Ökonomischer Gottesdienst, Klassen-Snafu

March 28th, 2008

Der Kollege kann den Unterschied zur Planwirtschaft einfach nicht erkennen: Jemand aus der oberen Etage ermittelt morgens nach dem Aufstehen aus der Sternenkonstellation und seinem Mittelstrahlurin das “Ziel”, das ab diesem Zeitpunkt alle Mitarbeiter freiwillig zu erfüllen haben.

Abhängig vom Erreichen dieses Ziels ist die obere Etage bei ihren Kontrollgängen sauer oder weniger sauer. Kommunikation zwischen ihnen und der Belegschaft beginnt fast immer mit der Frage, wie es um die Erreichung des Ziels steht. Alle Teile der folgenden Antwort, die nicht direkt mit dem Ziel zu tun haben, werden komplett ignoriert. Nach einem solchen Kontrollgespräch sprechen die Mitarbeiter häufig auch mit den Kunden ähnlich taub und herrisch: “Ich kann Ihnen nur helfen, wenn ich Ihre Frage verstehe. Deshalb muß man laut kommunizieren!”

Von der Belegschaft wird weder das Ziel noch seine Festsetzung infragegestellt, stattdessen werden kreative Ausreden fürs Verfehlen und Begründungen fürs Erreichen des Ziels erdacht, an die die Mitarbeiter mit jedem Tag auch selbst mehr glauben. In Gesprächen untereinander werden verschiedene Ausreden und Begründungen erprobt und verworfen.

3 Responses to “Ökonomischer Gottesdienst, Klassen-Snafu”

  1. godforgivesbigots Says:

    Als Hokuspokus verpackte Willkür, wie der Schlagzeilenauswahlalgorithmus von Googlenews.

  2. classless Kulla » Blog Archive » Ökonomischer Gottesdienst, Lage der arbeitenden Klasse Says:

    [...] Während sich langjährige Promotoren wie auch ältere feste Mitarbeiter die schlimmsten Zumutungen teilweise vom Hals zu halten verstehen und auch hier und da sowas wie menschliche Beziehungen aufbauen, werden Praktikanten und weniger erfahrene Promotoren von den Waren beliebig herumgescheucht. Für sie gilt zwar der gleiche Maßstab wie für alle – die Zahl, die zahlenmäßige Planübererfüllung – doch wissen sie (noch) nicht, wann und unter welchen Bedingungen dieser Maßstab auch mal egal ist bzw. mit welchen Ausreden man durchkommt. [...]

  3. classless Kulla » Blog Archive » Rasthof Bergstraße -> Berlin Says:

    [...] sich von denen natürlich nichts erzählen läßt, sie weiß ja schließlich, wie das ist. Wenn die Zahlen nicht stimmen, kommen die Ausreden, versuchen alle, ihre Unfähigkeit zu kaschieren, aber ihr können sie nichts [...]

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