Auftritte 2022

February 6th, 2022

Alles vorbehaltlich der Pandemiesituation.

• Do, 24.02.2022, Cottbus, Unbelehrbar: Vortrag “Entschwörungstheorie” (FB-Event)
• Mo, 11.04.2022, Panketal, Rathaus: Vortrag “Entschwörungstheorie” (FB-Event)
• Di, 12.04.2022, Strausberg, Horte: Vortrag “Entschwörungstheorie” (FB-Event)
• Fr, 22.04.2022, Eisenach, RosaLuxx: Vortrag “Lenin – Sohn seiner Klasse?” (FB-Event)
• Fr, 29.04.2022, Hamburg, Tesch: Vortrag “Revolution in Deutschland 1918-23” (Ankündigung)
• Do, 05.05.2022, Leipzig, Lixer: Vortrag “Karl Plättner – Die Revolution in Deutschland und der mitteldeutsche Bandenführer” (Ankündigung)
• Sa/So, 04./05.06.2022, Doksy, Pfingstcamp Linksjugend Sachsen: Vortrag “Revolution in Sachsen 1918-23”, Vortrag Klassenkampf? ‘Sch mach glei mit!
• Mo, 06.06.2022, Bielefeld, Extra Blues Bar: Vortrag “Entschwörungstheorie”
• Fr, 24.06.2022, Osnabrück: Vortrag “LUTHER AUF DAS MAUL schauen”
• Di, 28.06.2022, Berlin, PlanWirtschaft: Vortrag “Identität – Vom ‘Wer sind wir denn?’ zum ‘Was machen wir hier eigentlich?'” (FB-Event)
• Sa, 16.07.2022, Chemnitz, AJZ: Vortrag “Revolution in Sachsen 1918-23” (Antifaschistischer Jugendkongress)
• Sa, 20.08.2022, Frankfurt/Oder, Bucht der Träumer*: Vortrag “Die Hüftbewegung – Was uns zu Menschen machte”
• Sa, 03.09.2022, Plauen, Schuldenberg: Vortrag “Lust, Rausch, Zweifel – Grundsatzfragen im Intimbereich” (Terrassenfest)
• Mi, 28.09.2022, Neubrandenburg, AJZ: Vortrag “Klassenkampf? Ik maak gliek mit!” (Ankündigung)

Schon beschlossen, aber wegen der Gesamtlage noch ohne konkreten Termin sind Leipzig (“Systemausfall ’89/’90 – Das Ende der DDR und die Folgen”), Nordhausen (“Entschwörungstheorie”) und Speyer (“Identität”), mehrere Veranstaltungen zur Revolution vor hundert Jahren vor allem in Sachsen. Wer noch mehr aushecken will oder sich daheim die Slides und Materialien anschauen, findet hier mein aktuelles Programm, das auch noch weiter aktualisiert wird.

Clickbait-Megakrise!

August 2nd, 2022

Unablässig knattert die Schlagzeilenmaschine: Niemand will mehr arbeiten, junge Leute sind zu gepampert und spinnen rum, überall “fehlen” mysteriöserweise Arbeitskräfte, öffentliche Infrastruktur ist eh rettungslos hinüber, Autos und private Versorgung sind viel aufregender, nur unser aktuelles Schnäppchen schützt sie vor Inflation und Bolschewismus, Pandemieschutz ist sinnlos oder gleich kontraproduktiv, Masken sind Freiheitsberaubung und alle sehen das so, vielleicht stimmt das mit dem Klima doch nicht und die Unwetter kommen von den Grünen, Atomkraftwerke sind vielleicht doch nicht so schlimm und Windkraftwerke die eigentliche Umweltzerstörung, veganes Essen und Kiffen zerfressen vielleicht Körper und Geist, die Nazis waren ein geheimnisvoller Schadenszauber gegen die deutsche Nation, die arme Polizei kriegt immer alles ab und überall lauern doch aber Bedrohungen, Arme sind faul und stellen Ansprüche, Reiche sind großzügig und visionär, Steuern und jegliche Beschränkung des Geschäfts sind DDR 2.0, aus anderen Ländern kommen die Probleme, Fremde sind kriminell und betrügen, echte Einheimische treudoof und tüchtig, Trans ist nur Einbildung und Gendern reine Schikane, die sollen sich alle nicht so haben und sexuelle Ausbeutung ist schon auch irgendwie geil, Männer und Frauen sind nun mal so und so und waren es auch schon immer, Minderheiten tragen mindestens Mitschuld an ihrer Diskriminierung – und immer wieder das vereinnahmende “Wir”, “wir” können uns dieses oder jenes nicht mehr leisten, “wir” sind eh viel wohlhabender als gedacht, sind alle gleichermaßen verantwortlich und müssen bei uns selbst anfangen, müssen uns fragen, was wir fürs Kapital tun können, we’ll never walk alone and we are the champions, einer trage des anderen Boot.

Social Media hat das sicherlich weiter eskaliert, die Strickmuster sind aber viel älter: Einzelfälle aufblasen, reale Mehrheiten verschleiern, Geschichte und Zeitgeschichte auf wenige Personen herunterbrechen, Wissenschaft über- oder gleich komplett fehlinterpretieren, die Interessen von Staat und Kapital naturalisieren, Arbeitskräfte zum Bekenntnis für diese oder jene Kapitalfraktion nötigen und sie entlang aller denkbaren Unterschiede gegeneinander aufhetzen, die Hetze verharmlosen – das alles gern als Frage, Zweifel, mutiger Tabubruch, scharfzüngiger kabarettistischer Heroismus der Meinungsfreiheit.

Und das ist gar nicht unbedingt manipulativ im Sinne von Entscheidungen, die getroffen werden, es ist schlicht profitabel im doppelten Sinne: einerseits direkt durch mehr Clicks und damit Werbeeinnahmen, andererseits aber auch vermittelt durch allgemeine Verstärkung der herrschaftlichen Diskurshegemonie und der Abhängigkeit von dieser Art öffentlicher Kommunikation. Es fördert die Konkurrenz der Arbeitskräfte und untergräbt ihren Zusammenschluss.

Das Erstaunliche ist, wie schlecht das trotz all der Mittel, trotz des ganzen Aufwands und trotz der Hegemonie verfängt, bei wie vielen Themen es weiterhin stabile Mehrheiten in die Gegenrichtung gibt, wie viele Leute auch in den scheinbar verlorensten Winkeln deutlich widersprechen. Und wiederum erstaunlich ist aber, dass sich diese realen Mehrheiten kaum organisiert bekommen, dass sie sich immer wieder von der politischen Repräsentationsebene verschaukeln lassen und sich bei allem, was sie an Hetze erkennbar durchschauen, dennoch einreden lassen, sie wären nicht die Mehrheit und könnten das, was sie für richtig halten, deshalb nicht durchsetzen.

Geben wir dem Quatsch doch den letzten Schubs: Widersprechen, die Widersprüche betonen, das Richtige trotzdem sagen und tun, die Konkurrenz überwinden, uns zusammentun und die Produktionsmittel übernehmen!

Chemnitzer Blutbad vom 8. August 1919

July 18th, 2022

Während meines Aufenthalts beim Antifaschistischen Jugendkongress endlich dazu gekommen, das Denkmal für die Toten des “Chemnitzer Blutbads” bzw. der Chemnitzer Augustkämpfe des Jahres 1919 direkt am Hauptbahnhof zu fotografieren.

errichtet 1977, Bildhauer Hand Dittrich

Ab Juli 1919 hatte es in der Stadt Proteste gegen Lebensmittelnot gegeben, ab Anfang August wurden diese aus bürgerlicher Richtung teilweise antisemitisch gegen jüdische Geschäfte aufgeladen. Die sozialistische Presse verurteilte das scharf, Räte und Arbeiterparteien versuchten mit der Stadtverwaltung zu verhandeln und die Ergebnisse bei einer öffentlichen Versammlung am 8. August auf dem heutigen Theaterplatz zu berichten.

Ausschnitt aus der damaligen Berichterstattung in der “Chemnitzer Volkszeitung” der USPD, entnommen aus “Das Chemnitzer Blutbad” von Arno Bruchardt (Leipzig 1919), komplett hier.

Regierung und Garnison untersagten diese Versammlung durch Verschärfung des Belagerungszustands ausdrücklich, die zusammengezogene Reichswehr griff sie mit Schusswaffen an. Die Demonstrierenden strömten daraufhin zum Hauptbahnhof und konnten die Soldaten teilweise entwaffnen. Die folgenden stundenlangen Kämpfe forderten 36 Tote, davon 22 Soldaten und 14 Zivilisten, mehr als 100 wurden verletzt.

Die Reichswehr musste abziehen, konnte aber durch spätere Besetzung der Stadt die Lage wieder unter ihre Kontrolle bringen. Aus Sicht der Regierungs-SPD war hier ein “kommunistisch provozierter” Aufstand niedergeschlagen worden.

Posting zur Gesamtlage

July 10th, 2022

Ich bin auch nicht besser als andere darin abzuschätzen, wann welche Auswirkungen welcher der laufenden oder kommenden Katastrophen wo mit welcher Intensität ankommen, wer dann wie in der Lage und bereit ist, was genau zu tun und wo es dann zu größeren Radikalisierungen in erfreulichere oder unerfreulichere Richtungen kommt. Ja, der ökonomische und politische Kollaps Sri Lankas war lange abzusehen, aber die Welt ist voller absehbarem Kollaps.

Ganz gute Zusammenfassung des Zustandekommens der Lage in Sri Lanka von vor etwa einem Monat: “Why Sri Lanka is Collapsing

In jeder denkbaren Situation ist es besser, wenn die Arbeitskräfte überall besser selbst organisiert sind, über ihre Organisationen mehr Kontrolle haben, ihre Kämpfe sichtbar machen und verbinden können. Und das heißt auch: die ganze Klasse organisieren bzw. ihr dabei helfen, allen Arbeitskräften mit ihren jeweiligen spezifischen Bedürfnissen und Lebenslagen, nicht nur (vermeintlich) passende Ausschnitte der Klasse, die bestimmten Vorstellungen von Arbeiterklasse(TM) entsprechen, eigene reaktionäre Auffassungen über Geschlecht, Ernährung, Herkunft usw. zu teilen scheinen oder zumindest dafür reklamiert werden können, oder die andersherum mit Themen wie Pflegenotstand, Fleischproduktion usw. in Verbindung stehen.

Es liegt nahe und kann auch ein guter Einstieg sein, besonders krasse Missstände zu skandalisieren, aber es muss immer die Verbindung zu anderen Kämpfen in Gegenwart und Geschichte, in der Nähe und Ferne gesucht werden um nicht maximal als kurzfristige “Chefsache” steckenzubleiben. Wir müssen uns besser kennen und dazu wie dadurch die schillernde Vielfalt der (meist ebenso vielfältig forcierten) Klassenspaltungen, in der Bedürfnisse gegeneinander ausspielt werden, überwinden.

Und wir haben leider keine Zeit. Vor 30 Jahren war die Sache mit dem Treibhauseffekt eigentlich klar, es gab Pophits darüber, Frank Drebin war der Umweltpolizist, wir hatten es mehrfach im Schulunterricht – und dann wurde 30 Jahre lang immer noch mehr Zeug verbrannt und wurden immer noch mehr Autos produziert, damit reiche Leute noch reicher werden konnten. Und jetzt ist es halt zu spät für langsam und geduldig, und das kriegen ja auch die meisten mit. Jetzt überfällt eine Supermacht ein anderes großes Land, nicht zuletzt um es als Konkurrenz im Verkauf von Erdgas auszuschalten. Und jetzt gibt es immer heftigere Unwetter und Dürren, jetzt steht die größte Hungerkatastrophe aller Zeiten bevor. Und jetzt gibt es aber auch Massenproteste, die schon 2018ff. beträchtliche Ausmaße erreicht hatten (Chile, Indien, FFF, Gilets Jaunes, BLM), sich aber noch zu wenig verbinden konnten.

Jegliches Warten auf geschichtliche Momente hat sich ohnehin erledigt, und jegliche Anrufung irgendwelcher höherer Mächte aus Geschichte und Religion war schon immer zu bescheiden – wir, die Arbeitskräfte, sind die höchste Macht, die wir anrufen können. Nur wir können unser aller Bedürfnisse erfüllen und hoffentlich gerade noch so verhindern, dass weite Teile des Planeten unbewohnbar werden – niemand sonst.

Neuer Vortrag auf dem Pfingstcamp (II)

June 1st, 2022

REVOLUTION IN SACHSEN 1918-23

Als der Arbeiter- und Soldatenrat von Dresden im November 1918 die Macht vom sächsischen König (‘Dann macht doch euern Dreck alleene!’) übernimmt, stellt er in seiner ersten Regierungserklärung den Freistaat in den Rahmen der ‘Epoche des Übergangs von der kapitalistischen in die sozialistische Gesellschaftsordnung’ – Daniel Kulla erinnert mit viel Bild und Ton an Sachsen als einen der Hauptschauplätze der deutschen Arbeiter*innenbewegung und der Revolution von 1918-23, deren Niederschlagung den Weg in den Nationalsozialismus ebnete.”

Erstmals dieses Wochenende auf dem Pfingstcamp der Linksjugend Sachsen in Doksy.

Neuer Vortrag auf dem Pfingstcamp (I)

May 30th, 2022

KLASSENKAMPF? ‘SCH MACH GLEI MIT!

Klassenkampf ist nicht alles, aber ohne Klassenkampf ist alles nichts. Daniel Kulla versucht etwas Orientierung zwischen alter und neuer Klassenpolitik zu geben, die immer schon umso erfolgreicher war, je egalitärer und inklusiver sie war. Wie können wir Arbeitskräfte, statt uns um schrumpfende Töpfe miteinander zu kloppen, dafür sorgen, dass der Topf größer wird und irgendwann doch noch alle kriegen, was sie brauchen? Wie können wir Klassenperspektive besser sichtbar machen, Kämpfe unterstützen und verbinden, aus schon gemachten Erfahrungen in Geschichte und anderen Ländern lernen? Welche Rolle können dabei Klassenorganisationen (Räte, Gewerkschaften, Partei) spielen?”

Erstmals dieses Wochenende auf dem Pfingstcamp der Linksjugend Sachsen in Doksy.

Slides zum Plättner-Vortrag

May 6th, 2022

Als Nachtrag zur gestrigen Premiere:

Karl Plättner – Die Revolution in Deutschland und ‘der mitteldeutsche Bandenführer’ (PDF, 6MB)

Und mein Artikel über Plättner:

Weiterkämpfen nach der Niederlage (RLS Sachsen-Anhalt)

8. März 1917: Revolution in Russland

March 8th, 2022

Am Donnerstag dem 8. März 1917, heute vor 105 Jahren, treffen im Stadtzentrum der russischen Hauptstadt Petrograd Streikende und Protestierende sowie einige zu ihnen übergelaufene Soldaten vor allem aus dem nördlichen Industriebezirk (mittlerweile waren dort etwa 90000 im Streik, es gab Hunderte Streiks wegen Inflation und Versorgungsmängeln in Russland in den Wochen zuvor) mit den Kundgebungen zum Internationalen Frauentag zusammen.

Das verbindet auf einen Schlag verschiedene Kämpfe und Sektoren der Gesellschaft und beschleunigt den angelaufenen revolutionären Prozess, der aus etwa 25 Jahren revolutionärer Aufschwünge und konterrevolutionärem Terror entstanden war, so sehr, dass er im Laufe einer weiteren Woche zum Überlaufen der gesamten hauptstädtischen Garnison und der Kosaken, der Bildung einer provisorischen Revolutionsregierung, der Verfügung des vereinigten Petrograder Sowjets über die Kontrolle aller Waffen durch gewählte Soldatenräte und schließlich zur Abdankung des Zaren, zum Ende einer 300 Jahre alten Dynastie und zum Ende der Monarchie in Russland führt.

«Die Februarrevolution wurde in der Brot-Warteschlange geboren. Sie begann, als eine Gruppe Textilarbeiterinnen auf der Wyborger Seite von Petrograd des Wartens müde wurde und wegging, um ihre Männer in den benachbarten Metallfabriken aufzufordern, sich einem Protestmarsch ins Zentrum der Stadt anzuschließen.»

Februarrevolution 1917 in Russland: Organisation, Gewalt, Musik


Bilder zeigen eine Warteschlange für Lebensmittel in Russland, vermutlich Anfang 1917,
die Lage im Ersten Weltkrieg zu diesem Zeitpunkt
und Massenproteste in Petrograd während der Februarrevolution.

Nein, es ist nicht vorbei…

January 28th, 2022

… es ist nicht eh alles egal, und dass die Regierung Pandemieschutz fast nur als Show betreibt, war die ganze Zeit schon so – es ist nicht unser Staat, wir bezahlen ihn nur. Und auch die ganze Zeit über war es hauptsächlich deshalb nicht noch schlimmer, weil sich die allermeisten Leute selbst gekümmert und geschützt haben, ein Heer von Freiwilligen, Unterbezahlten und Überarbeiteten Impfungen, Testungen, Behandlung, Betreuung, Aufklärung und Hilfe übernommen haben. Immer noch gelten die schlimmsten Freiheitsbeschränkungen für die zahllosen Immungeschwächten. Impfungen schützen, Booster schützen mehr. Mehr Infektionen bedeuten mehr Mutationen, die Gesamtzahlen, hierzulande wie global, geben keinen Grund zur Entwarnung. Auch geringere Hospitalisierungsraten heißen immer noch Belastung der knappen Kapazitäten, gerade angesichts der Rekord-Infektionszahlen, die nicht mal mehr vollständig erfasst werden.

Es ist wie mit dem Klimawandel – wir sollten nicht aufgeben, uns nicht einreden lassen, es wäre eh nichts mehr zu machen. Dass es schlimm ist und schlimmer wird, heißt nicht, dass wir nicht nach wie vor noch jede Menge Schaden abwenden können und unbedingt sollten.

So sehr ich Ungeduld und Zorn nachvollziehen kann, ist es immer besser, wenn sich der Zorn auf die Herrschaft der Klasse richtet, deren Interesse den Planeten immer weniger bewohnbar macht, und die Ungeduld auf ihren Fall, mit dem Herrschaft insgesamt fallen könnte. Wir können sie nicht darin schlagen, die Realität zu verdrehen und die Widersprüche auf Schlagzeilen herunterzubrechen. Statt triumphieren und uns moralisch überlegen fühlen zu wollen, sollten wir weiter bestimmt und geduldig erklären, wie wir uns alle am besten schützen können. Und wir sollten dennoch albern und lustig sein, uns selbst und einander Entlastung und Erleichterung verschaffen, wo immer wir das können und wo es nicht nur weitere Last erzeugt.

Passt auf euch auf, passt aufeinander auf, unterstützt die Zusammenschlüsse und Kämpfe der Arbeitskräfte um mehr Mittel und geringere Belastung, in denen das Bewusstsein und die praktischen Grundlagen für die Möglichkeit entstehen können, das Kräfteverhältnis in der Gesellschaft zu kippen und den ganzen Schrecken endlich wirklich ernst zu nehmen.

Mehr aus der Hüfte

January 11th, 2022

Habe auf meine alten Tage offenbar doch noch an einer Art Podcast mitgewirkt – mehr als 2 Jahre nach der Aufzeichnung des Gesprächs mit Lea-Won über meine Hauptthemen und ihren Zusammenhang kann nun dem zweiten Teil gelauscht werden, komplett mit ein paar Lautstärkeüberraschungen und etwas Geraschel, Kapitelunterteilung und weiterführenden Links in der Beschreibung:

“HipHop aka Hüftsprung, Star Trek, Klassenantagonismen und FridaysForFuture”

Die Rekorde

January 6th, 2022
(aufgenommen am Schaukasten der Leipziger Volkszeitung)

Wir sind weit gekommen

December 21st, 2021

Vor allem Klein- und auch einiges Großbürgertum radikalisieren weiter zusammen mit Staatsgewalt und Anhang den Nationalismus, aktuell u.a. in Richtung Faschismus für die Freiheit der Volksgesunden von Überwältigungs- und Penetrationsangst. Liberalismus dabei irgendwie sein eigenes Hufeisen: Sozialdarwinismus “rechte” Version Immunchauvinismus: “Der Markt/Körper regelt das”; “linke” Version Darwin Awards: “Die entsorgen sich selbst”. Nach 5 Jahrzehnten beschleunigter Umverteilung nach oben: Bezos und Musk im Orbit. Google hat ein Zeitkristall. Golfmonarchien haben Regenmacher. Vielleicht wandert die herrschende Klasse komplett ins Metaverse ab und wir lassen sie einfach dort in dem Glauben, ihnen würde noch alles gehören, während wir es ihnen gemeinsam wegnehmen.

Aber verlassen wir uns lieber nicht auf solche Wunschträume, bleiben wir bei den Erkenntnisprozessen und Kämpfen, die schon stattfinden. Greta Thunberg: “Die globalen Krisen beruhen auf der Idee, das manche Leute mehr wert sind als andere.” Gabriel Boric: “Chile war die Geburtsstätte des Neoliberalismus und soll nun sein Grab werden!” Impfende Arbeitskräfte: “Immer rein damit.” Alejandro Vilca: “Wir sind keine professionellen Politiker, wir sind Arbeitskräfte, die Politik machen.” Und Streiks, Streiks, Streiks!

(Grafik zum öffentlichen Vermögen via DIE LINKE. Sachsen.
Antiimpf-Bilder sind von den jüngsten Protesten in Cottbus.)

VIER KURZE

November 20th, 2021

🐴 IVERMECTIN wird in Tier- und Humanmedizin gegen Fadenwürmer, Läuse, Milben, Krätze u.v.m. eingesetzt. Gegen Covid-19 hilft es vermutlich nur in lebensgefährlicher Dosierung. (Ketamin wird ebenfalls in Tier- und Humanmedizin eingesetzt, wobei es in D beim Menschen wegen des Betäubungsmittelgesetzes, in dem es nicht steht, bis auf Ausnahmen nur als Betäubungsmittel eingesetzt werden darf.)

☘️ Die Änderung der Rechtslage bezüglich CANNABIS muss vom Bundesrat bestätigt und dann von der Polizei umgesetzt werden. Der aktuell bekannte Entwurf, der keinen Eigenanbau erlaubt und nur die mutmaßlich hochpreisige “Abgabe” im staatlichen Fachhandel vorsieht, ist eine “Legalisierung” von Reichen für Reiche.

⛲ Die Sängerin SOPHIA URISTA (Brass Against) hat einem Fan während eines Songs ins Gesicht uriniert, dieser scheint sich darüber gefreut zu haben. Nicht egal: andere im Publikum haben diesen Vorgang ungefragt mitangesehen und kennen ihn aus Erfahrung oder Vermittlung eher als Erniedrigung oder Nötigung – consent matters. Egal: Unzählige, die überwiegend gar nicht dort waren, sind von der “Perversion” angewidert oder sonstig normativ-moralisch angepisst.

☣️ Die PANDEMIESITUATION ist hauptsächlich von den Regierungen zu verantworten, die sich an ihren jeweiligen Lieblingskapitalfraktionen orientieren. Dass sich weiterhin einige der Impfung verweigern, ist bitter, das ist aber nicht der Grund für die viel zu knappen Kapazitäten an Impfstoff, Personal, Krankenhausbetten usw.; es ist auch nicht der Grund dafür, dass die Umsetzung der meisten Schutzmaßnahmen auf die Bevölkerung abgewälzt wurde (Masken kaufen, Termine machen, Schlange stehen usw. usf.). Dass es nicht noch viel schlimmer aussieht als ohnehin, liegt zuallererst daran, dass sich die meisten Leute seit Beginn der Pandemie überwiegend so vernünftig wie möglich verhalten haben.

Audio zu Plättner

October 15th, 2021

Radio Blau hat sich mit mir über Karl Plättner unterhalten: https://www.freie-radios.net/111705

Danach lief noch Erich Mühsams Max-Hoelz-Marsch in der Darbietung von Frank Spilker und Knarf Rellöm: “Es lebe die Räterepublik!”

(Ein ausführlicheres Interview zu Karl Plättner mit Knut Bergbauer findet sich hier.)

Nach der Wahl ist vor der Wahl

August 15th, 2021

Irgendeine größtenteils unsympathische und unerträgliche Regierung wird versuchen die Bundesrepublik Deutschland in der Konkurrenz mit den anderen Staaten möglichst erfolgreich zu machen, punktuell mehr oder weniger im Rahmen der EU, mit leicht verschiedenen Mitteln und mehr oder weniger Ahnung.

Je mehr Linke was zu melden haben, desto größer ist insgesamt die Wahrscheinlichkeit, dass auch weiter unten und weiter draußen was ankommt, dass Diskriminierungen beschränkt werden und die Geschwindigkeit der Unbewohnbarmachung des Planeten verringert wird. (Das ist für mich Grund genug sie zu wählen.)

Für alles Darüberhinausgehende braucht es den Druck selbstorganisierter Arbeitskräfte, ihren Zusammenschluss und ihre Selbstaufklärung, vor allem für die Änderung der Eigentumsordnung, das heißt für die Möglichkeit, über Produktion, Distribution, Reproduktion gemeinsam im Interesse aller zu bestimmen. Wenn das wahrscheinlich, naheliegend oder leicht wäre, müsste es nicht immer wieder gesagt und erklärt werden – es ist nicht einfach, es ist nötig.

Weiterkämpfen nach der Niederlage

July 16th, 2021

Mein Artikel über Karl Plättner, politisiert in Thale, “Seele der radikalen Jugendbewegung” im Ersten Weltkrieg, Beteiligter an fast allen Kämpfen der Revolution, zweimal vom Kriegsende befreit – vor 100 Jahren als Bandenführer im mitteldeutschen Untergrund:

“Plättner wächst in der Umgebung von Ballenstedt am Harz auf, bis die Familie 1905 nach Thale zieht, direkt neben das riesige Eisenhüttenwerk mit seinen 4000 Beschäftigten, das den beliebten Luftkurort mit Lärm, Ruß und Dreck zu dominieren beginnt. 1907, als Rosa Luxemburg in der Straße, in der die Plättners wohnen, vor etwa 1000 Menschen im großen Saal des Arbeiterlokals ‘Zur grünen Tanne’ spricht , wird der 14jährige Karl ein ‘Mops’ (Lehrling) in der Gussformen-Herstellung. Dort im Walzwerk sind die Arbeitskräfte besonders gut organisiert, mehr als 150 sind in der Sozialdemokratie Mitglied und viele gehören dem Metallarbeiterverband (DMV) an. Im Jahr zuvor streiken die Belegschaften der Gussformung und des Emaillierwerks (wo besonders viele Frauen arbeiten) erfolgreich für Lohnerhöhung – die Arbeitsbedingungen bleiben jedoch katastrophal, die Pausen sind für 12-Stunden-Schichten weiter zu kurz, nötige Hilfsmittel werden nicht gestellt und es gibt keine Dusch- und Umkleideräume.”

Weiterkämpfen nach der Niederlage
(Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen-Anhalt)

Auftritte 2021

June 14th, 2021

• Sa, 03.07.2021, Weißwasser, Hafenstube Telux: Vortrag “‘Realsozialismus’-Bullshit-Bingo”
• Do, 29.07.2021, Freiburg, SUSI: Vortrag “Entschwörungstheorie”
• Fr, 30.07.2021, Karlsruhe, Café-Noir: Vortrag “Identität – Vom ‘Wer sind wir denn?’ zum ‘Was machen wir hier eigentlich?'”
• Sa, 21.08.2021, Obhausen, RATS: Vortrag “Leben im Rausch” (FB-Event)
• Mi, 01.09.2021, Neubrandenburg, AJZ: Vortrag “Am Geld kleben – Antisemitismus und Kapitalismus”
• Sa, 04.09.2021, Plauen, FAU-Lokal: Vortrag “Revolution in Deutschland 1918-23”
• So, 05.09.2021, Stecklenberg/Harz, Linksjugend-Camp: Vortrag “LUTHER AUF DAS MAUL schauen”
• Mo, 18.10.2021, Berlin, ASTA TU/TK2: Vortrag “Am Geld kleben – Antisemitismus und Kapitalismus” (Kritische Orientierungswoche)
• Mi, 03.11.2021, Mönchengladbach, Café Clément: Vortrag “Entschwörungstheorie” (FB-Event)
• Do, 04.11.2021, Osnabrück, SubstAnz: Vortrag “Entschwörungstheorie”
• Do, 11.11.2021, Jena, JG Stadtmitte, 18 Uhr: Vortrag “Entschwörungstheorie” (FB-Event)
• Sa, 13.11.2021, Leipzig, Linxxnet, 18 Uhr: Vortrag “Revolution in Deutschland 1918-23”
• VERSCHOBEN WEGEN PANDEMIE Do, 18.11.2021, Eisenach, Rosaluxx, 18 Uhr 30: Vortrag Lenin – Sohn seiner Klasse? (FB-Event)

Schon beschlossen, aber noch ohne konkreten Termin sind Leipzig (“Systemausfall ’89/’90 – Das Ende der DDR und die Folgen”) und Speyer (“Identität”). Wer noch mehr aushecken will oder sich daheim die Slides und Materialien anschauen, findet hier mein aktuelles Programm, das auch noch weiter aktualisiert wird.

Wie’s geht

June 5th, 2021

Bald 8 Milliarden Menschen behausen, bekleiden, ernähren, reinigen, bilden, schützen und erfreuen sich selbst und gegenseitig, gewinnen die Stoffe und stellen die Werkzeuge dazu her, bewegen, unterhalten, reparieren sie, treiben sie an und entsorgen sie.

Wenn sie das alle auch weiterhin tun wollen, müssen sie es am besten sofort mit so wenig wie möglich Ausstoß von Treibhausgasen tun, und ohne weitere derzeit nicht umkehrbare Schäden an ihren natürlichen Grundlagen anzurichten. Sie müssen zudem Möglichkeiten entwickeln, bereits ausgestoßenes Kohlendioxid wieder einzufangen und auch andere bereits angerichtete Schäden irgendwie umzukehren, sie müssen auch dafür die Stoffe gewinnen und Werkzeuge herstellen, bewegen, unterhalten, reparieren, antreiben und entsorgen.

Das allermeiste von alldem tun nach Lage der Dinge Arbeitskräfte in abhängiger Arbeit. Wenn diese bezahlt wird, machen sie sie überwiegend, um für sich und die von ihnen “Mitversorgten” die Lebensmittel kaufen zu können, die andere Arbeitskräfte hergestellt und bereitgestellt haben, denen das auch alles nicht gehört. Und all das geschieht größtenteils nur dann, wenn es direkt oder indirekt das Einkommen derer vergrößert, die (unter Androhung von Gewalt) über die Produktionsmittel, also die Betriebe und Anlagen, verfügen und die das allermeiste von alldem nicht tun. Und es geschieht nach deren Abschätzungen ihrer eigenen Überlebenswahrscheinlichkeit und Lebensqualität. Darin kommen die meisten Menschen nicht vor, von denen schon jetzt ständig Millionen verhungern, an behandelbaren Krankheiten sterben und in jeder erdenklichen Weise unnötig leiden.

Wenn wir uns zusammentun und die Produktionsmittel übernehmen, können wir direkt für unser aller Überleben sorgen und das Leben nach den Bedürfnissen und Wünschen aller einrichten.

Mein alter Globus im Licht der Morgensonne, die ungefähr über der Datumsgrenze “aufgeht”. Schon etwa 6 Stunden nach dem echten Sonnenaufgang über der echten Datumsgrenze ist die Sonne bereits für mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung aufgegangen.

Aus der Produktion

May 21st, 2021

Kai Bonnecke arbeitet im Stahlwerk und spricht im Interview über Hitze, Härte, Leiharbeit, Klima und Lockdown:

“Zu meiner Zeit als Leiharbeiter gab es … kein Weihnachtsgeld, keine Sonderurlaubstage, Prämien hast du auch nicht gekriegt. Aber unsere Gewerkschaft hat das jetzt so in den Griff gekriegt, dass die Kollegen das auch alles kriegen. Das finde ich wichtig, dafür setze ich mich ein. Ich habe das ja fünf Jahre am eigenen Leib gespürt – du gehst zur Bank und kriegst keinen Kredit, weil du keine Festanstellung hast (…)

Ich finde Fridays for Future total super. Junge Leute stehen für was ein, es ist ihre Zukunft. Viele denken maximal bis zum nächsten Sommerurlaub und sagen: Nach mir die Sintflut. Ich habe selber Kinder, und ich möchte denen eine Welt hinterlassen, die lebenswert ist. Man hat die Hoffnung, die Generation macht es besser als wir. Ich arbeite in einem Stahlwerk. Wir sind nach den Kohlekraftwerken diejenigen, die das meiste CO2 in die Atmosphäre blasen. … Also es muss ein Wandel her, so eine Welt auf Pump geht nicht. (…)

Ich hätte mir einen knallharten Lockdown gewünscht. Denn wir hatten zwar auch Kurzarbeit, haben aber durchgängig gearbeitet. Da hab ich mir schon gedacht: Die Konkurrenz macht zu, wir produzieren schön und greifen noch die Kohle ab. Da hätte ich gesagt: Mach zu, fertig, aus!”

Drei doppelte Kurze: Aerosolforschung, Impfung, Arbeit

April 22nd, 2021

💦☣️ Die Gesellschaft für Aerosolforschung warb am 11. April in einem Offenen Brief an die Regierung für wirksamere Maßnahmen zum Pandemieschutz in Innenräumen und z.T. auch an Arbeitsplätzen (genannt wurden nur Büros). Im erklärten Versuch, damit Hoffnung zu machen und vor allem sportliche Betätigung zu stärken, wurde Infektion im Freien als besonders unwahrscheinlich betont, was im Kontext von Frühlingsanfang und Diskussionen um die Ausgangssperre von vielen als generelle Entwarnung verstanden wurde (“Die Luft ist rein!”). Das Ansteckungsrisiko ist zwar grundsätzlich draußen deutlich geringer als drinnen, aber das ist abhängig von der Zahl der Menschen, mit denen draußen in welchem Abstand, wie lange und wie interagiert wird – und es ist bisher nicht ganz aufgeklärt, ein grpßer Teil der Infektionswege sind nach wie vor nicht bekannt.

⚕️💉 Impfungen verringern das Ansteckungsrisiko ebenfalls drastisch, aber ebenfalls nicht auf null, auch hier ist vieles noch nicht klar, z.B. was Mutationen und die Dauer des Impfschutzes angeht. Wirksamkeit und Zuverlässigkeit von Impfungen zu bewerben, um Impfunwillige und Unentschiedene umzustimmen, ist wohl leider nötig; die Betonung des Schutzes vor weiteren Infektionen scheint jedoch teilweise als ähnliche Entwarnung wie der Brief der Aerosolforschung zu funktionieren. Unbedingt sollten sich alle impfen lassen, die können, und die Freude darüber ist mehr als verständlich, es sind jedoch erst 7 Prozent der deutschen Bevölkerung vollständig geimpft, 22 Prozent einmal (global kommen 12 Impfungen auf 100 Menschen, und die sind extrem ungleich verteilt) – es wird noch mindestens große Teile des restlichen Jahres dauern. Momentan rollt die Pandemie noch durch die Welt, also bitte, bitte weiter Abstand halten, Kontakte reduzieren usw. Wie in der “Stay at home”-Diskussion vor einem Jahr ist es bitter extra dazu sagen zu müssen, dass es darum gehen muss, dass alle tun, was sie können, dass alle im Rahmen ihrer Möglichkeiten und Handlungsoptionen aufpassen und sich gegenseitig schützen, nicht darum, ohne Beachtung von Besonderheiten, Notlagen usw. Forderungen aneinander heranzutragen oder in den Tugendwettbewerb einzusteigen.

🛠️🚩 Gegenseitiger Schutz beinhaltet auch politische Aktion um die Bedingungen zu ändern, Streik um stärker in die Betriebe und Büros einzugreifen. “Es wäre ja mal schön, wenn gestreikt werden würde” oder “Generalstreik jetzt!” ist viel häufiger zu lesen und zu hören, als die Verbindung zur Organisation aller Arbeitskräfte vor Ort, in Betrieb und Küche vor der Nase, hergestellt wird: sich für die bezahlten und unbezahlten Arbeitsverhältnisse um einen herum interessieren, was Bekannte oder Unbekannte da tun, wie es ihnen damit geht und warum, wie sie organisiert sind oder nicht; sich für die örtliche Gewerkschaftssituation interessieren, nach Möglichkeit mitwirken, diejenigen unterstützen, die was tun (gerade wenn die Kräfteverhältnisse ungünstig aussehen) – wenn die reguläre Gewerkschaft wenig bewegt, dann die FAU, idealerweise beides; die Perspektive der Arbeitskräfte einnehmen, ihre Nachrichten verstärken usw. usf.

(Ihr wisst aber schon, dass diese Postings immer auch ein Trinkspiel sind, oder?)

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