Auftritte ab Mai

May 5th, 2016
  • Sa/So, 14./15.05.2016, Doksy, Pfingstcamp Linksjugend: Vortrag “Lust, Rausch & Zweifel“, Buchvorstellung “Sin Patrón
  • ENTFÄLLT, HABEN’S VERPEILT! Sa, 28.05.2016, tba, Weltkongress der Hedonistischen Internationale: Vortrag “Lust, Rausch & Zweifel
  • Mi, 15.06.2016, Mülheim, AZ, 19 Uhr: Vortrag “Deutschland alternativlos? Fragen zu AfD, Ideologie und Klassenkampf” (Ankündigung)
  • Sa, 18.06.2016, München, Kafe Marat: Vortrag zu “Hass allein genügt nicht mehr
  • Do, 23.06.2016, Homburg (Saar), Evangelisches Gemeindehaus, 18 Uhr: Vortrag “Entschwörungstheorie”
  • Do, 07.07.2016, Göttingen, “na, halt irgendwo inner Uni”: Vortrag “Entschwörungstheorie”
  • Für den 2. Juli ist in Wien ein Straßenfest vorm Gagarin mit Musik u.a. von mir geplant. Buchvorstellungen für “Sin Patrón” sind für München, Nürnberg und Bamberg in Planung; Entschwörung in Flensburg, Bargteheide, Klagenfurt und bei einem Kongreß zum Thema am Bodensee. Im Oktober bin ich Teil einer Kampnagel-Veranstaltung über Identität. Irgendwann im Herbst (dazu bald Genaueres) kommt die neue Platte mit dem Lasterfahrer raus und es wird Release-Shows in Hamburg, Siegen und anderswo geben.

    Wer auch noch was einrühren will, findet hier mein aktuelles Programm.

    Summary talk on my Rausch concept

    May 27th, 2016

    In this video, now available on Youtube, I sum up my concept of Rausch as an ability of every nervous system, I talk about its relation to domination and capitalism and its potential for overcoming them. It’s a must see for everyone who wants to understand why I insist we need to stop focussing on drugs and need to start talking about what happens in the brain and body – and why.

    (In case Youtube doesn’t work: try here.)

    Medienkolumne in der neuen “konkret” zu Rauschkontrolle & Polizei

    April 28th, 2016

    In der aktuellen Ausgabe der “konkret” (ab morgen am Kiosk) schreibe ich über “zweierlei Bewertung des Drogenkonsums von Volker Beck und Benjamin von Stuckrad-Barre”:

    «Herrschaftliche Rauschkontrolle läuft immer zweigleisig: Verfolgung, Kontrolle und Abschreckung hier, jahrelang ungestörter Konsum der Kulturprominenz dort. Repression wie Duldung gehören zur Herrschaft, die es sich weder leisten kann, Rausch unkontrolliert zu lassen, noch ihn nicht in bestimmten Sphären zuzulassen.»

    Hitler-Droge vs. Schreibstoff.

    Neuer Track, neues Video: “Mieses Stück Scheisze”

    April 27th, 2016

    Neuer Track, neues Video: Gegen die Gesamtscheiße, für mehr Reflexion der eigenen Verwicklung, für den autonomen Klassenkampf!

    Mieses Stück Screenshots

    Nach “Wir streiken” (Video) ist das die zweite Vorabveröffentlichung aus dem kommenden vierten Album mit Istari Lasterfahrer: “Dead Stars”, das im Herbst unter unserem neuen Bandnamen CLASTAH erscheinen soll (Ankündigung bei Sozialistischer Plattenbau).

    (Video hat deutsche Untertitel + video has English subtitles available)

    Wir werden circa im Oktober eine Releaseshow in Hamburg spielen, und auch unsere Show in Siegen, die für den 6. Mai geplant war, verschiebt sich in diese zeitliche Umgebung. Wir überlegen derzeit, wo wir dann weitere Konzerte zur Albumvorstellung geben können. Wo gäb’s Interesse?

    Der “War On Drugs” ist nicht gescheitert

    April 24th, 2016

    Das Jungle-World-Titelthema diese Woche: “Der repressive »War on Drugs« ist längst gescheitert”; “Opium fürs Volk” (Die Toten Hosen), weil vom “Opium des Volkes” (Marx) nicht gesprochen wird; und in den dazugehörigen Artikeln haben “Verbote, Kriminalisierung und militärische Gewalt” ebenfalls “nicht geholfen”, kommen Geheimdienste praktisch gar nicht vor, Fragen der politischen Repression nur als Randnotiz zu Nixon, und Europa schließlich sogar ganzseitig als schon immer nicht so schlimm an der Drogenfront. In diesem Rahmen fällt dann auch nicht mehr auf, daß es die “liberale” Position solange gibt wie Drogenkrieg und Prohibition; und schon gar nicht, daß letztlich nur über die medizinischen, fiskalischen und sonstig sozialen Zumutbarkeitsgrenzen eines jahrzehntelangen Programms zur Herrschaftssicherung diskutiert wird.

    Um mal die Erinnerung aufzufrischen – vor vier Jahren schrieb ich in der Jungle World:

    «Allzu häufig werden das Scheitern oder der Erfolg des »War on Drugs« an Maßstäben gemessen, die bei seiner Ausrufung in den USA der späten sechziger Jahre, aber auch bei den Anti-Cannabis-Kampagnen der Dreißiger oder der deutschen »Rauschgiftbekämpfung« so gut wie keine Rolle spielten. Der »War on Drugs« war eine begleitende Maßnahme der Bekämpfung jener sozialen Bewegungen, die die bürgerliche Gesellschaftsordnung in Frage stellten, in den USA der Dreißiger zunächst im Rahmen des rassistischen Abwehrkampfes der weißen Vorherrschaft, dann seit den Sechzigern als antikommunistische Maßnahme gegen die befürchtete Auflösung der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft.»

    Die Kollegen von Wildcat konturieren es auch etwas anders:

    «Drogenkartelle sind Bollwerke der USA gegen den Kommunismus. Der War On Drugs hat es ermöglicht, Länder zu besetzen und die eigenen Repressionsapparate aufzurüsten (…) Genau der gleiche War On Drugs hat diese Kartelle finanziert, gedeckt, beraten, militärisch ausgebildet und ausgerüstet. (…) Die Grauzone aus Geheimdiensten, Militär, Polizei, Konzernen und rechtsextremen Killern haben wir als ‘tiefen Staat’ zu fassen versucht. In seiner Arbeitsteilung sind die Drogenkartelle zuständig für das Wegräumen linker Guerriller@s und Campesin@s, die gegen Landraub, Privatisierung und Marktöffnung kämpfen.»

    Sowohl die Zerschlagung der systembedrohenden Bewegungen als auch die (Wieder-)Spaltung der Klasse, insbesondere entlang der Grenze der “weißen Rasse”, desweiteren die Legitimation ständiger innerer und äußerer Aufrüstung und sozialer Kontrolle sowie die Sicherung illegaler Geldquellen für Geheimdienstaktivitäten sind erfolgreich gewesen. In der Folge haben sich inmitten des Schlachtgetümmels auch die meisten Anfänge eines besseren Verständnisses von Rausch als Fähigkeit wieder verlaufen.

    Der “War On Drugs” ist nicht gescheitert – wir sind nicht gescheiter.

    About last night

    March 14th, 2016

    Mein Kommentar zur gestrigen Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, zu Nationalismus und Klassenkampf – als Vor-Ort-Korrespondenf fürs “HATE Magazin”:

    «Viele linke Reaktionen auf die Wahl: Panzerbildchen, Kotze-Icons und – deutlich weniger als nach der Hessen-Wahl – Auswanderungs-Stoßseufzer. Es hilft nun aber “kein höh’res Wesen”, keine “Night Witches”, keine “Red Army Sniper”, keine “RAF from England”. Der deutsche Staat ist weiterhin auf dem Zenit seiner politischen und ökonomischen Macht, kein anderer Staat wird ihn vorläufig stoppen. Was hilft, ist, die Lage zu analysieren und Schlüsse daraus zu ziehen.»

    Hass allein genügt nicht mehr – Daniel Kulla zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, zu Nationalismus und Klassenkampf

    “Sin Patrón” in der “konkret”

    March 5th, 2016

    In einem konkret-Artikel über das Ende des “Jahrzehnts der Linksregierungen” in Südamerika wird auch auf die Übersetzung von “Sin Patrón” Bezug genommen und aus meinem Vorwort zitiert:


    (zum Vergrößern Draufklicken)

    Ganz anders als derzeit in den meisten anderen linken Einschätzungen hierzulande (zuletzt etwa Lena Kreymann in enger Anlehnung an die pro-kirchneristische argentinische KP) heißt es dort weiter:

    «Es ist falsch, dem Kirchnerismo und seiner Partei- und Gewerkschaftsbürokratie – die vergleichbar sind mit der SPD unter Gerhard Schröder und dem DGB – nach ihrer letzten Wahlniederlage nachzutrauern. Ihr Kandidat, Daniel Scioli, stand selbst innerhalb des Kirchnerismo rechtsuaßen, verfolgte ein Programm von “Austerität light” zur Sanierung des Staatshaushalts und bekannte sich vor der Wahl zur vollständigen Anerkennung der Auslandsschulden.»

    Und so endet der Artikel tatsächlich, völlig ungewohnt in der linken deutschen Presse, mit einem positiven Blick auf das trotzkistische Bündnis FIT:

    Migration & Handlungsfähigkeit

    March 2nd, 2016

    «Mit ihrem Aufbruch in die nordeuropäischen Zentren versuchen viele Menschen wieder zu Handelnden zu werden. Das Kapital will ihre Energien zur Neustrukturierung des Arbeitsmarkts nutzen und die hiesigen Klassenverhältnisse unter Druck setzen. Außerdem kann die Flüchtlingsbewegung wie ein Konjunkturprogramm wirken (…) Das setzt aber die Kontrolle über die proletarischen Wanderungsbewegungen voraus, und diese ist den Herrschenden in den letzten Jahren zunehmend entglitten. (…)

    Der Widerstand gegen Abschiebungen und für ein Aufenthaltsrecht ist eine Voraussetzung, damit sich Kämpfe entwickeln können. Es geht dabei aber weniger um juristische Titel als um den Widerstand gegen Repression, gegen Überwachung, gegen Razzien in Vierteln und auf der Arbeit.»

    Wildcat Nr. 99: Wanderung, Flucht und Arbeit.

    Bestärkende “Sin Patrón”-Rezension

    February 17th, 2016

    Für die Zeitung “Kritische Perspektive” ist “Sin Patrón” eine “unbedingte Leseempfehlung”, meine “Übersetzung, Einleitung und Aktualisierung” ist für sie “gerade heute und in Deutschland unglaublich wichtig.” Sie schreiben in ihrer ausführlichen Besprechung des Buchs:

    «Eine wesentliche Aufgabe in der anstehenden Krise wird es sein, die Kontrolle über die stillgesetzten und brachliegenden Produktionsmittel zu erringen, sie ihrem Zweck zu entfremden und eine soziale Reproduktion außerhalb der kapitalistischen Ordnung zu schaffen. In der Krise wird mit Händen greifbar, dass es kein Mangel an Kapital, Maschinen, Ackerland oder Arbeitskräften ist, der die Menschen verhungern lässt, sondern ein Mangel an der kapitalistischen Profitabilität dieser Produktionsmittel.»

    Fotoreportage über neuere Instandbesetzung (mit Korrekturen)

    February 16th, 2016

    Die Jungle World hat meine Reportage über die instandbesetzte Druckerei Madygraf nun auch online veröffentlicht, aber leider mehrere Fehler hineinredigiert, die ich hier kurz korrigieren will.

    «Pitrola verließ den Betrieb und wandte sich der Organisation der Erwerbs­losen in der Piquetero-Bewegung dem Polo Obrero (PO) zu.»

    Es muß heißen: “in der Piquetero-Bewegung der PO, dem Polo Obrero”Partido Obrero ist die Partei, Polo Obrero ist ihre Erwerbslosen- und Piqueteros-Bewegung, die sie wieder so groß gemacht hat wie seit Ende der 60er nicht mehr.

    «Ausschlaggebend war das Argument, dass ja niemand etwas zu verbergen habe.»

    Da steht nun nicht mehr, daß Medina selbst (und vermutlich nicht nur er) mit diesem Argument überhaupt nicht glücklich war, was m.E. einen anderen Eindruck vom Betrieb erweckt.

    Das “Keramikwerk FaSinPat Zanón” heißt heute offiziell FaSinPat, ist aber von früher auch als Zanón bekannt. “Das bekannte argentinische Kinderlied »Cuarteto de la Plusvalía«” läuft trotz des Textes eigentlich nicht unter Kinderlied.

    Tinte und Papier waren vorher nicht einfach “wegen der Handelsbeschränkungen” schwer zu bekommen – dies waren Maßnahmen der Kirchner-Regierung, die stark von ihrer peronistischen Ideologie beeinflußt waren. Die Kirchneristas sind aber nicht “von der Peronistischen Partei” – davon gibt es viele. Die Kirchneristas sind vor allem an die Macht gekommen und an der Macht geblieben, indem sie ihre “K-Fraktionen” in anderen Parteien und Organisationen aufbauten und die peronistische Partido Justicialista zum Wahlbündnis Frente Para La Victoria (FPV) mit all diesen Alliierten bis Infiltrierten erweiterten.

    Noch eine alte Stilfrage – in der Jungle World heißt es immer “der Partei” (der PTS, der PO usw.) wegen “el partido”, aber ich finde, das liest sich fürchterlich.

    Wie aber sind denn “Argentienien” und “Mardygraf” während der Korrektur in den Text geraten?

    In der Druckfassung wurde außerdem seltsamerweise die Dolmetscherin Magui López aus dem Foto herausgeschnitten, auch in der Onlineversion steht in der Beschriftung des Bildes nur der Name des Druckers, nicht aber ihrer. (Hat die Zeitung ein Problem mit ihr?)


    Hier noch die nicht verwendeten Bilder: ein Blick in die Binderei; Fehldrucke in der Druckerei; das Titelbild des Madygraf-Schulhefts; und ein beim Solikonzert in Parque Centenario ausgestelltes Foto von Jorge Medina

    Foto des Jahres 2015

    January 10th, 2016

    Für die argentinische “Titanic” Revista Barcelona war in ihrer Jahresrückblicks-Ausgabe die Sache klar:

    «Die furchtbare Lage der Europäer, die den Anblick dieser in einem exklusiven Strandbad liegenden Europäerin ertragen müssen, erschöpft von der Anstrengung, sich um eine nicht enden wollende Prozession Illegaler kümmern zu müssen, welche ihr Land ausnutzen – dieses Bild wurde vom Neokolonialen Kommittee der Natürlichen Auslese Auswärtiger zum Foto des Jahres gekürt. “Die arme Frau brach zusammen, nachdem sie Tausende von Opportunisten ausgewiesen hatte – es ist ein berührendes Bild”, so die Jury.»

    Foto del ano Merkel

    Merkel schaffte es auch auf den Titel, in der Bildlegende ausgewiesen als “Teutona infanticida”.

    Cover Cover detail

    Argentiniens Regierungswechsel ändert alles!

    January 8th, 2016

    “Cambio” (“Wandel”) nennt sich das, was in ‪‎Argentinien‬ unterm neuen Präsidenten Mauricio ‪Macri‬ derzeit passiert, und seine Wahlbewegung hieß denn auch “Cambiemos”“Laßt uns verändern”, irgendwie ähnlich allgemeine Projektionsfläche wie Obamas “Change”, allerdings recht offen und unverblümt in Richtung rechts, neoliberal-konservativ.

    Die Konservativen tun jetzt so, als hätte die abgetretene ‪Kirchner‬-Regierung Korruption und Verbrechen erfunden, während die Kirchneristas so tun, als hätten sie Sozialfürsorge und Gerechtigkeit erfunden. Nicht nur in Argentinien hielten und halten viele den peronistisch-nationalistischen Kirchnerismo, einst als Abwicklung der Aufstände von 2001/2 an die Macht gekommen und dann durch Vereinnahmung und Ausbooten der Protestbewegungen an der Macht geblieben, für links.

    Für ihre Proteste gegen die neue Regierung (vor allem gegen Entlassungen in der zuvor aufgeblähten staatlichen Beschäftigung) konnten die Kirchneristas bislang nicht viele Leute mobilisieren – das heißt, die Kirchneristas, die vorher jahrelang kaum je gegen soziale Mißstände auf die Straße gingen und gerade in Buenos Aires für fast alle Härten mit Macris Leuten zusammen stimmten, wundern sich nun, daß kaum jemand auf ihre Demos kommt.

    Und schließlich wurden vormals Beschäftigte des manipulations-berüchtigten Statistikinstituts INDEC, die nach der Übernahme durch die kirchneristische Jugendorganisation La Cámpora gefeuert worden waren, nun mit viel Tamtam wieder eingestellt – und direkt danach wurde verkündet, daß für dieses Jahr keine offiziellen Zahlen zur galoppierenden Inflation veröffentlicht werden.


    Graffiti in ‪‎Buenos Aires‬, prangt da schon ein paar Jahre

    Wie ich kurz vorm Abflug schrieb: “…wo gerade alles anders wird und so bleibt; wie’s war…”


    Infografik von CORREPI zur Repression seit Ende des Faschismus

    2016 zu begehende musikalische & theoretische Aufwiegelung

    December 30th, 2015

    MUSIK UNTER DIE LEUTE

    Die neue, schnell eskalierende, im Verlauf aber recht entspannte Platte mit dem Lasterfahrer ist schon so gut wie fertig. “Wir streiken” ist drauf. Erste musikalische Ausflüge nach Südamerika sind drauf: eine Art Cumbiaton übers Rumlungern auf dem Gehweg in Asunción und eine Coverversion dieses Candombes, aus dem der vorläufige Albumtitel “Lluvia de estrellas” (sprich: “schúvia de estréschas”) stammt. Das schon live vorgetragene “Rammstein lösen sich auf” ist drauf. Ein Björn-Peng-artiges Lied über Anti-Klassismus mit dem Titel “Critical Richness” ist drauf. Ein trotziger Dub über die “wandering working class” ist drauf. Ein Breakacid-Brett, basierend auf einer Brustmilchpumpe und dem Standgeräusch eines Triebwagens, ist drauf. Und ein Track mit Onkel Torsun zu unser beider einstiger Lieblingsgruppe ist auch drauf.

    Was noch fehlt: eine endgültige Entscheidung bezüglich unseres endlich mal etwas kürzeren und griffigeren Namens (Classta Kullasta? Clasta Kulasta? Oder nur Kullasta? Oder ganz anders?) und die Kohle fürs Vinyl.

    Wir wollen wieder mehr Konzerte spielen (eins ist für den April in Siegen schon anberaumt), besonders gern immer mit dem lieben Björn Peng und seinem Fluffy Bad Trip Rotterdam Hardstyle; und auch auflegenderweise möchte ich wieder “möglichst viel verschiedene Musik” vorspielen.

    Schließlich sind noch einige Features auf dem Weg: schon aufgenommen ist mein Rap-Part für einen Song von Frank Spilker; Alles.Scheiße wollen mich auf ihrem Album dabeihaben; das erste Stück der Kullaboration mit Ray Block (Projektname Graph Blockulla) ist halbfertig; und vielleicht wird endlich der schon lange beinahe fertige Track mit der Frittenbude mal vollendet…

    IDEOLOGIE ERNSTNEHMEN

    Angesichts von Facebook-Landschaften und Straßenbild wenden sich viele vermehrt und richtigerweise gegen Rassismus und Nationalismus. Zu oft bleibt es aber beim Verurteilen, Kopfschütteln, Auskotzen; zu oft wird Ideologie als Randerscheinung behandelt, als Manipulation oder Dummheit, als Nebensache im Klassenkampf, als zu Therapierendes oder hoffnungslos Verlorenes. Es muß besser gelingen, sie ernstzunehmen, ohne ihr auf den Leim zu gehen.

    Ich will mit meinen Vorträgen und Texten (Buch-Neuauflage “Entschwörungstheorie” hoffentlich endlich dieses Jahr!) zu erklären helfen, warum Ideologie funktioniert, was sie Leuten bringt und wie ihr praktisch der Boden entzogen werden kann. Dabei ist wichtig, nicht an den Erscheinungsformen und ihrer (vermeintlichen) Absurdität kleben zu bleiben, sondern sich auf die Inhalte zu konzentrieren, auf die Gemeinsamkeiten der verschiedenen Formen von Ideologie und ihrer Gründe und Vorteile, und dabei vor allem im Blick zu behalten, wann und wie sich Auffassungen verändern. Allzuoft wird der Versuch nicht (mehr) unternommen, solche Veränderung herbeizuführen oder zu begünstigen, Menschen für Auseinandersetzungen erst zu gewinnen – stattdessen werden sie dann im Falschen festgenagelt und abgeschrieben, so als ob immer alle so verbohrt und unverbesserlich wären wie es meist nichtmals die Lautesten und die Lieblingsfeinde sind.

    Weiter möchte ich darüber reden, wie sich Ideologie in der Populärkultur abbildet und bricht (z.B. “Klassenkampf bei Buffy The Vampire Slayer”) und was sie alles aus dem Blick geraten läßt (wie z.B. in “Homer Simpsons Mutter”).

    Für die praktische Kritik in Gestalt von Widerstand und Aneignung gilt es wiederum, den Fokus weg von Vorwürfen und Anklagen gegenüber bestimmten Gruppen, Fronten, Parteien (bzw. immer den jeweils anderen) zu bewegen – also weg von bürgerlicher Identifikationspolitik, hin zu mehr Politik des Entkommens und der freien Assoziation. (Hierzu kann viel aus der Debatte um “Der kommende Aufstand” bezogen werden, aber auch aus der Auseinandersetzung mit möglichen Vorbildern, wie einem Teil der Bewegung der instandbesetzten Betriebe in immer mehr Ländern.)

    RAUSCH & LUST ALS FÄHIGKEITEN VERSTEHEN

    Fürs Entkommen und die Assoziation dürfte auf die Dauer unerläßlich sein, sich über die nach wie vor am wenigsten verstandenen der entsprechenden Fähigkeiten und ihre unzähligen Implikationen ins Klare zu setzen: Rausch als Fähigkeit des Sich-Entziehens und Lust als Fähigkeit, Verbindungen herzustellen. Beide müssen von jeglicher Herrschaft kontrolliert werden – und gehören zu den wichtigsten Fähigkeiten, um Herrschaft zu umgehen, herauszufordern und zu stürzen.

    Die Ansätze, die ich dazu formuliert habe (“Leben im Rausch”, “Lust, Rausch & Zweifel”), müssen dorthin, wo sie theoretisch überprüft und weiter ausgearbeitet werden können; vor allem aber dorthin, wo sie in praktischen Auseinandersetzungen weiterentwickelt und erprobt werden können.

    Außer meinen Vorträgen will ich mit einigen exemplarischen Besprechungen (z.B. zu “Delusions of Gender”, “Massenstreik und Schießbefehl”, “Into The Woods” u.a.) diese Ansätze besser zugänglich machen.

    AUSDEHNUNG & ERWEITERUNG

    Auch müssen all diese Themen von der deutschen Sprachinsel runter – ausgehend von einem kurzen Programmtext, der sich vertont auch auf der Platte mit dem Lasterfahrer finden wird (“This is classless”), möchte ich Texte ins Englische und Spanische übertragen.

    Über jegliche Beihilfe, Ideen, Verbindungen, Weiterleitungen, Publikationsmöglichkeiten würde ich mich sehr freuen!

    Und über albernen Quatsch. Und über hugs & kisses. Und darüber, euch zu treffen, wo was Gutes in Bewegung kommt, wo was Schlechtes gestoppt wird – und da, wo’s notwendigerweise rummst.


    “Gutmenschen bei der Arbeit” titelten die Nazis – das nehm ich gerne an!
    Ich weiß noch genau, wann das Foto gemacht wurde: als sie gerade ordentlich verloren hatten.
    Halberstadt – dreimal blockiert! Immer gerne wieder!

    (Auftrittsplanung: Erste Auftritte 2016.)
    (Jahresrückblick: Empfehlungen des Hauses 2015.)

    Erste Auftritte 2016

    December 27th, 2015
  • Fr, 19.02.2016, Frankfurt/Main, Gewerkschaftshaus, 19 Uhr: Vortrag Entschwörungstheorie (Veranstaltungsreihe Verschwörungstheorien, FB-Event)
  • Sa, 20.02.2016, Mainz, Haus Mainusch: Konzert/Auflegerei bei “Luna Urbana” (FB-Event)
  • Do, 24.03.2016, Graz, Combinesch: Vortrag “Entschwörung und Aneignung”, danach Auflegerei (FB-Event)
  • Fr, 25.03.2016, Wien, Gagarin: Buchvorstellung “Sin Patrón”, im Anschluß Auflegerei (FB-Event)
  • 26.-28.03.2016, Salzburg, EasterHegg: Vortrag zu Rausch “Life in transport – Your consciousness is always altered” und Auflegerei
  • Mi, 30.03.2016, Reutlingen: Vortrag Entschwörungstheorie, im Anschluß Auflegerei (BASICS-Reihe)
  • Do, 31.03.2016, Freiburg, Studierendenhaus: Vortrag “Homer Simpsons Mutter – und anderes Lehrreiches aus der Geschichte der USA” (FB-Event)
  • Sa, 02.04.2016, Lüneburg, (LMV Grüne Jugend): Workshop zu Critical Whiteness “Weiße unter sich – das Privileg der ‘Unmarkierten’ und die Spaltung der Klasse”
  • Fr, 08.04.2016, Plauen, Schuldenberg: Vortrag “Entschwörungstheorie” (Hausfest)
  • Mo, 11.04.2016, Essen, Galerie Cinema: Vortrag über “Die Spaltung der Linken” (FB-Event)
  • Do, 21.04.2016, Witzenhausen, Uni: Vortrag Entschwörungstheorie
  • Fr, 22.04.2016, Hamburg, Rote Flora: Konzert mit istari Lasterfahrer, Björn Peng und Inglorious Bassnerds (FB-Event)
  • VERSCHOBEN AUF HERBST! Fr, 06.05.2016, Siegen, Vortex: Konzert mit Istari Lasterfahrer
  • Vermutlich spreche ich wieder auf dem Pfingstcamp der Linksjugend Sachsen (13.-16.5.), auf dem Weltkongreß der Hedonistischen Internationale (Ende Mai). Für den 2. Juli ist in Wien ein Straßenfest vorm Gagarin mit Musik u.a. von mir geplant. Auch in Graz und Salzburg trete ich dieses Jahr vermutlich nochmals auf. Buchvorstellungen für “Sin Patrón” sind für Freiburg, München, Nürnberg und Bamberg in Planung; ansonsten stehen noch Diverses in Würzburg und Umgebung, Freakout nach Wahl in Landau, Entschwörung in Flensburg, Bargteheide und Klagenfurt sowie Beihilfe zu gemeinschaftlich begangener Hausbesetzungs-Hegelei in Halle aus. Im Oktober bin ich Teil einer Kampnagel-Veranstaltung über Identität.

    Wer auch was einrühren will, findet hier mein aktuelles Programm.

    (Und hier gibt’s mehr Einzelheiten zur 2016 zu begehenden musikalischen & theoretischen Aufwiegelung.)

    Empfehlungen des Hauses 2015

    December 17th, 2015

    «Was in dieser Situation auf jeden Fall nicht weiterhilft, ist das Schlagwort “Verschwörungstheorie”, das vielmehr, wie auch sonst so oft, Teil des Ausstoßes der nun daueraktiven politischen Nebelmaschinen ist.»
    Verschwörung gehört zum Normalbetrieb – Argentinien und der Tod von Alberto Nisman

    «…beginnt mit kämpferisch-kritischem, möglichst ebenbürtigem Zusammenschluß, mit der Aufklärung der Bedürfnisse und Fähigkeiten (auch und vor allem der so schlecht verstandenen Rausch und Lust), der Aufklärung über Herrschaft und ihre Ideologie, dem kollektiven Widersetzen und dem Streik, der kollektiven Aneignung der Produktionsmittel und der Abwehr oder Umgehung aller Versuche, das zu unterbinden, zu verschleppen und zu vereinnahmen.»
    Weil so oft das Wichtigste nicht gesagt wird: Kommunismus

    «Flüchtende vorübergehend aufzunehmen und in Zelte zu stecken – das können Deutsche nur im äußersten Überschwang, auf den der Kater (abschrecken, einsperren, zusammenscheißen, belehren, germansplaining) folgen muß.»
    Nach dem kurzen Sommer der Liebe: Schweineherbst

    «Je länger ich meinen Mitmenschen jedoch zuhörte, desto mehr fielen mir die ideologischen Bedürfnisse auf, die USA und ihr politisches Personal noch extra anzuschmieren und zu dämonisieren, gleichzeitig Deutschland in Gegenwart und Vergangenheit reinzuwaschen, erschreckend häufig erweitert um antisemitische Spitzen besonders gegen Israel.»
    Der 11. September 2001 & einige seiner Folgen um mich herum

    «Menschen können ohne jede Schulbildung entscheiden, wogegen sie sich in welcher Weise zusammentun und zur Wehr setzen, und gegen Bürgerkriegsflüchtlinge vorzugehen, die vom Staat bereits in Lagern zusammengepfercht werden, ist eben nicht hauptsächlich dumm oder ungebildet, sondern eine rassistische Wendung gegen Menschen, an denen man sich (meist staatlicherseits bis zu einem gewissen Punkt geduldet) auslassen kann.»
    Der dumme rassistische Pöbel

    «Heute ist es Scheiße ohne Grund, damals war es Scheiße mit Grund.»
    Republikgeburtstag – 66 Jahre DDR-Gründung

    «Die Versprechen der Aufklärung wären nun zusammenzuführen und einzulösen: die Vernunft berauschen und den Rausch erlernen; den mündigen, ansprechbaren, zuverlässigen Mitmenschen unter Einbeziehung seiner Rauschfähigkeiten ermutigen – ein Materialismus unter Einbeziehung des Nervensystems.»
    Licht und Klarheit, Rausch und Vernunft – Zu Ideengeschichte und Weiterführen der Aufklärung

    «…im März 1919 (und zum Teil noch lange danach) wurde von Millionen von Arbeitern in Deutschland der Weg vom Massenstreik über die Sozialisierung zum Sozialismus eingeschlagen, und sie konnten letztlich nur durch mieseste Verschaukelei seitens der sozialdemokratischen Führung und den offenen Terror der Freikorps daran gehindert werden, ihn zu Ende zu gehen. Dabei spielte der Zusammenschluß und die genossenschaftliche Aneignung unter noch nicht sozialistischen Bedingungen eine zentrale Rolle.»
    “Sin Patrón”-Rezension: Ist das noch Kapitalismus?

    «“Krisenverwaltung”, also die Abwälzung der Kriseneffekte durch “Sparpolitik”, Auslagerung und Kapitalvernichtung, muß nur dann “eben so aussehen …, wie sie aussieht”, wenn es keinen wirksamen Widerstand, keine Solidarisierung, keine Perspektive über die verwertete und verwaltete Welt hinaus gibt – das zu unterschlagen macht einen zum Teil der Alternativlosigkeitspropaganda; es gar selbst verdrängt zu haben, zeugt davon, an der Veränderung dieser Gesellschaftsordnung kein Interesse mehr zu haben.»
    Wie die “Bahamas” eben aussieht – Das kritische Rezept gegen Pegida & AfD: Einsicht in die Alternativlosigkeit

    (Noch mehr: Empfehlungen des Hauses aus den vergangenen Jahren.)

    (Und noch mehr: Kulla fragen, einladen, herbeiholen.)

    Hitlerfragen!

    December 3rd, 2015

    Wer hat “Er ist wieder da” geschaut (und wann so, läuft ja immer noch)? Und wer hat auch das Buch gelesen? Wer fand im Film auch fast nur die lustigen Sachen aus dem Buch lustig? Wer hat die Rezeption vielleicht aufmerksamer verfolgt als ich und kann eine Einschätzung dazu abgeben, wo eher eine Warnung, ein Abgrund, eine Verharmlosung, eine Belanglosigkeit gesehen wurde?

    Wem außer mir ist noch aufgefallen, daß das Negative am Nationalsozialismus im wesentlichen auf die Judenverfolgung reduziert wurde, und sonst außer schon im Anspielungsbereich fast verschwindendem Rassismus auch die Gegnerschaft der Nazis gegen Kommunismus, Sozialismus, Arbeiterbewegung usw. komplett fehlt? Da ich das Buch recht rasch nebenbei gelesen habe: War das dort auch schon so?

    In welcher Weise entlarvt sich das selbst oder soll entlarvend funktionieren? Im Grunde wollen sie alle den nationalen Erfolg organisieren, nur nicht mit so offenkundigen Gräueltaten? Waltet da die “demokratische Anästhesie” und blendet die Drecksarbeit aus, die zur Herrschaftssicherung betrieben wurde und von den Nazis die meiste Zeit über als Hauptaufgabe angesehen wurde?

    Nur an einer Stelle lehnt sich eine Hauptfigur, Fernsehmensch Sawatzki, gegen Hitler auf, und zwar erst nachdem die jüdische Oma seiner neuen Freundin Hitler mit Verweis auf den Holocaust aus ihrer Wohnung wirft – alles andere geht bei aller Bestürzung und allem Befremden doch irgendwie durch und findet immer offenere Zustimmung (auch gibt’s zum Beispiel keinen Anstoß bezüglich des Geschlechterverhältnisses). Wie ist das gedacht und gemeint, aus der Gesellschaft heraus so gut wie keine Widerstände abzubilden, die in irgendeiner Form wirksam werden könnten? (Und eben die Arbeiterbewegung, Sozialismus und andere reale Widerstände aus Geschichte und Gegenwart auch als mögliche positive Referenz an der Stelle auszulassen… )

    Ist das dann praktisch so gemeint wie in der antideutschen Folklore, wenn im Abspann, nach Nachrichtenfootage aus den letzten Monaten von Pegida bis Heidenau und Hitlers Kommentar “Damit kann man arbeiten”, ein mäßiger Remix von Leadbellys großartigem “Mr Hitler” zu hören ist, der ja den Einmarsch der USA beschwört, die aber nicht nur spät, sondern wohl gar nicht kommen würden? Kapitulation, Alarmismus, Provokation, Aufrüttelung, schlechter Witz oder “alles nur zur Unterhaltung gedacht, was kann ich dafür, wenn ihr daraus ein Drama macht”?

    (Dieses Posting steht auch auf Facebook.)

    Vom Wochenende: Hannover und Stendal gegen, an und für sich

    November 30th, 2015

    Hannover (Samstag): Ein Bürgerbündnis, das Nazis und Nationalisten als “braun” bezeichnet, vertritt gegen die AfD und ihren mit Reiter- und Hundestaffeln schwer bewachten Parteitag (siehe Foto) einen Nationalismus, der nicht so heißt und nicht so aussieht. Ihre Ordner empfangen eine linksradikal angeführte Demo mit über tausend Teilnehmenden (“Solidarität muss politisch werden”) zusammen mit der Polizei, die die Fronttransparente herunterreißt und auf ihre Trägerinnen einschlägt. Hinterher wird der Demospitze Vereinnahmung vorgeworfen – hat offenbar alles richtig gemacht.

    Stendal (Sonntag): Etwas mehr als 100 Menschen, die die Legitimität dieses Staates bestreiten, laufen mit Fahnen dieses Staates durch die Stadt (diesmal aber ohne französische Fahnen) und rufen an die Adresse von Menschen, die größtenteils von Syrien hierhergelaufen sind, daß sie diesen Staat nicht genug lieben und ihn wieder verlassen sollen. 50 Studierende, größtenteils nur für die Dauer ihres Studiums in Stendal, machen dagegen durchaus sehr wirksam Lärm wie ein Regiment Janitscharen (Ankündigung), und werden dafür von einer Abgeordneten als Gesicht und Herz der Stadt reklamiert.


    Teil der Polizeibewachung für AfD-Parteitag

    Aus den letzten Tagen: Stendal, Trikoloren und Brasiliens Schlacke-GAU

    November 17th, 2015

    Nazis und “Reichsbürger” liefen am Sonntag mit den Fahnen des französischen Erzfeinds und der “BRD-GmbH” durch Stendal, bezogen ihre Pflicht zum Widerstand auf Brecht, ihre Freiheit auf 1776 und bekundeten ihre Trauer wegen der Anschläge in Paris durch wütendes Geschrei. Derweil waren Polizei und Ordnungsamt damit beschäftigt, die Gegenkundgebungen mit erfundenen Auflagen zu schikanieren, denen jedoch mit Spontankundgebung und Improvisation begegnet werden konnte.

    2015.11.15 Stendal Demo Buergerbewegung Altmark und Proteste (55) 2015.11.15 Stendal Demo Buergerbewegung Altmark und Proteste (25)
    Prozessierender Widerspruch beim Trauern

    Anderswo sahen die Zahlen dann am Montag so aus:

    “16.11.15 nazis vs #antifa #Dresden 10.000 vs 1250 #Leipzig 500 vs 1200 #Chemnitz 400 vs 200 #Pritzwalk 200 vs 200 #Greifswald 200 vs 200” und “#Duisburg 350 vs 350 #Kassel 30 vs 100 #Halle 350 vs 250 #München 150 vs 450 #Strausberg 120 vs 70” und “#Rudolstadt 250 vs 500 #Hannover 120 vs 100 #Güstrow 250 vs 80 #Berlin 120 vs 200”

    Französische Fahnen flatterten auch sonst an vielen Orten oder bildeten Beleuchtung und Avatare – im Bild des zur Fahne gehörigen Staats scheinen Front National, Riot Cops und der ganze Rassismus nicht vorzukommen; auch scheint im Fahnenkult irgendwie unterzugehen, wie sich dieser Staat nun im Anschluß an die Anschläge weiter militarisiert und autoritärer wird, wie also die beschworenen Freiheiten genau jetzt kassiert werden: Pressezensur, Militärgerichte… (Wer die Fahne wegen ihrer historisch-revolutionären Bedeutung verwendet, macht das derzeit auch meist ohne den diesbezüglichen Verweis bzw. ohne Abgrenzung zur nationalistischen und sonstig gegenwärtigen massentaumeligen Verwendung.)

    Verweise auf das sonst praktisch komplett ignorierte Terrorgeschehen im Rest der Welt wurden von manchen als spitzfindig oder gleich überheblich abgetan. Jan Böhmermanns alberne (an manchen Stellen aber durchaus lustige) Fragen wurden von der “Welt” besorgniserregend selbstvergessen (wenn auch ebenfalls an manchen Stellen lustig) beantwortet.

    Und schon wieder Verweis auf Furchtbares im Rest der Welt, das in diesem Fall aber auch unterm Teppich bleiben soll: Nachrichten von der größten Umweltkatastrophe in Brasiliens Geschichte dringen nach Tagen nun allmählich durch – nach dem Bruch eines überlasteten Damms begruben Milliarden Liter giftiger Bergbauschlacke eine Ortschaft unter sich, die Kontamination dürfte auf Jahrzehnte katastrophale Auswirkungen für die drei Millionen Menschen im Einzugsgebiet des Rio Doce haben und auch einen Großteil des Meeres um die Flußmündung dauerhaft verheeren.

    Was Gutes tun? Die internationale Solidaritätswoche für die griechische Instandbesetzung Vio.Me unterstützen – Veranstaltungen dazu gibt’s unter anderem heute in Köln und morgen in Berlin.

    Licht und Klarheit, Rausch und Vernunft

    November 13th, 2015

    Zu Ideengeschichte und Weiterführen der Aufklärung

    (Aus der Reihe bestellte, geschriebene und dann nicht veröffentlichte Artikel diesmal mein Beitrag für Phase 2 zur Frage “Was ist Aufklärung?”)

    Den Begriff der Aufklärung gibt es mindestens in doppelter Ausführung, zurückgehend auf die ersten großen Bedeutungsfamilien: einerseits die Lumières, die Illuminées, die Beleuchtenden, Lichtmenschen, Erleuchteten, deren Gegner die Dunkelheit war, in der sie, kraft ihres inneren Lichts, des in ihnen entzündeten Feuers, dennoch sehen konnten (wie die Eule der Minerva, einst Wappentier der Athene, später Symboltier der Illuminaten); und auf der anderen Seite eben die Aufklärung, die Ausnüchterung, die den Nebel, den Dunst, den Mief vertreiben, mal ordentlich durchlüften wollte, dem trüben Licht mit Kerzen und Lampen begegnen.

    Gleichzeitig gibt es also für sehr ähnliche und eng miteinander verwobene Entwicklungen diese verschiedenen Leitideen: die einer mindestens vorübergehend, möglicherweise aber dauerhaft sehr stark berauschten, lustvollen, ekstatischen Vernunft und die einer möglichst vollkommen nüchternen, leidenschaftslosen Vernunft. Das Unklare, Rauschhafte, Mysteriöse dient der einen Vorstellung als Quelle, der anderen als Feind.


    Angela Merkel in Wittenberg, geblendet vom Licht

    Es liegt nahe, hier mit dem ganz groben Stift eine Gegenüberstellung zwischen katholischem und protestantischem Konzept zu ziehen: auf der einen Seite steht in Frankreich die Be- und Erleuchtung im Zentrum, in Bayern sind die (be)leuchtenden Illuminaten federführend, während in Österreich Musik entsteht, die den “göttlichen Funken” feiert – es wird versucht, die göttliche Eingebung, die Transzendenz zu säkularisieren bzw. zu immanentisieren; und auf der anderen Seite gibt es das Bestreben, Immanenz zu erzwingen, alles, was vorher noch der Sphäre des herrschaftlich Religiösen angehörte, auf den “harten Boden der Tatsachen” zu holen.

    Die katholische Strategie scheint also in der Institutionalisierung des “göttlichen Funkens” zu bestehen, der nach Auffassung der “leuchtenden” Aufklärer dem Menschen innewohnt und aber entzündet werden muss. Auf der anderen Seite steht der protestantische Versuch, diesen “Funken” aus allem außer der rein religiösen Abstraktion auszutreiben und die Menschen auf ihre Untertanen-Verrichtungen herunterzubrechen, deren Bejahung als Freiheit zu verherrlichen. Das eine weist über den Menschen hinaus – es wird erahnt, dass da etwas über den Menschen hinausweist, aber in ihm steckt. Das andere ist eher der Versuch, den Menschen in sich einzusperren.

    Das Licht bzw. das Feuer sollte von den Göttern geholt und sich nutzbar gemacht werden – wobei vielleicht zu ahnen bis festzustellen war, dass man das Göttliche selber machen kann und letztlich selber ist. Aus der protestantischen Version entsteht ein Materialismus unter Ausschluss der höheren Gehirnfunktionen, der Rauschfunktionen; aus der katholischen eher unter zumindest versuchtem Einschluss.

    Doch lassen sich diese beiden Ansätze, wie eingangs schon angedeutet, nicht so klar trennen, stellen eher die gedanklichen Pole dar, zwischen denen sich die Aufklärung als Ganzes aufspannte.

    Keineswegs kam der Gedanke, dass das Göttliche in uns oder unter uns weilt und wirkt, hier zum ersten Mal auf. Es war nur der Moment, in dem das bestimmten Leuten im Zentrum der kapitalistischen Machtentfaltung dämmerte. Alles spricht dafür, dass das auch andere Leuten vorher und hinterher an vielen Orten zu ahnen begannen, die dann andere Schlüsse daraus gezogen haben – immer ging es jedoch darum, das Verhältnis zu sich selbst, zu den anderen Menschen und zum Göttlichen zu ändern. (Sehr schön wird dieser Moment in Terry Pratchetts “Small Gods” eingefangen, wo es u.a. um die Einrichtung einer konstitutionellen Religion geht, die menschlichen Regeln unterworfen wird und die vom Glauben der Menschen lebt.)

    Seit dem 18. Jahrhundert ist sehr viel über diese Verhältnisse nachgedacht worden, und zunächst konnten sehr viele Vorstellungen des Göttlichen als Projektion von Familien- und Herrschaftsverhältnissen entziffert werden; anderes wurde durch das Fortschreiten der wissenschaftlich überprüfbaren Weltbetrachtung über den Haufen geworfen. Doch blieb immer ein Rest von Metaphysik, Transzendenz, Spiritualität und Ideologie stehen, weil zwei Zusammenhänge bislang nicht dauerhaft erfolgreich angetastet bzw. verstanden werden konnten: die Herrschaft und der Rausch.

    Die Herrschaft, die beständig falsche Auffassungen stiftet, Ideologie erfordert, um gerechtfertigt zu werden, weil sie von vornherein auf solchen falschen Setzungen beruht, die wiederum den (unverstandenen) Rauschfunktionen des Gehirns entnommen wurden.

    Und der Rausch selbst, den Menschen u.a. für das Göttliche halten, mit dem wir viele der geglaubten Vorstellungen erzeugen und den wir bis heute nicht als Fähigkeit des Entziehens verstanden haben, die wir üben und selbst zu kontrollieren lernen müssen, damit sie nicht zur Kontrolle über uns verwendet werden kann und damit wir uns nicht selbst mit ihrer Hilfe einsperren.


    schlechtezitate.de und schlechtezitate.com sind beide noch frei

    Historisch hat sich ab dem 19. Jahrhundert mit den Niederlagen Frankreichs und Österreichs, dann mit den Siegen Preußens und der USA zunächst die “nüchterne” Strategie bis hin zu Prohibition und “Rauschgiftbekämpfung” stärker durchzusetzen vermocht. Diese Ausnüchterung hat, wie die Aufklärung selbst, ihre Dialektik: die unmögliche Austreibung des Rausches, da es Nüchternheit nunmal nicht gibt, suchte die Menschen im Arbeitsrausch („flow“) zu befestigen, diesen als Nüchernheit zu setzen, und gebar immer heftigere und furchtbare Ersatzräusche, immer schlimmeren kollektiven Taumel, immer größere Aufmärsche und Massengewalten – vorläufig, wie so vieles, gipfelnd im Nationalsozialismus.

    Die Versprechen der Aufklärung wären nun zusammenzuführen und einzulösen: die Vernunft berauschen und den Rausch erlernen; den mündigen, ansprechbaren, zuverlässigen Mitmenschen unter Einbeziehung seiner Rauschfähigkeiten ermutigen – ein Materialismus unter Einbeziehung des Nervensystems.

    Die Aufklärung, die ansteht, ist die Aufklärung der Menschheit über sich selbst – und das macht jede Einzelne und das machen alle zusammen, sonst wird das nichts! Nach wie vor geht es um das, was Marx vor 170 Jahren als Aufgabe aufgeworfen hat: den Aufschwung zu einem Gattungsbewusstsein, die Bewusstseinserweiterung zur Erkenntnis, dass die gesellschaftliche Realität auf dieser Welt von allen Menschen gemeinsam erzeugt wird und verändert werden kann, und dass jeder Mensch seinen Anteil an der Erzeugung dieser Realität hat. (Diese Bewusstwerdung geht letztlich mit den Konzepten und der Praxis von Kommunismus und Tiqqun als Bewegung und Ziel Hand in Hand.)

    Für den Moment heißt das: Fokus auf den Kommunismus als wirkliche, praktische Bewegung, als etwas, das gemacht werden muss, das nicht von allein passieren wird. Die Konsequenz aus den bisherigen Fehlschlägen kann nur lauten, es besser zu machen.

    In diesem Sinn: aufhören, Unmöglichkeiten zu behaupten, weil’s schwierig ist; Urteile den Erklärungen nachbilden, nicht umgekehrt; Essentialisierungen sein lassen, die vermeintliche Unveränderlichkeiten in den Raum stellen – sogar Deutsche sind nicht so oder so, sondern sind so geworden, und sie waren und sind auch nicht alle so – im März 1919 lagen sie mehrheitlich für diese Zeit genau richtig.

    Wenn der Klassenbegriff bei Marx noch zu eng oder zu abgeleitet war, dann müssen wir ihn eben mithilfe von Thompson, Federici, dem “Werktätigen”-Begriff (oder anderen Ansätzen) erweitern. Wenn zu wenige sich an der wirklichen Bewegung beteiligen, dann muss eben dafür gesorgt werden, dass es wieder mehr werden. Wenn die Gegengewalt unterschätzt wurde, muss ihr eben wirkungsvoller begegnet, sie besser überrumpelt, ausgetrickst, in Schach gehalten oder im Aufkommen behindert werden. Wenn zu wenig gestreikt wird, müssen Streiks gefördert und unterstützt werden. Wenn zu wenig Produktionsmittel angeeignet werden, muss es mehr Anstiftung dazu und Unterstützung dafür geben. Wenn der Staat und die Avantgarde-Partei Fallen sind, muss auf Selbstorganisation und größtmögliche Ebenbürtigkeit hingewirkt werden. Wenn zu wenig aufgeklärt wird und wichtigste Sachen viel zu unbekannt und unklar sind, dann muss mehr aufgeklärt werden, das heißt: möglichst viele Menschen machen sich so ebenbürtig wie möglich und erklären sich gegenseitig so viel, wie sie über Herrschaft, Ideologie und deren Überwindung wissen. (Was auch hieße, soviel wie möglich über Rausch und Lust herauszufinden, unsere Fähigkeiten des Entkommens und Verbindens, die wir bislang so gut wie nicht als Fähigkeiten verstehen und entsprechend kaum gezielt entwickeln.)

    Und das ist alles nie genug, bis es endlich alle kriegen, was sie brauchen.

    Nichts Neues vom Tag, nur wieder schlimmer

    November 6th, 2015

    Was der Sozi dementiert hat, passiert nun (und noch einiges mehr), und die taz quatscht es für ihre Art von links schön. Wie alle paar Monate hebt die Polizei im Osten mal ein Waffenlager von Nazis aus und es kriegt zur Abwechslung mal jemand mit, weil der Ort vor kurzem den Ruf des ganzen Standorts zu gefährden begann.

    Während die Sächsische Zeitung sich zusammen mit dem DRK wundert, daß so viele Refugees aus ihrer Unterkunft in Döbeln verschwunden sind, weiß nicht nur addn von Schüssen und Blockaden dort.

    Der Terror hört im ganzen Land nicht auf, scheint noch weiter zuzunehmen, wird aber immer bizarrer.

    Die Berliner Morgenpost macht unterdessen Werbung für AfD-Demo, und das ZDF weiß zu allem, was es über Compact und Kopp zusammengetragen hat, doch nur: “Selber Lügenpresse!” zu sagen, ohne daß es sich deshalb im Spiegel auch etwas erkennen würde; läßt dazu Experten Kausalketten vortragen wie diese: “Andere Verschwörungstheorien sind dann ganz direkt gefährlich, weil sie einen rassistischen oder antisemitischen Teil enthalten, der also ganz, ganz schnell dann eben auch in Fremdenfeindlichkeit oder sogar Gewalt umschlagen kann.”

    Was ich anderswo schon schrieb: Sie brennen, sie schlagen und sie drohen für die Nation, sie werden das auch diese und nächste Woche wieder tun, und wieder werden sie vielerorts von Staatsgewalt und Institutionen gedeckt oder begünstigt werden – haltet weiter die Augen auf, stellt euch ihnen entgegen, wo ihr könnt, helft den Betroffenen, tut euch zusammen! Hört nicht auf!

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