Dresden – na endlich!

February 20th, 2011

Schön – nachdem die Dresdner Antifa jahrelang fast allein bis zu 1.200 Leuten in die Stadt mobilisiert hat und Europas größten Naziaufmarsch (bis letztes Jahr meist über 5.000 Teilnehmende) teilweise blockieren und behindern konnte, nachdem dann eine bundesweite Mobilisierung unter starken inhaltlichen Zugeständnissen es letztes Jahr schaffte, daß die Nazis nicht vom Bahnhof Neustadt weglaufen konnten (wenngleich dennoch 2.000 von ihnen quer durch die Neustadt zogen), kamen dieses Jahr insgesamt wohl über 20.000 Blockierwillige zusammen und sorgten zum Teil mit beachtlicher Militanz dafür, daß die ohnehin nicht mehr so zahlreichen Nazis praktisch unverrichteter Dinge wieder abziehen mußten. Dabei half sicher auch der Umstand, daß weniger Cops in der Stadt waren als am Wochenende zuvor – dafür waren sie aber auch entsprechend drauf und setzten etwa bei dieser Räumung Pepperballs ein:

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Pepperball-Gun

Während die Nazis versuchten, zu ihren Aufmarschplätzen zu gelangen, kamen sie in in Löbtau am Hausprojekt “Praxis” vorbei, das sie schon in der Vergangenheit mehrfach angegriffen haben, und konnten sich dort unter den Augen der Polizei minutenlang austoben:

Als alles schon vorüber war, hatte die Polizei dann wohl noch Bock:

>>Am Abend des gestrigen 19. Februar stürmte ein Sondereinsatzkommando der Polizei in voller Kampfausrüstung und mit maskierten Gesichtern das Haus der „Begegnung in Dresden“. Dabei wurden sämtliche Türen des Hauses aufgebrochen, eingetreten oder aufgesägt. Betroffen ist u.a. die Dresdner Geschäftsstelle der Partei DIE LINKE sowie die Rechtsanwaltskanzlei des Rechtsanwalts Thomas Grundmann. Mehrere Personen wurden durch das äußerst rabiate, aggressive und völlig unverhältnismäßige Vorgehen des Sondereinsatzkommandos verletzt. (…) Eine schriftliche Durchsuchungsanordnung konnten die Strafverfolgungsbehörden jedoch nicht vorlegen. Die zum Zeitpunkt der Erstürmung im „Haus der Begegnung“ anwesenden circa 15 Personen wurden in polizeilichen Gewahrsam genommen. Diese Personen, welche z.T. ehrenamtlich die Geschäftsstelle der LINKEN betreuten, wurden nicht über ihre Rechte belehrt. Sie mussten sich bis auf die Unterwäsche entkleiden.<< (taz dazu)

(Jetzt gibt es von 14 bis 15 Uhr eine Rückschau auf den gestigen Tag bei Coloradio.)

22 Responses to “Dresden – na endlich!”

  1. acer Says:

    Klingt echt super, aus beruflichen Gründen blieb mir der Weg gen Osten leider versperrt, deswegen diese Nachfrage: was hat es genau mit den 20.000 Gegendemonstranten auf sich? Diese Zahl taucht in verschiedenen Medien auf, jedoch nirgendwo aufgeschlüsselt. Ist das die Summe der Teilnehmer_innen bei ‘Dresden nazifrei’, bürgerlichen Anti-Nazi-Kundgebungen und/oder Gedenkveranstaltungen und bei den städtischen Sachen, wie der Menschenkette? Oder knapp 20.000 “Blockierwillige”, wie du schreibst? Das wäre natürlich super.

  2. classless Says:

    Aufschlüsseln könnte das vielleicht noch mal jemand mit mehr Überblick – ich habe das so verstanden, daß das die Summe all derer ist, die sich im Einzugsgebiet der angemeldeten Naziaufmärsche aufhielten und die Absicht hatten, sie zu verhindern. Daher meine Formulierung.

  3. urban Says:

    Zu den 20.000 Personen zählen die knapp 10.000 an den Blockaden und der Rest verteilt sich auf Mahnwachen und ähnliche ruhigere Aktionen

  4. urban Says:

    EDIT:
    Laut Polizeibericht ( http://www.polizeibericht-dresden.de/bericht/3015-polizeibericht-dresden-polizeieinsatz-am-19.-februar-2011 ) sind es 12.500 Gegendemonstranten gewesen. Wobei hier vermutlich ausschließlich die Menschen an den Blockaden gemeint sind.

  5. acer Says:

    spiegel.tv spricht von 15.000 linken, die mobilisiert werden konnten; ich nehme mal an, dass sie damit ‘dresden nazifrei’ meinen. ob das jetzt stimmt und auf welche einschätzung sie sich berufen, steht in den sternen.

    ist die ‘dresden nazifrei’-seite eigentlich aus einem grund nicht erreichbar, der mit dem handeln der polizei auf und während der pressekonferenz in verbindung steht?

  6. grand hotel absturz Says:

    http://grandhotelabsturz.blogsport.de/2011/02/20/isch-muss-pullern-ich-doaf-ned-duasch/

  7. Wiesengrund Says:

    Es bleibt allerdings fraglich ob die Sache als Erfolg zu werten ist:
    Der Groszaufmarsch ist zwar hin, aber das war er bereits im letzten Jahr weswegen die Nazis auch in Dresden ihr neues Konzept, welches sie mittlerweile versuchen bundesweit zu etablieren, rausgehauen haben: Kundgebungen anmelden und dann mit mehreren Spontis dort hin. Das haben sie meiner Meinung nach auch geschafft und zumindest der/die sich als “autonom” bezeichnende Nazi wird seine Aktions-/Erlebnislust befriedigt haben können.
    Sportlich orientierte Antifas sind durch Krawalle zwar auch privat auf ihre Kosten gekommen und politisch ist eine kaputte Stadt auch zu begrüszen, aber das politische Primärziel den Nazis keinen Raum zu geben wurde nicht erreicht. Nun ist es einmal mehr deutlich geworden, dass es für die Linke an der Zeit ist neue Gegensktionsformen zu finden um dem neuen Konzept der Nazis Einhalt zu gebieten. Vermutlich wird dies aber nicht ohne Handgreiflichkeiten vonstatten gehen können, weswegen das bürgerliche Lager sich lieber weiter einbilden wird, dass demonstrieren und blockieren die Welt verändere.

  8. what will you eat Says:

    in your classless life.

  9. saltzundessick Says:

    auf jeden fall ein grosser tag fuer sitzkissenhersteller und -haendler.

  10. urban Says:

    “Dresden Nazifrei” ist höchst wahrscheinlich durch den Polizeieinsatz im “Haus der Begegnung” nicht erreichbar. Bei der “Razzia” wurde meines Wissens (basierend auf Internetartikeln diverser Zeitungen) sämtliche Computertechnik konfisziert. Darunter eventuell auch der Hostserver.
    Als neue Gegenaktion würde ich vorschlagen, die Gegendemonstration vor den Aktionen der Rechten bei den entsprechenden Ämtern anzumelden. Bestenfalls sollten es viele und über die gesamte Stadt verstreute sein. Somit muss die Polizei bevorzugt diese schützen. Bei der Anmeldung der rechten Aktionen sollten diese dann nicht mehr wegen des Sicherheitsrisikos genehmigt werden.
    Allerdings bin ich in der Szene bisher nicht aktiv gewesen. Somit kann ich weder wissen, wie die jetzigen Gegendemos organisiert werden (vorwiegend wohl als Spontandemos) noch wie groß der Aufwand für viele Demos sein wird. Ganz zu schweigen, ob die Masse an Demos nicht sogar die Zahl der Demonstranten mindert.
    Aus Leipzig habe ich gehört, dass dort Gegendemos als Stadtfeste oder so wohl organisiert werden.
    Ich überlasse das Feld denen, die sich da besser auskennen.

    Gruß in die Welt

  11. hurfel Says:

    politisch ist eine kaputte Stadt auch zu begrüszen

    aha. kannst du das, gerne auch ohne rekurs auf adorno, mal erläutern warum? kannst du mir dann auch verraten, was für eine politik das sein soll, die so unenedlich viel reaktion inne hat ?
    und wenn du noch zeit hast, warum nennst du dich nicht colonel kurtz?

  12. Betrifft: Bündnis Dresden Nazifrei « gut schein Blog Says:

    [...] verschiedenen Blogs, unabhängigen Medien, aber auch Tageszeitungen wurde in den letzten Tagen darüber berichtet, dass [...]

  13. humpel Says:

    es war ein erfolgreicher tag für alle links-denkenden menschen! allerdings möchte ich an dieser stelle die bündnistaktik, wer alles dabei sein darf, stark kritisieren. fielen mir zunächst die MLKPD Hippies sehr negativ auf, so wurden GenossenInnen, die es bis zu den gekesselten Nazis geschafft hatten teilweise hart für das Schwenken einer Israelfahne angepöbelt. dachte ich zunächst, dass solche konflikte der vergangenheit angehören, konnte ich nun beobachten wie entsprechende israel-sympathisanten anschließend sogar von den querfront-antiimps verfolgt worden sind.
    gegen nazis sein, schön und gut. aber man sollte sich gedanken machen, mit wem man da hand in hand demonstrieren gehen will…

  14. urban Says:

    @humpel
    Das Spektrum war zum Teil wirklich sehr fragwürdig.
    Zum Beispiel mussten sich am Hauptbahnhof, als ein Polizeikonvoi unter der Brücke durchfuhr, einige Demonstranten unbedingt durch den Konvoi bewegen. Deshalb haben Polizisten sie aus der Fahrspur gedrängt, was wiederum ringsherum für Wirbel gesorgt hatte. Den Reden vom Lauti herab sollte man nebenbei auch nicht zu viel Gehör schenken. Die Ansager hatten die Menge als Ägypter auf dem Tahrir-Platz beschrieben. Andererseits wurde sich beschwert, dass der DGB keine Manwache halten durfte … Wer zu erst kommt, mahlt zuerst.

  15. Donauwelle Says:

    Die Racheaktion erinnert an Genua ohne Carlo Giuliani… als Antwort auf eine Aktion die allen Einschüchterungsversuchen unerwartet erfolgreich widerstanden hat ein niederträchtiger Überraschungsangriff auf die Infrastruktur der Veranstalter – eine solche Übersetzung der narzisstischen Kränkung des schlechten Verlierers in gezielten Totalitarismus gegen die gefühlten Sieger ist prototypisch für derartige Polizeiführungsverbrechen. Mit anderen Worten im Nervenkrieg mit der Staatsmacht ist die Entschwörung wieder auf Vor-Turmabriss-Niveau – und das ganz ohne Bin-Laden-Do-It-Again-Taktik.

  16. saltzundessick Says:

    hmm. komische leute auf dem sportplatz.

  17. Xenu's Pasta Says:

    @Donauwelle

    ach bitte, lass Genua da raus. Wenn wir das ganze mal als reine Vergeltungsaktion der Polizei u./o. der Exekutive annehmen, gibts trotzdem keinen Grund, nach zehn Jahren an dem Antiglobalisierungs-Kitsch-Hype von Prag und Genua weiterzubasteln. Vergeltungsaktionen sind davor und danach immer wieder passiert, auch die genaue Begründung ist wurscht. Erstmal sind sie nur ein Zeichen dafür, dass die Checks-and-Balances, auf die die Thierses dieser Welt für die aktuelle Herrschaftsform so vertrauen, zumindest mal nicht gegriffen haben. Dafür findest Du ganz sicher ganz ähnliche Beispiele z.B. in den Neunzigern (also prä-Prag/Genua und prä-9/11) und in den vergangenen Jahren (je post-~)

  18. Donauwelle Says:

    @Xenu’s Pasta – Und mir ist ganz gleich in welcher Tonart Berlusconi sein Hohelied der Liebe singt, stattdessen kommt es darauf an die Personalpolitik zu revidieren die derartige Verbrechen ermöglicht hat. Solange die vom Unrechtsregime inthronisierten Spitzenbeamten welche so “wurschtige” Befehle erteilen nicht zur Strecke gebracht sind kann keine Rede davon sein dass es damit vorbei wäre. Systemwechsel heißt Ende der Karriere für diejenigen die sonst bei Wahlen nicht ausgewechselt werden, egal wie dumm sich die parlamentarische Opposition stellen möchte.

  19. blubber Says:

    warum kommt eigentlich nie jamand nach pforzheim..
    http://www.pz-news.de/Home/Videos/vid,2433_puid,1_pageid,326.html

  20. schütten Says:

    “politisch ist eine kaputte Stadt auch zu begrüszen”

    ist natürlich falsch. “optisch” muss es heißen

  21. classless Says:

    @ blubber

    Gute Frage!

  22. bumbum Says:

    http://jungle-world.com/artikel/2011/08/42689.html
    Was geht ab?

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