Auftritte ab Mai

May 5th, 2016
  • Sa/So, 14./15.05.2016, Doksy, Pfingstcamp Linksjugend: Vortrag “Lust, Rausch & Zweifel“, Buchvorstellung “Sin Patrón
  • ENTFÄLLT, HABEN’S VERPEILT! Sa, 28.05.2016, tba, Weltkongress der Hedonistischen Internationale: Vortrag “Lust, Rausch & Zweifel
  • Mi, 15.06.2016, Mülheim, AZ, 19 Uhr: Vortrag “Deutschland alternativlos? Fragen zu AfD, Ideologie und Klassenkampf” (Ankündigung)
  • Sa, 18.06.2016, München, Kafe Marat, 20 Uhr 30: Vortrag zu “Hass allein genügt nicht mehr” (FB-Event)
  • Do, 23.06.2016, Homburg (Saar), Evangelisches Gemeindehaus, 18 Uhr: Vortrag “Entschwörungstheorie” (FB-Event)
  • Do, 07.07.2016, Göttingen, “na, halt irgendwo inner Uni”: Vortrag “Entschwörungstheorie”
  • Fr, 15.07.2016, Halberstadt, Zora: Auflegerei (Sommerfest zum 25jährigen Bestehen)
  • Mi, 24.08.2016, Eisenach, Rosaluxx, 18 Uhr 30: Vortrag “Entschwörungstheorie”
  • Weitere Buchvorstellungen zu “Sin Patrón” sind für München, Nürnberg und Bamberg in Planung; Entschwörung in Flensburg, Bargteheide, Klagenfurt und bei einem Kongreß zum Thema am Bodensee. Im Oktober bin ich Teil einer Kampnagel-Veranstaltung über Identität. Irgendwann im Herbst (dazu bald Genaueres) kommt die neue Platte mit dem Lasterfahrer raus und es wird Release-Shows in Hamburg, Siegen und anderswo geben.

    Wer auch noch was einrühren will, findet hier mein aktuelles Programm.

    Mein Jungle-World-Artikel zu “Verschwörungstheorien”, Nationalismus & Klassenkampf – mit Korrekturen

    June 12th, 2016

    Jetzt auch online verfügbar ist mein Grundsatzgeschimpfe “Handeln wollen, verstehen müssen” zum Verschwörungsschwerpunkt in der aktuellen Jungle World, das ich schrieb, bevor ich die anderen Beiträge las (Kevin Culina: “Dennoch besitzt das Treffen ein größeres politisches Gewicht als etwa eine Onlinepetition”; Michael Bergmann: “…von einer angeblichen Verschwörung der Mächtigen gegen das Volk oder wahlweise auch gegen die Arbeiterklasse”) , auf die es aber durchaus als Antwort funktioniert:

    «Der ideologische Einsatz von Verschwörungserzählungen dient Menschen im Rahmen von nationalistischen Bewegungen oder staatlichen Kampagnen dazu, ihr eigenes Weltbild zu kitten und sich ganz real Einfluss und Einkommen zu sichern oder zu verschaffen. Der Vorteil, den diejenigen haben, die das tun: Sie brauchen es nicht zu verstehen, um damit erfolgreich zu sein. Der Nachteil derjenigen, die dem entgegenwirken wollen: Sie müssten es verstehen, um es zu vereiteln.»

    Was hat das Jungle-Lektorat diesmal mit dem Text gemacht? Sowohl in der Unterüberschrift als auch im Inhaltsverzeichnis-Eintrag stehen nun “Verschwörungstheorien” ohne Anführungszeichen, eine Bezeichnung, die ich vermeide oder nur als Zitat verwende, weil sie weniger Begriff als bequemes Label ist, zur Disqualifizierung anderer Auffassungen benutzt wird und das durchaus sinnvolle Nachdenken über reale Verschwörungen mit dem ideologischen Aufgreifen des Themas zusammenwirft.

    Auch in der Unterschrift wurde die Rede von der “derzeitiger Konjunktur” eingefügt, die ich im Artikel als stets schwer bestimmbar bezeichne, während die nationalistische Mobilisierung, die Verschwörung ideologisch thematisiert, ganz offensichtlich immer weiter zunimmt.

    Im Text selbst ist Nationalimus als “Form von Ideologie” einfach zu einer “Ideologie” geworden – “als hätte es Ideologie- und Herrschaftskritik nie gegeben” – , und auch nicht von mir ist die Formel “gefährliche Denkweise”, die ich verniedlichend finde und aus der gegenwärtigen Diskussion auch nicht zitiert habe.

    Abgerundet wird das ganze mit einer Aluhut-Illustration. Und das Ende war schon vorher abgeschnitten worden, weil für redundant befunden. “Diejenigen, die dem entgegenwirken wollen”, hieß es in meiner Version,

    «…dürften sich von den rivalisierenden Nationalismen die Themen nicht vorgeben lassen; sie müssten stattdessen über das reden und das tun, was mit dem ganzen Theater ja verhindert werden soll: die Unterstützung und Organisation des autonomen Klassenkampfs von unten, von Streiks, die der Binnenkonkurrenz entgegenwirken können, und von kollektiven Aneignungen, im besten Fall zeigen können, dass es ohne Herrschaft geht.»

    Leo Fischer ist aber ganz lustig.

    Jungle-Eingriffe in Artikel zuletzt
    : argentinische Kritik an deutscher Argentinien-Darstellung abgeschnitten, Reportage über instandbesetzten Betrieb mit Fehlern übersät, Rausch-Artikel umformuliert und mit Peter-Tosh-Zitat versehen. Grob scheinen die Unterüberschriften immer von der Redaktion ohne Gegenlesen erzeugt zu worden zu sein, wobei sie meist entstellende Zusammenfassungen dessen sind, was irgendwer in der Redaktion in die Artikel hinein- oder aus ihnen herausliest.

    Kurze Zusammenfassung der Situation in Frankreich

    June 7th, 2016

    Fürs “Kotzende Einhorn” gehe ich auf die Fragen ein: Was ist eigentlich in Frankreich los? Warum ist dazu in Deutschland so wenig zu hören? Warum regt sich aber auch die Linke so wenig? Was ist nun zu tun?

    «Als erstes ist wichtig, die bisher krass einseitige und extrem selektive Berichterstattung zu unterlaufen, so viel wie möglich Informationen über Gründe, Ausmaß und Verlauf der Kämpfe auch nach Deutschland zu tragen und den zu befürchtenden Diffamierungen anlässlich der angekündigten Blockade von EM-Spielen entgegenzutreten. Dann sollten alle, die sich an geeigneten Stellen befinden, Solidaritätserklärungen veranlassen, von denen es bisher so gut wie keine gibt. Noch wichtiger wäre aber mittelfristig, sich vom französischen Vorbild anregen zu lassen, auch von der Wirkung auf die nationalistische Mobilisierung.»

    Kotzendes Einhorn: Was ist eigentlich in Frankreich los?

    All Cops Are Staatsgewalt

    June 3rd, 2016

    Die Polizei, ihre Rolle, Politik & PR

    Fünf Kurzmeldungen im Lokalteil, fünf davon Polizeimeldungen. Auch sonst auf allen Kanälen: die Polizei hat dies verhindert, jenes aufgedeckt, sie vermeldet, beklagt, warnt. Nachrichten, in denen die Polizei vorkommt, sind mit ihr überschrieben und illustriert. Ganze Meldungen bestehen aus dem, was die Polizei sagt – ihre Sprache, ihre Einschätzung, ihr Selbstverständnis und vor allem ihre Feindbestimmung prägen die öffentliche Berichterstattung: “Fast alle Medien behandelten den polizeilichen Verdacht gegen Beck als mindestens halben Beweis.” (“Hitler-Droge vs. Schreibstoff“) Die Darstellungen der Polizei werden übernommen, abgeschrieben, und auch da, wo sie um- oder ausformuliert oder in viel zu wenigen Fällen durch eigene Recherchen ergänzt werden, werden die Kampfbegriffe und Wortverdrehungen der Staatsgewalts-PR so gewohnheitsmäßig wie sorglos verwendet: was “militant” heißt, wann etwas “vereinzelt” geschah, wer überhaupt Agierende und Reagierende sind, wer zum Handeln gezwungen war und wer es sich aussuchte, was sich “notwendig machte”, überhaupt, daß die Übersetzung des Geschehens in Straftaten und umsichtiges, rationales Polizeihandeln als finales Urteil fungiert. Die Polizei ist sogar da, wo sie gar nicht erwähnt wird, wenn es etwa heißt: “Es wird ermittelt.”

    Im Unterhaltungsprogramm dann fiktive Polizeiserien, reale Polizeiserien, lustige Polizeiserien, ernste Polizeiserien, amerikanische Polizeiserien, deutsche Polizeiserien, britische Polizeiserien – und manchmal auch eine ganz kritische, hochgelobte Serie, in der die Polizei ständig an ihrer Arbeit gehindert wird: “The Wire – der gute kleine Lauschangriff”. Die Darstellungen liefern jede Menge Einübung in erwünschtes Verhalten und den richtigen Blickwinkel: die Polizei einfach so in die Wohnung lassen, ausführlich mit ihr reden; wer nicht redet, ist schon verdächtig; die Polizei durchschaut alles, kommt immer letztlich dahinter und faßt den Täter. Die Parteilichkeit setzt sich in alle möglichen politischen und sozialen Themengebiete fort: Polizei nicht so schlimm wie Verfassungsschutz im NSU-Skandal, Polizei im Kampf gegen Drogenbanden usw. usf. Auch ein großer Teil der Empörung über die Einstellung von Wachpolizisten und das Vorgehen von Bürgerwehren, wie jüngst in Arnsdorf, folgt einfach der Polizeiperspektive: nur sie darf und kann das richtig machen – und so, daß weniger auffällt, und wenn doch, dann so, daß es besser gedeckt werden kann.

    Wie weit die Zustimmung zur Polizei und damit auch die Naivität und Parteilichkeit ihr gegenüber reichen, läßt sich etwa an den regelmäßig vom GfK-Verein durchgeführten Studien zum “Vertrauen in die Institutionen” ablesen – nach wie vor liegt die Polizei hier mit Abstand vorn:

    Wenn etwas so omnipräsent, selbstverständlich, bedeutungs- und zwecksetzend vorkommt, wenn gleichzeitig auch kritische Stimmen dessen Terminologie (“es kam zu Auseinandersetzungen”) und oft auch Logik nutzen (“unverhältnismäßige Polizeigewalt”), in ihrer Ablehnung zwischen Parolen über Vergewaltigung unehelicher Kinder sowie verschiedener Huftiere und dem so sympathischen wie hilflosen “BRD, Bullenstaat, wir haben dich zum Kotzen satt” verharren, lohnt es, einen Blick auf seinen Ursprung, seine Geschichte zu werfen.

    Geschichte und Funktion

    Polizei ist eine Einrichtung der modernen kapitalistischen Gesellschaft zum Schutz ihres rechtlichen Kerns: des Privateigentums an den Produktionsmitteln, darüber hinaus zur Aufrechterhaltung der gesamten Eigentumsordnung und zur Kontrolle des öffentlichen Raums. In gewisser Weise stellt die Polizei diesen Raum und diese Ordnung selbst her, nötigenfalls mit Gewalt. Zu diesem Zweck ist die Polizei mit dem Gewaltmonopol im öffentlichen Raum ausgestattet – das heißt, diese Stelle, wenn immer alle “Ey!” schreien, das ist der Moment, in dem die Polizei ihre Kernbefugnis zur Geltung bringt: wenn sie das macht, was sie darf und alle anderen eben nicht. Aufgrund ihrer Rolle übernimmt die Polizei auch andere soziale Funktionen, die ihre Machtposition ausbauen, ihr Informationen verschaffen und sie noch selbstverständlicher erscheinen lassen.

    In seinem Text zum Ursprung der Polizei (“Origins of the police”) geht David Whitehouse zunächst auf dieses Mißverständnis ein. Die Polizei ist nicht dazu da und nicht dafür nötig, Verbrechen aufzuklären: “Der häufigste Weg, ein Verbrechen aufzuklären, bestand vor wie seit der Erfindung der Polizei darin, daß jemand sagt, wer es begangen hat.” Die Aufklärungsquote durch Anzeige bzw. Verpfeifen ist denn auch kaum irgendwo so hoch wie in Deutschland. “Die Polizei wurde vielmehr dazu eingerichtet, großen, widerspenstigen Mengen zu begegnen. Das waren zunächst Streiks in England, Unruhen in den US-Nordstaaten und Sklavenaufstände in den Südstaaten. Die Polizei ist eine Antwort auf Menschenmengen, nicht auf Verbrechen.”

    “Es gibt das Gesetz … und es gibt das, was die Cops machen”, so Whitehouse weiter. “Das Gesetz beinhaltet wesentlich mehr Vorschriften, als tatsächlich zur Anwendung kommen, was bedeutet, daß ihre Durchsetzung immer selektiv ist. Das wiederum heißt, daß die Polizei sich immer aussucht, welchen Teil der Bevölkerung sie ins Visier nimmt und entscheidet, welchen Teil ihres Verhaltens sie beeinflussen will. Es heißt auch, daß Cops ständig Gelegenheit zu Korruption haben.”

    Sich bei ihnen beliebt zu machen oder ihnen Vorteile zu verschaffen, kann vor Verfolgung schützen. Es gibt z.B. immer den Dealer, bei dem die Cops selbst ihre Drogen kaufen. Es gab in den 90ern an der polnischen Grenze die Gelegenheit, beim Zigarettenschmuggel mitzuwirken. Und in meinem “konkret”-Artikel hatte ich bereits erwähnt, wie Crystal Meth sich nach seiner “Komplettillegalisierung in den von Bundesgrenzschutz und -polizei kontrollierten Grenzgebieten in Sachsen und Franken festgesetzt hat und von dort aus in den Rest des Landes geschwappt ist”. Damit wollte ich dazu anregen, bei der Betrachtung einer Situation, in der Polizeikräfte erst mit intensiver Repression ganze regionale Drogenmärkte austrockneten, auf denen sich dann eine andere Substanz zügig und wenig behelligt ausbreiten kann, eben nicht die Darstellung dieses Hauptakteurs, den Mythos von der rätselhaften Ausbreitung der “neuen Modedroge aus Tschechien”, einfach zu übernehmen. Auch sollten die sozialen Implikationen in Betracht gezogen werden, die es hat, wenn Jugendliche ihr Gras, Speed oder E nicht mehr vor allem beim Hippie, Linken oder Migranten kaufen gehen, der sich im Zweifelsfall vor der Polizei verbirgt und ihr nicht wohgesonnen ist, sondern nun in vielen Gegenden nur noch den zumindest von Teilen der Polizei gedeckten Nazi oder Fußballschläger vorfinden, der ihnen lieber Meth verkauft und zum Abbau des entstehenden Aktivitätsdrangs empfiehlt, Hippies, Linke und Migranten zu terrorisieren.

    Aus ihrer Rolle ergeben sich also für die Polizei Handlungsspielräume, die sie aus ihrer Parteilichkeit heraus wiederum spezifisch füllt. Häufig verbindet sie sich dort, wo es außer ihr keine wirksame Kontrollinstanz gibt, mit dem organisierten Verbrechen.

    Auch beginnt Verfolgung und Bestrafung nicht erst, wenn nach dem Gesetz eine Verurteilung erfolgt ist, sondern, so Whitehouse, “in dem Moment, in dem die Cops jemanden anfassen. Sie können jemanden festhalten und sogar einsperren, ohne überhaupt Anzeige zu stellen. Das ist Bestrafung, und das wissen sie. Und da sind wir noch nicht bei den körperlichen Mißhandlungen, die einem widerfahren können, oder den Möglichkeiten, wie sie jemanden auch ohne Verhaftung bearbeiten können.” Wer am Rande von Demos schon mal festgesetzt oder anderweitig getriezt wurde, kennt das Spiel. “Cops kommandieren also jeden Tag ohne gerichtliche Anweisung Leute herum und bestrafen jeden Tag Menschen ohne Gerichtsurteil.” Im Unterschied zum Gesetz selbst befassen sich Cops “mit Menschenmengen, Wohnvierteln, anvisierten Teilen der Bevölkerung – alles kollektive Einheiten. Sie mögen das Gesetz anwenden, um dies zu tun, aber ihre allgemeinen Richtlinien erhalten sie in der Form von Vorgaben ihrer Vorgesetzten oder aus ihrer Berufserfahrung. Die Direktiven haben regelmäßig offen kollektiven Charakter – etwa die Kontrolle über ein widerspenstiges Viertel zu erlangen. Die Polizei beschließt, das zu tun, und dann schauen sie, welche Gesetze sie dafür zur Anwendung bringen können.” Im Falle etwa der linken Berliner Szenetreffs in der Rigaer Straße reichten für Razzien mit Hunderten Cops auch einzelne Vorfälle in ihrer Nähe – oder einfach ein Besuch der Gewerbeaufsicht.

    “Das ist die Bedeutung all der ‘Null Toleranz’-Strategien und ‘Broken Windows’-Konzepte”, erklärt Whitehouse: “Das Ziel besteht darin, eine Masse von Menschen dadurch einzuschüchtern und unter Kontrolle zu bringen, daß gegen wenige von ihnen vorgegangen wird.”

    Politischer Akteur

    Praktisch-politisch bedeutet das alles, daß abgesehen von fortgeschrittenen revolutionären Situationen die Polizei größtenteils auf der Seite derer steht, die die staatliche Ordnung verteidigen, durchaus auch vorwärtsverteidigen, und daß sie sehr parteiisch und im Rahmen der verfügbaren Mittel rigoros, oft auch verdeckt gegen diejenigen vorgeht, die diese Ordnung ablehnen oder offen infragestellen.

    Noch mal aus meinen “konkret”-Artikel: “Um die von der Polizei verhängten »Gefahrengebiete«, zu denen” – neben der Rigaer Straße – “auch der Berliner Nollendorfplatz, an dem Beck gefilzt wurde, gehört, geht es ebensowenig wie um die Frage, ob die mit Gegnern eines drogenliberalen, bekennend schwulen, proisraelischen und Anti-Putin-Grünen durchsetzte Polizei mit ihrem gezielten Zugriff direkt vor drei Landtagswahlen einmal mehr als politischer Akteur aufgetreten ist.”

    Als würde sie überall gegen sich selbst kämpfen, werden den Menschen, gegen die die Polizei vorgeht, Kommandostrukturen unterstellt – was ganz im Sinne des Vorgehens gegen Einzelne zur Abschreckung vieler ist und lange Tradition hat: “Diese „Drahtzieher“-Logik entspricht, wie sich Rosa Luxemburg 1906 mokierte, dem polizeilichen Blick, dem es scheint, “als sei die ganze moderne Arbeiterbewegung ein künstliches, willkürliches Produkt einer Handvoll gewissenloser ‘Wühler und Hetzer’”. (“Verschwörung gehört zum Normalbetrieb“)

    Und so folgt eine Willküraktion auf die andere: Wenn sich jemand in irgendeiner Form der Polizei widersetzt, gegen sie juristisch vorgehen will, sich nach ihrer Dienstnummer erkundigt, aufrührerisch in der Nähe herumsteht oder einfach nicht “kooperiert”, bekommt er ein Verfahren wegen “Widerstands gegen die Staatsgewalt” (Drohung im Polizeijargon: “dann machen wir einen Widerstand”). Wenn die Polizei mit den Ermittlungen nicht weiterkommt, wird die Wohnung eines Fotojournalisten durchsucht und sein Rechner beschlagnahmt. Wenn sie einem antifaschistischen Pfarrer etwas anhängen wohlen, stürmen sie seine eigentlich geschützte Pfarrer-Dienstwohnung im Nachbarbundesland. Wenn sie gegen Linke anderswo vorgehen wollen, benutzen sie Nazis als Zeugen und deren Feindaufklärungsfotos als Beweismittel. Und wenn der Polizei ein Transparent nicht paßt, weil darauf ihr Staat als “mieses Stück Scheiße” beschimpft wird, kassiert sie’s ein und leitet Verfahren gegen alle ein, die darum herumstehen – auch wenn jede Rechtsgrundlage für die Verfahren fehlt und sie kurz darauf eingestellt werden, kann sie’s ja mal versuchen.

    Wenn die Polizei beschlossen hat, gegen eine Demo vorzugehen, nimmt sie ggf. alles mit, was noch im Weg steht. Die Polizei legt fest, wer wann und wo demonstriert, welche Auflagen vorher laut vorgelesen werden müssen, wann sich die Demo wie schnell bewegt und wann sie stehenbleibt, wie die Beteiligten gekleidet sind, wie groß ihre Transparente sind, und in vielen Fällen auch, wann und wo die Demo endet bzw. wann und wo sie möglicherweise stundenlang eingekesselt wird – das heißt, die Polizei kann das alles tun, wenn sie es will. Und wenn sie es nicht so genau mit all dem nimmt, kann sie, wie am 1. Mai in Plauen, Hunderte, die sich brüllend in aller Deutlichkeit zum Nationalsozialismus und seinen Methoden bekennen, mit Pyrotechnik und Vermummung durch die Stadt ziehen lassen.

    Für die Verfolgung von Antifa und Nazis gelten verschiedene Vorannahmen, verschiedene Vorgehensweisen, verschiedene Sprachregelungen – die Beispiele sind unerschöpflich, hier nur mal zwei kleine Sammlungen.

    Wenn ein Nazi aus einer linken Kneipe fliegt, ruft er die Polizei und die stürmt sie. Jürgen Roth schreibt: “Bei der Polizei in Sachsen gibt es etwa einen strukturellen Rassismus. Das zeigt sich daran, wie beherzt die Polizei gegen Linke vorgeht – und mit den Rechten Bier trinkt.”

    Besonders deutlich wird die Parteilichkeit bei Demonstrationen: “Etwaigen hör- oder sichtbaren Protest entlang der NPD-Route unterband weitgehend die Polizei”, heißt es über den 1. Mai in Schwerin. Im Kessel wurden Protestierende acht Stunden lang “ohne Rechtsgrundlage“ festgesetzt: “Es gab kein Trinkwasser – dafür Begleitung beim Toilettenbesuch.”

    Am selben Tag in Bochum brach die Polizei einem Gegendemonstranten den Arm und verhöhnte ihn dann: “Die meinten, es wäre doch meine eigene Schuld. Was würde ich denn auch sonntags auf eine Demo gehen. Da hätte ich doch lieber wie alle anderen Menschen schön zuhause bleiben sollen. Mir wurde da also mein Demonstrationsrecht abgesprochen. Wie gesagt, selber schuld, war deren Motto.”

    Danny Marx titelt seinen Bericht über die Proteste gegen den Bundesparteitag der AfD in Stuttgart am Vortag gleich “Mit Polizeigewalt für die AfD” und nennt die Cops “vermummte Gewalttäter in Uniform”. Seine Schilderung ist drastisch: “Den Kessel etablierten sie mit Schlägen und Tritten, obwohl sich die Blockade nicht wehrte und auch die Polizist*innen nicht angegriffen wurden.” Er geht auch explizit auf die Rolle der Polizei-PR ein: “Die Behauptung die Aktivist*innen hätten die Polizei mit Leuchtraketen beschossen ist eine Lüge. (…) Die Polizei gibt unverzüglich der Presse folgendes bekannt: Aus dieser Gruppe heraus wäre es zu Angriffen auf Polizist*innen gekommen. Unter anderem wäre die Polizei mit Pyrotechnik, Eisenstangen und Holzlatten angegriffen worden. Das ist eine Lüge, die später von fast allen Medien aufgegriffen wurde. Zu keiner Zeit gab es von dieser Gruppe aus eine Auseinandersetzung mit der Polizei.”

    Sein Bericht fährt fort: “Die Polizei gab ihr bestes, die Rechten Funktionäre mit einer größtmöglichen Gewalt durch die Kundgebung zu prügeln. Pfefferspray und Pferde wurde immer wieder eingesetzt. Die Frage darf aufgeworfen werden, ob die Polizei bei all den Absperrungen bewusst den einzigen Eingang für die AFDler direkt neben die Kundgebung ihrer Gegner*innen legte. Der Ort der Kundgebung war übrigens auch von der Polizei festgelegt worden. Viele andere Wege zur Messe wurden von der Polizei bekanntermaßen mit Nato-Draht abgesperrt. (…) Aktivist*innen aus München berichten von besonders perfiden Methoden. Zwei von ihnen mussten mehrere Stunden an einer Wand stehen. Dabei wurden sie an den Händen und Füßen gefesselt. Sie wurden angeschrieen, gedemütigt und auch immer wieder geschlagen. Die Polizei wird in ihrer Pressemitteilung all das natürlich nicht erwähnen. Stattdessen schreiben Sie davon, dass die Gefangenen alle ordentlich versorgt wurden. Eine dreiste Lüge. Von einer umfassenden medizinischen Versorgung kann keine Rede gewesen sein. Eine Aktivistin berichtete davon, dass ihr der Zugang zu Tampons untersagt wurde, obwohl sie eindeutig erkennbar ihre Tage bekam als sie in der Zelle saß.”

    Förderung des radikalen Nationalismus

    Immer wieder bildet die Polizei die äußere Front des “tiefen Staats”, der radikal nationalistische und faschistische Strukturen aufbaut, ausbaut, deckt und ihnen zur Macht zur verhelfen versucht. Als die Polizei in Berlin sich 2013 mal strategisch äußerte, klang das etwa schon stark nach dem Schlachtplan der nationalistischen Mobilisierung seither: “gegen Zecken, Dealer und Asylanten”.

    Zusammen mit anderen Erzählungen und Vorannahmen entstand im letzten Jahr der Mythos vom spontanen Ausbruch des Volkszorns angesichts der “Flüchtlingskrise”, die doch zuallererst eine Rassismus- und Polizeikrise war – die AfD war lange vor der Grenzöffnungs-Episode gegründet und noch direkt vorher im Juli nach rechts gerutscht; die Polizei hatte das Feld bereinigt; die offenbar weiterhin gedeckten Nazi-Terrorstrukturen waren überall schon am Start. Der zähe Fortgang der Untersuchungen zum NSU legt nahe, daß dessen Umfeld eng mit Sicherheitsorganen verdrahtet und nach wie vor aktiv ist.

    Aktuell fördert und stützt ein regional sehr großer Teil der Polizei offenbar aus Überzeugung den Aufstieg des am ehesten erfolgversprechenden Teils der nationalistischen Mobilisierung (so wie sie vorher im kleineren Rahmen andere Teile bereits unterstützt hatte), gegen deren Gegner geht sie gleichzeitig oft brutal und auf persönlicher Ebene vor, aber auch mit den offener nationalsozialistisch auftretenden Gruppen gibt es zuweilen Konfrontation.

    Es ist daher kein Zufall, daß die erste Ausgabe der “Compact”, die auf der Titelseite offen für Frauke Petry als bessere Kanzlerin warb, in der Frontscheibe eines Polizeifahrzeugs während einer AfD-Kundgebung zu sehen war. Und egal, ob die Leserbriefe und Hetzartikel in der “Compact”, die von Polizisten stammen sollen, authentisch sind oder nicht – sie sind ohne weiteres glaubwürdig und es ist völlig klar, warum sich Nationalisten an die Polizei ranwanzen und dabei gute Chancen ausrechnen. (Siehe etwa die Drohung der Polizeigewerkschaft, AfD zu wählen.)


    Mittlerweile im Landtag: Bereitschaftspolizist von der AfD

    Begleitend wird auch die Arbeit der Presse systematisch behindert: “Kaum ein Aufmarsch oder Konzert vergeht, an dessen Rand die Journalist_innen sich nicht gegen polizeiliche Zurechtweisungen wehren müssen, um ihrer Arbeit nachgehen zu können.”

    Aber auch die Staatsgewalt ist kein monolithischer Block. Es gibt offenbar Teile, die dem eigenen Idealbild folgend Reformen etwa der BtmG-Verfolgung anstreben und “Exzesse” zu unterbinden versuchen, auch wenn meist schwer zu unterscheiden ist, ob es sich dann nur um exemplarische Bestrafung zur Deckung des ganzen Rackets handelt. Wenn etwa mal ein Polizist nicht aufpaßt, wer ihn gerade bei Drohungen und Gewalt gegen Kinder filmt (und die Kamera nicht beschlagnahmt oder beschädigt), dann wird seine Dummheit eventuell mit Disziplinarverfahren bestraft.

    Schlüsse

    Die Variable ist also gar nicht, daß die Polizei das tut, was sie nunmal tut, sondern auf wieviel Widerstand sie dabei trifft bzw. wie bereitwillig oder gar vorauseilend sich die Gesellschaft von der Polizei zu ihrem Gegenstand machen läßt. Nur indem sich die Gesellschaft der Kontrolle und den Maßnahmen entzieht oder widersetzt, werden der staatlichen Gewalt und der Polizei Grenzen gesetzt, nur so kann ihr Einfluß und ihre Macht zurückgedrängt werden. Nur indem sich von der Polizeiperspektive gelöst und ihr unabhängige Recherche und Strukturen entgegengestellt werden, kann das polizeiliche “Wahrheitsmonopol” (Dirk Stegemann) gebrochen werden. Nur indem der Einschüchterung durch Solidarität begegnet wird, kann die Strategie der Abschreckung aller durch Verfolgung Einzelner durchkreuzt werden. Dafür liefert derzeit Frankreich zahllose beeindruckende Beispiele.

    Von der Polizei anderes zu erwarten, ist naiv und zeugt von einem idealistischen Staatsverständnis, indem es gar nicht ums Eigentum geht und die Rolle der Polizei nicht daraus erwächst. Sie wiederum einfach der Arbeiterklasse zuzuschlagen, übergeht ihre Besonderheit: ihren Auftraggeber und den Zweck ihrer Tätigkeit. Diese Tätigkeit jedoch nicht auch als Arbeit zu verstehen, trägt dazu bei, die Polizei als übermächtigen Monolithen vorzustellen. Zu glauben, daß selber friedlich zu bleiben, die eigene Friedlichkeit zu betonen und wie ein moralisches Schild vor sich herzutragen, irgendwas daran ändert, ob die Polizei einen von der Straße räumt, aus dem Weg schubst oder ggf. festnimmt, läßt einen nur in die Falle gehen. Auf die Frage “Wir sind friedlich, was seid ihr?”, hat die Polizei mit ihren Schlagstöcken, Pfefferspray-Gewehren, Wasserwerfern und Handschellen eine recht eindeutige Antwort.

    Wer gegen “unverhältnismäßige Polizeigewalt” auftritt, spricht sich im Umkehrschluß für die verhältnismäßige aus, welche die Polizei ihrem Selbstverständnis nach “bis auf wenige bedauerliche Einzelfälle und Ausnahmen” ja auch ausdrücklich anwendet. Besser ist, Zusammenhänge aufzubauen, die sich gegen die Schikane schützen und in der Tendenz die sozialen Funktionen der Polizei (wieder) selbst übernehmen. Auch das historische Beispiel, das Whitehouse hierzu anführt, stammt aus Frankreich:

    «Als die Arbeiter von Paris 1871 für einige Monate die Stadt übernahmen, richteten sie eine Regierung unter der alten Bezeichnung Kommune ein. Die Anfänge sozialer Gleichheit in Paris verringerten den Bedarf an Repression und erlaubten den Kommunarden Versuche, die Polizei als separate Staatsgewalt, getrennt von der Bevölkerung, abzuschaffen. Die Leute sollten ihre eigenen Beamten für öffentliche Sicherheit wählen, die ihnen gegenüber verantwortlich blieben und jederzeit wieder abberufbar sein sollten.»

    Solidarität mit dem Klassenkampf in Frankreich!

    June 1st, 2016

    Spätestens seit gestern in der Tagesschau das Geschehen in Frankreich in einem 15-Sekunden-Beitrag über den Bahnstreik und die Einschränkungen für die Fahrgäste erledigt wurde, als wäre sonst nichts passiert – als gäbe es nicht fast Generalstreik, als wären nicht alle Raffinerien und die meisten Atomanlagen blockiert, als käme es nicht seit Wochen zu umfangreichen militanten Demos und Aktionen überall im Land, um gegen den Notstand und das neue Arbeitsgesetz zu protestieren, als wäre dagegen nicht eine brutale Repression im Gange – stellen sich mir diese ernstgemeinten Fragen:

    Wie sieht das eigentlich aus hier – gibt es denn sonst größere Reaktionen? Was gibt es über FAU und RASH hinaus an Solidaritätserklärungen? Was machen die radikaleren Gewerkschafter, die klassenkämpferischen Linken? Sind bislang wirklich nur die knapp 300 Leute am Wochenende in Berlin auf die Straße gegangen?

    Hier mal ein Überblick zur aktuellen Lage: bis zum 14. Juni weniger Demos geplant, dafür noch mal Ausweitung der Blockaden und Streiks, vor allem im Transportwesen und im Flugverkehr.
    Nachdem der Senat gestern die 35-Stunden-Woche gekippt hat, sind nun auch wieder die meisten Atomanlagen blockiert. Unterdessen sieht die Industrie in den Streiks den Islamostalinismus aufmarschieren.

    Guillaume Paoli wies in seinem Artikel “Da musst du durch” sehr richtig darauf hin, was für Auswirkungen solch entfalteter Klassenkampf auch auf andere gesellschaftliche Entwicklungen, namentlich die nationalistische Mobilisierung haben kann:

    «Es wird oft behauptet, dass die Alternative für Deutschland ein Sprössling der Agenda 2010 sei. Das mag insofern stimmen, als die sogenannten Reformen mit dem Mantra verkauft worden waren, es gebe eben keine Alternative. Doch könnte sich diese Situation ändern. Da ist auch ein Blick auf die momentane Lage in Frankreich lehrreich. Bis dato gab sich der Front National als Hüterin der Entrechteten (vorausgesetzt, sie haben die richtige Hautfarbe).
    Die Bewegung gegen das Arbeitsgesetz hat aber ihr wahres Gesicht entlarvt. Jetzt wettert der Front National gegen Demonstranten und Streikende. Ohne zu zögern, hat er sich der wirtschaftsliberalen Reaktion angeschlossen. Zweifelsohne würde eine soziale Bewegung in Deutschland (an Wunder muss man glauben) dieselbe Wirkung auf die AfD haben. Die im Kern neoliberale Partei würde sich gegen die Benachteiligten unter ihrer Klientel wenden. Immerhin das wäre nun mal geklärt.
    »

    Schon daß dieser Gedanke in Deutschland überhaupt mal wieder aufkommt, spricht für die enorme Vorbildwirkung der französischen Aktionen…




    Schild sagt: “Licht an”, heißt aber auch “Feuer an”; Überblick über das Arbeitsgesetz; der Schriftzug: “Unter der Sturmhaube der Chaoten deine Schwester”

    Video: deutscher Aufruf zur Großdemo in Paris am 14. Juni, wenn die EM schon begonnen haben wird.

    Summary talk on my Rausch concept

    May 27th, 2016

    In this video, now available on Youtube, I sum up my concept of Rausch as an ability of every nervous system, I talk about its relation to domination and capitalism and its potential for overcoming them. It’s a must see for everyone who wants to understand why I insist we need to stop focussing on drugs and need to start talking about what happens in the brain and body – and why.

    (In case Youtube doesn’t work: try here.)

    Medienkolumne in der neuen “konkret” zu Rauschkontrolle & Polizei

    April 28th, 2016

    In der aktuellen Ausgabe der “konkret” (ab morgen am Kiosk) schreibe ich über “zweierlei Bewertung des Drogenkonsums von Volker Beck und Benjamin von Stuckrad-Barre”:

    «Herrschaftliche Rauschkontrolle läuft immer zweigleisig: Verfolgung, Kontrolle und Abschreckung hier, jahrelang ungestörter Konsum der Kulturprominenz dort. Repression wie Duldung gehören zur Herrschaft, die es sich weder leisten kann, Rausch unkontrolliert zu lassen, noch ihn nicht in bestimmten Sphären zuzulassen.»

    Hitler-Droge vs. Schreibstoff.

    Neuer Track, neues Video: “Mieses Stück Scheisze”

    April 27th, 2016

    Neuer Track, neues Video: Gegen die Gesamtscheiße, für mehr Reflexion der eigenen Verwicklung, für den autonomen Klassenkampf!

    Mieses Stück Screenshots

    Nach “Wir streiken” (Video) ist das die zweite Vorabveröffentlichung aus dem kommenden vierten Album mit Istari Lasterfahrer: “Dead Stars”, das im Herbst unter unserem neuen Bandnamen CLASTAH erscheinen soll (Ankündigung bei Sozialistischer Plattenbau).

    (Video hat deutsche Untertitel + video has English subtitles available)

    Wir werden circa im Oktober eine Releaseshow in Hamburg spielen, und auch unsere Show in Siegen, die für den 6. Mai geplant war, verschiebt sich in diese zeitliche Umgebung. Wir überlegen derzeit, wo wir dann weitere Konzerte zur Albumvorstellung geben können. Wo gäb’s Interesse?

    Der “War On Drugs” ist nicht gescheitert

    April 24th, 2016

    Das Jungle-World-Titelthema diese Woche: “Der repressive »War on Drugs« ist längst gescheitert”; “Opium fürs Volk” (Die Toten Hosen), weil vom “Opium des Volkes” (Marx) nicht gesprochen wird; und in den dazugehörigen Artikeln haben “Verbote, Kriminalisierung und militärische Gewalt” ebenfalls “nicht geholfen”, kommen Geheimdienste praktisch gar nicht vor, Fragen der politischen Repression nur als Randnotiz zu Nixon, und Europa schließlich sogar ganzseitig als schon immer nicht so schlimm an der Drogenfront. In diesem Rahmen fällt dann auch nicht mehr auf, daß es die “liberale” Position solange gibt wie Drogenkrieg und Prohibition; und schon gar nicht, daß letztlich nur über die medizinischen, fiskalischen und sonstig sozialen Zumutbarkeitsgrenzen eines jahrzehntelangen Programms zur Herrschaftssicherung diskutiert wird.

    Um mal die Erinnerung aufzufrischen – vor vier Jahren schrieb ich in der Jungle World:

    «Allzu häufig werden das Scheitern oder der Erfolg des »War on Drugs« an Maßstäben gemessen, die bei seiner Ausrufung in den USA der späten sechziger Jahre, aber auch bei den Anti-Cannabis-Kampagnen der Dreißiger oder der deutschen »Rauschgiftbekämpfung« so gut wie keine Rolle spielten. Der »War on Drugs« war eine begleitende Maßnahme der Bekämpfung jener sozialen Bewegungen, die die bürgerliche Gesellschaftsordnung in Frage stellten, in den USA der Dreißiger zunächst im Rahmen des rassistischen Abwehrkampfes der weißen Vorherrschaft, dann seit den Sechzigern als antikommunistische Maßnahme gegen die befürchtete Auflösung der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft.»

    Die Kollegen von Wildcat konturieren es auch etwas anders:

    «Drogenkartelle sind Bollwerke der USA gegen den Kommunismus. Der War On Drugs hat es ermöglicht, Länder zu besetzen und die eigenen Repressionsapparate aufzurüsten (…) Genau der gleiche War On Drugs hat diese Kartelle finanziert, gedeckt, beraten, militärisch ausgebildet und ausgerüstet. (…) Die Grauzone aus Geheimdiensten, Militär, Polizei, Konzernen und rechtsextremen Killern haben wir als ‘tiefen Staat’ zu fassen versucht. In seiner Arbeitsteilung sind die Drogenkartelle zuständig für das Wegräumen linker Guerriller@s und Campesin@s, die gegen Landraub, Privatisierung und Marktöffnung kämpfen.»

    Sowohl die Zerschlagung der systembedrohenden Bewegungen als auch die (Wieder-)Spaltung der Klasse, insbesondere entlang der Grenze der “weißen Rasse”, desweiteren die Legitimation ständiger innerer und äußerer Aufrüstung und sozialer Kontrolle sowie die Sicherung illegaler Geldquellen für Geheimdienstaktivitäten sind erfolgreich gewesen. In der Folge haben sich inmitten des Schlachtgetümmels auch die meisten Anfänge eines besseren Verständnisses von Rausch als Fähigkeit wieder verlaufen.

    Der “War On Drugs” ist nicht gescheitert – wir sind nicht gescheiter.

    About last night

    March 14th, 2016

    Mein Kommentar zur gestrigen Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, zu Nationalismus und Klassenkampf – als Vor-Ort-Korrespondenf fürs “HATE Magazin”:

    «Viele linke Reaktionen auf die Wahl: Panzerbildchen, Kotze-Icons und – deutlich weniger als nach der Hessen-Wahl – Auswanderungs-Stoßseufzer. Es hilft nun aber “kein höh’res Wesen”, keine “Night Witches”, keine “Red Army Sniper”, keine “RAF from England”. Der deutsche Staat ist weiterhin auf dem Zenit seiner politischen und ökonomischen Macht, kein anderer Staat wird ihn vorläufig stoppen. Was hilft, ist, die Lage zu analysieren und Schlüsse daraus zu ziehen.»

    Hass allein genügt nicht mehr – Daniel Kulla zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, zu Nationalismus und Klassenkampf

    “Sin Patrón” in der “konkret”

    March 5th, 2016

    In einem konkret-Artikel über das Ende des “Jahrzehnts der Linksregierungen” in Südamerika wird auch auf die Übersetzung von “Sin Patrón” Bezug genommen und aus meinem Vorwort zitiert:


    (zum Vergrößern Draufklicken)

    Ganz anders als derzeit in den meisten anderen linken Einschätzungen hierzulande (zuletzt etwa Lena Kreymann in enger Anlehnung an die pro-kirchneristische argentinische KP) heißt es dort weiter:

    «Es ist falsch, dem Kirchnerismo und seiner Partei- und Gewerkschaftsbürokratie – die vergleichbar sind mit der SPD unter Gerhard Schröder und dem DGB – nach ihrer letzten Wahlniederlage nachzutrauern. Ihr Kandidat, Daniel Scioli, stand selbst innerhalb des Kirchnerismo rechtsuaßen, verfolgte ein Programm von “Austerität light” zur Sanierung des Staatshaushalts und bekannte sich vor der Wahl zur vollständigen Anerkennung der Auslandsschulden.»

    Und so endet der Artikel tatsächlich, völlig ungewohnt in der linken deutschen Presse, mit einem positiven Blick auf das trotzkistische Bündnis FIT:

    Migration & Handlungsfähigkeit

    March 2nd, 2016

    «Mit ihrem Aufbruch in die nordeuropäischen Zentren versuchen viele Menschen wieder zu Handelnden zu werden. Das Kapital will ihre Energien zur Neustrukturierung des Arbeitsmarkts nutzen und die hiesigen Klassenverhältnisse unter Druck setzen. Außerdem kann die Flüchtlingsbewegung wie ein Konjunkturprogramm wirken (…) Das setzt aber die Kontrolle über die proletarischen Wanderungsbewegungen voraus, und diese ist den Herrschenden in den letzten Jahren zunehmend entglitten. (…)

    Der Widerstand gegen Abschiebungen und für ein Aufenthaltsrecht ist eine Voraussetzung, damit sich Kämpfe entwickeln können. Es geht dabei aber weniger um juristische Titel als um den Widerstand gegen Repression, gegen Überwachung, gegen Razzien in Vierteln und auf der Arbeit.»

    Wildcat Nr. 99: Wanderung, Flucht und Arbeit.

    Bestärkende “Sin Patrón”-Rezension

    February 17th, 2016

    Für die Zeitung “Kritische Perspektive” ist “Sin Patrón” eine “unbedingte Leseempfehlung”, meine “Übersetzung, Einleitung und Aktualisierung” ist für sie “gerade heute und in Deutschland unglaublich wichtig.” Sie schreiben in ihrer ausführlichen Besprechung des Buchs:

    «Eine wesentliche Aufgabe in der anstehenden Krise wird es sein, die Kontrolle über die stillgesetzten und brachliegenden Produktionsmittel zu erringen, sie ihrem Zweck zu entfremden und eine soziale Reproduktion außerhalb der kapitalistischen Ordnung zu schaffen. In der Krise wird mit Händen greifbar, dass es kein Mangel an Kapital, Maschinen, Ackerland oder Arbeitskräften ist, der die Menschen verhungern lässt, sondern ein Mangel an der kapitalistischen Profitabilität dieser Produktionsmittel.»

    Fotoreportage über neuere Instandbesetzung (mit Korrekturen)

    February 16th, 2016

    Die Jungle World hat meine Reportage über die instandbesetzte Druckerei Madygraf nun auch online veröffentlicht, aber leider mehrere Fehler hineinredigiert, die ich hier kurz korrigieren will.

    «Pitrola verließ den Betrieb und wandte sich der Organisation der Erwerbs­losen in der Piquetero-Bewegung dem Polo Obrero (PO) zu.»

    Es muß heißen: “in der Piquetero-Bewegung der PO, dem Polo Obrero”Partido Obrero ist die Partei, Polo Obrero ist ihre Erwerbslosen- und Piqueteros-Bewegung, die sie wieder so groß gemacht hat wie seit Ende der 60er nicht mehr.

    «Ausschlaggebend war das Argument, dass ja niemand etwas zu verbergen habe.»

    Da steht nun nicht mehr, daß Medina selbst (und vermutlich nicht nur er) mit diesem Argument überhaupt nicht glücklich war, was m.E. einen anderen Eindruck vom Betrieb erweckt.

    Das “Keramikwerk FaSinPat Zanón” heißt heute offiziell FaSinPat, ist aber von früher auch als Zanón bekannt. “Das bekannte argentinische Kinderlied »Cuarteto de la Plusvalía«” läuft trotz des Textes eigentlich nicht unter Kinderlied.

    Tinte und Papier waren vorher nicht einfach “wegen der Handelsbeschränkungen” schwer zu bekommen – dies waren Maßnahmen der Kirchner-Regierung, die stark von ihrer peronistischen Ideologie beeinflußt waren. Die Kirchneristas sind aber nicht “von der Peronistischen Partei” – davon gibt es viele. Die Kirchneristas sind vor allem an die Macht gekommen und an der Macht geblieben, indem sie ihre “K-Fraktionen” in anderen Parteien und Organisationen aufbauten und die peronistische Partido Justicialista zum Wahlbündnis Frente Para La Victoria (FPV) mit all diesen Alliierten bis Infiltrierten erweiterten.

    Noch eine alte Stilfrage – in der Jungle World heißt es immer “der Partei” (der PTS, der PO usw.) wegen “el partido”, aber ich finde, das liest sich fürchterlich.

    Wie aber sind denn “Argentienien” und “Mardygraf” während der Korrektur in den Text geraten?

    In der Druckfassung wurde außerdem seltsamerweise die Dolmetscherin Magui López aus dem Foto herausgeschnitten, auch in der Onlineversion steht in der Beschriftung des Bildes nur der Name des Druckers, nicht aber ihrer. (Hat die Zeitung ein Problem mit ihr?)


    Hier noch die nicht verwendeten Bilder: ein Blick in die Binderei; Fehldrucke in der Druckerei; das Titelbild des Madygraf-Schulhefts; und ein beim Solikonzert in Parque Centenario ausgestelltes Foto von Jorge Medina

    Foto des Jahres 2015

    January 10th, 2016

    Für die argentinische “Titanic” Revista Barcelona war in ihrer Jahresrückblicks-Ausgabe die Sache klar:

    «Die furchtbare Lage der Europäer, die den Anblick dieser in einem exklusiven Strandbad liegenden Europäerin ertragen müssen, erschöpft von der Anstrengung, sich um eine nicht enden wollende Prozession Illegaler kümmern zu müssen, welche ihr Land ausnutzen – dieses Bild wurde vom Neokolonialen Kommittee der Natürlichen Auslese Auswärtiger zum Foto des Jahres gekürt. “Die arme Frau brach zusammen, nachdem sie Tausende von Opportunisten ausgewiesen hatte – es ist ein berührendes Bild”, so die Jury.»

    Foto del ano Merkel

    Merkel schaffte es auch auf den Titel, in der Bildlegende ausgewiesen als “Teutona infanticida”.

    Cover Cover detail

    Argentiniens Regierungswechsel ändert alles!

    January 8th, 2016

    “Cambio” (“Wandel”) nennt sich das, was in ‪‎Argentinien‬ unterm neuen Präsidenten Mauricio ‪Macri‬ derzeit passiert, und seine Wahlbewegung hieß denn auch “Cambiemos”“Laßt uns verändern”, irgendwie ähnlich allgemeine Projektionsfläche wie Obamas “Change”, allerdings recht offen und unverblümt in Richtung rechts, neoliberal-konservativ.

    Die Konservativen tun jetzt so, als hätte die abgetretene ‪Kirchner‬-Regierung Korruption und Verbrechen erfunden, während die Kirchneristas so tun, als hätten sie Sozialfürsorge und Gerechtigkeit erfunden. Nicht nur in Argentinien hielten und halten viele den peronistisch-nationalistischen Kirchnerismo, einst als Abwicklung der Aufstände von 2001/2 an die Macht gekommen und dann durch Vereinnahmung und Ausbooten der Protestbewegungen an der Macht geblieben, für links.

    Für ihre Proteste gegen die neue Regierung (vor allem gegen Entlassungen in der zuvor aufgeblähten staatlichen Beschäftigung) konnten die Kirchneristas bislang nicht viele Leute mobilisieren – das heißt, die Kirchneristas, die vorher jahrelang kaum je gegen soziale Mißstände auf die Straße gingen und gerade in Buenos Aires für fast alle Härten mit Macris Leuten zusammen stimmten, wundern sich nun, daß kaum jemand auf ihre Demos kommt.

    Und schließlich wurden vormals Beschäftigte des manipulations-berüchtigten Statistikinstituts INDEC, die nach der Übernahme durch die kirchneristische Jugendorganisation La Cámpora gefeuert worden waren, nun mit viel Tamtam wieder eingestellt – und direkt danach wurde verkündet, daß für dieses Jahr keine offiziellen Zahlen zur galoppierenden Inflation veröffentlicht werden.


    Graffiti in ‪‎Buenos Aires‬, prangt da schon ein paar Jahre

    Wie ich kurz vorm Abflug schrieb: “…wo gerade alles anders wird und so bleibt; wie’s war…”


    Infografik von CORREPI zur Repression seit Ende des Faschismus

    2016 zu begehende musikalische & theoretische Aufwiegelung

    December 30th, 2015

    MUSIK UNTER DIE LEUTE

    Die neue, schnell eskalierende, im Verlauf aber recht entspannte Platte mit dem Lasterfahrer ist schon so gut wie fertig. “Wir streiken” ist drauf. Erste musikalische Ausflüge nach Südamerika sind drauf: eine Art Cumbiaton übers Rumlungern auf dem Gehweg in Asunción und eine Coverversion dieses Candombes, aus dem der vorläufige Albumtitel “Lluvia de estrellas” (sprich: “schúvia de estréschas”) stammt. Das schon live vorgetragene “Rammstein lösen sich auf” ist drauf. Ein Björn-Peng-artiges Lied über Anti-Klassismus mit dem Titel “Critical Richness” ist drauf. Ein trotziger Dub über die “wandering working class” ist drauf. Ein Breakacid-Brett, basierend auf einer Brustmilchpumpe und dem Standgeräusch eines Triebwagens, ist drauf. Und ein Track mit Onkel Torsun zu unser beider einstiger Lieblingsgruppe ist auch drauf.

    Was noch fehlt: eine endgültige Entscheidung bezüglich unseres endlich mal etwas kürzeren und griffigeren Namens (Classta Kullasta? Clasta Kulasta? Oder nur Kullasta? Oder ganz anders?) und die Kohle fürs Vinyl.

    Wir wollen wieder mehr Konzerte spielen (eins ist für den April in Siegen schon anberaumt), besonders gern immer mit dem lieben Björn Peng und seinem Fluffy Bad Trip Rotterdam Hardstyle; und auch auflegenderweise möchte ich wieder “möglichst viel verschiedene Musik” vorspielen.

    Schließlich sind noch einige Features auf dem Weg: schon aufgenommen ist mein Rap-Part für einen Song von Frank Spilker; Alles.Scheiße wollen mich auf ihrem Album dabeihaben; das erste Stück der Kullaboration mit Ray Block (Projektname Graph Blockulla) ist halbfertig; und vielleicht wird endlich der schon lange beinahe fertige Track mit der Frittenbude mal vollendet…

    IDEOLOGIE ERNSTNEHMEN

    Angesichts von Facebook-Landschaften und Straßenbild wenden sich viele vermehrt und richtigerweise gegen Rassismus und Nationalismus. Zu oft bleibt es aber beim Verurteilen, Kopfschütteln, Auskotzen; zu oft wird Ideologie als Randerscheinung behandelt, als Manipulation oder Dummheit, als Nebensache im Klassenkampf, als zu Therapierendes oder hoffnungslos Verlorenes. Es muß besser gelingen, sie ernstzunehmen, ohne ihr auf den Leim zu gehen.

    Ich will mit meinen Vorträgen und Texten (Buch-Neuauflage “Entschwörungstheorie” hoffentlich endlich dieses Jahr!) zu erklären helfen, warum Ideologie funktioniert, was sie Leuten bringt und wie ihr praktisch der Boden entzogen werden kann. Dabei ist wichtig, nicht an den Erscheinungsformen und ihrer (vermeintlichen) Absurdität kleben zu bleiben, sondern sich auf die Inhalte zu konzentrieren, auf die Gemeinsamkeiten der verschiedenen Formen von Ideologie und ihrer Gründe und Vorteile, und dabei vor allem im Blick zu behalten, wann und wie sich Auffassungen verändern. Allzuoft wird der Versuch nicht (mehr) unternommen, solche Veränderung herbeizuführen oder zu begünstigen, Menschen für Auseinandersetzungen erst zu gewinnen – stattdessen werden sie dann im Falschen festgenagelt und abgeschrieben, so als ob immer alle so verbohrt und unverbesserlich wären wie es meist nichtmals die Lautesten und die Lieblingsfeinde sind.

    Weiter möchte ich darüber reden, wie sich Ideologie in der Populärkultur abbildet und bricht (z.B. “Klassenkampf bei Buffy The Vampire Slayer”) und was sie alles aus dem Blick geraten läßt (wie z.B. in “Homer Simpsons Mutter”).

    Für die praktische Kritik in Gestalt von Widerstand und Aneignung gilt es wiederum, den Fokus weg von Vorwürfen und Anklagen gegenüber bestimmten Gruppen, Fronten, Parteien (bzw. immer den jeweils anderen) zu bewegen – also weg von bürgerlicher Identifikationspolitik, hin zu mehr Politik des Entkommens und der freien Assoziation. (Hierzu kann viel aus der Debatte um “Der kommende Aufstand” bezogen werden, aber auch aus der Auseinandersetzung mit möglichen Vorbildern, wie einem Teil der Bewegung der instandbesetzten Betriebe in immer mehr Ländern.)

    RAUSCH & LUST ALS FÄHIGKEITEN VERSTEHEN

    Fürs Entkommen und die Assoziation dürfte auf die Dauer unerläßlich sein, sich über die nach wie vor am wenigsten verstandenen der entsprechenden Fähigkeiten und ihre unzähligen Implikationen ins Klare zu setzen: Rausch als Fähigkeit des Sich-Entziehens und Lust als Fähigkeit, Verbindungen herzustellen. Beide müssen von jeglicher Herrschaft kontrolliert werden – und gehören zu den wichtigsten Fähigkeiten, um Herrschaft zu umgehen, herauszufordern und zu stürzen.

    Die Ansätze, die ich dazu formuliert habe (“Leben im Rausch”, “Lust, Rausch & Zweifel”), müssen dorthin, wo sie theoretisch überprüft und weiter ausgearbeitet werden können; vor allem aber dorthin, wo sie in praktischen Auseinandersetzungen weiterentwickelt und erprobt werden können.

    Außer meinen Vorträgen will ich mit einigen exemplarischen Besprechungen (z.B. zu “Delusions of Gender”, “Massenstreik und Schießbefehl”, “Into The Woods” u.a.) diese Ansätze besser zugänglich machen.

    AUSDEHNUNG & ERWEITERUNG

    Auch müssen all diese Themen von der deutschen Sprachinsel runter – ausgehend von einem kurzen Programmtext, der sich vertont auch auf der Platte mit dem Lasterfahrer finden wird (“This is classless”), möchte ich Texte ins Englische und Spanische übertragen.

    Über jegliche Beihilfe, Ideen, Verbindungen, Weiterleitungen, Publikationsmöglichkeiten würde ich mich sehr freuen!

    Und über albernen Quatsch. Und über hugs & kisses. Und darüber, euch zu treffen, wo was Gutes in Bewegung kommt, wo was Schlechtes gestoppt wird – und da, wo’s notwendigerweise rummst.


    “Gutmenschen bei der Arbeit” titelten die Nazis – das nehm ich gerne an!
    Ich weiß noch genau, wann das Foto gemacht wurde: als sie gerade ordentlich verloren hatten.
    Halberstadt – dreimal blockiert! Immer gerne wieder!

    (Auftrittsplanung: Erste Auftritte 2016.)
    (Jahresrückblick: Empfehlungen des Hauses 2015.)

    Erste Auftritte 2016

    December 27th, 2015
  • Fr, 19.02.2016, Frankfurt/Main, Gewerkschaftshaus, 19 Uhr: Vortrag Entschwörungstheorie (Veranstaltungsreihe Verschwörungstheorien, FB-Event)
  • Sa, 20.02.2016, Mainz, Haus Mainusch: Konzert/Auflegerei bei “Luna Urbana” (FB-Event)
  • Do, 24.03.2016, Graz, Combinesch: Vortrag “Entschwörung und Aneignung”, danach Auflegerei (FB-Event)
  • Fr, 25.03.2016, Wien, Gagarin: Buchvorstellung “Sin Patrón”, im Anschluß Auflegerei (FB-Event)
  • 26.-28.03.2016, Salzburg, EasterHegg: Vortrag zu Rausch “Life in transport – Your consciousness is always altered” und Auflegerei
  • Mi, 30.03.2016, Reutlingen: Vortrag Entschwörungstheorie, im Anschluß Auflegerei (BASICS-Reihe)
  • Do, 31.03.2016, Freiburg, Studierendenhaus: Vortrag “Homer Simpsons Mutter – und anderes Lehrreiches aus der Geschichte der USA” (FB-Event)
  • Sa, 02.04.2016, Lüneburg, (LMV Grüne Jugend): Workshop zu Critical Whiteness “Weiße unter sich – das Privileg der ‘Unmarkierten’ und die Spaltung der Klasse”
  • Fr, 08.04.2016, Plauen, Schuldenberg: Vortrag “Entschwörungstheorie” (Hausfest)
  • Mo, 11.04.2016, Essen, Galerie Cinema: Vortrag über “Die Spaltung der Linken” (FB-Event)
  • Do, 21.04.2016, Witzenhausen, Uni: Vortrag Entschwörungstheorie
  • Fr, 22.04.2016, Hamburg, Rote Flora: Konzert mit istari Lasterfahrer, Björn Peng und Inglorious Bassnerds (FB-Event)
  • VERSCHOBEN AUF HERBST! Fr, 06.05.2016, Siegen, Vortex: Konzert mit Istari Lasterfahrer
  • Vermutlich spreche ich wieder auf dem Pfingstcamp der Linksjugend Sachsen (13.-16.5.), auf dem Weltkongreß der Hedonistischen Internationale (Ende Mai). Für den 2. Juli ist in Wien ein Straßenfest vorm Gagarin mit Musik u.a. von mir geplant. Auch in Graz und Salzburg trete ich dieses Jahr vermutlich nochmals auf. Buchvorstellungen für “Sin Patrón” sind für Freiburg, München, Nürnberg und Bamberg in Planung; ansonsten stehen noch Diverses in Würzburg und Umgebung, Freakout nach Wahl in Landau, Entschwörung in Flensburg, Bargteheide und Klagenfurt sowie Beihilfe zu gemeinschaftlich begangener Hausbesetzungs-Hegelei in Halle aus. Im Oktober bin ich Teil einer Kampnagel-Veranstaltung über Identität.

    Wer auch was einrühren will, findet hier mein aktuelles Programm.

    (Und hier gibt’s mehr Einzelheiten zur 2016 zu begehenden musikalischen & theoretischen Aufwiegelung.)

    Empfehlungen des Hauses 2015

    December 17th, 2015

    «Was in dieser Situation auf jeden Fall nicht weiterhilft, ist das Schlagwort “Verschwörungstheorie”, das vielmehr, wie auch sonst so oft, Teil des Ausstoßes der nun daueraktiven politischen Nebelmaschinen ist.»
    Verschwörung gehört zum Normalbetrieb – Argentinien und der Tod von Alberto Nisman

    «…beginnt mit kämpferisch-kritischem, möglichst ebenbürtigem Zusammenschluß, mit der Aufklärung der Bedürfnisse und Fähigkeiten (auch und vor allem der so schlecht verstandenen Rausch und Lust), der Aufklärung über Herrschaft und ihre Ideologie, dem kollektiven Widersetzen und dem Streik, der kollektiven Aneignung der Produktionsmittel und der Abwehr oder Umgehung aller Versuche, das zu unterbinden, zu verschleppen und zu vereinnahmen.»
    Weil so oft das Wichtigste nicht gesagt wird: Kommunismus

    «Flüchtende vorübergehend aufzunehmen und in Zelte zu stecken – das können Deutsche nur im äußersten Überschwang, auf den der Kater (abschrecken, einsperren, zusammenscheißen, belehren, germansplaining) folgen muß.»
    Nach dem kurzen Sommer der Liebe: Schweineherbst

    «Je länger ich meinen Mitmenschen jedoch zuhörte, desto mehr fielen mir die ideologischen Bedürfnisse auf, die USA und ihr politisches Personal noch extra anzuschmieren und zu dämonisieren, gleichzeitig Deutschland in Gegenwart und Vergangenheit reinzuwaschen, erschreckend häufig erweitert um antisemitische Spitzen besonders gegen Israel.»
    Der 11. September 2001 & einige seiner Folgen um mich herum

    «Menschen können ohne jede Schulbildung entscheiden, wogegen sie sich in welcher Weise zusammentun und zur Wehr setzen, und gegen Bürgerkriegsflüchtlinge vorzugehen, die vom Staat bereits in Lagern zusammengepfercht werden, ist eben nicht hauptsächlich dumm oder ungebildet, sondern eine rassistische Wendung gegen Menschen, an denen man sich (meist staatlicherseits bis zu einem gewissen Punkt geduldet) auslassen kann.»
    Der dumme rassistische Pöbel

    «Heute ist es Scheiße ohne Grund, damals war es Scheiße mit Grund.»
    Republikgeburtstag – 66 Jahre DDR-Gründung

    «Die Versprechen der Aufklärung wären nun zusammenzuführen und einzulösen: die Vernunft berauschen und den Rausch erlernen; den mündigen, ansprechbaren, zuverlässigen Mitmenschen unter Einbeziehung seiner Rauschfähigkeiten ermutigen – ein Materialismus unter Einbeziehung des Nervensystems.»
    Licht und Klarheit, Rausch und Vernunft – Zu Ideengeschichte und Weiterführen der Aufklärung

    «…im März 1919 (und zum Teil noch lange danach) wurde von Millionen von Arbeitern in Deutschland der Weg vom Massenstreik über die Sozialisierung zum Sozialismus eingeschlagen, und sie konnten letztlich nur durch mieseste Verschaukelei seitens der sozialdemokratischen Führung und den offenen Terror der Freikorps daran gehindert werden, ihn zu Ende zu gehen. Dabei spielte der Zusammenschluß und die genossenschaftliche Aneignung unter noch nicht sozialistischen Bedingungen eine zentrale Rolle.»
    “Sin Patrón”-Rezension: Ist das noch Kapitalismus?

    «“Krisenverwaltung”, also die Abwälzung der Kriseneffekte durch “Sparpolitik”, Auslagerung und Kapitalvernichtung, muß nur dann “eben so aussehen …, wie sie aussieht”, wenn es keinen wirksamen Widerstand, keine Solidarisierung, keine Perspektive über die verwertete und verwaltete Welt hinaus gibt – das zu unterschlagen macht einen zum Teil der Alternativlosigkeitspropaganda; es gar selbst verdrängt zu haben, zeugt davon, an der Veränderung dieser Gesellschaftsordnung kein Interesse mehr zu haben.»
    Wie die “Bahamas” eben aussieht – Das kritische Rezept gegen Pegida & AfD: Einsicht in die Alternativlosigkeit

    (Noch mehr: Empfehlungen des Hauses aus den vergangenen Jahren.)

    (Und noch mehr: Kulla fragen, einladen, herbeiholen.)

    Hitlerfragen!

    December 3rd, 2015

    Wer hat “Er ist wieder da” geschaut (und wann so, läuft ja immer noch)? Und wer hat auch das Buch gelesen? Wer fand im Film auch fast nur die lustigen Sachen aus dem Buch lustig? Wer hat die Rezeption vielleicht aufmerksamer verfolgt als ich und kann eine Einschätzung dazu abgeben, wo eher eine Warnung, ein Abgrund, eine Verharmlosung, eine Belanglosigkeit gesehen wurde?

    Wem außer mir ist noch aufgefallen, daß das Negative am Nationalsozialismus im wesentlichen auf die Judenverfolgung reduziert wurde, und sonst außer schon im Anspielungsbereich fast verschwindendem Rassismus auch die Gegnerschaft der Nazis gegen Kommunismus, Sozialismus, Arbeiterbewegung usw. komplett fehlt? Da ich das Buch recht rasch nebenbei gelesen habe: War das dort auch schon so?

    In welcher Weise entlarvt sich das selbst oder soll entlarvend funktionieren? Im Grunde wollen sie alle den nationalen Erfolg organisieren, nur nicht mit so offenkundigen Gräueltaten? Waltet da die “demokratische Anästhesie” und blendet die Drecksarbeit aus, die zur Herrschaftssicherung betrieben wurde und von den Nazis die meiste Zeit über als Hauptaufgabe angesehen wurde?

    Nur an einer Stelle lehnt sich eine Hauptfigur, Fernsehmensch Sawatzki, gegen Hitler auf, und zwar erst nachdem die jüdische Oma seiner neuen Freundin Hitler mit Verweis auf den Holocaust aus ihrer Wohnung wirft – alles andere geht bei aller Bestürzung und allem Befremden doch irgendwie durch und findet immer offenere Zustimmung (auch gibt’s zum Beispiel keinen Anstoß bezüglich des Geschlechterverhältnisses). Wie ist das gedacht und gemeint, aus der Gesellschaft heraus so gut wie keine Widerstände abzubilden, die in irgendeiner Form wirksam werden könnten? (Und eben die Arbeiterbewegung, Sozialismus und andere reale Widerstände aus Geschichte und Gegenwart auch als mögliche positive Referenz an der Stelle auszulassen… )

    Ist das dann praktisch so gemeint wie in der antideutschen Folklore, wenn im Abspann, nach Nachrichtenfootage aus den letzten Monaten von Pegida bis Heidenau und Hitlers Kommentar “Damit kann man arbeiten”, ein mäßiger Remix von Leadbellys großartigem “Mr Hitler” zu hören ist, der ja den Einmarsch der USA beschwört, die aber nicht nur spät, sondern wohl gar nicht kommen würden? Kapitulation, Alarmismus, Provokation, Aufrüttelung, schlechter Witz oder “alles nur zur Unterhaltung gedacht, was kann ich dafür, wenn ihr daraus ein Drama macht”?

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