Bastard Litte

August 9th, 2002

Darauf, daß man zunächst Verhältnisse schaffen muß, die es den bösen Menschen erlauben, auch mal nett zu sein, kommt ein deutscher Schriftsteller nicht.
Nach mir war eine Rockgruppe angekündigt, die Fans hätten auch erst nach meiner Lesung kommen können, aber damals waren das Literatur- und das Musikpublikum noch nicht so geteilt. “Für mich ist das normal, denn wenn man mit Musikanlagen aufwächst, kann auf der einen SLEATER KINNEY und auf der anderen MOS DEF laufen, und man kann es an- und wieder ausmachen. Weißt du, genau so habe ich Musik gehört. Erklärt es nicht allein. Keine Party mehr ohne “Mash-Ups”, wie die Mischmasch-Musikstücke unter anderem genannt werden. Warum bestand er dann darauf, alles ließe sich darauf reduzieren? So hab ich irgendwie eine Pop-Platte gemacht, die Pop-Platte, die ich immer hab kaufen wollen. Erklärt es nicht allein. Die Rock’n’Roll-Platte, die ich immer hab kaufen wollen. Erklärt es nicht allein. Vielleicht sogar die Folk-Platte, die ich immer haben wollte… Erklärt es nicht allein. Wobei die Reputation eines Bootleg-Rebellen wohl dann steigt, wenn er das Urheberrecht besonders oft bricht. Die Gesetze brechen, denn dazu sind sie da. Don’t worry ’bout the law, they can’t arrest us all. Ich werde gefragt: “Was ist dein größter musikalischer Einfluß?” Und ich sage, John Cassavetes, ein Filmregisseur… Wichtigere Faktoren kennen wir vielleicht noch nicht. “Mann, ich weiß nicht, was es ist. Manchmal verhält es sich wie ein Teilchen, manchmal wie eine Welle. Die ganze Materie scheint daraus aufgebaut zu sein, aber ich weiß nicht, was es ist.” Ja, ja, du erklärst es nicht. Die besten Bootlegs, heißt es, sollen wie Autounfälle sein.
Eine wundervolle Familie, die verschiedenste Kulturen, Klassen, Rassen, Geschmäcker, verschiedenstes Alles vereint. Wir erkennen alle die Bedeutung von BACH und BAD RELIGION und RICHARD CHEESE… Auf der Bühne sind üblicherweise nur drei Mitglieder des Kollektivs, das insgesamt viel größer ist, sowas wie Darwin feat. Kropotkin “Leben ist Kampf _und_ Kooperation (und oft etwas anderes), je nachdem”. Was im HipHop und House zur Perfektion getrieben wurde, das Zitat, der Rekurs, die Schnipselei, wird nun im Mash-Up-Dilettantismus zum dumpfen Volksgut. Es war eine große Wohnzimmer party und wurde erst später eine Band.
Das alles und noch viel mehr
kommt der Sache vielleicht näher

(Live in der Brotfabrik las ich alles kursiv Gesetzte und Don Tom alles andere. Samples aus einem Interview mit James DiSalvio von Bran Van 3000, aus meinem Buch “Eine perfekte Welt mit Pickeln”, aus einem Aufsatz von Daniela Dahn, aus der ‘konkret’ und aus dem Song “Ugly” von Bubba Sparxxx.)

2 Responses to “Bastard Litte”

  1. classless Kulla » Blog Archive » Die Reunion bzw. Redivision Says:

    […] haben Don Tom und ich gestern wieder Cut-up vorgeführt und ausgelöst, in vielerlei Hinsicht wie damals: improvisierte Mucke, Gelächter, Rausch, Verwunderung, wenige Gäste, die aber fast alle bei der […]

  2. classless Kulla » Blog Archive » Der Don ist tot Says:

    […] Hab gerade erfahren, daß mein langjähriger Mitstreiter in Sachen Cut-up, Textremix und 2-Leute-Hardcore, Don Tom, vor wenigen Tagen an Krebs gestorben ist… Für alle, die ihn nicht kannten – sowas haben wir gemacht: Bastard Litte. […]

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