Yip Yips sind auch nur Menschen

July 2nd, 2009

“What what what what what?”
“Happy happy happy boing boing boing!”

(via Torsun)

(Remember the telephone?)

16. Tag der Schreibwochen

July 1st, 2009

Die mühselige Kleinarbeit, Ersetzung von Anachronismen, die gleichen Stellen wieder und wieder lesen - und das, nachdem ich das Buch schon vor zwei Jahren hätte fertiggeschrieben haben wollen. Und überall locken Ablenkungen. Dann aber immer wieder der Flow und die damit einhergehende Schlaflosigkeit.

Als die Zeit im Hammam verrutscht:

Ef: But again, already Artemis’ own son Iulius walks around and talks of sacrifice, of violence and war. His followers who call him Iesus the Lord, try to receive the spirit they believe Iulius now carries, by spilling the blood of their rivals and their enemies.

Ercan: These things belong to the distant past…

Ef: They would if all this would be over. We live in the middle of many contradictions. The mushrooms focus us on things by expanding the horizons to these things. Iulius incited brothers and sisters against each other by declaring a fighting unity. He strove for universal peace by bringing the sword. He promised to abolish all privileges by claiming absolute power for himself. He entrapped his followers in deep guilt for all the bloodshed and allowed debt forgiveness for them all. He made them accomplices and is yet said to have freed them. So many still worshipped Iulius, so many worship Iesus, so many will keep on worshipping men like him.

Die Lokalpresse vermeldet auf der Titelseite Brandverletzungen eines irakischen Asylbewerbers und druckt sogleich eine Statistik daneben, in der zu sehen ist, wieviele Asylbewerber es im Bundesland gibt.

Der SPIEGEL schlägt Alarm, weil Menschen, die in der DDR aufgewachsen sind, solche Ungeheuerlichkeiten von sich geben:

>>Als man uns früher Filme in der Schule oder NVA zeigte, in denen Menschen vorm Arbeitsamt standen, Kinder bettelten, Alte die Abfälle durchwühlten, hatten wir vor Lachen gebrüllt. Alles Propaganda, dachten wir. Heute wissen wir es besser, es war die Wahrheit, und wir sind jetzt ein Teil davon.<<

Diese irregeleiteten Ostdeutschen! Oder noch viel schlimmer:

>>Ich habe keine Probleme damit, dass die DDR verbesserungswürdig war, darum bin ich ja als Erster mit auf die Straße gegangen. Nur dieses Monster BRD habe ich nicht gewollt!<<

Oh, diese Verblendung! Was hat der Kommunismus nur aus ihnen gemacht?

Demokratie ist wenn alle mitmachen Titanic

Blankenburg -> Thale

June 30th, 2009

Erst in wenigen Minuten vier Autos angehalten, die alle nur nach Timmenrode und Warnstedt fuhren, dann fast eine Stunde an dieser Stelle herumgestanden, die früher mal voll praktisch war, mittlerweile aber dank der Anbringung einer Bordsteinkante ohne Bordstein nicht mehr viel hermacht.

Das Ehepaar, das mich dann mitnimmt, versucht Autokennzeichen zu erraten. Als wir einen Chemnitzer vor uns haben - “C wie Karl-Marx-Stadt” -, sagt der Mann, daß ein Arbeitskollege von ihm kürzlich gemeint habe: “Wenn man sich ein Bild von Gott machen wollte, würde das wohl aussehen wie Karl Marx.”

Tag 13 bis 15 der Schreibwochen

June 30th, 2009

Bahnfahren muß bestraft werden, klar: weil die Automaten meine EC-Karte nicht haben wollten, in beide Richtungen Aufpreise (der einzige Geldautomat ist der falsche, zwei Tickets für eine Strecke…); menschliche Megaphone, die auch Ohrstöpsel und mp3-Player übertönen und vor denen zu türmen nur in die Nähe ähnlich lauter Fahrgäste führt.

Hier in Thale ist nun endlich so viel Sommer, daß ich draußen bedenkenlos ohne Regenjacke auf Diktierwanderung gehen kann und dabei sogar ein bißchen Sonnenbrand abbekomme.

Noch fleißiger als ich ist mein MySpace-Bot, der die Zahl “meiner” “Freunde” im Laufe von nur einem Monat von 2000 auf 10000 hochgeschraubt hat. Ob’s was bringt…

Mucke machen!

June 29th, 2009

Ich will unbedingt noch viel mehr Musik machen (bzw. machen lassen), als bei den derzeit schon anberaumten Vorhaben entstehen wird. Also breite ich hier kurzerhand mal ein paar Ideen dazu aus.

Weiterhin verblüfft davon, wie gut “Identität” live funktioniert hat (und daß ich es überhaupt am Stück geschafft habe), male ich mir weitere Kombinationen aus Klingeltonrefrains und Breakbeatgeboller mit Gequatsche aus. Desgleichen stelle ich mir vor, Bad Religion in Breakcore umzugestalten, also gar nicht so sehr als Coverversion, sondern als Adaption der Struktur: diese typischen Chorus-Refrains und die synkopierten Punkbeats für die Strophe, vielleicht läßt sich auch das eine oder andere Riff verwenden. Ein passender Refrain dafür:

There is nothing wrong with capitalism
capitalism is wrong

Oder wenn es musikalisch deutlich angelehnt ist, vielleicht auch sowas wie “There is no good or bad religion”. Auch nicht schlecht: ein Song namens “Bad Science” mit den Refrainzeilen “Absence of evidence is not evidence of absence” und “Existence of evidence is not evidence of existence”. Bei der Gelegenheit könnte man auch anfangen, von den Tracks, bei denen das geht, gleich eine englische UND eine deutsche Version zu produzieren.

Schon länger trage ich die Idee herum, Dubstep und Breakcore miteinander zu verbinden, wobei sich vielleicht die konsequente Fortsetzung des Buffy-Tracks dafür anbieten könnte, ein Song über Willow. Es könnte mit Dubstep beginnen, bis Willow sagt:

Und dann könnte der Breakcore-Part losgehen. “I’m under your spell” als tragende Melodie, der Song könnte “Reading leads to Witchcraft and Lesbianism” heißen. Oder so.

Es gibt noch eine Liste mit mehr als 30 anderen Tracks, die als Ideen unterschiedlich weit gediehen sind. Und es gibt (eben noch keinen) Doob. Und es gibt einen Text, der ziemlich deutlich nach Hip Hop verlangt, hier die Rohfassung:

Seinserweiterung
Bewußtseinserweiterung
so wenig wie möglich arbeiten
Wir hatten doch noch was vor

Nett zueinander sein
Zärtlichkeiten austauschen
die Zeit dafür haben
Wir hatten doch noch was vor

Mitfühlen, ernst nehmen
Rumalbern, Paroli bieten
nicht so wie die Dinge liegen
Wir hatten doch noch was vor

Uns umeinander kümmern
trösten, pflegen, aufrichten
Und die Mittel dazu haben
Wir hatten doch noch was vor

Abweichung & Mutation
einzigartig wenn schon
müssen nirgendwo hingehören
Wir hatten doch noch was vor

Kontemplation
tief in Gedanken
und nächtelang tanzen
Wir hatten doch noch was vor

Von allen Häppchen was probieren
die Nerven fein manipulieren
den Beweisführer hypnotisieren
Wir hatten doch noch was vor

Ja heißt ja
Und nein heißt nein
einvernehmliche Schweinerei
Wir hatten doch noch was vor

Wissen was wir wollen
Und sagen was wir wollen
Und mitentscheiden, daß wir’s kriegen
Wir hatten doch noch was vor

Wo du herkommst, da oder hier
niemand verhungert, niemand erfriert
alle können lernen, was sie interessiert
Wir hatten doch noch was vor

Kapitalverhältnis aufheben
den Staat abschaffen
uns als Klassen selbst aufheben
Wir hatten doch noch was vor

Die Welt vernünftig einrichten
Zu den Sternen aufbrechen
Kommunismus
Wir hatten doch noch was vor

Ich weiß zwar nicht wann, aber ich will das alles aufnehmen. Ich komm vorbei und es geht los.

Friedrich Engels über Snafu

June 28th, 2009

>>Abhängig zu sein, selbst von einer Arbeiterpartei, ist ein hartes Los. (…) Eure “Verstaatlichung” der Presse hat ihre großen Übelstände (…) Ihr müßt absolut eine Presse in der Partei haben, (…) die in der Lage ist, innerhalb des Programms und der angenommenen Taktik gegen einzelne Parteischritte ungeniert Opposition zu machen und innerhalb der Grenzen des Parteianstandes auch Programm und Taktik frei der Kritik zu unterwerfen.<<

Brief an Bebel, 19.11.1892

12. Tag der Schreibwochen

June 27th, 2009

Thale ist der einzige Ort, an dem ich noch mehr Ost-Flashbacks bekomme als in Hohenschönhausen. Ich lese Daniela Dahn und Siegfried Wenzel, blättere im Eulenspiegel und wohne Gesprächen darüber bei, was für eine drollige Minderheit die Christen im Ort sind.

Nun weist mich ein Wessi darauf hin, daß die DDR sogar eine neue CD rausgebracht hat, Titel: “Das war das.”

Tag 11 der Schreibwochen

June 26th, 2009

Jetzt habe ich einen Ausdruck zum Durchschauen. Die ersten vier Kapitel erscheinen mir gar nicht mehr so roh und sind auch weitgehend von Anachronismen bereinigt (wenngleich es sich ja ohnehin im Sinne des Buches um moderne Übertragungen original lateinischer Dialoge handelt). So beginnt der erste Dialog mit dem Philosophen Porphyrios:

Porphyrios: Oh my friend, how long haven’t we met?

Ef: Must be months now.

Porphyrios: That is most unedifying, isn’t it?

Ef: Strange how you of all people wonder about not having seen me for such a long time.

Porphyrios: I must apologize, I’m afraid. In these times, with all the trouble and turmoil in the streets I do not feel all that safe, so I leave the house only for the Academy.

Ef: That’s a pity. I always enjoyed these long talks we had. How they did not have to have a purpose or an end. I wonder, do all my customers stay away because, since Savonarola has risen to power, they are afraid of the monks and the mob?

Porphyrios: So, I am not the only one who isn’t showing up at your’s?

Ef: See, this is the first time I have ever come to your place. I feared I might not see you anymore before I leave town.

Porphyrios: You leave town?

Ef: Listen, until three or four years ago I would have perhaps agreed that we’d be on the way to some universal rule of peace and communion. But, dear Porphy, you cannot watch the inhabitants of this city, known for their renitence and their brightness, handing over their finest things and the most divine of arts to the monks and their children, and tell me we are on the right course, I only have to be patient, the good Empire is growing out of this miserable world.

Porphyrios: I think you are exaggerating the importance of these random acts of charity that the monks are merely helping to occur.

Zwischendrin sehe ich Werners nächstes Buch “Friede sei mit mir (& Dir) - Selber sterben statt gestorben werden” durch, das sich aus zahlreichen Blickwinkeln mit Tod und Freitod beschäftigt. Wie immer hat Werner fleißig Zitate gesammelt, etwa aus Heathcote Williams’ “Immortalist”:

>>Das Universum ist ein Intelligenztest. Was meinen Sie, wieviele Punkte Sie erzielen, wenn Sie sterben?<<

Oder folgenden Ausspruch von Albert Einstein:

>>Ich habe mir fest vorgenommen, mit einem Minimum an medizinischer Hilfe ins Gras zu beißen, wenn mein Stündlein gekommen ist, bis dahin aber darauf los zu sündigen, wie es mir meine ruchlose Seele eingibt: rauchen wie ein Schlot, arbeiten wie ein Tier, essen ohne Überlegung und Auswahl…<<

Julian meldet, daß die Aufschrift dieses Shirts, “Ilmani”, das treffende arabische Wort für “Laizist” ist:

Erstklassiger Kommunismus, frisch von der Kuh!

June 26th, 2009

Suchen Sie Kommunismus?

10. Tag der Schreibwochen

June 25th, 2009

Die kurze Unterbrechung durch einen Arbeitstag in Berlin wird mir willkommen sein, weil ich gerade einen möglichst großen Bildschirm zum Sortieren und einen belastbaren Drucker für die Hardcopy gebrauchen kann. Einen selbstgebastelten Plot, der etwa 2500 Jahre Geschichte der Mittelmeerregion auf den Zeitraum einer Lebensspanne eindampft, über 120 A4-Seiten hinweg auf Konsistenz prüfen, ist an einem 13-Zoll-Notebook-Monitor nicht eben leicht. Außerdem regnet’s, und da kann ich genauso gut auch in Berlin sein.

Für die Trots hat Slavoj Žižek ein Gastposting zum Iran verfaßt, dem ich nicht völlig zustimme (wie das meist so ist mit Žižek), das aber bemerkenswerte Passagen enthält (wie das eben meist so ist mit Žižek):

>>Finally, the saddest of them all are the Leftist supporters of Ahmadinejad: what is really at stake for them is Iranian independence. Ahmadinejad won because he stood up for the country’s independence, exposed elite corruption and used oil wealth to boost the incomes of the poor majority – this is, so we are told, the true Ahmadinejad beneath the Western-media image of a holocaust-denying fanatic. According to this view, what is effectively going on now in Iran is a repetition of the 1953 overthrow of Mossadegh – a West-financed coup against the legitimate president. This view not only ignores facts: the high electoral participation – up from the usual 55% to 85% - can only be explained as a protest vote. It also displays its blindness for a genuine demonstration of popular will, patronizingly assuming that, for the backward Iranians, Ahmadinejad is good enough - they are not yet sufficiently mature to be ruled by a secular Left.<<

Ansonsten erinnert mich Žižeks Position an den Ostwitz: "Vor zwanzig Jahren haben die Ostdeutschen eine Revolution gemacht, seitdem erklären ihnen die Westdeutschen warum." Žižek dürfte mit seiner Betonung des Transformations-Moments eine wichtige Quelle sein, wenn ich mir irgendwann noch mal den Systemausfall von 1990 gründlicher vornehmen sollte. (Projekt Nummer 12 auf der Liste.)

Ein neuer MySpace-Freund, dessen Vater mal in einer Band spielte, die ein Album mit RAWilson aufnahm, wies mich auf ein Verzeichnis mit Wilson-Audio hin (in dem auch die Songs dieser Chocolate Biscuit Conspiracy zu finden sind) - könnte gutes Samplematerial enthalten, zum Beispiel für Bush Shot JFK.

8. und 9. Tag der Schreibwochen

June 24th, 2009

Yay, alles abgetippt! An einem angemessen diskordischen Datum (23.6.2009)… Wie gesagt, alles noch zu roh, als daß meine Eitelkeit es erlauben würde, Proben zu posten. Stattdessen zeige ich ein Bild vom Schauplatz des vorletzten Kapitels, dem osmanischen Hammam in der Nähe des Artemisions:

Hamam of Asayolük

Es gibt mehr von Hitchens über den Iran zu lesen (ich habe ja nebenbei “God Is Not Great” durch und werde demnächst dazu was posten).

Und der liebe Wetter hat die Grünen verlassen: “Vielleicht hört man mir ja mehr zu wenn ich außen stehe.” Dabei bezieht er sich erfreulicherweise auf meine jüngsten Ausführungen: “Ich will mit diesem Kommentar nicht mit Schlamm werfen, sondern wende das SNAFU-Prinzip an, s. Daniel Kulla.”

Ich hingegen: ab in die Heia, verdammt.

Tag 6 und 7 der Schreibwochen

June 22nd, 2009

Gut vorangekommen, so gut vorangekommen, daß ich endlich auch eine Mehrheit im Kopf fürs Ausschlafen gefunden habe. Ich hab jetzt zu allen Kapiteln den gesamten Dialogverlauf diktiert, alles weitere ist sozusagen weitestgehend wetterunabhängig, auch wenn ich vielleicht der einen oder anderen Passage wegen noch mal kurz im Wald ein paar Gedanken einatmen gehen werde. In den nächsten Tagen dürfte es also endlich auch ein paar Lesepröbchen geben, wenn ich mit dem Abtippen und Anordnen soweit fertig bin (hoffentlich morgen) und mich ans Ausformulieren, Ausmalen und Verzieren machen kann. Jetzt ist das allermeiste noch zu roh.

Ef: I must admit that, in a long time, you are the first ones that really seem to engage in something like a debate with me. I highly appreciate that. You kept the spirit.

Kimon: Debating made us strong. We did not fall because of this but because of Spartan betrayal, because of the ones who surrendered and ran away, and because of a wrong perception of the enemy.

Ef: All the alleged bugs were features.

Bei den letzten beiden Kapiteln machte es besonders viel Spaß, Aenesidimos seine Ten Tropes aus dem Gespräch entwickeln zu lassen und die - wohl eher nur in diesem Buch - feminist self-empowering story davon zu erzählen, wie Artemis zur unabhängigen Jägerin wurde.

Aus der Außenwelt wird mir zugetragen, daß es die neuen Monochrom-T-Shirts mit dem “Schreibfehler” (unkultur) gibt, für deren öffentliches Tragen mir bereits Geschenke und Gefälligkeiten angeboten wurden:

Monochrom Man spricht antideutsch

Außerdem hat Jonathan McIntosh einen Videomix aus Buffy und Twilight gecuttet, in dem Buffy mit Edward Cullen konfrontiert wird und angemessen reagiert:

(via johl & hairinmysoup)

4. und 5. Tag der Schreibwochen

June 20th, 2009

Jetzt bin ich an dem Punkt, wo ich zwar diktiere, übertrage, montiere und schreibe, bis der Kopf wund ist, wo es aber auch immer mehr von selbst geht. Obwohl im Haus viel passiert, wir Familienbesuch haben und wichtige Nachrichten hereindringen, bin ich zu vertieft ins Buch um hier viel auszubreiten: das gute alte Schreibparadox! Wenn es viel zu berichten gibt, komme ich nicht dazu; wenn ich viel dazu komme, gibt’s auch nicht viel zu berichten.

200.000 Menschen waren beim Sachsen-Anhalt-Tag hier in Thale, drei Stunden zog ein Festumzug an Tausenden von ihnen vorbei, dennoch nahm offenbar niemand Anstoß daran, daß eine der Trachtengruppen in Wehrmachts- und SS-Uniformen herumlief. (Hier ein Video davon.) Dem Vernehmen nach - da auch US-Soldaten in Uniformen des Zweiten Weltkrieges dahinterliefen - sollte hier das Kriegsende dargestellt werden und die verfassungsfeindlichen Symbole waren abgeklebt.

Gestern wurde vom Bundestag die Gewaltenteilung aufgehoben, und der Bundestagsabgeordnete Jörg Tauss, der wegen der Einführung von Internetzensur von der SPD zu den Nachwuchs-Sozis von der Piratenpartei wechselt, wird auf Nachrichtenseiten zumeist als “unter dem Verdacht der Kinderpornographie” stehend ausgewiesen.

Zu Iran kann ich nur unoriginell empfehlen, den Genuß von Fernsehnachrichten zugunsten von Twitter einzustellen, sowie auf die Erklärung der Workers’ Communist Party of Iran (”The battle you see unfolding on the streets of Iran is not about the farce of an election”) verweisen und auf einen Kommentar von Hakmao bei den Trots:

>>Fuck Ahmedinajad. Fuck Mousavi. Fuck Khamenei and the entire apparatus of state brutality and repression. It is well past time for them to go.<<

In Hamburg hieß es heute:

>>Weder Mousavi noch Ahmadinejad, für die soziale Revolution – für den Kommunismus!<<

3. Tag der Schreibwochen

June 18th, 2009

Der Schlafrhythmus ist voll im Eimer, gestern mit die Elterns aus ihrem 37. Hochzeitstag in Papas 60. Geburtstag hineingetrunken, begleitet von “Anything Else” im Fernsehen, dann bis nach 6 am 2. Troia-Dialog rumgebastelt und auch endlich mal kapiert, wie man Rise of Mankind wirklich gewinnen kann. Heute um 11 wieder aufgestanden und zur Georgshöhe gelaufen, dabei Verfeinerungen für den 3. Troia-Dialog
diktiert. Bevor ich sie vollständig übernehmen konnte, gingen die Geburtstagsfeierlichkeiten weiter bzw. los, von denen ich mich erst nochmal zum Weiterschreiben zurückzog, dann aber doch dabeiblieb, bis “Schatten und Nebel” im Fernsehen losging.

Hier mal die Übersicht über die Dialoge, damit das Mitverfolgen was bringt - ganze Kapitel poste ich erstmal noch nicht…

  • Prefatory words.
  • FIORENTIUM.

  • First Dialogue. Porphyrios the Philosopher.
  • Second Dialogue. Michael the Rhetorician.
  • Third Dialogue. Amato the Monk.
  • TROIA.

  • First Dialogue. The Compagniacci in the Tavern.
  • Second Dialogue. Tchen the Roma on the way to Ancona.
  • Third Dialogue. Kimon the Seafarer on the way to Istanbul.
  • BABEL.

  • First Dialogue. Rabbi Ithamar.
  • Second Dialogue. Thrasybulus the Merchant.
  • Third Dialogue. Vizier Cenk.
  • EPHESOS.

  • First Dialogue. At the Hammam.
  • Second Dialogue. Artemis.
  • Zwischendrin Ablenkungen: eine Interviewanfrage zu einem Beitrag über den CCC (immer noch wegen des Wau-Buchs, immer noch wegen der wohl ähnlichen Informantenlage wie damals), eine weitere zu Verschwörungstheorien - das geht jetzt alles gerade nicht. Seltsam: Jemand meinte wegen dieser Terminankündigung, ich sei Sozialwissenschaftler mit Schwerpunkt Feminismus.

    Zum Iran meldet sich Wendy mit der These, dort wäre eine “Aufstandsbewegung von enttäuschten Islamisten” zu beobachten. Lysis kontert mit Revolutionstheorie. In Hamburg heißt es einfach: “Zerschlagt die Islamische Republik Iran!”

    Erfreulich: Mila Stern hat mich eingeladen, vor dem Double Feature in Halle am 1.8. wieder bei Radio Corax auf einen Plausch vorbeizuschauen (das Interview vorm letzten Gig im Herbst)

    Ostschrippen im Lindencenter

    2. Tag der Schreibwochen

    June 16th, 2009

    Der Rückzug funktioniert bisher nur teilweise, da ich nicht mit allen Erledigungen ganz fertig geworden bin, bevor ich herkam und da ich mich doch recht viel im Netz rumtreibe, nicht zuletzt wegen der Entwicklungen im Iran. (Dazu z.B. der Kommentar von Christopher Hitchens bei Slate.)

    Heute finden in Berlin zwei Demonstrationen unter dem Motto “Freiheit statt Islamische Republik! Für einen säkularen und demokratischen Iran!” statt, die erste um 14 Uhr vor dem Auswärtigen Amt und die zweite um 19 Uhr vom Adenauerplatz zur Gedächtniskirche. In Leipzig wollte Stop The Bomb gegen den angekündigten Auftritt des iranischen Botschafters protestieren, wird jetzt nach der Absage dieses Termins um 19.30 Uhr in der Aula der Alten Nikolaischule eine Diskussion mit dem Titel “Mit wem reden? Der sogenannte ›kritische Dialog‹ und das iranische Regime” veranstalten.

    Was sonst noch passierte: Ulrich Wickert über Karl Marx.

    Und ich laß mal Netz das Netz sein und widme mich wieder der Gedankenwelt der Roma, dem athenischen Flottenproletariat und dem leidigen Byzanz.

    1. Tag der Schreibwochen

    June 15th, 2009

    Mit all den Büchern im Gepäck zog ich es vor, mal wieder mit der Bahn zu fahren und durfte einem betrunkenen älteren Mann in Humboldt-Uni-T-Shirt beiwohnen, der sehr laut Dinge rief wie: “Ich kann jedes Sozialsystem innerhalb von 14 Tagen fertigmachen. Schickt mich nach Afghanistan und in 14 Tagen ist da alles fertig! Aber mich will ja keiner…” Nach einer Weile setzte sich ein Geisteswissenschaftler zu ihm, der mit Einlassungen zu Goebbels und dem Zweiten Weltkrieg, zur DDR und Überwachungstechnik weitere lautstarke Ausbrüche hervorrief.

    In Thale ging, als ich ankam, gerade der Sachsen-Anhalt-Tag zu Ende, und zwar damit, daß 350 im Laufe des Abends zusammengerufene Hexen und Teufel sich im Kurpark zwischen Sleipnir und dem Mahnmal für die Opfer des Faschismus sammelten und die Hexen ihre Besen in die Luft reckten.

    Entsprechend sahen auch die Plakate aus, mit denen die Kirche ihre Aktivitäten während der Festlichkeiten bewarb:

    Kirche in der Minderheit

    Elsässer beglückwünscht Ahmadinedschad mit folgenden Worten:

    >>Hat jemand die Girlies gesehen, die da in bestem Englisch in die Mikrofone von CNN und BBC heulen? Das sollen die Repräsentanten des iranischen Volkes sein, oder auch nur der iranischen Opposition? Da lachen die Hühner im Capitol! Hier wollen Discomiezen, Teheraner Drogenjunkies und die Strichjungen des Finanzkapitals eine Party feiern. Gut, dass Ahmidenedschads Leute ein bisschen aufpassen und den einen oder anderen in einen Darkroom befördert haben.<<

    Mir hingegen wird ungefragt kommunistische Seelsorge zuteil:

    >>leg dich doch selbst auf die couch und frag dich warum du mit deinem ddr-schul-englisch über musik nuschelst, die zur provinziellen elendsverwaltung dazugehört, wie squats, tafeln und alg2-beratungsstellen. weil du nichts anderes kannst?<<

    Ich war heute schon solange draußen, wie es das Wetter zuließ, und hab am 5. Dialog weitergebastelt, in dem Ef mit dem Roma Tchen unterwegs nach Ancona ist.

    Tchen: Why are you going back to Ephesos?

    Ef: There is so much history that hasn’t been told while there is even more that’s been and being invented - I have to sort it all out for myself, as far as I can do. I am sure you can tell me much.

    Tchen: Yes, we used to entertain all the country from the North Sea to Africa, from the Hellespont to Portugal. Now that they drive us out of more and more towns, it seems as if not only the joy leaves with us and these plenty of stories we carry leave with us, we fear that our own story will soon vanish as we have hardly anyone to tell it to who could write it down. They won’t listen.

    Ef: The good folks don’t want to be disturbed.

    State of the Blog Address

    June 13th, 2009

    In den nächsten Wochen passiert das, was vor ziemlich genau sechs Jahren bereits die Idee eines Blog nahelegte: Als ich im Sommer 2003 zum Schreiben des Wau-Buchs “Der Phrasenprüfer” (und zur Verfertigung der Übersetzungen von Paco Xander Nathan sowie meines ersten Sukultur-Heftes “Aus der Produktion”) nach Thale fuhr, ließ ich mittels fast täglicher Rundmails Freunde und Bekannte am Fortgang der Schreiberei und an den Begleitumständen teilhaben. Diese Rundmails habe ich heute auf Arbeit ins Blogarchiv eingepflegt und allesamt mit dem Tag ‘Schreibmonat’ verschlagwortet. Wer mag, kann sie also (noch mal) komplett nachlesen:

    -> Rundmails aus dem Schreibmonat 2003 <-

    Ob ich nun neben der Schreiberei an “Going back to Ephesos” in ähnliche Plauderlaune verfalle oder gerade nicht, kann ich noch nicht abschätzen. Sicher wird es aber wie 2006 bei der Abfassung der “Entschwörungsthoerie” Lesepröchen geben.

    Vielleicht flutschen auch (wieder) andere Texte mit durch - im Draft-Ordner liegen noch Postings wie “Wie ich bei den Antideutschen landete” und “Wie ich beim Breakcore landete”, eins zu Thale als linguistischem Biotop und auch der eine oder andere Songtext-Entwurf (”Wir hatten doch noch was vor”).

    Teufelsmauer bei Weddersleben

    Rasthof Bruchsal -> Berlin

    June 13th, 2009

    Leicht verspäteter Trampbericht, das Geschehen spielte sich am Sonntag auf der Rückreise von Basel ab. Die Bajasch fuhr mich bis nach Bruchsal (weil sie nicht in Freiburg hinter einem Polizeiauto auf den Rasthof einbiegen wollte), dort aßen wir was und ich stand gegen 19 Uhr an der Ausfahrt in der Sonne.

    Ich ließ ein paar Kurzstrecken (Heidelberg, Frankfurt, Heilbronn) weiterfahren, zwei Autos fuhren auch einfach falsch (Koblenz), dann hielt aber ein Neapolitaner auf dem Weg nach Neubrandenburg, von dem ich mich gern eine Weile über die Welt der Dekorationsmalerei, über deutsche Bürokratie und die süditalienische Halbwelt zutexten ließ. (Immerhin will ich demnächst mal jemanden in Neapel besuchen…)

    Er hatte angekündigt, nicht am Stück durchfahren zu wollen, ich war ohnehin drauf eingerichtet, erst am Morgen anzukommen; als er dann kurz vor Kassel meinte, daß er sich doch lieber ein Hotel sucht, kam ich doch etwas aus dem Konzept, denn einerseits waren wir durch ein beeindruckendes Unwetter gefahren, das nicht allein gekommen zu sein schien, und andererseits brach just erst die Nacht herein, als ich am bekanntermaßen etwas ungünstig geschnittenen Rasthof Kassel zu stehen kam.

    Aber da stand ich ja auch nicht lang, während es noch dunkler wurde, wurde ich von einem Karlsruher nach Göttingen mitgenommen, wo ich feststellte, daß der Mond die Nacht trotz der Unwetter weiter erhellte.

    Der erste Mann, den ich in Göttingen fragte, meinte, er würde in den Harz fahren, es wäre aber ohnehin Vollsperrung auf der A7. Der zweite Mann war ein türkischer Autohändler aus Kreuzberg, der wenig sprach, mich auch nur wenig verstand, aber in angenehmen Abständen angenehm kurze Pausen machte und mich um drei am Kotti absetzte.

    “Egal wie schnell ich laufe, ich komme einfach nicht nach.”

    June 10th, 2009

    >>Sie sollen ständig erreichbar sein, verspüren einen brutalen Leistungsdruck - und brechen schließlich unter Weinkrämpfen zusammen: Immer mehr Menschen werden durch die Arbeit psychisch krank.<<

    SZ: Kollaps am Schreibtisch (via Prüfi)

    konkret

    June 10th, 2009

    Gremliza:

    >>Sie [die Welt] dem pursuit ihrer happiness zugänglich zu machen und zu halten, ist der Auftrag aller amerikanischen Politik. Manchmal fällt dabei für die Menschheit Erfreuliches ab, wie die Liquidierung des “Dritten Reiches”, oft Unerfreuliches, wie die Ermordung von zwei Millionen Vietnamesen, meist aus diesem und jenem Gemischtes.<<

    Im Interview fragt Jutta Ditfurth zunächst: "Was ist Kommunismus jenseits des Stalinismus, jenseits der "realsozialistischen" Kommandowirtschaften sowie der national bornierten Politik etwa der musealen Kommunistischen Plattform der Linkspartei?" Dann ist aber im Anschluß an Lenin das Problem am Kapital schon wieder, daß es "'überschäumt, ins Ausland strömt' und überall 'Chaos und Krisen' anrichtet." Obwohl sie zugibt, daß die Krise in der lieben Bevölkerung eher in Richtung Volksgemeinschaft ausschlagen dürfte, will sie sie "aus dem Trott" reißen, wir "müssen das Risiko eingehen."

    Illustration für meine Kritik an der Religionskritik liefert weiter hinten im Heft Fritzi Busch, die über den Zusammenhang von Kapitalismus und Religion meint, "daß nur die Entmündigung und Ausbeutung der Massen es einigen Irren erlaubt, ihre kostspieligen Psychosen auszuleben."