Kein Territorium ohne Karte?

May 13th, 2008

Wer sich - wie ich - manchmal ärgert, wenn ein ungetaggter oder mit dem anderen Player abgespielter Song nicht bei last.fm gescrobbelt wird oder wer sich - wie ich - ärgert, wenn getaggte, aber noch nicht veröffentlichte Songs plötzlich via last.fm öffentlich werden, z.B. also letzthin dort sichtbar war, wie oft ich die Demos für die Platte mit dem Lasterfahrer angehört oder anderen vorgespielt habe, dem sei die Lektüre dieses Interviews empfohlen, das Adam Greenfield (”Everyware“) der französischen Zeitschrift Chronic’art gegeben hat:

>>I no longer run at all unless I have my Nike+ with me - why would I, when that would be an uncaptured and thus a wasted effort?<<

(via Neuronale Emergenzen)

Harnspaß in den Neunzigern

May 13th, 2008

>>Auf der Pisse von damals sonnen sich heute Mandy von MTV und Niklas aus der Werbebranche.<<

KoksenKotzenKommunismus über Gelegenheits-Urophilie

Brutal: Entschwörungstheorie zerschnippelt!

May 13th, 2008

Mit erheblich mehr Spielspaß als bei den zuletzt zu besichtigenden Cut-up-Einsendungen aus Richtung Blogsport hat sich Shigekuni die “Entschwörungstheorie” und eine Reihe anderer Texte vorgenommen und sie mit der Schere bekannt gemacht:

>>Hauptquelle: Entschwörungstheorie von Daniel Kulla, sowie Weichkern AufSchnitt und der remix Warum schlug Marek seinen Kopf gegen die Mauer? vom selben Autor.

Samples: Fatzer von Brecht, Selbstbezichtigung, Die Angst des Torwarts vorm Elfmeter, Publikumsbeschimpfung von Peter Handke, The Book and the Brotherhood und The Sea, The Sea von Iris Murdoch, Die Welt en gros und en detail von Claudio Magris, Fear and Loathing on the Campaign Trail ‘72 von Hunter S. Thompson, Dein Gesicht morgen: Fieber und Lanze von Javier Marias, Crying of Lot 49 von Pynchon, Frost von Thomas Bernhard, Howard’s End von E.M. Forster, The Recognitions von William Gaddis, Good Morning Midnight von Jean Rhys, The Secret Agent von Joseph Conrad
aus zwei My Name is Earl-Folgen, die ich beim Abtippen gesehen habe
und aus Gedichten von Brecht, Andersch, Ondaatje, Pound, Theodore Roethke und Jorie Graham
<<

Und so liest sich das dann:

>>Auf ein Symbol angesprochen, kann er verblüffend schnell sagen: “Das hat keine Bedeutung”. bang! something breaks. Then you have to stop and put the pieces together again. But you never can put them back together quite the same way. “Den Menschen muß man mit dem Stock kommen”, sagt Strauch, “mit dem Knüppel des Strafvollziehers.” Unvermeidlich wird jeder, der sich für Interessenvertretung und Abweichung ausspricht, von den Konspirationisten zum Teil der Verschwörung erklärt werden. Schwach sein ist menschlich und drum muß es aufhören. There are times when only pragmatism is honest. What they call opportunism. Ich hab einen Folterknecht engagiert. Und dann ist da das Misstrauen, an dem es mir auch in keiner Weise gefehlt hat. Laß dir die Ordnung gefallen, Ordner. Ich bin exekutionspflichtig geworden. dadurch, daß wir sie beschimpfen, werden Sie uns nicht mehr zuhören, Sie werden uns anhören.<<

Shigekuni: Entschwörungstheorie-Cut-up

Etwas weniger NPD, viel mehr Freie Kräfte in Sachsen

May 10th, 2008

>>Nach Angaben des sächsischen Innenministers Buttulo verlor die NPD-Sachsen rund 150 Mitglieder - jetzt sind noch etwa 850 Personen in dem Freistaat mit einem NPD-Parteibuch ausgerüstet. (…)

Bei der Vorlage des Verfassungsschutzberichtes für Sachsen sagte Buttolo, die sogenannten Freien Kräfte im Freistaat hätten “massiv Zulauf”. Die Zahl der Anhänger verdoppelte sich laut Bericht auf etwa 500. (…)

Die dem Kreis zugerechneten 500 Personen seien gewaltbereit und in der Lage, kurzfristig zwischen 50 und 300 Gesinnungsgenossen zu organisieren. Der Aktionsradius erstrecke sich auch auf an Sachsen angrenzenden Bundesländer.<<

NPD-Blog

Overbooked

May 10th, 2008

Beim aktuellen Arbeitspensum und verschärfend den Treibhausbedingungen im Laden gerät mein Parallelgelese doch ein wenig durcheinander. Schon auf der Rückfahrt mit Egotronic von Tübingen habe ich “Speed” von Hans-Christian Dany angefangen, das ich mir nun beschafft und weitergelesen habe; als Buffy-Querverweis lese ich Pratchetts Hexen-vs.-Vampir-Buch “Carpe Jugulum“; jetzt ist mir aber die wundervolle Sniffer-Dog-Paranoia “Headspace” von der wundervollen Amber Marks dazwischen gekommen, die ich einfach nicht beiseite legen kann; dabei hatte ich mich endlich mal an das schon seit Monaten bei mir bereitliegende “Unsere gefrorenen Begierden” von James Buchan gemacht, das mir sowohl von Peter Lau als auch vom faulsten Schwerverdiener des Universums empfohlen wurde; zusätzlich gibt es noch Dubioses aus der Bibo über Dinosaurier, Drachen und Kryptozoologie sowie das Buch vom Papst; nebenbei lese ich immer noch am letzten Gegenstandpunkt herum, bei dessen Lektüre ich vorm Ivi schon fotografiert wurde:


(photo by t.ba)

Größte Tragik: Um es alles cutten zu können, müßte ich wenigstens zum Abtippen der Zitate kommen. Das ist aber schwierig zu organisieren. Aber die Sommerpause ist ja nicht mehr weit…

Das ungute Wir

May 9th, 2008

>>Streckenweise fingerdick wird das Unbehagen an allgemeiner Desensibilisierung und ubiquitärer Medialisierung als Selbstzweck aufgetragen. Das ist manchmal nicht besonders schön oder elegant oder subtil, aber es trifft irgendwie doch; und zwar uns.<<

Neuronale Emergenzen über Diary of the dead

Wieder frischer Klebstoff

May 9th, 2008

Sorry, daß es so lange gedauert hat und daß ich euch alle so lange hinhalten mußte. Dafür gibt’s jetzt große Mengen von Aufklebern und auch noch in zwei verschiedenen Farben. Von Selbstmordparty habe ich nach Monaten endlich 1000 Stück in lila konspirativ überreicht bekommen, und das kurz nachdem Miau mir bereits 2000 in pink geliefert hatte.

Das Warten hat also ein Ende, bitte ordern Sie jetzt!

Nein nein, das ist nicht der Kommunismus! (Aufkleber pink)
pink (insgesamt 2000 Stück)
Nein nein, das ist nicht der Kommunismus! (Aufkleber lila)
lila (insgesamt 1000 Stück)

Die Außerirdischen sind die Nazis

May 8th, 2008

Seit ein paar Wochen schon wollte ich ein Posting zu der Frage schreiben, inwiefern - in der kulturellen Repräsentation - die Außerirdischen für den inkommensurablen Schrecken der Nazis standen und stehen: eine fremd erscheinende Macht auf höchster technologischer Stufe, die humanoid und unmenschlich zugleich ist, die sich auf Massenvernichtung und Menschenversuche spezialisiert hat und die vor allem auf merkwürdige Weise die Gedanken zu manipulieren imstande ist.

Zur These passen würde die sprunghaft wachsende Popularität der entsprechenden Literatur und Filme nach dem Zweiten Weltkrieg, auch “War of the Worlds” würde in der Radiofassung noch als Early Warning durchgehen. Gegen die These spricht die Übersetzung verschiedener Bilder des feindlichen Anderen in außerirdische Entwürfe vor der Naziherrschaft. Das wäre alles noch ausführlicher zu diskutieren.

Nun kursiert der Trailer zu “Iron Sky” im Netz, in dem eben jene Repräsentation kongenial auf die Spitze getrieben wird. Die Story: die Nazis landeten 1945 mit Schauberger-Flugscheiben auf dem Mond und kommen 2018 wieder.

Es sieht so aus, als würde der liebe Heinrich Dubel allerhand neues Material für seine “Nazi UFO Hysterie” bekommen.

(Trailer via Crisco Connection und ein bißchen auch via boingboing, wofür dann wieder robotporn als Hat Tipper zu loben wäre)

Wie die Feste fallen

May 8th, 2008

Tja, der Tag der Arbeit (West) bzw. Kampftag der Arbeiterklasse (Ost) fiel mit dem Vatertag (West) bzw. Herrentag (Ost) zusammen, heute kann am selben Tag die bedingungslose Kapitulation des Verbrechens Wehrmacht und die Ausrufung des Staates Israel begangen werden.

Da werde wohl heute abend mal über die Straße laufen… Oder was geht sonst so?

Was alles nicht geht, gibt’s beim monochromen Grenzfurthner zu lesen:

>>Wir danken diesen Menschen, dass ihr millionenfacher, schlecht ausgerüsteter, ihr unvorbereiteter oder bürokratisch organisierter Tod die Welt befreit hat, jedenfalls vom deutsch-österreichischen Faschismus.<<

(Der letzte Satz seiner Rede hätte vielleicht nicht sein müssen...)

Ökonomischer Gottesdienst, Motivation

May 8th, 2008

Ich (zum Kollegen): “Das große Karthago machte drei Tage Promotion. Es war noch fit nach dem ersten, noch zurechnungsfähig nach dem zweiten. Es war nicht mehr auffindbar nach dem dritten.”

Bereichsleiter (im Vorbeilaufen): “Dann in der zweiten Wochenhälfte noch mal richtig Gas geben!”

Kriegskasse für den Copy War?

May 6th, 2008

Idee von Oona, etwas ausgemalt: Wäre das zeitgemäße Äquivalent zur Streikkasse für die sich optimierende Zirkulationssphäre nicht eigentlich ein Topf, aus dem alle, die in ihn einzahlen, die Strafen für Urheberrechtsverletzungen and the like bezahlt bekommen?

Würde es womöglich zu Flächentarifen kommen, also keiner Kulturflatrate, sondern ausgekämpften Stillhaltezahlungen? Gäbe es Versorgung mit Internet für Zwangs-Abgeklemmte? Wäre das eine Erweiterung oder eine scharfe Konkurrenz zu Hackernetzwerken? Wie klassenübergreifend würde das praktisch funktionieren können?

Und worunter würde das dann firmieren? Gewerkschaft 2.0? Konsumgenossenschaft? Kampf gegen die “Klassengesellschaft im Netz“? Reformierte Topfmenschen? Konsumenten der Stirn und der Faust?

Und was für Chancen hätte bei der ganzen Veranstaltung der bisher so gründlich gescheiterte Versuch, vom partikularen Interesse zum allgemeinen vorzustoßen, von der praktischen Kritik des “geistigen Eigentums” zu der des Eigentums überhaupt?

Das schaffende Kapital

May 5th, 2008

Wie problemlos Marxisten “Islamic Banking” zum Krisenlösungsmodell hochzujubeln vermögen:

>>Der Islam verbietet, Zinsen zu nehmen. Kredite dürfen nur für reale Wirtschaftprojekte gegeben werden. Zugleich aber vermeidet das islamische Banking – gezwungenermaßen – alle windigen Hochrisikogeschäfte, die derzeit die westliche Finanzwirtschaft in eine der tiefsten Krisen seit den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts gestürzt haben. »Das islamische Finanzwesen kann die globale Krise lösen«, titelte jüngst die saudiarabische Arab News Agentur. (…)

Neben dem Verbot von Derivaten aller Art investiere das IBFW »weder in Pornographie und Prostitution noch in die Alkohol-, Tabak und Spielindustrie« – allesamt Wirtschaftsbranchen, so Napoleoni, die »unter dem indifferenten Auge des Marktstaates dank der Globalisierung erblühen«.<<

Rainer Rupp: Wo Zinsen von Übel sind (junge Welt)

Falafel zinsfrei

Frankfurt/Main -> Tübingen

May 3rd, 2008

Dem vielmündigen Hinweis folgend, der Empfehlung der Hitchbase bezüglich des besten Wegs aus Frankfurt heraus sei zu trauen, ließ ich mich von der wunderbaren Stelle direkt am Kreisverkehr vor der Messe vom erstbesten Auto mitnehmen, da ich laut der tollen Ratschläge nur bis zur Esso-Tankstelle auf der A648 kommen müßte. Dort sollte es dann ganz einfach und schnell gehen.

Stattdessen waren dort fast ausschließlich Frankfurter, mit denen ich wegen des periodischen Regens und der völlig unmöglichen Ausfahrt auch noch reden mußte. Zwei Stunden lang.

Ausfahrt Esso-Tankstelle A 648 Frankfurt am Main
Die Ausfahrt

Dann ging es - meinem von der Nacht leicht zerbombtem Gemüt angemessener - mit wenig Gespräch, kurzen Wartezeiten und viel Sonne über die Rasthöfe Gräfenhausen (mit einem Kurierfahrer), Wunnenstein (mit einem Baustelleninspekteur), Sindelfinger Wald (mit einem potentiellen Konzertbesucher aus Köln) zur A81-Abfahrt Herrenberg (mit einem Singener Ex-Fernfahrer im Linienverkehr).

Dort nahmen mich Mutter (”Welsch schöne Landschaft, lädt ja zum Wandern ein”) und Tochter (”Was macht ihr denn für Musik?”) auf Ausflugsfahrt mit und setzten mich trotz meiner Ansage, Ortseingänge seien ganz schlecht, am Ortseingang von Unterjesingen raus, wo ich allerdings Glück hatte und fast sofort von zwei Männern auf dem Weg ins Tübinger Museum aufgelesen wurde.

Weinheim -> Rasthof Bergstraße

May 1st, 2008

Der ganz lange Trampbericht: Nach ruhiger Nacht in Werners Verlag wartete ich eine Regenpause ab und stellte mich an der Moschee an die B3. Eins der ersten zehn Autos hielt an, darin ein Pärchen mit etwas linksradikaler Demoerfahrung und mit Eis aus Bechern. An der Ausfahrt des Rasthofs Bergstraße abgesetzt, kam als drittes Auto der Audiolith-Bus, in dem wegen eines fehlenden Mitfahrers ein Platz vorn neben Plemo frei war, mit dem ich mich dann über Ost- und West-Kinderunterhaltung austauschte.

“intro” bespricht die “Entschwörungstheorie”

May 1st, 2008

>>Für Special Agent Mulder ist nicht die Frage, ob du zu paranoid, sondern ob du paranoid genug bist; Terry Pratchett, Kurt Cobain und Joseph “Catch 22″ Heller bestätigen unisono: “Nur weil du paranoid bist, heißt das nicht, dass sie nicht hinter dir her sind.” Umso wertvoller und wichtiger ist die Einschränkung, mit der Daniel Kulla seinen Vortrag auf dem 22. Chaos Communication Congress im Dezember 2005 eröffnete: “Nur weil du paranoid bist, heißt das nicht, dass du hinter anderen her sein musst.” Bereits der Titel des Vortrags “Entschwörungstheorie” dient als subversives Spiel mit dem Unsinn.<<

Rezension von Lars Brinkmann

(Die Entschwörungstheorie hat seit kurzem übrigens auch ein eigenes MySpace-Profil)

Eine gute und eine schlechte Nachricht

April 30th, 2008

Die gute: Das Bandbreite-Verfahren gegen Torsun ist eingestellt. (Hä, Bandbreite?)

Die schlechte: Der große und wunderbare Albert Hofmann ist tot. In seinen Worten: “Ich gehe dahin zurück, woher ich gekommen bin, wo ich war, bevor ich geboren wurde, das ist alles.”

Potsdam -> Löhrbach

April 30th, 2008

Schön aus dem einsetzenden Regen rausgetrampt: in Potsdam und an der Michendorfer Auffahrt schon inmitten vereinzelter Regentropfen insgesamt 10 Autos angehalten, die nach Caputh oder Ferch fuhren; die tätowierte junge Frau auf dem Weg nach Treuenbrietzen und der ehemalige Hobby-Hanfzüchter und jetzige Zwangsabstinenzler (wegen Wohngemeinschaft mit seinem Chef) bugsierten mich zwar nicht weit, aber unters Tankstellendach der Raststätte Fläming, das mich vorm mittlerweile prasselnden Regen schützte und wo ich tat, was ich ungern tue: mir anhören, mit welchen bescheuerten Ausreden Autofahrer es zu vermeiden versuchen, nein zu sagen. (Ich wurde teilweise etwas genrvt und didaktisch, d.h. ich beendete die albernen Gespräche mit dem Satz: “Sagen Sie doch einfach nein, ist doch gar nicht so schwer.”)

Nach einer ewigen Viertelstunde sagte eine sympathische junge Ilmenauerin, die im Direktvertrieb für Schmuck tätig ist, nicht nein, sondern ja und wir fuhren sehr schnell bei angenehmer Unterhaltung und etwa ab Leipzig strahlendem Sonnenschein bis zum Rastfof Eichelborn bei Erfurt. Ich spielte ihr die Demos der forthkommenden Platte vor und sie fand die Coverversion von “Erleuchtung und Berufung”, im Original von Witthüser & Westrupp, am besten.

Von Eichelborn nach Eisenach berichtete ein Berufsmusiker über die Bedingungen im Auftrittsgeschäft für alte Rockschinken im Ruhrpott.

Von Eisenach nach Wetterau verfolgte ich mehrere Telefongespräch des pakistanischen Kurierfahrers, die er über sein am Lenkrad befestigtes Handy führte. Das erste Gespräch war ein recht langes mit einem Bekannten von ihm, das mir ermöglichte, mich fast eine halbe Stunde mit dem Sprachklang von Urdu vertraut zu machen. Das zweite Gespräch war kürzer, am anderen Ende war sein herumbellender Chef. Ich sagte hinterher, wie unfreundlich der geklungen hatte und der Fahrer meinte, darauf würde er lieber gar nicht hören. Ich meinte, nette Menschen werden eben meist keine Chefs, worüber er eine Weile lachte. Dann unterhielten wir uns über halal geschlachtetes Fleisch, die Besonderheiten des pakistanischen Islam, der aber dennoch genau auf der Linie aller Sunniten liegen soll. (Ich habe das nicht ganz verstanden, das Wort “System” tauchte häufiger auf; ich werde es bei Gelegenheit mal nachzulesen versuchen.)

Dann folgte das dritte und kürzeste Gespräch, mit seiner Frau, die ihn fragte, ob sie das Essen aufsetzen sollte, was er bejahte und fertig. Gleich nachdem er aufgelegt hatte, erklärte er mir wortreich, daß es ein Teil des “Systems” sei, daß Frauen kochen und die Kinder versorgen, während der Mann arbeitet und Geld verdient, das er der Frau zur “Verwaltung” abliefert. Wie schon zuvor bei den Themen Schöpfung und göttliche Gebote hörte er sich ruhig und freundlich an, was ich ihm antwortete, nur um seine Merksätze über das “System” ebenso so freundlich und ruhig zu wiederholen.

In Wetterau wurde es dann doch dunkel - es war mittlerweile halb neun -, so daß ich wegen der defekten Straßenlaterne an der Ausfahrt des Rasthofs doch wieder Leute an der Tanke anquatschen mußte, was wieder genauso deprimierend war wie Stunden zuvor. Als ich einen Heidelberger “Men’s Health”-Typen, der ständig “hektisch” sagte, eine Weile erfolgreich dahingehend bearbeitet hatte, mich wenigstens am Weinheimer Autobahnkreuz abzuwerfen, trat ein älterer Herr aus Karlsruhe dazu und fragte mich, wo ich hinwollte.

Ich ahnte, daß bei ihm die Chancen größer sein würden, daß er mich schlußendlich auch noch die paar Kilometer bis nach Löhrbach bringen würde und fuhr mit ihm mit. Ich täuschte mich nicht. Nach einem streckenweise altlinks-esoterischem (sowas z.B.) und streckenweise empirisch-sozialforscherischem Gespräch, hob er gerade zu einer längeren autobiographischen Anekdote über einen Zen-Lehrer an, als wir Weinheim erreichten, und diese Anekdote war erst in Löhrbach zuende.

konkret (2): Nein, nein, das war nicht der Kommunismus

April 27th, 2008

>>Es ist dies eine günstige Gelegenheit für uns Kommunisten aller Länder, die wir unsere grauen Zellen so schmerzhaft bemüht haben, den real existierenden Sozialismus trotz alledem und alledem in ein positives Verhältnis zum Kommunistischen Manifest zu setzen, uns nicht länger zum Narren zu machen und uns zuzugeben, daß mit dem, was wir von der Welt wollen, beide Staaten [China und die Sowjetunion] nichts im Sinn hatten und haben, was nicht heißt, ihre ganz anderen Verdienste zu verachten - wie das unsterbliche der UdSSR: den Sieg über Deutschland sowie die Vertreibung der Schlesier und Sudetendeutschen aus Polen und der Tschechoslowakei.<<

Hermann L. Gremliza: Der Tibet-Wahn (konkret 05/2008)

konkret (1): Schäuble, das BVG und alles

April 26th, 2008

>>Innenminister Schäuble war nicht entsetzt. Er hat sich statt dessen eher artig beim Gericht bedankt. Dieses hat ihm nämlich nicht nur gezeigt, was verboten ist, sondern er kennt jetzt auch die Spielräume, die er hat. Im Fall der Vorratsdatenspeicherung muß er sich besonders wenig gerüffelt sehen, denn hier hat er ohnehin nur versucht, eine EU-Richtlinie umzusetzen. Das muß jetzt eben anders gemacht werden.

Populär sind diese Urteile deshalb, weil sie dem Publikum das Recht auf sein Wichtigstes zu garantieren scheinen: das Privatleben. Der Staat habe dort nichts zu suchen und zu finden. Daß die Gedanken frei seien, sagt eine diesem Thema gewidmete Hymne, und sie fordert keineswegs das Recht auf die freie öffentliche Äußerung des frei und geheim Gedachten (obwohl das sogar im Grundgesetz steht).

(…)

Die Verteidigung der informationellen Selbstbestimmung hat - ebenso wie die Verfassungsbeschwerde - ihre Schichtspezifik. Autofahren ist klassenübergreifend, Computerbenutzung auch. Aber vor allem Selbständige und Multiplikatoren haben Berufs- und Wettbewerbsgeheimnisse.<<

Georg Fülberth: Das Volksgericht (konkret 05/2008)

Ökonomischer Gottesdienst, Motto

April 26th, 2008
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Warenpräsentation für Kunden, die sagen möchten: “Wir nennen es nicht nur so, es soll wirklich auch so aussehen, als wäre es Arbeit!” Die Kunden, denen sich der Sinn erschließt, beziehen es aber ganz bestimmt nur auf den Laden, nicht zuletzt weil die wenigsten von ihnen aus Friedrichshain hier rauskommen.