Nazis entzaubern und so: Nick Griffin bei der BBC

October 25th, 2009

Das ist ja wohl schiefgegangen. Vorher war abgewiegelt worden, es ginge nur um die journalistische Gleichbehandlung (“impartiality“); durch ihr Ergebnis bei der Europawahl sei es völlig legitim, die British National Party auch im Fernsehen auftreten zu lassen; überhaupt werden bei der Gelegenheit ihre Wähler mal mitbekommen, was sie da eigentlich gewählt haben und fürderhin vielleicht davon wieder Abstand nehmen.

Nicht wenige sahen dann in Parteichef Nick Griffins von heftigen Protesten begleiteten Auftritt bei Question Time auf BBC am Donnerstag eine Entzauberung, Griffin habe sich in Widersprüche verstrickt und sei fahrig erschienen. Nur: beim Wahlvolk kamen seine Vereinnahmung von Churchill, seine Positionierung gegen “foreigners” und sein Bekenntnis, kein Nazi zu sein, wohl anders an:

>>Einer Umfrage des Instituts YouGov im Auftrag der britischen Tageszeitung Daily Telegraph zufolge kann sich jeder fünfte Brite vorstellen („seriously consider“), bei den Parlamentswahlen im kommenden Frühjahr für die neofaschistische British National Party (BNP) zu stimmen. Vier Prozent der Befragten zeigten sich bereits entschlossen („definitely“), rechtsextrem zu votieren (…) Darüber hinaus gaben 43 Prozent der Umfrage-Teilnehmer an, dass sie die Haltung der Rechtsextremisten zur multikulturellen Gesellschaft teilen, obwohl sie nicht mit der Partei sympathisierten. (…) Derweil gab die BNP an, seit der Ausstrahlung der Sendung hätten sich 3.000 Menschen registriert, um in die Partei aufgenommen zu werden.<<

Und auch Politiker springen auf Griffins Themen an, so ein konservativer und ein Labour-MP in einem Artikel für den Telegraph:

>>A fight-back against the BNP will only begin when the party leaders give a full pledge that our population will not breach the 65 million barrier.<<

4 Responses to “Nazis entzaubern und so: Nick Griffin bei der BBC”

  1. ApologetischeFlausen Says:

    Ich habe mir den scheiss spätnachts life angetan… die Leute im Panel waren zumeist damit beschäftigt sich selbst schönzureden und Griffin ist nicht wirklich als Sympathieträger rübergekommen, aber wie heisst es so schön: Es gibt keine schlechte publicity…

    Viel krasser ist die Grundhaltung vieler Menschen mit denen ich vorher diskutiert habe und die meinem “keine Plattform für Nazis, nirgendwo” einfach ein plattes: “Ach quatsch eine gute Demokratie muss Menschen wie Griffin in aller Öffentlichkeit lächerlich machen” oder “Ja gut, vielleicht ist er ja homophob, rassistisch un anti-semitisch, aber immerhin wurde er gewählt und vertritt damit die Meinung eines bestimmten Teiles der Bevölkerung.” Nach der Logik ist dann ja wohl auch ein demokratisch gewählter Faschismus völlig in Ordnung… *an den Kopf fass*

    Die besten Zitate Nick Griffins aus der Question Time:

    Q: “Haben Sie den Holocaust geleugnet?”
    A: “Ich bin nicht dafür verurteilt worden.”

    Q: “Wieso haben Sie sich denn mit einem Mitglied des Ku-Klux-Klans getroffen”
    A: “… Es war zwar ein Mitglied des KKK, aber eines der gewaltfreien Gruppen.”

    Was die Taktik: Nazis als Idiot*Innen entblößen, damit sie dann keine*r mehr wählt angeht…

    Epic fail!

  2. Gehirnschnecke Says:

    Was vielen Gutmenschen nicht in den Kopf will ist die Tatsache, dass in rassistischen Gesellschaften Rassisten locker Wahlen gewinnen können, wenn sie als Rassisten “entzaubert” werden.

  3. Aktionskletterer Says:

    Das wäre schön wenn England sich endlich wieder so weit beruhigt dass die Kameras abgebaut werden können. Der ganze Zauber der Eurofaschisten besteht darin, dass sie eine Art kulturelle Hegemonie über die Opposition in Amerika ausüben. Griffin & Co sind sozusagen das Ufo am Horizont der Alufolienmützen.

  4. c. Says:

    Scheinbar sind die Umfragen nicht wirklich eindeutig:
    http://lancasteruaf.blogspot.com/2009/10/griffin-tv-appearance-fails-to-lift-bnp.html

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