Zum Jahrestag der Ermordung von Luxemburg & Liebknecht

January 8th, 2013

Am 15. Januar 1919 ermordeten mit Billigung der SPD-Führung Freikorps-Nazis in Berlin Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht für ihre führende Rolle bei der kommunistischen Verschärfung der Novemberrevolution – wie diese beiden fielen Tausende dem von den regierenden Sozialdemokraten beauftragten konterrevolutionären Terror zum Opfer. Aus diesem Anlaß finden nun am Sonntag (mindestens) zwei Demonstrationen statt, an denen ich mich nicht beteiligen werde.

Weder nehme ich an der LL(L)-Demo teil, auf der seit Jahren immer wieder mir politisch nahestehende Menschen angegriffen wurden und auf der “kraftvolle Blöcke” ihre säkular-konfessionellen Bekundungen komplett ernst zu meinen scheinen.

Genauso wenig zieht es mich aber zur “Rosa&Karl”-Demo, die in Folge des letztjährigen Angriffs auf eine kritische Intervention am Rande der LL-Demo entstand. Es mag einige im Demobündnis überraschen oder auch verärgern, da sie mich für einen Verbündeten zu halten scheinen, aber die Differenzen sind mir zu gravierend. Die für mich wichtigsten:

  • Die Zeile “Nein, nein, das ist nicht der Kommunismus” wird im Aufruf zur Demo aufgegriffen und irgendwie als Beitrag zur linksradikalen und sozialdemokratischen Strategiediskussion mißverstanden – es sei hier nochmals auf die Bedeutung dieses CD-Titels und Aufklebermotivs verwiesen:

    Die sozialistischen Bewegungen und Staaten waren insofern bisher kein Kommunismus (…) als daß die staaten- und klassenlose, herrschaftsfreie Weltgesellschaft nicht eingerichtet, das Kapitalverhältnis nicht aufgehoben, die Lohnarbeit nicht abgeschafft wurde. Dieser Umstand war und ist in diesen Bewegungen und Staaten ein Allgemeinplatz (…) Insofern richtete sich die Ansage nicht an jene, die den Unterschied selbst kennen wie z.B. das Personal der chinesischen Botschaft, sondern an jene, die ihn gewohnheitsmäßig verwischen wie etwa der SPIEGEL und sein Publikum.

    Es war aber auch nicht einfach nicht der Kommunismus, insofern es sich um die Projekte von Kommunistinnen handelte, den Kommunismus einzurichten, mit welchen womöglich unangemessenen oder untauglichen oder per se falschen Mitteln jeweils auch immer. (…) Viel schwerer zu beantworten ist die Frage, inwiefern es sich bei den KPs, Sowjet- und Volksrepubliken um den Kommunismus im Marxschen Sinne der “wirklichen Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt”, handelte und handelt, da sie ebendieser Bewegung in enormem Maße zugearbeitet wie ihr auch geschadet haben könnten – das ist letztlich auch immer eine Frage der vorstellbaren Alternativen und läßt sich vermutlich erst im Rückblick entscheiden, wenn es dereinst vollbracht sein sollte.

  • Im Aufruf wird Ho Chi Minh kommentarlos und ohne ein Wort zum Vietcong oder zur Tet-Offensive in eine Aufzählung zu “brutalen Diktaturen und repressiven Systemen” eingefügt.

  • “Die Verbrechen des Ho Chi Minh: Antirassismus und Internationalismus.”

  • Auch den Trailer zur Demo, in dem Luxemburg- und Liebknecht-Zitate durcheinandergeworfen werden, als wäre ihre Entstehungszeit nicht äußerst relevant, finde ich dubios, besonders, wie mit Luxemburgs Wort von der politischen Aufklärung als einziger anzuwendender Gewalt und mit dem ganzen Asamblea- und 5-Finger-Footage der Gewaltfreiheit das Wort geredet, also für Selbstverpflichtung zur Anerkennung des stattlichen Gewaltmonopols und für Selbstentwaffnung geworben wird, mithin eine Grenze zwischen guter und böser Revolution entlang der Gewaltfrage gezogen wird.
  • Zum Demobündnis gehören auch Jusos, die Luxemburg und Liebknecht mit ihren Vornamen ansprechen, als wären es ihre Genossinnen.

  • Das Leben nehmen…

  • Und echt mal: “Reloaded”! Meine Fresse.
  • Vielleicht schau ich’s mir trotzdem kurz mal an, aber mir wäre viel eher danach, zum Beispiel das Telegraphenamt oder die Grundbuchämter oder endlich mal die oberste Etage des Beisheim-Centers zu besetzen oder sowas. Ohne begleitende Wunder hätte das allerdings auch nicht viel Sinn.

    (Meta: Mein Gesamtzustand ist unverändert schlecht, weshalb das Posting weniger ausführlich ist, als dem Thema angemessen wäre. Es ist jetzt einfach soviel, wie ich dazu sagen will und vor allem kann, bevor die Demos stattfinden.)

    33 Responses to “Zum Jahrestag der Ermordung von Luxemburg & Liebknecht”

    1. Norbert Says:

      Okay, ich weiß es nicht, deshalb die Frage, weil Du es so apodiktisch an den Anfang stellst: Wie fest steht es denn, dass L & L, Rosa & Karl, mit “Billigung der SPD-Führung” von Freikorps-Nazis ermordet wurden? Gibt es dafür Belege? “Billigung”, heißt das, dass die SPD-Führung Mitwisser war oder gar Auftraggeber? Du forderst ja zu Recht den historischen Kontext für die Verwendung von Zitaten ein. Das müsste andersherum aber auch gelten, gerade bei solchen Vorwürfen. Also: welche Quellen, welche Belege gibt es für die Behauptung, führende Sozialdemokraten seien vorab Kenntnis von der Ermordung Luxemburgs und Liebknechts gehabt, hätten sie gar in Auftrag gegeben, oder doch nur gebilligt, d. h. in irgend einer Weise gerechtfertigt? Bitte: die Frage ist nicht polemisch gemeint.

    2. Benni Says:

      Ehrlich gesagt, vermute ich, dass die einfach Ho-Chi-Minh mit Pol-Pot verwechselt haben, warum sonst sollte der fehlen in dieser Reihe?

      Ansonsten wünsche ich alles Gute für den Gesamtzustand, auch wenn es ja sicher nichts hilft.

    3. istari papkarton Says:

      “Die dem Kapitalismus innewohnende Logik und Dynamik”

      immer ist die logik und dynamik schuld. abjelatscht.

    4. Christoph Says:

      Ich finde deine Positionierung sehr gut und teile sie auch in weitestgehenden Punkten. Auch wenn Berlin ein Weg von nicht mal zwei Stunden wäre, wäre es mir an der politischen Absurdität allein diese Zeit zu diesem Anlass nicht wert. Insgesamt merkt man dem Text aber einen starken ersten Teil und ein Abflachen zum Ende ab. Die Spannungskurve höher zu halten wäre natürlich etwas gewesen, ist aber vielleicht zu dem “Meta” passend. Was heißt unverändert schlechter Gesamtzustand? Klingt nicht schön, nahezu besorgniserregend.

    5. classless Says:

      @ Benni

      “dass die einfach Ho-Chi-Minh mit Pol-Pot verwechselt haben”

      Das macht’s jetzt noch mal auf welche Weise besser…?

    6. Kirillov Says:

      “Zum Demobündnis gehören auch Jusos, die Luxemburg und Liebknecht mit ihren Vornamen ansprechen, als wären es ihre Genossinnen.”

      Starke Zeile. Moralische Empörung steht dir gut! Und gute Sache auch.

    7. Tatanua-Sankofa Says:

      Klar, man kann sich von allem und jeden distanzieren. Weil alle anderen nicht dem eigenen hohen Ideal entsprechen. Wenn man Glück hat, wird man damit später in irgendwelchen alternativen Geschichtsdarstellungen als löbliche Außenseiterposition erwähnt.
      Aber nützt dies irgendetwas in der Sache? Ist es “links”, wenn man mit seiner Position ganz allein bleibt? Wäre es nicht wichtiger, Bündnisse zu knüpfen? Etwa: “Daß Eure Gewaltfreiheit funktioniert, bezweifle ich, aber uns eint, was wir verändern wollen.”
      Weils mich gerade beschäftigt: Im niederländischen Widerstand gegen die deutsche Besatzung 1940-45 gab es monarchistische, bürgerliche und linke bewaffnete Gruppen, die teilweise gegeneinander, oft jedenfalls separat handelten. Was ihre Wirksamkeit drastisch verringerte. Dann gab es aber auch christliche Widerstandsgruppen wie “Biblia 2000″, die strikt pazifistisch waren. Sie halfen Verfolgten beim Untertauchen, fälschten Pässe und Lebensmittelmarken, spionierten die Besatzungsbehörden aus. Bei meinen Forschungen konnte ich finden, daß es Widerständler der extremen Linken gab, die selber dem Konzept der Gewaltfreiheit nicht folgten, die pazifistischen Gruppen aber hoch achteten und mit ihnen zusammen arbeiteten.
      Warum soll Derartiges nicht erneut möglich sein?
      Sollte uns das Ziel nicht vereinen?

    8. Tatanua-Sankofa Says:

      Zum 1. Post von Norbert: Es gibt sicherlich mittlerweile wissenschaftlichere Darstellungen, welche Du sicher leicht finden könntest. Mir hat zum Verständnis des Doppelmords an Luxemburg und Liebknecht sehr die meisterhafte Darstellung des (im Übrigen stockkonservativen) Sebastian Haffner geholfen: Der Verrat: 1918/19 – als Deutschland wurde, wie es ist, Berlin: Verlag 1900 (1993), S. 139-150; ebenso aus dem gleichen Verlag: Klaus Gietinger, Eine Leiche im Landwehrkanal: Die Ermordung der Rosa L., Berlin 1995.

    9. Ho- Ho- Ho-Tschi-Minh Says:

      Whow. Das war das tapfere Statement an dem du die letzten Wochen gefeilt hast?

      Diese repektlosen Jugendverbände haben dir deinen – oh, nein, Binis – Spruch geklaut? Und ihn nicht genau so ausgelegt, wie du es vorgegeben hast? That’s it? Und diese Sozialdemokrat*innen wagen es Rosa und Karl mit Vornamen anzusprechen, dabei darfst das doch nur du? Really?

      Darüber hinaus fällst du mit Bravour auf dieselbe billige Scheindebatte herein, wie der Rest der identitären Echt-Linken(TM). Eine Initiative zur Problematisierung von Stalinismus und Maoismus anerkennen oder doch lieber über die Sozialdemokrat*innen schimpfen? Da ist doch die Entscheidung einfach. Mit Distanzierungen kann man schließlich nie was falsch machen. Nur jede Menge kaputt.

      Kurios mutet da nur das diffuse Plädoyer für Ho-Chi-Minh an. Dem Aufruf fehlt eine detaillierte Analyse seiner Person, welche herausarbeitet wieso unter diesem ersten der vietnamesischen Diktatoren doch nicht alles schlecht war? Wer bist du und wo hältst du Kulla gefangen?

      Erhellend.

    10. classless Says:

      @ Ho- Ho- Ho-Tschi-Minh

      “Das war das tapfere Statement an dem du die letzten Wochen gefeilt hast?”

      Siehe meta und wo hab ich was von tapfer gesagt?

      “Diese repektlosen Jugendverbände haben dir deinen – oh, nein, Binis – Spruch geklaut?”

      Der gehört niemandem.

      “Und ihn nicht genau so ausgelegt, wie du es vorgegeben hast?”

      Sie haben angekündigt, ihn verwenden zu wollen, ich hab geantwortet, daß ich wissen will, wie und in welchem Kontext, und dann haben sie ihn so verwemdet, wie sie ihn verwendet haben, ohne mir was zu sagen.

      “Und diese Sozialdemokrat*innen wagen es Rosa und Karl mit Vornamen anzusprechen, dabei darfst das doch nur du?”

      Wo mach ich das denn?

      “Kurios mutet da nur das diffuse Plädoyer für Ho-Chi-Minh an.”

      Kommen jetzt als nächstes Loblieder auf den heldenhaften Kampf der US Army in Vietnam?

    11. O.o Says:

      “Die Zeile “Nein, nein, das ist nicht der Kommunismus” wird im Aufruf zur Demo aufgegriffen und irgendwie als Beitrag zur sozialdemokratischen Strategiediskussion mißverstanden.”
      Hää? Wie kannst du alle in diesem breiten Bündnis befindlichen Gruppen in einen Juso-Topf werfen??? Nicht sehr differenziert, wie du da argumentierst, finde ich.

      Die Aufregung, dass selbst die Vertreter*innen dieses unverschämten Jugendverbandes “Jusos”, der Verband der karrieregeilen Kinder der Mörder von Luxemburg und Liebknecht, es wagen, selbige mit dem Vornamen anzureden, scheint in der Linken spektrenübergreifend für Herzrasen zu sorgen. Kritik an Sozialdemokratie und Parteienjugenden sind legitim und wichtig, aber auf diesem Niveau?

    12. tüdel Says:

      als ich mag deinen kram.mc einfach weier, s gibt ja leutz wie mich dies durch ufall finden und gerne pluralisitsch lesen. würd mich ja auch als anarcha bezeichnen(wenn ich müsst) les aber die junge welt…..bin ich nun böse????ich glaub nicht….

      ps.ich geh trotzdem und wenn schon provokativ dann mit ner schwarzen ahne mit weisem a im kreis und nem ezln pulli….kommt doch und boxt mich^^

      nee im ernst ich finds tol

    13. Ho- Ho- Ho-Tschi-Minh Says:

      Meine Kritik an deinem Statement sollte eigentlich zum Ausdruck bringen, dass deine Distanzierungsgründe alle reichlich banal sind. Penibler wurde eine Demo von dir wahrscheinlich noch nie kritisiert.

      Viel ärgerlicher allerdings ist, dass dich das eigentliche Anliegen der Demo, nämlich Stalinismus und Maoismus zu problematisieren, offenbar reichlich egal ist.

      Im Effekt entscheidest du dich damit – aus welchen (identitären?) Gründen auch immer, die angeführten werden es wohl kaum sein – gegen eine Unterstützung dieses ernstzunehmenden Versuchs den Stalinismus aus dem LL-Gedenken zu verdrängen – und damit aus der Anerkennung als Teil der Linken.

      Und nein, die Beschissenheit von Minh, seiner Partei und dem Vietcong ist natürlich kein Grund der US Army in Vietnam etwas abzugewinnen.

    14. classless Says:

      @ Ho- Ho- Ho-Tschi-Minh

      “Penibler wurde eine Demo von dir wahrscheinlich noch nie kritisiert.”

      Naja, normalerweise mach ich das hinterher und sonst wird sich auch nicht auf mich bezogen. (Und ich frage mich weiterhin, wozu ich erst gefragt werde, ob das Motiv verwendet werden kann, wenn’s dann doch einfach so passiert.)

      “gegen eine Unterstützung dieses ernstzunehmenden Versuchs”

      Die meisten Leute, mit denen ich in den letzten Wochen über diese Demo gesprochen habe, haben dadurch zuerst von ihr erfahren. Und von dem Schlag, daß ich nur mal kurz vorbeischauen werde, kann sich diese Demo sicherlich nie erholen ;-)

      “die Beschissenheit von Minh, seiner Partei und dem Vietcong”

      Na bitte, das kommt doch schon ganz locker raus!

    15. classless Says:

      @ O.o

      Hab’s konkretisiert und hab kein Herzrasen.

    16. classless Says:

      (Bin jetzt ein paar Tage unterwegs und schau hier nur sporadisch zum Kommentarefreischalten rein.)

    17. Kirillov Says:

      “Eine Initiative zur Problematisierung von Stalinismus und Maoismus…”

      Die Losung lautet unmissverständlich “Gedenken in der Krise”, das Bündnis heißt sich “Rosa & Karl” und es begreift sich nach Facebook zuerst und ausdrücklich als “Neues Jugendbündnis in Gedenken an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht” Daran wird die Sache zu Recht gemessen. Wenn Gedenken hier folgerichtig offenbar der Mauertoten gedenken heißen soll, dann muss sich wohl oder übel mit der zum Himmel stinkenden Hypokrisie beschäftigt werden, welche durch die gesammelten, gestammelten Veröffentlichungen dieses Bündnisses sich zieht.

      Bereits im Aufruf wird mit keinem Wort die Rolle der SPD in der Ermordung Luxemburg und Liebknechts erwähnt. Die beiden wurden aber durch Regierungstruppen hingerichtet, deren Auftraggeber die SPD-Führung selbst gewesen ist. Ihre Rolle in der Novemberrevolution wird zur schlichten “Versöhnung mit Staat und Kapital” und “Übernahme von Regierungsverantwortung” umgelogen. Die Hetze gegen Sozialisten und Revolutionäre, die Aufstellung von Freikorps, die tatkräftige Zertrümmerung der Revolution im Verein mit den Militärs. Kein Wort. Stalin und Maos Antikommunismus hingegen wird breit thematisiert. Wem oder was wird hier denn gedacht respektive nicht gedacht?

      Unerträglich ist aber die Stellungnahme der Jusos. Nicht genug, dass von “historischen Versäumnissen” und passivem “wüten lassen” die Rede ist, wo leider(!) nicht “historisch” irgendwas “versäumt”, aber aktiv “gewütet” wurde, sie nehmen diese bedauerlichen “Rückfälle” auch noch zum Anlass Reklame zu machen für ihre Partei. Schließlich wird außerdem von einem “reaktionären” “Wesen der Sozialdemokratie” geschwafelt, als wäre gerade Luxemburg und Liebknechts Hauptengagement und nicht ausschließlich die SPD ihrem Wesen nach reaktionär gewesen. Leichenfledderei ist das, wenn dieses absurde Schauspiel außerdem mit Zitaten der beiden reichlich versehen wird.

      Wie wäre es und die Verteidiger dieses Spektakels machten endlich ernst mit der immerzu proklamierten “schonungslosen Selbstkritik”, statt der nicht unbegründeten Einsicht, dass die Sache nämlich fürchterlich gegen die Wand gefahren wird, mit tauben Ohren und Beissreflex zu begegnen? Es gibt mithin nämlich keinen Grund mehr die eine Farce der anderen vorzuziehen. Beides ist gleich hässlich.

    18. Max Says:

      “Naja, normalerweise mach ich das hinterher und sonst wird sich auch nicht auf mich bezogen. (Und ich frage mich weiterhin, wozu ich erst gefragt werde, ob das Motiv verwendet werden kann, wenn’s dann doch einfach so passiert.)”

      Und ich dachte, die Poesie soll von allen gemacht werden, fuck Copyright, Diskordian commons-ism und so? Enteignet die Zeichen, werft sie in andere Zusammenhänge, Expropriation der Akteure usw.?

      Nein, nein, das ist nicht der Diskordismus!!

    19. O.o Says:

      “…besonders, wie mit Luxemburgs Wort von der politischen Aufklärung als einziger anzuwendender Gewalt und mit dem ganzen Asamblea- und 5-Finger-Footage der Gewaltfreiheit das Wort geredet, also für Selbstverpflichtung zur Anerkennung des stattlichen Gewaltmonopols und für Selbstentwaffnung geworben wird, mithin eine Grenze zwischen guter und böser Revolution entlang der Gewaltfrage gezogen wird…”
      Da musste ich mir das Video jetzt schon 2x anschauen, damit ich diese Assoziation erkennen konnte. Es sind keine Griechenland-Riots zu sehen, ok, aber ich denke Absicht dieser Bilder war es, einen Ausschnitt linker Bewegungen zu zeigen, von ner Black-Block-Demo über Veranstaltungen des massenhaften zivilen Ungehorsams wie Heiligendamm oder Occupy-/Assemblea-Protestcamps. Dass damit ein Versuch unternommen werden soll, irgendwen oder irgendwas entlang der Gewaltfrage zu spalten, ist mir auf den ersten Blick jedenfalls nicht ersichtlich.
      Wäre mal interessant, genaueres vom Bündnis dazu zu hören.

    20. classless Says:

      @ Max

      Hab ich ‘ne Abmahnung geschrieben? Hab ich irgendwo gesagt, sie sollen das nicht machen?

      @ O.o

      Ich finde das in der üblichen Poesiealbumsfassung wiedergegebene Luxemburg-Zitat in diesem Zusammenhang viel stärker als die Bilder.

      (Im Original übrigens von 1898: “…ich sage, das einzige Gewaltmittel, das uns zum Siege führen wird, ist die sozialistische Aufklärung der Arbeiterklasse im alltäglichen Kampfe.” http://www.marxists.org/deutsch/archiv/luxemburg/1898/10/stuttgart1898.html )

    21. Arschkrebs (2.0/compatible) Says:

      Ich habe ja hier lange nicht mehr reingeschaut, aber mir wurde von dem Beitrag hier berichtet und ich kann nur sagen, dein Geisteszustand scheint auf jeden Fall auf dem Weg der Besserung zu sein. Glückwunsch.

      P.S.
      Das ist ernst gemeint, auch wenn du es von mir vielleicht nicht hören willst.

    22. trombose Says:

      ´Tschuldigung, erst sagst Du, der Satz wäre Deiner – und Du wärst unzufrieden, wie er benutzt werde. Als jemand einwarf, dass der Satz eigentlich von Bini Adamczak ist, und eben nicht von Dir, sagst Du, der gehöre keinem. Das macht keinen Sinn.
      Pedantisch ausgedrückt hätten die Veranstalterinnen wohl eher Bini fragen sollen – und Du das denen sagen (“Fragt Bini Adamczak.”) – und Dein Beleidigtsein hätte sich etwas relativiert.
      Sonst finde ich einige Deiner Kritikpunkte durchaus nachvollziehbar, auch wenn die Distanzierungsgeste mit all´ den peniblen Details etwas übertrieben wirkt.

    23. Mili Tanz Says:

      Verdammt schade (und falsch), dass die “Rosa&Karl”-Kampagne von allen so niedergemacht wird. Immerhin ist eine Intervention nicht nur gegen autoritäre Sozialismus-Konzepte, sondern auch gegen die verkürzte / personalisierte Kapitalismuskritik des in der radikalen Linken mittlerweile wieder enorm einflussreichen Antiimp-/ML-Spektrums bitter notwendig. Das gesamte Bündnis als “sozialdemokratisch” zu denunzieren (“sozialdemokratische Strategiediskussion”), wird der Sache auch einfach nicht gerecht – schau dir mal das Veranstaltungs-/ Seminarprogramm z.B. von den Berliner Falken oder der NFJ an: radikaler als bspw. irgendwelche VoKü-Hippies und die meisten Jugendantifas sind die allemal. Da wird gute, zum Teil explizit linksradikale, Bildungsarbeit geleistet.

    24. Philipp Says:

      @classless

      Dein Punkt mit der Gewalt ist, mit Blick auf die GenossInnen die dafür verantwortlich sind, eine Fehlinterpretation von Dir. Ich denke es geht da, wie Luxemburg und dem Spartakus insgesamt, mehr um die Frage von Masse und Avantgarde und ob die Eroberung der Macht durch eine Minderheit in einer günstigen Situation die Art und Weise ist wie proletarische Revolutionen von statten gehen. Ob die tragweite der Diskussion den MacherInnen dabei bewusst war denke ich eher nicht, da gings eher um das Verhältnis von gewaltsam gestützte Herrschaft einer Minderheit versus Revolution der aufgeklärten Massen.
      An dem Aufruf gibt es dann – neben dem Ho Chi Minh Unsinn – dann auch ganz andere Dinge zu kritisieren: z.B. das man einerseits der LL-Demo ein Instrumentalisierung Luxemburgs vorwirft, andererseits sie aber selbst bloß instrumentalisiert – denn im Aufruf ist ja durchaus bemerkbar, dass man eigentlich von Luxemburg keine Ahnung hat. Bei der Sowjetunion und den anderen sozialistischen Staaten sieht der Stand der Kenntnis dem Aufruf nach zu urteilen ähnlich aus. Identitäre Abgrenzung geht da halt vor Kritik und ein identitäres Angebot möchte man da durchaus auch machen.

    25. classless Says:

      @ trombose

      Okay, noch mal Schritt für Schritt: Ich wurde gefragt, ob das Aufkleber-Motiv/CD-Cover verwendet werden kann und hab gesagt, daß ich gern wüßte, wie und wo genau. Der Satz wiederum entstammt dem Buch “Kommunismus – kleine Geschichte, wie endlich alles anders wird” von Bini Adamczak. Zu keinem Zeitpunkt ging es darum, irgendwem irgendwas zu untersagen. Ich sage nur, daß ich Aufklebermotiv/CD-Cover/Refrainzeile nie so gemeint habe, wie es jetzt dort verwendet/referenziert wird.

    26. trombose Says:

      @ Classless
      ok, verstehe.

    27. drittereihe Says:

      @classless:

      Wo verwendet das Bündnis denn dein CD-Cover-Motiv?

    28. B.Deutung Says:

      classless ich pflichte dir bei, sozialdemokraten- bündnisse sind auch keine antwort auf linke identitätskrisen, sondern nur teil einer irregeleiteten identitätsfarce.

      halte es da lieber mit brecht:” und was immer ich auch noch lerne, das bleibt das einmaleins nichts habe ich gemeinsam mit der sache des klassenfeinds!”

      muss mich wohl tatsächlich entscheiden, zwischen old school commies (möglicherwise sind da dann tatsächlich die angepriesenen stressigen stalos und maoisten- gibts die wirklich noch?- drunter) und einer demo voll heuchlerischer sozis ?! was tun? mich kotzt dabei, dass stressige emanzipationsgelaber im aufruf der selbsternannten kommunismusschützer an, klingt verdammt nach sinn entleerten politikergeschwätz! die phrasen sind unerträglich, emanzipation so gelesen, erinnert mich an das menschheitsinteressengeschwätz der 80er, der gorbatschowverehrer, klingt nach entwaffnung der radikalen linken und erzeugt bei mir ein ungutes gefühl. ich zumindest möchte immer noch teil der wirklichen bewegung zur überwindung des jetzigen zustands sein!

      geh am sonntag dann wohl – trotz bedenken – zum frankfurter tor, trotz alledem!

      … für den kommunismus

    29. Karl Korsch Says:

      Classless, Grüße aus Halle.

      Hatten uns nach deinem Konzi im VL recht entspannt unterhalten über die Erfahrung Marx mittels Bewusstseitserweiterung zu lesen. Lach! Nun zum Anlass, dass ist ja beschissen mit diesen Demos, da hat mensch die Wahl zwischen Pest und Cholera. Ich würd weder zu der einen noch zur anderen gehen, doch ich leb ja auch nicht in Berlin. Schade nur, dass die Alternative keine ist, das ist ärgerlich.

      Bis neulich….

    30. Caerulea Says:

      Hallo Daniel,
      “… aber mir wäre viel eher danach, zum Beispiel das Telegraphenamt oder die Grundbuchämter oder endlich mal die oberste Etage des Beisheim-Centers zu besetzen oder sowas. Ohne begleitende Wunder hätte das allerdings auch nicht viel Sinn.”

      Gut, dass du das selbst als etwas Illusorisches einschaetzt. Aber es wundert mich schon, dass du sowas eigentlich Naives ueberhaupt erwaehnst? Was sollte es denn bringen, ein Grundbuchamt zu besetzen? Das Grundbuchamt verwaltet und dokumentiert doch nur, es besitzt oder bestimmt doch nichts gegen den Willen der Leute die dort registriert sind. Da muesstest du eigentlich jeden Haushalt auch besetzen, was noch unrealistischer ist.

    31. classless Says:

      “jeden Haushalt auch besetzen”

      Naja, eins nach dem anderen. Die beiden Ämter waren schon vor allem der historischen Referenz wegen drin.

    32. Max Says:

      “Ich sage nur, daß ich Aufklebermotiv/CD-Cover/Refrainzeile nie so gemeint habe, wie es jetzt dort verwendet/referenziert wird.” (Kulla)

      Nie so gemeint, blabla. Warum SAGST du nicht einfach auch das, was du meinst? Mein Tipp: du kannst es nicht, bzw. weisst selber nicht, was du so “meinst”. Vielleicht einfach mal die Fresse halten.

    33. Fidus Says:

      Vietnam ist tatsächlich ein Schlüsselproblem antiimperialistischer Positionen, vielleicht auch wegen der personellen Assoziation des Regimes, schließlich handelt es sich um ein Land wo der Staat in die Atomenergie einsteigen will also die Dominanz der Konzernmafia evident ist. Die amerikanische Politik im vorigen Jahrhundert war die Fortsetzung der Taktiken der europäischen Kolonialmächte mit anderen Mitteln, so wie sie es auch mit den Taktiken der deutschen Nazis gemacht haben, andererseits kam der Cargo-Kult-Kommunismus der asiatischen Patriarchate nicht über WiN-Situationen (WiN = NSU auf polnisch*) hinaus, ausgenommen vielleicht Nordkorea. Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg hätten, konfrontiert mit der Frage was es für den Kommunismus auf der Welt bedeutet dass das Land das über die größte Unabhängigkeit vom Kapitalismus verfügt lediglich dadurch in diese Situation gelangt ist – und auch das nur zur Hälfte – weil die kapitalistischen Staaten um es herum sich mit so schrecklichen Waffen bekriegten dass sie sich dabei dermaßen erschreckten dass dem Ende einer Besatzungsmacht nicht sofort der Einmarsch einer anderen folgte, wahrscheinlich darauf beharrt dass eine derartige Waffe auch in Zeiten größter Aussichtslosigkeit grundsätzlich nicht in Umlauf gebracht werden darf.

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