Archive for the 'Teilnehmende Beobachtung' Category

Külbel und Seltsam gegen die Antideutschen

Sunday, January 3rd, 2010

Wenn andere von Antideutschen sprechen, weiß ich nie, ob ich mich angesprochen fühlen sollte. Weder weiß ich, was sie darunter verstehen, noch weiß ich, welche meiner Auffassungen sie für antideutsch halten würden. Für DDR-Kriminalpolizist Jürgen Cain Külbel scheinen all jene Antideutsche zu sein, die sich im Umfeld von Henryk M. Broder bewegen und/oder nicht-israelischkritische Positionen [...]

Friedrichshain im linksfaschistischen Bürgerkrieg?

Sunday, December 13th, 2009

Der Stadtbezirk wirkt wie immer: daß ständig Polizeiwannen herumfahren, kenne ich nicht anders, und daß meist ein Hubschrauber in der Luft ist, scheint auch schon seit Monaten so zu sein. Nach wie vor sind rund um die Uhr Läden und Kneipen geöffnet und überwiegend junge Leute ziehen zahlreich herum. Nichts Neues sind die Demos [...]

Silvio-Meier-Demo

Sunday, November 22nd, 2009

Vorher: einfach die ganze Straße voll
Gut besuchtes Rumgelatsche mit dem gleichen alten Punkrock, den gleichen alten Parolen und größtenteils den gleichen Leuten wie seit Jahren auch. Während sich die Demo auf der angemeldeten Route einmal durch den Kiez wickelte - Zwischenkundgebungen am Jeton und am XB, wo es Feuerwerk gab - hielten sich die Cops [...]

Negri & das Adlon: Gutes Geld, böses Geld

Saturday, November 21st, 2009

Die Kurzfassung: Erst sprach Negri, dann kam es - wie es beim Polizeiticker heißt - zu “teilweise unfriedlichen demonstrativen Aktionen”, dann sprach nochmal Negri. Am Ende war klar, daß es nicht um einzelne Akteure des Systems sondern um bestimmte Akteure des Systems ging, und ebenso, daß es falsch sei, produktives und unproduktives Kapital gegenüberstellen, weil [...]

Ökonomischer Gottesdienst, Erinnerungsdiskurs

Monday, November 16th, 2009

Ein Kunde, der sich euphorisch und laut darüber verbreitet, daß es “früher” - also in der DDR - immer Richtlinien gab, einem Vorschriften gemacht wurden, Ausderreihetanzen bestraft wurde und daß das heute alles so unglaublich viel besser wäre, wird von mehreren drumherum stehenden Kollegen vielsagend angeschaut und mitleidig belächelt.

Ökonomischer Gottesdienst, Krankheit als Waffe

Monday, October 19th, 2009

Die Kollegen husten und niesen, sie schnaufen und sie keuchen, aber sie gehen nicht nach Hause oder bleiben gleich dort. Obwohl sie weiterbezahlt werden, wenn sie nicht herkommen. Sie haben Schiß, in der Krise ihren Job zu verlieren.
Also versuchen sie, die eigentlich eindeutigen Zeichen zu verstecken. Vorgesetzte verlangen nämlich beständig, daß alle der Arbeit fernbleiben, [...]

Overheard in Hohenschönhausen

Friday, August 21st, 2009

T-Shirt: vorn “Friedman - Hörst du uns?”, hinten: “Wir Deutschen wir sind spitze, auch ohne Koks und ohne Spritze!” “Friedman” als Schriftzug mit Kokshäufchen auf jedem Buchstaben.
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Reinigungskraft zu Reinigungskraft: “Heute morgen Radio anjemacht, nur Wahl überall, ich gleich CD jedrückt.”
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Gespräch über die DDR. Älterer Kollege: “Meine Töchter fragen mich: Wie habt ihr denn damals überhaupt [...]

Ökonomischer Gottesdienst, Überwachung, Kontrolle, Desintegration

Monday, May 4th, 2009

Der Laden ist leer, so wie die meisten anderen Läden zuletzt die meiste Zeit über auch. Das Sommerloch, das sonst Ende Mai anfängt, klafft im Grunde schon seit März und folgte recht unmittelbar auf das “Eisloch” vorher. Gründe gäbe es viele: Krise, Schweinegrippe, Wetter, zu viele Märkte auf zu engem Raum. Doch das sind für [...]

Ökonomischer Gottesdienst, versuchte Ketzerei

Sunday, March 22nd, 2009

Was das wohl zu bedeuten hat, wenn einem die Kollegen bei der ersten sich bietenden Gelegenheit, bei der Rechner, Boxen und Internetverbindung am Start sind, unbedingt im Laden in voller Lautstärke dieses Video vorspielen müssen und dabei mit wachsender Begeisterung mitsingen?

Identifikation mit dem Aggressor? Genießen sie die verdrehte Lust, die Position des Feindes, also des [...]

Herbstdepressive sagen die Wahrheit

Friday, November 14th, 2008

Ich kriege insgesamt wenig Tageslicht ab, im Sommer aber zumindest ein bißchen mehr. (”Es muß auch mal hell für Kullas Auge sein…”) Zeitgleich mit spürbar kürzeren Tagen und schwächerer Sonne fange ich dann jedes Jahr im Herbst auch wieder an zu arbeiten und komme aus den Kunstlicht-Arbeitshallen praktisch nur noch im Dunkeln heraus. (”Wenn’s in [...]

Anschluß

Wednesday, November 12th, 2008

Laden in der Innenstadt. Seit heute morgen der Ausstatter von T-Home im Markt war und die neue Deko mitbrachte, wundern sich die Kollegen. Auf den Plakaten herrscht ein tiefes Braun vor, die Hardware soll auf Nachempfindungen von Eichenborke vor Kaminattrappen präsentiert werden. Die Altdeutsche Telekom? Geworben wird mit jungen Paaren, die mit geschlossenen Augen abgebildet [...]

Ökonomischer Gottesdienst, Pausengespräch

Thursday, November 6th, 2008

Kollege 1, bekannt vom Heimweg, beim Betrachten der Berliner Zeitung: “Wenn ick den Obama schon sehe…”
Kollege 2: “Der wird abjeknallt.”
Kollege 1: “Obama wird auf jeden Fall abjeknallt.”
Kollege 2: “Ja, der wird abjeknallt. Der wird abjeknallt.”
Kollege 1: “Der wird abjeknallt. D-e-r wird abjeknallt. Der wird auf jeden Fall abjeknallt.”
Kollege 2: “Den wer’n se erschießen.”
Kollege 1: “Abjeknallt [...]

State of the state (as such)

Tuesday, November 4th, 2008

Die sind für McCain, die sind für Obama. Der ist für Kuchen:
>>Friedrich Thießen, Professor für Finanzen an der Technischen Universität Chemnitz, der der wie bestellt wirkenden Meinung ist, 132 Euro Hartz4 würden zum Leben völlig ausreichen - dabei kostet ein guter Cocktail schon 10 Euro.Darin wird erstmal festgehalten, dass die aktuelle Krise keine Krise das [...]

Ökonomischer Gottesdienst, Glaubenskrise

Wednesday, October 22nd, 2008

Kundin: “Es muß doch ein Büro geben, wo ich zu meiner Rechnung beraten werde.”
Kollege: “Nee, da gibt’s bloß ‘ne Hotline.”
Kundin (erbost): “Alice ist wie die Banker!”

Ökonomischer Gottesdienst, Prophezeiung

Thursday, October 16th, 2008

Kollege: “Bald hauen sich alle auf der Straße gegenseitig in die Fresse.”

Ökonomischer Gottesdienst anderswo

Thursday, June 26th, 2008

Bauhaustapete trägt seine Arbeitskraft nicht in den Einzelhandel, sondern auf den Bau. Dort ist alles etwas weniger subtil:
>>Sätze aufm Bau machen übrigens nur Sinn, wenn sie mit “die Scheisse” aufhören, die Scheisse.

Leipzig

Sunday, June 8th, 2008

Am Mittwochabend wohnte ich einer kleinen Diskussionsrunde der Gruppe in Gründung bei. Martin Dornis stellte Thesen zu seinem Text “Der Wert und der Tod” vor und stellte sich Michael Reichs polemischer Erwiderung “Der Wert und der Wert“. Diskutiert wurde unter anderem, inwiefern der Tod seinen Schrecken aus dem ungelebten, unerfüllten Leben bezieht und inwiefern eine [...]

Ökonomischer Gottesdienst, Beobachtung und Belästigung

Friday, May 30th, 2008

Die Hölle sind die Revisoren. Werden niemandem vorgestellt, kommen unangekündigt und fragen alle aus, als wäre nichts. Es ist aber was: Wer schon länger dabei ist oder mal “Office Space” gesehen hat, weiß, daß Kollegen mit den “falschen” Antworten oder dem “falschen” Verkaufsverhalten plötzlich nicht mehr kommen.
Schwer einzuschätzen ist, inwiefern die Ankumpelei als besonders perfide [...]

Dalai Lama und chinesische Studenten aus nächster Nähe

Tuesday, May 20th, 2008

In meinem bisher einzigen Statement zur China-Tibet-Problematik versuchte ich, Äquidistanz zu wahren, wie das in offiziellen Texten genannt wird. Gestern schlug diese von beiden Lagern gleich weit entfernte Position unbeabsichtigt in ihr Gegenteil um.
Als ich dabei war, im Tiergarten Songzeilen auszubrüten, fand ich mich nämlich überraschenderweise zu Anhängern beider Lager in größter Nähe wieder - [...]

Ökonomischer Gottesdienst, Lage der arbeitenden Klasse

Thursday, April 17th, 2008

Richtige Mitarbeiter gibt es hier im Laden nur wenige, hauptsächlich, weil das niemand lange genug aushält. (In der mittleren Leitungsebene finden sich Mittzwanziger, die kaum mehr verdienen als ihre Kollegen, kaum weitere Aufstiegschancen haben und vor Zahlendruck ständig zu bersten drohen.)
Meine Theorie ist, daß es genau so viele feste Mitarbeiter gibt, wie es ohne Betriebsrat [...]