe von ein paar hundert Wichtigtuern sein, die zwar nicht handeln, aber in Bezug auf das Handeln anderer die Klappe groß aufreißen und die eigene Wirkungs- und Bedeutungslosigkeit dann als wichtige Kritik darstellen. DER Evergreen Berufs-Basher. Oder soll ich da etwa mehr differenzieren und nicht so furchtbar pauschalisieren?

    Mit dem Differenzieren fange ich jedenfalls frühestens dann an, wenn du “Mittelstand” von “Mittelschicht” unterscheiden gelernt hast.

  8. classless Says:

    Ich bin äußerst unzufrieden damit, wie oft die Kommentardiskussionen hier mittlerweile darin enden, dass die Beteiligten, mich, dieses Blog, sein Publikum und sich gegenseitig zu Teilen irgendwelcher Kollektivsubjekte erklären und sich dann das Stereotyp davon vornehmen.

  9. Arkora Says:

    classless, da wäre ich auch genervt. Ich habe hier jetzt zweimal meine Polemik vom Stapel gelassen, und damit ist es für meinen Teil jetzt auch gut. Ich habe auch noch was anderes zu tun und werde mich in Zukunft an dieser Stelle zurückhalten.

    Aber ganz ehrlich, die Neigung sich andere “zu Teilen irgendwelcher Kollektivsubjekte erklären und sich dann das Stereotyp davon vornehmen” ist doch die Hauptbeschäftigung der dogmatischen Linksradikalen, schließlich ist “Differenzierung” oder eine einfache “kritische Auseinandersetzung” in diesem Umfeld kein Qualitätsmerkmal, sondern ein Unding.

    Und was die Protestler gegen Stuttgart 21 anbelangt: Da mache ich mir keine Illusionen in Bezug auf deren progressives Potenzial. Ich muss sie aber nicht gleich zu verlogenen Mittelschichtlern machen, die “nichts weiter wollen, als ihre Pfründe retten”, weil die gegen einen Bahnhofsprojekt demonstrieren und keine politische Ökonomie betreiben.

    Aber nochmal: Wer hier ernsthaft diskutieren will, ohne vernichtende Kritik an bestimmten verhassten Alternativgruppen zu üben, der wird hier als “Bewegungslinker” gebasht, der “bei jeder Scheiße dabei” ist. Und weißt du was, da bleib ich doch lieber bei meiner Polemik, und so daneben liegt die gar nicht.

  10. bigmouth Says:

    ist mein launiger kommentar eigentlich absichtlicher zensur zum opfer gefallen? tut mir leid, wenn für dich der ton zu daneben für deine blogkommentarspalte war…

  11. classless Says:

    @ Arkora

    “die Hauptbeschäftigung der dogmatischen Linksradikalen”, “die Protestler gegen Stuttgart 21″, “Wer hier…”

    Ich geb auf.

    @ Bigmouth

    Nee, war im Spam gelandet.

  12. ach Says:

    @welsh:

    “Niemand ist natürlich gegen eine “kritische Auseinandersetzung”, aber dann auch bitte “konstruktiv” und so, und bloß keine “scheissepickerei” – bewegungslinker Jargon at it’s best.
    Es fehlen noch die Evergreens “keine Pauschalisierung” & “mehr Differenzierung”.

    Du redest von Kulla?

  13. Benni Says:

    Hm, “Bewegungslinke”? Was macht eigentlich eine Linke, die sich nicht bewegt? “Stillstandlinke” will die ja wohl auch nicht sein, oder?

    @classless: Fandest Du meinen Kommentar auch pauschalisierend und stereotypisierend? hab ich irgendwenn in irgendeine Schublade gesteckt?

    Falls das unklar sein sollte: Alle diese Fragen sind ernst gemeint.

  14. Donauwelle Says:

    Ausgerechnet im Zentrum der deutschen Rüstungsexporte bricht der Konflikt zwischen den Aktionskletterern und der Geheimpolizei derart öffentlich aus, und nicht an der Peripherie der europäischen Bankenmetropole, wo wir noch am ehesten mit einer so wahnsinnigen Unterstützung vom Boden aus gerechnet hätten, jedoch nicht gegen die Leitkultur des Wortbruchs ankamen. Bei aller Kritik an der Bewusstlosigkeit des Aufstands sollte allerdings auch nicht außer Acht gelassen werden dass die allermeisten Beteiligten es wohl nicht mehr selber miterleben werden dass sich die Schäden am Baumbestand vollständig herausgewachsen haben werden – hier stehen unterschiedliche Zukunftsvisionen gegeneinander, und nicht politische Lager, Szenen oder Gefolgschaften.

    Wenn Europa sich eine Kontinental-U-Bahn baut bevor es sich eine Verfassung gibt, dann kann davon nur eine panoptische Integration ausgehen, welche von den Proponenten des Projekts wohl auch genau so gewollt ist. Die richtige Reihenfolge ist erst Verfassungsfindung und dann Entscheidungen über höchst verletzliche gemeinsame Infrastrukturen und nicht umgekehrt. Werden letztere häppchenweise über die parlamentarische Hintertür eingeschmuggelt anstatt in bewusster öffentlicher Abwägung der damit verbundenen Risiken, sind sie außerdem im Gesamtresultat auch strukturell schlechter, wie die Erfahrungen mit Flughafen- und Autobahnprojekten aus dem letzten Jahrhundert zeigen. Verfassungsfindung hat allerdings heutzutage auch davon auszugehen dass die Bürger in ihrem Selbstwertgefühl durch den Überwachungsstaat derart lahmgelegt und ausgelöscht sind dass sie höchstens noch darüber lamentieren können dass das Klopapier zu hart ist. Konkret für Stuttgart heißt das wer nach der Sommererfahrung von Duisburg keinen Terrorpanikbahnhof will wird sich auch sonst darauf einstellen müssen dass in Zukunft perspektivisch weniger Waffen gehandelt werden. Und wer diese Einpunktbewegung mit emanzipatorischen Inhalten bereichern mag muss damit beim Antimilitarismus anfangen.

  15. Gehirnschnecke Says:

    @ Benni

    Es ist ja leider nicht so, dass da nur die schlimmsten Plakate “rausgefriemelt” werden. Ich wohne ja in dieser Karikatur einer Großstadt und was da auf beiden Seiten abgeht (die von der JU befeuerter Pro21-”Demos” sind naturgemäß noch grusliger) ist schon fürchterlich. Ich würde ja gerne mal ein wenig “Perlenpickerei” lesen (oder auch nur eine Perle sehen!) – vielleicht könnte ich dann auch die “Scheissepickerei” unterlassen, die ich eben zwangsläufig auch anfange, wenn ich mal wieder einen Mappus mit Hitlerbärtchen sehen.

    Ich könnte ja noch von diversen Unterhaltungen an “der Mauer” (TM) mit alternden (ex-)CDUlern erzählen (nur soviel: Schuld sind vermutlich die Heuschrecken von der Ostküste!), lass das aber, denn das wäre dann ja nicht differenziert genug. ;-)

  16. Donauwelle Says:

    “Such use of force against peaceful demonstrator is scandalous, but it is after all, a European phenomenon. About two weeks later, a teenager who participated in a peaceful demonstration in France, lost an eye, thanks to police violence, and we would be fools not to expect more of the sort. During the era of the military dictatorship in Greece, citizens in Athens were mostly afraid to demonstrate because they knew how brutally the police would suppress demonstrations. Today, so-called liberal governments of the European Union apparently resort to the same tactics.”

    http://www.zcommunications.org/peaceful-civil-resistance-in-stuttgart-by-andreas-weiland

  17. Benni Says:

    @Gehirnschnecke: Ok, da hast Du natürlich einen Informationsvorsprung, da kann ich nicht mithalten. Ich krieg nur das mit, was ich im Netz sehe und vereinzelt von Leuten, die da waren. Was ich so mitkriege sieht meistens eher harmlos aus und höchstens mal kulturell irritierend plus einzelne Scheiße. Anders als bei den Hartz-Protesten wurden imho zB noch keine echten Nazis gesichtet.

    Aber unabhängig davon ob man den Protest jetzt mag oder nicht finde ich die eigentlich entscheidende Frage ob es sachliche Gründe für dieses Projekt gibt. Ich hab noch keine gesehen. Wenn es keine gibt, hat der Protest seine Berechtigung. Und wenn der seine Berechtigung hat, dann kann man mittun und versuchen ihn zu beeinflussen.

  18. Gehirnschnecke Says:

    @ Benni

    Es wurden auch schon (stadtbekannte) Nazis gesichtet, die trotz mehrfachen Hinweisen an “Widerständler” eben nicht entfernt (oder auch nur angesprochen) wurden. Zumindest habe ich selbst einen Fall live miterlebt.

    Ob der Protest eine Berechtigung hat, oder nicht, ist eine Frage, die sich mir nicht stellt. Ich frage mich manchmal nur, warum mir vor zehn Jahren (als man das Projekt noch LOCKER hätte stoppen können) in 99% der Fälle die Türe vor der Nase zugeknallt wurde, als ich versucht habe gegen das Projekt Unterschriften zu sammeln. Also gut, da ist dann eben auch gekränkte Eitelkeit auf meiner Seite.

    So klar sehe ich allerdings die Unsinnigkeit von S21 gar nicht mehr (bzw. die Vorteile von K21 – da gibt es auch haufenweise “Fehler” in den bürgerlichen Königsdisziplinen “Durchrechenen” und “Rentabilität”). Prinzipiell finde ich es prima, die Bauten von Naziarchitekten wie Bonanz abzureißen (dass das hässliche Ding überhaupt noch steht, war ja eh nur Schlamperei der RAF!) und Profanbauten wie Bahnhöfe unter die Erde zu verlegen.

    Darum geht es aber eh nur noch am Rande – es wird jetzt zur Machtprobe zwischen zwei bürgerlichen Blöcken – und ich habe für mich einfach noch nicht so richtig entschieden, welcher denn eigentlich der grusligere ist.

  19. Donauwelle Says:

    @Gehirnschnecke – Meinst Du auch, Waggons sollten alle Sitze in Fahrtrichtung montiert haben, wie in einem Sakralbau?

  20. Gehirnschnecke Says:

    @ Donauwelle

    Ich fahre in der Tat lieber in Fahrtrichtung und hasse es, Germanen beim BILD lesen zuschauen zu müssen. Insofern eigentlich ein interessanter Vorschlag – ein bürgerlicher Mob müsste jetzt eben noch forndern, dass alle Sitze gegen Fahrtrichtung montiert werden sollen und dafür auf die Straße gehen (Protestkultur! Demokratie!)…

  21. Donauwelle Says:

    @Gehirnschnecke – Ich auch, aber wenn ich mal rückwärts sitze dann passt es auch wenn hin und wieder betriebsbedingt getauscht wird. Deswegen heißt es ja Kopfbahnhof, damit das Denken die Richtung wechseln kann.

  22. Gehirnschnecke Says:

    @ Donauwelle

    Nun, die Kopfbahnhöfe haben ja bisher kaum etwas fürs Denken gebracht (vor allem in Stuttgart). Mir ist das allerdings eher egal, vor allem angesichts der Zumutungen die neben allen Bahnhöfen in diesem Deppenland gerade (und immer schon) durch die “Parlamente” gepeitscht werden. Wer sich nicht anders artikulieren kann, der beschwert sich eben darüber, dass “die” (die man vor kurzem erst noch selber wählte) jetzt “unser” Geld “verprassen” (während Steuergeschenke an Reiche etwa NIE zu ähnlichen “Protesten” führen werden). Da kann man sich dann immerhin als Teil einer neuen und hippen “Protestbewegung” fühlen…

    “Wir sind das Volk – wir sind das Geld!”

  23. Donauwelle Says:

    @Gehirnschnecke – Naja, die allgemeine Erkenntnis die aus Stuttgart 21 dämmert ist schon jetzt dass solche Planungsverfahren deswegen so lange dauern weil sie bislang keine Möglichkeit vorsehen irrsinnige Projekte rechtzeitig abzuschießen. Wenn der Spam schneller aussortiert werden könnte dann liessen sich auch die vernünftigen Vorschläge zeitiger umsetzen. Aber sie müßten eben einer Kritik standhalten können.

    Hierzulande werden tatsächlich zu viele öffentliche Gelder in wertlose Infrastruktur gesteckt. Es ist allgemein bekannt dass die Grundlage der Bankenkrise die Fehlbewertung riskanter Immobilien ist, wird aber weitgehend verdrängt dass der Löwenanteil des fehlbewerteten Immobilienvolumens nicht private Wohnhäuser sind sondern staatliche Infrastrukturprojekte. Die Finanzkrise (bzw. die prekären Abhängigkeiten in die sich diejenigen begeben die sie nicht mehr wahrhaben wollen) ist der Preis dafür dass die Versagerregierungen auf diese Weise ihre Zukunftsängste kompensieren wollen. Das empfinde ich auch wenn ich kein privates Vermögen habe als störend, da es den Lebenswert des Landes gefährdet. Man muß selbst immer mehr Lärm verursachen um mal vom Krach wegzukommen. Andererseits geht es in Stuttgart “nur” um Schienenverkehr und nicht um Autobahn oder Flughafen. Dennoch würde die gesamte Verkehrspolitik davon profitieren wenn dieses Fallbeispiel sich als Hochwassermarke der Staatsdummheit etablieren kann, und sobald der größte Gesamtposten komplett neuzubewerten ist dann ist auch der restliche Staatshaushalt Makulatur.

  24. Gehirnschnecke Says:

    @ Donauwelle

    Es dauert auch so lange, weil man ja auch ausschließen will, dass man das lange (und teuer) geplante Projekt dann mittendrin abschießen kann. Mein ehemaliger Mitbewohner hat bei einem DB Planungsbüro gearbeitet, das an S21 beteiligt war – der ging über ein Jahr fast jede zweite Woche zu Treffen mit dem Nabu, um eben auszuschließen, dass irgendeine Sumpfschnepfe durch eine Trasse ihren Nistplatz verliert. Jetzt wurde eben noch der Juchtenkäfer aus dem Hut gezaubert…

    Ich bekomme grundsätzlich Bauchweh bei Sätzen, die mit “Es ist allgemein bekannt” anfangen. Mir ist bekannt, dass der Kapitalismus grundsätzlich Krisen gebiert – immer und immer wieder (im Schnitt alle 7 Jahre, wenn ich mich recht entsinne). Welche “Versagerregierung” jetzt unter den von keiner Regierung je bestrittenen “Sachzwängen” (das ist die idiotische Herrschaft des Kaptitals) was “macht”, ist dabei zu vernachlässigen.

    Dieses ganze finanzielle Blabla juckt mich nicht die Bohne – eine vernünftige Plaung vorausgesetzt – könnten die Stuttgarter den Bahnhof verbuddeln (und um zwei weitere Gleise erweitern), fünf neue Unis bauen und ausreichend Wohnraum für jeden. Daher lasse ich mich nicht auf diese bürgerlich depperte “buhuhu, ihr vergrabt unser Geld” Diskussion ein. Diese Diskussion ist schlicht die falsche.

    Und ohne das BWL-Zahlenvoodoo in Betracht zu ziehen, finde ich persönlich einen verbuddelten Bahnhof eben besser als diesen Bonanzklotz (der ja leider stehen bleiben soll). Ich sehe allerdings die Probleme, die eben durch eine ängstliche Kalkulation zustandegekommen sind und bin in letzter Konsequenz daher auch gegen den geplanten neuen Bahnhof (zu wenig Gleise, zu enge Tunnel). Zur Strafe muss ich jetzt mit verrückten Bürgern gegen S21 demonstrieren und lustigen, alten CDUlern erklären, was denn StaatsGEWALT bedeutet (und mir anhören: “Wir sind das Volk, wir sind das Geld” – gab es je einen blöderen Slogan?!)…

  25. Donauwelle Says:

    @Gehirnschnecke – Die Auseinandersetzung Naturschutz-Recht vs. Baurecht ist nicht standortgebunden. Wenn das Thema aufkommt findet sich überall recht schnell irgendein Wichtigtuer der sich nicht mehr ausreichend als Krone der Schöpfung gewürdigt fühlt, aber in Wirklichkeit geht es darum dass die Entscheidung welche Arten wie erhaltenswert sind immer eine Vielzahl von Bauvorhaben betrifft, nämlich überall wo die entsprechende Population vertreten ist, und dabei eine raumübergreifende Rechtsgleichheit zu wahren ist.

    Es geht nicht darum ein bestimmtes Projekt um seiner selbst willen zu blockieren, sondern eine bestimmte Planungsweise abzuwracken welche notorisch versucht die Öffentlichkeit zu überrumpeln. Ich nicht der Meinung dass das Risiko zur Massenpanik eine anthropologische Konstante wäre, unter den passenden gesellschaftlichen Voraussetzungen kann es sich auch verringern. Die richtige Reihenfolge ist erst mehr Freiheit wagen, und sobald sich dann die Panik genügend gelegt hat eine Entscheidung finden ob ein U-Bahnhof dieser Dimension wünschenswert und alltäglich aushaltbar ist. Aus der Architektur mache ich mir übrigens auch nichts, aber um die Bäume ist es noch generationenlang schade, es muss grundsätzliche Grenzen geben was dem abstoßenden Menschenbild eines Möchtegerndiktators geopfert wird und was nicht. Deine Schicksalsverdrossenheit ist mir fremd, wenn Du zum Thema Überwachungskameras in dem “verbuddelten” Bahnhof genauso denkst dann weiß ich sofort warum mir die frisch Enttäuschten näher sind, die tun wenigstens was und jammern nicht nur.

  26. Gehirnschnecke Says:

    @ Donauwelle

    Meine “Schicksalsverdrossenheit” hast nur Du mir angedichtet. Trotz dem ganzen “Gejammer” war ich selbstverständlich auf einigen Demos – allerdings nervt mich hier schon wieder das, was mich auf den Demos (und beim ganzen “Widerstand”) eben auch schon nervt: Mappus und seine Bande sind eben dann doch demokratisch legitimiert und zwar durchaus auch von VIELEN, die ihn jetzt mit Hitlerbärtchen malen und an den Bauzaun hängen – das Projekt ist auch demokratisch legitimiert – ich kann eben nicht 50 Jahre lange CDU wählen und mich dann darüber aufregen, dass die CDU eine CDU Politik macht…

    Wenn Dir die bürgerliche Bande der neuGrünen näher ist als ich, dann wundert mich das in keinster Weise – viel Spaß in der Realpolitik!

  27. Donauwelle Says:

    @Gehirnschnecke – Um so besser. Also ist entweder doch nicht so viel “gekränkte Eitelkeit” vorhanden und/oder Du hast doch nicht die Seiten gewechselt wie Du angedeutet hast. Mein Eindruck ist, es hat noch kaum jemand verstanden was in Stuttgart gerade politisch geschieht, und sich von der Steuerzahler-/Sklavenmentalität anekeln zu lassen in der sich die betrogenen Bürger suhlen ist viel zu oberflächlich um hierzu beitragen zu können. Es haben sich objektive Rahmenbedingungen verändert. Die Informationsgesellschaft ist jetzt weit genug entwickelt dass ein öffentlicher Betrug dieser Größenordnung nicht mehr hingenommen werden muss, Du schreibst ja selber von Erinnerungen an eine Zeit als es nahezu unmöglich war Gegenöffentlichkeit zu organisieren. Bürgerliche Politik ist heute das genaue Gegenteil dessen als was sie in der Weltgeschichte erschienen ist – nicht mehr eine Emanzipationsbetrebung gegen die Autokratie, sondern eine Autokratiebestebung gegen die Emanzipation. Im besten Fall deutet das darauf hin dass sie jetzt wieder aus der Weltgeschichte verschwindet. Parolen bürgerlicher Politiker von vor einigen Jahren wie etwa die von einer “demokratischen Weltrevolution” haben sich als offenkundig in sich widersprüchlich herausgestellt – man kann nicht beides gleichzeitig haben, Menschenjäger und Freiheitsdrang, Rüstungsexporte und Weltfrieden, Industriepolitik und Zukunftsfähigkeit, das gescheiterte System und die Veränderung zum Besseren.

    Im Zusammenhang mit Demokratie von einer politischen Legitimatität zu sprechen erübrigt sich zudem wenn man weiss dass die Landesregierung von weniger als 30% der Wahlberechtigten gewählt wurde und der jetztige Ministerprätendent nur ein Nachrücker ist der seinen bisherigen Landesvater in einem parteiinternen Machtkampf auf einen politischen Elefantenfriedhof abgeschoben hat. Baden-Württemberg ist schon länger Schauplatz einer nachholenden Entnazifizierung, vielleicht kommt der eine oder die andere denen heute noch nichts besseres einfällt als Hitlerbärtchen zu malen morgen schon auf die Idee endlich dem Kriegsverbrecher Filbinger den Bundesverdienstorden abzuerkennen. Bei Dir persönlich hat die Emanzipation der Bürger zu Menschen sicherlich auch klein und unbeholfen angefangen.

  28. Gehirnschnecke Says:

    @ Donauwelle

    Ich habe die Seiten natürlich nicht gewechselt. Ich war damals Kommunist und bin es heute. Und damals wie heute interessiert mich ein Bahnhof eher milde, verglichen mit dem was sonst so abgeht. Von der vielbeschworenen “Informationsgesellschaft” halte ich auch nix. Das Internet ist nicht Jesus und die bürgerliche Gesellschaft leidet schon seit ihren ersten Tagen an den von Dir beschriebenen Widersprüchen. Wenn die Bürger, um das zu kapieren, das Internet brauchen, dann ist eh schon alles zu spät.

    Dass nun ausgerechnet die Erhaltung des Bauwerks eines Nazis wie Bonanz (der sicher KEIN Problem mit Filbinger hatte) irgendwie zu irgendwas demokratischerem führen soll als ein “moderner” anderer Bahnhof, DAS konnte mir bisher auch noch keiner meiner Freunde aus dem “Widerstand” so richtig erklären.

    Auszuschließen ist natürlich nicht, dass ausgerechnet auf dem Bahnsteig vielleicht mal die erste deutsche Revolution losgeht, allerdings kaum mit diesen Menschen (wird man, werte Donauwelle, eigentlich erst dann voll und ganz vom “Bürger” zum “Menschen”, wenn man Internet lesen kann und gegen Bahnhöfe ist???)

    Dann ich geh jetzt mal Hitlerbärtchen malen, fühl mich als “Mensch” dabei und glaub fest dran, dass schon alles gut wird, wenn nur die Bäume im Park bleiben dürfen (hoffentlich schieben die aber bald mal meinen ausländischen Nachbarn ab, der passt echt nicht zu unserem schönen, alten Bahnhof).

    Tut mir leid, ich glaub einfach nicht dran, dass der Bahnhof uns zu mehr Demokratie führt. Echt nicht.

  29. Donauwelle Says:

    @Gehirnschnecke – Du meinst also die Menschen in Stuttgart gehen auf die Straße weil sie nach einem Erlöser suchen? Da könnte was dran sein, wenn die Landesregierung weiter versucht beim Thema Großbaustellen mit dem Kopf durch die Wand zu gehen dann bringt das vielleicht tatsächlich demnächst die gesellschaftliche Grundstimmung hervor in der ein deutscher Shoko Asahara gedeihen könnte. Wenn dann die Regierung versucht das mit Staatsschmutz zu infiltrieren kommt erst recht eine giftige Mischung dabei heraus, siehe NPD/VS. Wie leicht diese “Wir sind das Geld”-Mentalität auszubeuten und zu mißbrauchen ist sieht man ja in Amiland an den führenden Figuren der “Tea-Party”. Hierzulande war wenigstens überhaupt jemand von links vorausschauend genug den politischen Kindergarten um sich zu scharen, der sonst Freiwild für politische Heckenschützen wie die Moscheenazis wäre. Die Umweltschutzorganisationen bieten zwar keine repräsentativen Heilsfiguren, dafür aber konkrete Lösungsvorschläge zum Verkehrskonzept. Wozu der Aufstand der Wohlstandsverwahrlosten letztendlich führen wird wissen wir zwar auch noch nicht, aber wenn man sich an die Spitze eines kulturellen Großkonflikts stellt wachen ja vielleicht die Kommunisten aus ihrem ideologischen Dornröschenschlaf auf und merken dass die Machtfrage im Raum steht. Und sollte der Schlichter daran scheitern die Hintergründe der Polizeibrutalität aufzudecken gibt es immer noch Wikileaks.

  30. Gehirnschnecke Says:

    @ Donauwelle

    Schnarch. Immer diese Forderungen, die Kommunisten sollten jetzt aber mal dies, die Kommunisten sollten jetzt aber mal das… Erstens bin ich nur einer, zweitens gehts mir innerhalb des Dreckssystems ganz gut (ich bin durchschnittlich intelligent und hab mir die “richtigen” Eltern ausgesucht) und drittens bin ich nicht der Papa der Bürgersöhnchen und -töchterchen. Die haben doch den Zugang zu Bildung (und Hegel und Marx rumstehen). Die sollen mal selber lesen und denken.

    Was sollen “die Kommunisten” (als gäbs ne Partei…) denn Deiner Meinung nach jetzt tun? Wie steht denn “die Machtfrage” im Raum? Wurde das Volk bewaffnet und kann die Polizei militärisch bezwingen (gestern sahs noch nicht so aus)? Gibt es denn wenigstens einen klitzekleinen Ansatz, der vermuten lässt, dass auch nur eine winzige Hoffnung darauf bestünde, dass DAS dann eben doch nicht nur ein bürgerlicher, kleingeistiger Rülpser ist, der Bäume als ätherische Wesen verklärt, während das Abschieben von “dreckigen Ausländern” NIE NIE NIE zum Thema dieser grünen Deppen werden wird? Ich sehe da NIX.

    Wikileaks. Ja prima, lauf doch einem eitlen Vergewaltiger mit autoritären Starallüren nach – das führt sicher zu einer besseren Welt…

    Sorry, aber da verrammel ich mich lieber wieder in meinen schönen Elfenbeinturm und hoffe mal, dass der bürgerliche Drecksstaat diese “Machtfrage” nachmal für sich entscheidet (gerne auch mit viel Polizeibrutalität – anders blicken die Bürgerlein ja leider nicht, was StaatsGEWALT denn bedeutet). Im bürgerlichen Staat kann ich wenigstens wurschteln. Wenn der durch Wikileaks und anderen Schwund völlig verblödete Mob demnächst mal “direkt” über jeden irrelevanten Dreck “abstimmen” darf, dann wird es Zeit diesen Planeten endlich zu verlassen…

  31. Donauwelle Says:

    @Gehirnschnecke – Wäre es im bürgerlichen Staat möglich ungestört seinen Angelegenheiten nachzugehen ohne von diesem dabei unverzeihlich angegriffen zu werden dann müßte ich mich nicht auf diese Weise mit der Machtfrage befassen. Wir versuchen hier die panoptische Hegemonie zu knacken, und Du willst mir erzählen pathisch-projektive Publikumsbeschimpfung wäre der Kommunismus. Also wenn Du mich fragst was Du jetzt tun sollst dann kann ich Dir nur wärmstens empfehlen Dir den aristokratischen Dünkel abzugewöhnen. Das ist eine Einstellung aus dem vorigen Jahrtausend. Die meisten der Leute welche Du so eifrig verachtest haben durch diese Entwicklung wesentlich mehr dazugelernt als Du, falls Du tatsächlich noch einen Vorsprung hast dann hast Du ihn unter den Scheffel gestellt. Welches Interesse hast denn Du dafür Stimmung zu machen dass das Staatsversagen weitergeht, bist Du am Ende selbst einer der Täter? Oder doch nur ein nützlicher Idiot der Herrschenden, wie Heiner Geißler der die Gewissenskrämpfe der Staatspartei über die verkehrspolitische Argumentenabwägung gestellt hat?

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