Beständig ändern: Transformers 3 & X-Men First Class

July 8th, 2011

Das Strickmuster: in die Lücken der US-und Welt-Geschichte (Kubakrise, Apollo11, Tschernobyl) Comics als uferlose Animationsschlachten stopfen, idealerweise in 3D. Oberflächlich betrachtet ist dabei fast sämtliche Form großartig, verschwenderisch und rasant, und fast sämtlicher Inhalt klischeehaft und letztlich egal. Aber das wäre zu schön, um wahr zu sein – in aller Plumpheit hämmert einem dieser Inhalt entgegen.

Wir leben, auch außerhalb des Kinos, in einer Restaurationsepoche, in der die schon gründlich erschütterte bürgerlich-kapitalistische Gesellschaftsordnung sich essentialisiert und dabei sogar noch zu diesen oder jenen Höhen aufschwingt. Je hohler die ideologischen und sozialen Formen werden (Volk, Ehe), umso inbrünstiger wird sich allerorten daran geklammert. (Vgl.) Zuletzt war das so umfassend im Barock zu beobachten, als sich die gerade von frühproletarisch-frühbürgerlichen Aufständen infragestellte aristokratische Herrschaft nach ideologischen Verwerfungen und endlosen Kriegen noch ein letztes mal konsolidieren konnte und dabei finale Musik- und Bauwerke hervorbrachte. Damals wurde alles an Mathematik, Materialien, Rauschmitteln und religiöser Sinnstiftung aufgefahren, um zu konservieren, was sich durch die kämpferische Konservierung schon längst völlig verändert hatte – die groteske Selbstinszenierung feudaler Essenz bei den diversen Abspaltungen der Freimaurerei ab Mitte des 18. Jahrhunderts bildete da nur noch den (vorläufigen) Abschluß.

Heute können wir erleben, wie im Großraumkino alles an heutiger Mathematik, Materialien, Rauschmitteln und ideologischer Sinnstiftung aufgefahren wird, um auf der Leinwand dann doch nur eine Holzschnitt-Karikatur der bürgerlichen Gesellschaft immer wieder über ihre Lieblingsfeinde triumphieren zu lassen. Und da wird sichtbar, daß die sozialen Stereotype, die wir zu sehen bekommen, keineswegs egal sind, sondern fast alle aus dem gleichen alten Drehbuch der bürgerlichen Ordnung als die notwendigen Feind- und Heldenfiguren entsprungen sind.

Statt der im strikten Sinne konservativen Bewahrung der statischen Reichtümer und Schätze der Monarchen und Aristokraten, um die es im Barock ging, gibt es nun jedoch eine viel dynamischere Form des Bewahrens: die permanente Umwälzung der Produktionsbedingungen, ständiges Aussortieren des Menschenmaterials und nicht mehr nur periodisch als Krisen wiederkehrende, sondern unablässige Kapitalvernichtung, um wieder Raum für neue Akkumulation zu schaffen. Und wahrlich, Kapital wird bei Transformers 3 in aller erdenklichen Form in großen Mengen zerstört, in der Abbildung bzw. Simulation dieser Zerstörung verdoppelt sich dieser Vorgang noch.

Das Geschlechterbild entstammt denn auch direkt aus der Entstehungszeit der bürgerlichen Gesellschaft: in nicht enden wollenden Soap-Opera-Passagen (ohne sie wäre es gar nicht so ein langer Film!) sucht die kleinbürgerliche Wurst Sam Witwicky Anerkennung beim Kapital durch selbstmörderische Heldentaten, um eine Frau nicht nur mit dem Auto beeindrucken zu müssen, die wiederum aber als nur wenig mehr als Deko durchs Bild läuft. Bei den Transformers gibt’s gleich nur Kerle, von denen die guten als wandelnde Zoten, übermütige Jungs und Sprücheklopfer inszeniert sind, während bei den bösen der ganze Katalog der alten Gegner ausgerollt wird: sabbernde Insekten, Schlangen, archaisch, jüdisch, feudal, schlechte Zähne, Raubtiergebrüll. Nach zehn Sekunden Sprechtext wird die Auseinandersetzung zwischen den zwei Transformerzivilisationen auch schon leicht in die später deutlichere antisemitische Richtung aufgeladen, wenn es heißt, die friedliebenden und produktiven Autobots wären von den hinterhältigen Decepticons angegriffen worden, die sie auszuplündern gedachten.

Dazwischen allerlei wirre historische Projektionen: Was die Amerikaner taten, tun ihnen jetzt andere an: Challenger wird abgeschossen. Was andere gegen sie taten, tun sie: assymetrischer Guerillakrieg gegen einen technisch völlig überlegenen Gegner, humans shouting and poiting pointless weapons. Das stereotype Bürgertum regiert sinnlos in die Arbeit hinein, schleimt herum und ist den Decepticons zu Diensten: “I am liaiseur, I liaise”, typischerweise aber zu vorauseilend, wenn es eine Stunde vor Filmende verkündet: “We all work for the Decepticons now.”

Doch dann geht es erst richtig los mit den ohne Frage atemberaubenden dreidimensionalen Explosionen, Raketeneinschlägen in Wolkenkratzern, Stürzen, Schußsalven, Lasergeflacker usw. usf. – soviel Kapitalvernichtung! Und nur um die tausendste Verschärfung der schlichten wie grundideologischen Losung fürs Subjekt darzubieten: “Niemals aufgeben.” Fürs große Ganze gilt eher Lampedusa: “Wenn wir wollen, dass alles bleibt wie es ist, dann ist nötig, dass alles sich verändert.” Und wie es ist, es herrscht ja nicht mehr das Ancien régime, spricht der Agent der (jüdischen) Transformerverschwörung im Film selbst aus, als er erklärt, was sie von der Erde wollen: “They want one ressource in particular, one unique to our planet. How many rocks up there offer six billion workers?”

Es gibt jedoch auch hier überschießende Elemente, das Acid z.B. in den detailliert rotierenden und scheppernden Schrotthaufen, die die Transformer sind, und überhaupt in der Optik, besonders im eigentlich ja maximalen Verhängnis der Weltraumbrücke im Erdorbit, über die die Decepticons ihre Welt herübertransportieren wollen, die aber auch vom Anblick her gut in die DMT-Sequenz von “Enter The Void” gepaßt hätte; diese blöde Wirksamkeit, den dieser ganze Pathos vom Befreiungskampf des Arbeitsvertrags gegen die wie auch immer projizierte Sklaverei ja irgendwie doch entfaltet. Am Ende ist dennoch die ganze irrsinnige Freiheit der mechanischen Bewegung zusammen mit der Freiheit als Phrase einfach nur eingesperrt im bekloppten Zweck.


Die Weltraumbrücke, klingt sogar ganz kurz wie Enter The Void

X-Men First Class ist noch viel deutlicher und deprimierender, hier ist weiter ausformuliert, wie sich die Gesellschaft umbaut, um sich an ihrer Ordnung festklammern zu können. Freut man sich zunächst über den Rachefeldzug des jüdischen KZ-Versuchskaninchens Erik Lenherr alias Magneto an seinen deutschen Peinigern, wird genau dieses famose rächende Ein-Mann-Kollektiv im Laufe des Filmes zum irregeleiteten Ultrazionisten – mit vertauschten Ebenen selbstredend. Es geht im Plot nicht mehr um die Assimilation oder Autonomie der Juden, auf die im ganzen Film aber immer wieder Bezug genommen wird, sondern um Assimilation oder Autonomie der Mutierten, die in ihrer Gleichzeitigkeit von übermenschlichen Fähigkeiten und (meist verborgener) untermenschlich-tierischer Erscheinung eine ideale antisemitische Projektionsfläche bilden. Immer mehr wird Magneto, der für die als Mutanten Verfolgten die Lehre aus seinem Leben als verfolgter Jude zieht, moralisch auf eine Ebene mit seinen Verfolgern gestellt, als Feind aller Menschen ist er am Ende das ultimativ Böse, während diejenigen als Gute dastehen, die sich in den Dienst der Menschheit stellen lassen, welche gerade erst versucht hat, sie auf einen Schlag zu töten.

Die Mutantinnen – naja, haben auch ein bißchen was drauf, wirklich entfalten darf sich das aber nur bei einer, na klar, verführerischen Bösen, die speziellen Fähigkeiten der anderen Mutantinnen spielen fürs Kampfgeschehen nur kleine Nebenrollen, ständig hingegen werden sie dabei gezeigt, wie sie sich über ihr Aussehen Gedanken machen und in dieser Angelegenheit Bestätigung bei den Kerlen suchen. Überhaupt und schon wieder: Frauen als Default-Deko.

Gern wäre ich nach dem ersten Drittel aus dem Kino gegangen, im Kopf das, was anderswo “unofficial Inglourious Basterds II” genannt wurde, stattdessen schaute ich mir weiter an, wie der Jude sich zum schlimmeren Nazi entwickelt und der historisch anfangs durchaus hübsch aufgehängte Plot zu einem sogar für mich zu sinnlos ineinandergeworfenen Superkräfte-Salat à la “Heroes” wurde.


Behalten wir’s doch so in Erinnerung: “Blut und Ehre – was wollen Sie zuerst verlieren?”

Ich bitte nun um Hinweise auf die zugrundeliegenden Comicwelten, die meine Thesen über den Haufen werfen und meine diesbezügliche Ahnungslosigkeit bloßlegen.

(Nachtrag: In beiden Filmen war die Musik eine einzige lauwarme Brühe, in beiden Filmen wurde jedoch, soweit ich das beurteilen kann, richtiges Russisch gesprochen.)

21 Responses to “Beständig ändern: Transformers 3 & X-Men First Class”

  1. bigmouth Says:

    “als Feind aller Menschen ist er am Ende das ultimativ Böse”

    da haben wir wohl einen völlig, völlig anderen film gesehen. mE wird Magneto eigentlich sympathisch (mehr als Xavier) und menschlich gezeichnet, die option, die beiden flotten zu vernichten am ende, erscheint brutal, aber durchaus nachvollziehbar; dass Xavier das verhindert, erscheint als zweifellos ethisch-morralisch überlegen, aber es erscheint überhaupt nicht als monströse absicht oder so

    und inwiefern lassen die X-Men “sich in den Dienst der Menschheit stellen” am ende des films? Xavier löscht MacTaggerts Gedächnis (oder sie behauptet das), es gibt keine verbindung zur CIA mehr

    ich habe die mystique/Lehnsherr-szene übrigens auch ganz anders wahrgenommen: wo es xavier wichtig ist, dass sich mystique anpasst und nicht auffällt, und er insgesamt erstaunlich ignorant gegenüber ihr ist, beharrt lehnsherr darauf, dass sie sich nicht verstecken soll – und auch das zeichnet magentos charakter wieder als sympathisch

  2. classless Says:

    @ bigmouth

    “aber es erscheint überhaupt nicht als monströse absicht oder so”

    Naja, wem erscheint es so?

    “es gibt keine verbindung zur CIA mehr”

    Wie gesagt, ich kenne die ganze Rahmenhandlung so gut wie nicht, aber der Einzug auf diesem Landsitz, auf dem er unglaublich leicht aufzuspüren sein müßte, schien mir nur eine Geste des Versteckens zu sein.

    “auch das zeichnet magentos charakter wieder als sympathisch”

    Der ist ja die ganze erste halbe Stunde der große Sympath und auch danach geht die Umwertung der Figur allmählich vonstatten – das finde ich ja so fies; irgendwann bleibt aber stehen, daß er die Überlegenheit der Mutierten betont und auf menschliche Opfer keine Rücksicht mehr nehmen will.

  3. n99 Says:

    Ich habe bisher nur X-Men: First Class gesehen, kann mair aber kaum vorstellen, dass Transformers: Dark of the Moon besser ist. Trotzdem bin ich etwas skeptisch, wenn du schreibst, dass die Decepticons “jüdisch” sind, ich kann dazu nirgendwo etwas finden (mit Ausnahme von dem hier: http://www.youtube.com/watch?v=FE7GXQY5tn0 :-) )

    “friedliebenden und produktiven Autobots wären von den hinterhältigen Decepticons angegriffen worden, die sie auszuplündern gedachten” – Was ist daran jüdisch-klischeehaft/antisemitisch? Das hört sich für mich nach ganz normalen Bösewichten an.

    Michael Bay ist übrigens jüdisch, aber anscheinend nicht allzu zionistisch: http://heebmagazine.com/michael-bay-obliterates-israel/4553

  4. classless Says:

    @n99

    Es gibt das eigene Kapital, das irgendwie oll & schleimig aber okay ist, und das fremde, archaische, Staat am Staate usw. (hier ginge es eher noch um den klassischen bürgerlichen Antisemtismus des frühen 19. Jh., aber da befinden wir uns ja in anderer Hinsicht in diesem Film auch); und die Frage, “welches” Kapital sich dann die Arbeit unterwerfen darf und wie das aussieht (hier geht’s in die moderne Form über, die aus dem Staat im Staate die Verschwörung in der ganzen Welt und gegen die ganze Welt macht) – ich sehe da wenig Differenzierung im Film, die Feindbilder werden ordentlich durcheinander geworfen, aber als Element finde ich das schon tragend.

  5. bigmouth Says:

    “Wie gesagt, ich kenne die ganze Rahmenhandlung so gut wie nicht, aber der Einzug auf diesem Landsitz, auf dem er unglaublich leicht aufzuspüren sein müßte, schien mir nur eine Geste des Versteckens zu sein.”

    das ist doch der landsitz seiner eltern, vom anfang des films. und du erwartest jetzt realistische verstecksuche in einem film über superkräfte? abgesehen davon, dass ein telepath wie Xavier ja in der welt dieses films eh ganz andere möglichkeiten zur tarnung hat. “kooperation” scheint mir das ende jedenfalls nicht nahezulegen

  6. classless Says:

    Das müßte ich mir noch mal genau anschauen – es gab diese bedeutungsüberladene Szene am Strand, wo es um die generelle Haltung gegenüber den Menschen (vertreten in dem Moment auch noch durch die CIA-Agentin MacTaggert) ging, und es gab eben dieses seltsame Nichtversteck am Ende. Irgendwie war es aber eben wie bei “Heroes” über weite Strecken – die erweiterten Möglichkeiten sind irgendwann ausgeleiert und verloren so ihre zwingende Qualität für den Plot.

  7. Transformers, Megan Fox und schwarzer Kaffee | brainm0sh Says:

    [...] wie Kulla sehr treffend schreibt: Heute können wir erleben, wie im Großraumkino alles an heutiger Mathematik, Materialien, [...]

  8. Donauwelle Says:

    Treffende Einschätzung zur Rolle des Kinos in der Massengesellschaft…

    “Die Maschine hat eine «Kultur» und ihr Zweck besteht gerade darin, diese zweite Wirklichkeit (die unsere Träume und Sehnsüchte enthält) einzudämmen und abzutöten. Sie wird in Pakete abgefüllt und als Romane, Filme, Schallplatten, Kassetten verteilt und verkauft. Roman und Leben dürfen sich nicht vermischen. Romantiker und Realisten haben verteilte Rollen. Wir werden überschwemmt mit Utopien, Träumen, andern Welten, Abenteuern, seltsamen Zivilisationen, exotischen Riten, mit allem Denkbaren und Vorstellbaren. Jeder Versuch, selbst Wünsche zu formulieren, ist dem gegenüber lächerlich und überflüssig. Die Kultur der Maschine ist so kreativ, radikal, phantasievoll und vielfältig, wie wir es nur wünschen können. Wichtig ist die Wand, die sie vom Maschinen-Alltag trennt. Und die Vielfalt ist beliebig, anonym, gehört keinem und allen. Die Traumindustrie der Maschine läuft sich tot und betäubt uns.” (Quelle)

    …aber der Aspekt dass es Durchhaltefilme für gehirntote Apparatschiks sind könnte noch unterstrichen werden. Der Inhaltsangabe nach wirkt dieses Stück nämlich wie ein Plagiat von Glenn Becks “Intelligent Minority”-Theorie für Analphabeten.

  9. plethi Says:

    Du schreibst vom Barock als Restaurationsepoche. Welche “frühproletarisch-frühbürgerlichen Aufstände” haben welche Herrschaft so stark erschüttert, dass sie sich wiederherstellen hätte müssen? Die Reformation schmälerte die Macht der katholischen Kirche, der 80jährige Krieg die Macht Habsburgs, die Aufklärer kritisierten, aber waren das “frühproletarisch-frühbürgerlichen Aufstände”? Woher stammt diese Barock-Interpretation, wo kann man das genauer nachlesen? Danke für Infos oder Literaturtipps!

  10. classless Says:

    In der gesamten frühen Neuzeit gab es in Europa massenhafte Bauernaufstände, von denen viele erkennbare revolutionäre Spitzen hatten, die sich zumeist gegen den Adel richteten (“Als Adam grub und Eva spann/wo war denn da der Edelmann?”), teilweise aber auch weitergehende egalitäre Vorstellungen formulierten. Vielleicht einfach hier mal durchklicken:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Bauernkrieg

  11. zum anhören Says:

    http://en.wikipedia.org/wiki/English_Rebel_Songs_1381–1984 ;)

  12. Jasper Says:

    I had similar issues with “First Class”, though I liked the film for other reasons. A great review and a long disuccion in the comments can be found at Abigail Nussbaums´s “Asking the wrong questions”: http://wrongquestions.blogspot.com/2011/06/x-men-first-class.html.

  13. Zong! Says:

    Auch wenn ich dir in Bezug auf die Restaurationsepoche recht gebe und unbesehen glaube, dass T3 reaktionärer Mist ist, bei X-Men liegen wir über Kreuz.
    Stan Lee und Jack Kirby, die “Erfinder” der X Men, waren selber Juden. Deshalb nehme ich an, dass die Figur von Magneto in einem anderen Kontext steht, nämlich der innerjüdischen Shoa Debatte, das “Warum habt ihr euch nicht gewehrt?”, was häufig von jüngeren Generationen an die Überlebenden herangetragen wurde. Magneto ist einer, der sich wehrt. Und auch wenn er rücksichtslos ist, ist er nie der klassische Comic Bösewicht. (Selbst in den alten Filmen, wo er sehr viel böser gezeichnet wird, gibt es Differenzierungen. – Wobei es Jahre her ist, dass ich die mal gesehen habe.) Und er ist auch nicht der effektivere Nazi, denn im Gegensatz zu Sebastian Shaw hat er keine Herrenmenschen Fantasien, sondern eine klare, nachvollziehbare Motivation, den Schutz seiner Mit-Mutanten. Er bleibt menschlich, auch am Ende. Charles Xavier mit seiner Naivität und Ignoranz ist da viel unerträglicher.
    Insgesamt habe ich in dem Film allerdings eher Verweise auf die Auseinandersetzungen zwischen Queers und “Mainstream Homosexuellen” gesehen, wegen dem ganzen “Mutant Pride” Ding.
    Und zur Darstellung der Frauen: es gibt genau eine, die mit ihrem Aussehen hadert. Die andere Person ist ein Mann, der schließlich beschließt, zu handeln, weil er seine “Abnormität” unerträglich findet. Und bekommt prompt die Quittung dafür.

    Hui, der Film scheint ein subversives Meisterwerk zu sein…;) Ne, ganz so toll ist er jetzt leider auch nicht.

  14. bigmouth Says:

    es gibt auch die deutung, dass xavier Martin Luther King und magneto Malcolm X ist . ich weiß auch gerade nicht, ob schon Lee und Kirby Magneto als Holocaustüberlebenden geschrieben haben – das wäre etwas grotesk, führte der charakter in den 60ern eine bande, die sich “Society of evil mutants” nannte, und war ein holzschnittartiger 08/15-bösewicht. ich glaube eher, das wird ein nachträglicher ansatz gewesen sein, dem charakter tiefe zu geben. in den comics bleibt magneto seit den 80ern immer ambivalent, so kommt es tatsächlich zu anti-mutanten-pogromen, und wenn ich mich recht entsinne, sogar zu einem genozid – man könnte argumentieren, dass Magneto recht behält

  15. bigmouth Says:

    die idee ist wohl von 1978, von dem autoren chris claremont. “Claremont writes, “Once I found a point of departure for Magneto, all the rest fell into place, because it allowed me to turn him into a tragic figure who wants to save his People.”

    http://blogs.jpost.com/content/magneto-my-hero-0

  16. bigmouth Says:

    ‘As a Matter of Fact, I Am Jewish’

    ABOUT MAGNETO in his two X-Men films, [director Bryan] Singer, in the same interview, has this to say: “In the comic book, he was in a concentration camp, but he was not necessarily Jewish. I made the decision [to make Magneto definitely Jewish]…because that’s the way it worked [in the camps]. Jews were transported primarily together, and if I was going to put yellow stars [of David] on these extras, I was going to be putting one on young Erik [Magneto].” In Singer’s X-Men movies, the photographic concentration camp imagery involving Magneto’s past is more visceral than even the most powerfully drawn comic could ever be, hence Singer’s decision to emphatically declare what the comics have not yet said. The theme of mutant as other, subject to vilification and persecution like the Jews of Eastern Europe, is played on to a great degree in the films. Magneto’s vow of “never again” resonates like that of the Jewish Holocaust survivor Singer’s films have declared him to be.

    Significantly, the X-Men movie franchise was produced by the Israeli-American longtime Marvel executive Avi Arad, who, in commenting on the relationship between Xavier and Magneto, has said of the latter in a 2005 article in The Jerusalem Report: “I would look, ideologically, more to [the militant] Jabotinsky and Begin than to [the moderate] Ben Gurion. Magneto, to me, is not a villain. But he becomes more like [extremist Meir] Kahane the more frustrated he is with the way the world is approaching the ones who are different.” For the creators of the X-Men films, at least, there is more going on in them than simple stories of superhuman beings inflicting violence on each other.

    — From Disguised as Clark Kent: Jews, Comics, and the Creation of the Superhero by Danny Fingeroth

    http://njjewishnews.com/njjn.com/010308/ltLookUpInTheSky.html

  17. bigmouth Says:

    Zong! hat recht, dieser Kommentar etwa fasst meine Lesart des Films gut zusammen:

    http://wrongquestions.blogspot.com/2011/06/x-men-first-class.html?showComment=1307421635457#c5669846526539205002

  18. goniwe Says:

    bin jetzt erst auf den artikel aufmerksam geworden, aber da es ja doch noch ein paar neuere kommentare gibt und ich filmkritiken immer sehr spannend finde, noch ein kleines addendum:

    bzgl transformers wirkt es ein bisschen so, als haette deine vermutung, in der darstellung der decepticons antisemitischen tendenzen verorten zu koennen, vor jeder “empirie” schon gegolten: mir scheint es sich vielmehr aehnlich wie dem user n99 um eine ganz “normale” hollywood-darstellung eines neuartigen reichs des boesen zu handeln. interessant ist in diesem zusammenhang auch, dass in einer zeitung wie der FAZ dieser film ganz anders gelesen wird: in der printausgabe vor ein paar wochen hat patrick bahners die deutung nahegelegt, die decepticons seien ganz eindeutig eine allegorie zu islamistischen terroristen: sie leben auf einem kahlen planeten (dieser planet ist zwar auch die heimat der autobots gewesen, aber das scheint bahners irrelevant), kommen aus der wueste in die metropole, um unheil zu stiften, huellen sich in turbane und umhaenge – ihr anfuehrer hat, das musste bahners damals gar in die titelzeile des artikels packen, sogar einen metallischen falken als haustier.
    und auch in der online-ausgabe der faz schreibt claudius seidl ueber die “travestie des elften septembers”, als die er transformers 3 offenbar sieht:

    “Und dann erst merkt man, wie Bay hier eine Travestie des elften Septembers inszeniert, eine etwa halbstündige, total aus allen Fugen des Erzählens geratene Variation über ein Thema von Mohammed Atta, eine Montage aus Zitaten und Übertreibungen, in welcher nicht einmal die falling men fehlen, jene Leute also, die damals lieber in den Tod sprangen, als dass sie in den oberen Stockwerken darauf warten wollten, dass sie am Rauch erstickten oder im Feuer verbrennen würden.”

    zu x-men erscheint es mir sinnvoll darauf hinzuweisen, wie sehr dieser film historische realitaeten verzerrt (was das gute recht eines films ist, dann aber schwierig wird, wenn er vorgibt, sich in einem realen zeitlichen kontext verorten zu lassen): da sind die 60er jahre in den usa, invasion in der schweinebucht, kalter krieg – aber wo ist die buergerrechtsbewegung, wo sind die rassenunruhen, die in dieser zeit amerika erschuetterten?

    ta-nehisi coates schrieb dazu in der new york times:

    ““First Class” is set in 1962. That was the year South Carolina marked the Civil War centennial by returning the Confederate Flag to the State Capitol; the year the University of Mississippi greeted its first black student, James Meredith, with a lethal race riot; the year George Wallace was elected governor of Alabama. That was the year a small crowd of Americans gathered at the Lincoln Memorial and commemorated the 100th birthday of the Emancipation Proclamation. Only a single African-American was asked to speak (Thurgood Marshall, added under threat of boycott). In “First Class,” 1962 finds our twin protagonists, Magneto and Professor X, also rallying before the Lincoln Memorial, not for protest or commemoration, but for a game of chess. “First Class” is not blind to societal evils, so much as it works to hold evil at an ocean’s length. The film is rooted in its opposition to the comfortably foreign abomination of Nazism.”

  19. lasterfahrerei Says:

    Jede Deutung, jede Auslegung, jede Interpretation ein neues Kunstwerk, letztendlich existiert nichts davon. Das befremdet mich manchmal bei Gesprächen über z.b. Film, irgendwie als würde ich Zeit verlieren.

  20. Fundstücke – 21.07.2011 | Serdargunes' Blog Says:

    [...] Beständig ändern: Transformers 3 & X-Men First Class (classless Kulla / 08.07.2011) [...]

  21. Donauwelle Says:

    @lasterfahrerei – Das ist genau das was der Beitrag der Schweizer “die Wand” nennt. Wäre die Intention der Subtexte transparent dann könnte ein mündiges Publikum Konsensbildungen über Gleichnisebenen erbringen, und bereits durch die Möglichkeit dazu wäre das Verhältnis von Kultur und Politik ein anderes als unter dem Diktat der kommerziellen Massenkultur. Die Theorie dass diese Transparenz deswegen verbaut ist weil die kommerzielle Massenkultur nichts weiter zu bieten hat als neue Plagiate in alten Schablonen ist grundsätzlich falsifizierbar – jeder Künstler der versucht ein Massenpublikum zu erreichen ohne sich zu kommerzialisieren stellt einen solchen Falsifizierungsversuch dar. Ist es schonmal einem gelungen?

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