Grammatik zugunsten der Cops

January 7th, 2010

Schönes Beispiel für eine tendenziöse Verwendung von aktiven und passiven Prädikaten:

>>Der aus Sierra Leone stammende 23-jährige Jalloh war genau vor fünf Jahren, am 7. Januar 2005, bei einem Brand in einer Polizeizelle gestorben. Er war zuvor festgenommen worden, weil sich zwei Frauen von dem alkoholisierten Mann belästigt gefühlt hatten. Weil Jalloh sich den Beamten widersetzte, wurde er an die Matratze in der Gewahrsamzelle gefesselt, die später in Flammen aufging. Jalloh soll die ansich schwer entflammbare Matratze laut Ermittlungen selbst angezündet haben. Wie genau dies geschehen sein soll, blieb ungeklärt. Trotz Rauchmelders wurde Jalloh nicht rechtzeitig gerettet.<<

Ist in dem Artikel nicht durchgängig so, aber in dieser Passage doch recht deutlich, wer hier handelt und wessen Handlungen eben einfach so durchgeführt werden.

6 Responses to “Grammatik zugunsten der Cops”

  1. hinweis 2.0 Says:

    WTF? meinst du das ernst?! warst du schon mal in bullen-gewarsam?! die sprache ist absolut angemessen. da wird mit dir verfahren. sonst nichts. ließ mal kafka, da kannst auch du trottel noch was lernen.

  2. paule Says:

    .. so wie auch der Einsatz von Zwangsmitteln fast ausschließlich im Infitinitiv dokumentiert wird – in ewiger Verbindung mit dem Modalverb »müssen«. Diese Sprachregelung scheint inzwischen soweit durchgesetzt zu sein, dass man dem einzelnen Journalisten kaum mehr noch als eine Mitschuld einräumen will. Macht sich die Autokorrektur von Word schon bemerkbar, wenn Polizisten Pfefferspray einsetzen, anstatt das gemusst zu haben?

  3. Mmmatze Says:

    Man muss zu Gunsten der Öffentlich-Rechtlichen aber auch sagen, dass die Anmod von Claus Kleber gestern Abend ganz schön tendenziell pro Jalloh war. Ich kann den genauen Wortlaut nicht mehr wiedergeben, kann man vielleicht auf der HP des ZDF einsehen, aber er hat von einer neuen Chance für die Vernunft usw. geredet … Dennoch, interessanter Einwurf!

  4. classless Says:

    Was ist denn ein Hinweis 2.0? Kann ich da noch selber irgendwas hochladen und mit meinen “Freunden” teilen? Anyway, von angemessen oder unangemessen habe ich nicht gesprochen. Mit der Sprache bildet der Texter ab, wie der “Vorfall” für die Institution aussieht, genau darin besteht der Schrecken.

    @ Mmmatze
    Wie schon geschrieben, ging es um diesen konkreten Abschnitt.

    @ Paule
    An der Berichterstattung läßt sich manchmal sogar ablesen, was von der jeweiligen Staatsgewalt gehalten werden soll: Polizei von “bösen Staaten” setzt die Zwangsmittel aktiv ein. Ich kann aber nicht sagen, ob das als Regel taugt.

  5. Aktionskletterer Says:

    Das wird erst verständlich wenn man die Rechtfertigungsideologie fallenläßt die Polizei hätte einen Zweck. Was diese tut ist jedoch nichts weiter als Stalking, Entmenschlichung und Repression, unabhängig davon ob es sich gerade um eine Situation handelt welche eines Eingreifens Dritter bedarf oder nicht. Es ja schon das Selbstbild der Polizisten in sich widersprüchlich – erst den vom Gewaltmonopol eingeschüchterten Parteipolitikern erzählen man wäre ein gefährlicher Terrorist, dann aber im Schneckentempo unterm Baumhaus langfahren wie eine Zielscheibe für Kleinwaffen. Dementsprechend ideologisiert, beschönigend und verlogen muss auch die Sprache sein in der sie ihr sinnloses Tun beschreiben, in der ersten Person ließe dieses sich anscheinend im Kopf nicht aushalten.

  6. classless Kulla » Blog Archive » All Cops Are Staatsgewalt Says:

    […] ihr überschrieben und illustriert. Ganze Meldungen bestehen aus dem, was die Polizei sagt – ihre Sprache, ihre Einschätzung, ihr Selbstverständnis und vor allem ihre Feindbestimmung prägen die […]

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